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Sonntag, 26. April 2026

19:19 Warum ich aufgehört habe, meine Texte zu glätten

Bild Google Gemini

Heute ein Blick in die Künstlerwerkstatt für meine Novelle. Meine Novelle, an der ich immer schreibe. Alles Rohtext, aus dem ich später etwas anderes mache. Oder nicht. Wie es sich anfühlt. Dem Erzähler will ich folgende Worte aus der Seele sprechen lassen.

—

19:19 Leute in Deutschland, die sich für vollkommen normal halten, haben gegenüber meiner Art der Existenz, eine tief angelegte Feindschaft. — Die sich passiv-aggressiv äußert.

Warum sich Wahrheit immer äußert? Nehmen wir das Beispiel: Medien manipulieren uns auf eine sehr persönliche Weise. Es gibt Leute, die das mit tiefer Inbrunst bestreiten werden. Sie werden dich aus ihrem Leben werfen. Sie werfen dich aus ihrem Leben wie einen Gegenstand, der nicht in ihr Regal passt. — Weil wir fair sind: wir lassen es sie machen. Und schreiben das Beispiel weiter.

Es gab eine Zeit, in der ich die Berichte über gerade "hereingebrochene" Kriege in aller Welt.. Die, die in den Medien wichtig sind.. Ich hielt sie für 100% real. Natürlich stand ich auf "der richtigen Seite". — Heute erscheint es mir wie eine mediale Welle, die durch die Hirne der Leute gepresst werden soll. Mit aller Wucht. Man spürt physisch, wie das Hirn zu einer Empfangsantenne wird. Nicht für Wahrheit. Für Rhythmus.

Da vor Jahrzehnten — der dumme Mensch gewesen zu sein, erschuff das Potential heute, es wie eine gut geschmierte Medien-Maschinerie zu erleben. Es ist bewundernswert, wie viel Energie Menschen in die Maschinerie stecken. Die alten Pyramiden in Ägypten fallen mir dazu ein. — Ja, das war ein Bewusstsein in völliger Dissoziation zu dem kollektiven Wesen, was die passiv-aggressiven Leute in Deutschland, die sich vollkommen für normal halten, mit innerem Eifer bilden. Dieses Wesen atmet nicht. Es taktet.

Aber ich war frei. Wie Colonel Kurtz aus Apocalypse Now: "Die größte Freiheit ist die Freiheit von der Meinung anderer." — Frei sein von Meinungen ist nicht schön. Es ist, als stünde man in einem leeren Raum und alle Wände sind plötzlich durchsichtig.

—

Ich lese den Satz noch einmal. Zu pathetisch? Ja. Aber roh soll er bleiben. Ich streiche später. Oder nicht. Jedenfalls – ich schalte den Bildschirm aus. Die Nachbarn streiten nebenan. Normales Leben. Ich hole Müll raus. Alles geschlossen in die schwarze Tonne. Habe nicht viel.

Freitag, 3. April 2026

Gnus oder: Warum ich meinen Email-Client als Lebensform betrachte

Vorbemerkung

Dieser Essay ist ein Übungsstück. Wie alle meine Texte. Er entstand an einem Freitag, dem fünfundachtzigsten dieser Serie, und er handelt von einem Programm, das älter ist als die meisten Menschen, die heute Software entwickeln.

Es handelt von Gnus.

Bild: Googlo Gemini


Wer Gnus nicht kennt, wird diesen Text wahrscheinlich nicht verstehen. Das ist gut. Denn wer ihn versteht, gehört zu einer kleinen Gilde von Menschen, die sich entschieden haben, Dinge anders zu machen. Nicht weil es einfacher ist. Sondern weil es richtiger ist.

Was ist Gnus?

Gnus ist ein Newsreader. Ursprünglich geschrieben 1987, um Usenet-Newsgroups zu lesen. Später kam Email dazu. Viel später wurde es zu einem Monster: einem Programm, das alles lesen kann. Mail. Newsgroups. RSS-Feeds. Archive. Dateien.

Gnus läuft in Emacs. Natürlich.

Es hat keine grafische Oberfläche im modernen Sinne. Keine Buttons. Keine schwebenden Menüs. Keine animierten Übergänge. Es hat eine Gruppenübersicht, eine Zusammenfassung und einen Artikelbuffer. Mehr braucht es nicht.

Gnus ist hässlich. Es ist kompliziert. Es ist übermächtig. Und es ist das beste Programm, das ich je benutzt habe.

Was, wenn Gnus nicht "hässlich" ist - sondern wir verlernt haben, Schönheit in Komplexität zu sehen? Was, wenn die ASCII-Bäume schöner sind als jedes geschweifte Icon?

Die steilste Lernkurve

Ich habe über Common Lisp geschrieben: Wähle den Weg mit der steilsten Lernkurve. Meistere sie und dann hast du was gelernt.

Gnus ist dieser Weg.

Die Dokumentation umfasst tausende Seiten. Die Konfiguration ist ein eigenes Projekt. Die Tastaturkürzel sind so zahlreich, dass man sie nicht lernen, sondern nur erleben kann.

Am Anfang scheitert man. Man konfiguriert einen IMAP-Server, und Gnus zeigt nichts an. Man stellt die authinfo ein, und es fragt trotzdem nach dem Passwort. Man richtet das Senden ein, und die Mails verschwinden im Nirgendwo.

Das ist normal.

Die steile Lernkurve ist kein Bug, sondern ein Feature. Denn sie filtert. Sie filtert diejenigen, die es wirklich wollen, von denen, die nur einen Email-Client suchen.

Die Elfen von Gnus

Irgendwann passiert es: Man schreibt M-x gnus, und die Gruppenliste erscheint. Man öffnet eine Gruppe, und die Threads entfalten sich als ASCII-Bäume. Man drückt RET, und der Artikelbuffer füllt sich mit Text.

In diesem Moment hört man sie: die Elfen von Gnus.

Sie klingen anders als die Common-Lisp-Elfen. Älter. Weiser. Sie tragen Bärte aus Tastaturkürzeln und sprechen in RFCs. Aber sie haben das gleiche, grundlose Lächeln.

Warum Gnus?

Warum benutzt man einen Newsreader aus 1987 für Email?

Die kurze Antwort: Weil es funktioniert. Gnus behandelt alles als news. Ein IMAP-Ordner ist eine Newsgroup. Ein RSS-Feed ist eine Newsgroup. Ein Archiv ist eine Newsgroup. Man braucht kein anderes Programm, keine Synchronisation, keine Umwege. Nur Gnus.

Die längere Antwort: Weil Gnus die richtige Philosophie hat. Es geht nicht darum, schnell zu sein. Es geht nicht darum, hübsch zu sein. Es geht darum, dass ich die Kontrolle habe. Jeden Aspekt. Jede Farbe. Jede Tastenkombination. Jeden Thread.

Die längste Antwort: Weil ich in einer Welt lebe, in der alles vereinfacht wird. Apps, die mir sagen, was ich lesen soll. Filter, die entscheiden, was wichtig ist. Algorithmen, die mich managen. Gnus macht das nicht. Gnus zeigt mir alle Gruppen. Alle Threads. Alle Mails. Ich entscheide.

Die Konfiguration

Ich zeige nicht meine gesamte ~/.gnus. Sie ist zu lang, zu persönlich. Aber die Struktur ist einfach:

;; Der Hauptserver. Direktes IMAP. Kein mbsync, kein offlineimap.
(setq gnus-select-method
      '(nnimap "mein-server"
	       (nnimap-address "imap.meine-domain.de")
	       (nnimap-server-port 993)
	       (nnimap-stream ssl)))

;; Zweitaccounts. Gmail. Mailinglisten über nntp.
(setq gnus-secondary-select-methods
      '((nnimap "gmail"
		(nnimap-address "imap.gmail.com")
		(nnimap-server-port 993)
		(nnimap-stream ssl))
	(nntp "gmane"
	      (nntp-address "news.gmane.io"))))

;; Passwörter. Verschlüsselt. Einmal eingerichtet.
;; ~/.authinfo.gpg enthält die Zugangsdaten.

;; Senden über msmtp. Ausgelagert. Einfach.
(setq send-mail-function 'sendmail-send-it)
(setq message-send-mail-function 'sendmail-send-it)
(setq sendmail-program "/usr/bin/msmtp")

Das war die erste Woche.

Danach kam die Ästhetik:

(setq gnus-summary-line-format
      "%U%R%z %(%&user-date;  %-15,15f  %B (%c) %s%)\n")
(setq gnus-sum-thread-tree-root "● ")
(setq gnus-sum-thread-tree-false-root "○ ")
(setq gnus-sum-thread-tree-single-indent "  ")
(setq gnus-sum-thread-tree-leaf-with-other "├► ")
(setq gnus-sum-thread-tree-single-leaf "╰► ")

Das war die zweite.

Der Alltag mit Gnus

Jeden Morgen: M-x gnus. Die Gruppenliste erscheint. J S für neue Gruppen. L für alle Gruppen mit ungelesenen Mails.

Die Übersicht: INBOX (23). gmane.emacs.gnus.general (5). RSS (12).

Ich öffne INBOX. Drücke A T, um alle Threads zu zeigen. Sehe wer geantwortet hat. Wer nur zitiert. Wer wirklich etwas zu sagen hat.

Ich lese. Drücke d für gelesen. ! für wichtig. C-d für gelöscht. # für später.

Ich antworte. R für Reply. C-c C-c für senden. Alles im selben Buffer.

Das klingt nach Arbeit. Ist es auch. Aber es ist meine Arbeit. Kein Algorithmus hat entschieden, was ich sehe. Keine künstliche Intelligenz hat Mails sortiert. Kein Manager hat mir eine Strategie vorgegeben.

Ich lese, was ich lesen will. Ich antworte, wem ich antworten will. Ich archiviere, was ich archivieren will.

Die stille Radikalität

Gnus ist radikal. Nicht weil es politisch wäre. Sondern weil es die Logik der modernen Welt verweigert.

Die moderne Welt sagt: Mach es einfach. Gnus sagt: Lerne es.

Die moderne Welt sagt: Sei effizient. Gnus sagt: Sei gründlich.

Die moderne Welt sagt: Folge den Best Practices. Gnus sagt: Baue deine eigenen.

Gnus ist das Werkzeug des Amateurs im ursprünglichen Sinne: amare, lieben. Ich liebe dieses Programm, weil es mich zwingt, langsamer zu sein. Weil es mich zwingt, nachzudenken. Weil es mich zwingt, zu entscheiden.

Warum ich diesen Text schreibe

Ich schreibe diesen Text nicht, um jemanden zu überzeugen.

Wer mit Emacs arbeitet, findet früher oder später zu Gnus. Oder auch nicht. Die meisten bleiben bei mu4e oder notmuch. Das ist gut. Jeder seine eigene steile Lernkurve.

Ich schreibe diesen Text, weil ich etwas festhalten will. Einen Moment. Eine Entscheidung.

Ich habe mich entschieden, meinen Email-Client nicht als Werkzeug zu betrachten. Sondern als Lebensform. Als Ausdruck einer Haltung, die sagt: Ich lasse mich nicht managen. Ich lese selbst. Ich entscheide selbst. Ich antworte selbst.

Gnus ist mein silbernes Gewand. Es ist nicht bequem. Es ist nicht modern. Es ist nicht einfach.

Aber es ist meins.

Post scriptum

Einmal fragte mich jemand: Warum machst du das?

Ich zeigte ihm meine Gruppenliste. Die ASCII-Bäume. Die tausend Tastaturkürzel. Das Lächeln der Elfen, das sich in jedem Buffer verbirgt.

Er verstand nicht.

Das war der Moment, in dem ich wusste, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Die Postapokalypse hat erst begonnen. Die Frage ist nicht, welchen Email-Client du wählst. Die Frage ist: Welches Volk wählst du?

Die Elfen von Gnus warten. Ihre Klammern sind die Pforten.

M-x gnus

Anhang: Minimales Setup

Für diejenigen, die es doch versuchen wollen:

  1. ~/.gnus mit den drei obigen Blöcken
  2. ~/.authinfo.gpg mit den IMAP-Zugangsdaten
  3. msmtp installieren und ~/.msmtprc konfigurieren
  4. M-x gnus drücken und warten

Die ersten drei Tage sind frustrierend. Die nächsten drei Wochen sind verwirrend. Danach willst du nichts anderes mehr.

Das verspreche ich nicht. Aber die Elfen versprechen es.

Dieser Beitrag ist der zweite Teil meiner Serie über gute Computerkultur. Den ersten Teil mit Common Lisp findest du hier.

Donnerstag, 26. März 2026

Angriff der AI-Texte (2) - Gedankenkarambolage

Bild: Google Gemini


Der folgende Text ist eine - versprochene - Fortsetzung des Essays Angriff der AI-Texte(1) -> LINK hier. Der Artikel ist bewusst notizbuchartig, da es sehr viel für nur einen Artikel ist, und ich das Thema durch haben will. Platz für neue Inspirationen.

Was bisher geschah?

Ich wollte die beiden exotischen Programmiersprachen Forth und Pharo testen. Beide Sprache bieten Live-Programming. Beide Sprachen sind alt. Wobei ich mit Pharo am Ende die Programmfamilie Smalltalk meine. Smalltalk ist Programmiergeschichte, während Pharo.. na ja warten wir noch mit der Beurteilung.

Dabei traf ich auf zwei, sehr aktuelle Bücher:

  1. Forth Fundamentals
  2. Pharo Essentials
  3. Beide Bücher vom selben Autor: Robert Johnson. Derselbe Verlag: HiTeX Press Verlag.
  4. Beide Bücher über absolute Nischenthemen! Und wer den Buchkatalog vom HiTeX Press Verlag einsieht: Lauter wirklich exotische Nischenbücher, wo ein Nerd schon reflexartig zugreifen würde. Immer der Autor Robert Johnson! Ein Verlagspseudonym?
  5. Beide Bücher sind aktuellem Datums. Letztes Jahr. Wann wurde das letzte Buch über Forth geschrieben? Das sind Bücher weit mehr als 10 Jahre alt!

Meiner Erfahrung nach, kann es so viel Zufall bei diesen Themen nicht geben. Es wurde noch schöner: Das Design der Bücher war auffallend angenehm. Sie sprachen mein ästhetisches Gefühl an. Ich las im Vorwort und die Wörter prasselten nicht nur an mir vorrüber. Nein, ich schwamm mit ihnen. Die Formulierungen sind für ein IT-Buch zu verschwenderisch. Fühlte sich alles zu perfekt an.

Ich fand einen interessanten Artikel zu dem Theme Robert Johnson und dem HiTeX Press Verlag: LINK hier. In diesem Artikel wird der Verdacht einer maschinellen Erstellung solcher Bücher durch moderne AI geäußert. Folgender Satz blieb besonders hängen:

What if the book is being sold and no one has ever read it?

Seitenweise Text, von der AI ausgespuckt, und keiner hätte ihn je gelesen. Waren die Bücher tatsächlich AI-generiert? Das würde sich bei den Programmbeispielen zeigen. Die würden oft auf AI-Halluzinationen beruhen. Das bestätigte sich beim Lesen des Forth-Buches. War kaum zu gebrauchen. Zumindest nicht als Einstiegsliteratur. Klar, als Freak kann man solche Texte auf Fehler hin lesen. Das bildet ja auch. Aber den Anfänger macht es paranoid.

Ich war enttäuscht. Andersherum war die Geschichte lehrreich, wie meine Psyche auf diese vermeintlichen "Glücksgriffe" reagierte. Wer will schon alte, verstaubte Bücher lesen, wenn es moderne, schön bunte im Design gibt? Aber: Deren Eloquenz am Ende nur ein Substrat der vielen, alten verstaubten Bücher ist. Die Code-Beispiele fehlerhaft. Ein schönes, poppiges Fake-Gefühl. Das Lebensgefühl der 2020'er. Denn Deep-Fakes sind überall.

Wie bereits gesagt, aus dem HiTeX Press Verlag gibt es eine ganze Armada an Fachbüchern zu Nischenthemen. Sogar ein Schemacs-Buch. Verführerisch? Für mich nicht mehr. Ich rate ab, beim HiTeX Press Verlag ein Buch käuflich zu erwerben. Damit hat mein heutiger Essay bereits sein Ziel erreicht.

Bücher sind Tore zu anderem Denken

Die Fake-Bücher haben aber einen Prozess in mir angestoßen: Wie schreibe ich AI-Bücher, richtig? Das ist ein wichtiges Thema geworden und regelrechte Glaubenskämpfe werden in sozialen Medien gekämpft, die härter und verbissener werden. Die typische Schwarz-Weiß-Sicht der Welt der sozialen Medien. AI ist böse? AI macht dich zum Millionär? Weder noch. Aber ich fange klassisch mit der Dystopie an. Warum sind AI-Texte gefährlich?

Eine düstere Epoche der AI-Texte

Das Dilemma der AI-Epoche ist: Ein intelligenter Leser ersetzt den Autor AI-geschriebener Texte durch die AI selber. Daraus folgt, dass kein Autor ist mehr notwendig ist, um den Leser zu seinem Lesevergnügen zu bringen. Stimmt das? Nicht ganz. Autoren von nicht-AI-geschriebenen Texten sind der Logik nach nicht ersetzbar. Weil dem AI-Texten eines fehlt: Das Notizbuch immer griffbereit zu haben. Selbst beim Duschen, um kreative Einfälle sofort zu notieren. Also genau das, wo Scheitern erlaubt und Lachen heiligt. Zauber der Unmittelbarkeit. Präziser gesagt: AI-Texte haben keine Authentizität.

Werden AI-gewöhnte Menschen nach sperrigen menschen-geschriebenen Texten fragen? Sie könnten fragen, warum menschen-geschriebene Texte gefährlich sind? Sie könnten Fake-News enthalten, könnten falsche Gedanken bringen, könnten feindliche Propaganda sein. Vor allem könnten sie den Leser wieder so ernst nehmen, wie er gar nicht mehr ernst genommen werden soll oder will. Die Vorteile der AI-Welt. Anpassbar. Was nicht mehr passt, wird passend gemacht. Geschichte verschwindet, andere Geschichte poppt auf, wie die bunten Bücher aus dem HiTeX Press Verlag. Das sind die Vorteile der AI-Texte in ihren Nachteilen. Die Dynamiken sind da. Wir müssen sie zur Kenntnis nehmen.

Daher: Das Internet als öffentlich kuratierter Ort wird eine Wüste von AI-Texten werden, die den Leser hauptsächlich in Auffassungen über die Welt bestärken, die nicht wirklich seine eigenen sind. Sie ermöglichen keinen Denkprozess. Einen Verstehprozess, der zunehmend obligatorisch wird, um weiter "dazuzugehören".

Das ist keine tolle Aussicht. Mein Lebensgefühl: Ich fühle mich nicht in einem goldenen Internet-Zeitalter (das ist vorbei), sondern an dessen Ende.

  • Dinge werden zwanghaft überwacht und Daten einfach so gehandelt und analysiert. Ein paar Userklicks reichen aus, das rechtlich zu fixen.
  • Alte Hardware, die nicht im "Internet der Dinge" irgendwas an irgendjemanden funkt, wird zunehmend interessant. Ein neues Smartphone? 1000 Euro, um meine eigene Überwachung zu bezahlen? Schon Irrsinn.
  • Autos werden Datenminen. Der Zauber der Vintagecars, der analogen Kamera und alten Standrechner. Mit einer Menge Speicher.

Ich sammele digitale Bücher, um genug für den Rest meines Lebens zu haben. Weil ich rechne, dass das irgendwann nicht mehr gehen wird. Urheberrecht sticht Privatsphäre aus. Natürlich. Und alles andere gleich mit. Das Internet wird immer mehr Menschen ausschließen, statt friedlich zu verbinden.

Dafür muss einer kein Prophet sein. Es liegt überall schwer in der Luft: Das Ende des Internetseitalters, in dem die Leute aufwachen und entdecken, dass alle Internetinstallationen sie überwachen, ausbeuten und bevormunden. Und, die natürliche Bewegung eines Menschen, Dinge, die einfach toxisch sind, zu verlassen und außerhalb der nervös, bunten IT-Welt das Paradies zu entdecken, welches für den Menschen einst gedacht war. Das Paradies, das man ihm weggenommen hat.

Deshalb plane ich eine Email-Liste. Das wird wahrscheinlich die letzte Form von Veröffentlichung sein, die noch problemlos geht. Das stört, die es entscheiden, am wenigsten. Die Email-Liste wollte ich mit Emacs-Gnus machen.. schaue einfach noch mal in ein paar Monaten vorbei. Und wenn du magst: abonniere den RSS-Feed des Blogs mit einem Feed-Reader. Alle Neuigkeiten zeitnah frisch verfügbar.

Das beste aus den Dingen machen

AI ist da, geht nicht mehr weg und wie kann man das beste daraus machen? Natürlich: erst einmal runter kommen. AI ist nicht die AI, die viele aus Scifi-Filmen kennen. Kontrollinstrument: ja. Umgehung eines Urheberrechts: ja. Aber der Rest sind oft Urängste, die kanalisiert werden müssen. Hier recherchiere: Binnenangst versus Realangst. Einmal verstanden, vieles durchschaut. Kurz gesagt: werden die realen Sorgen zu "Ängsten", die in den Medien zu irrationalen Gebilden hochgekocht werden. Dadurch werden sie "alternativlos". Daher auch die häufige Floskel in Deutschland: "da kannste nichts machen!" Einfach anfangen die Begriffe "Realangst & Binnenangst" nachzulesen. Das ist ein interessanter soziologischer Mechanismus. Und nein: Du kannst sehr viel machen.

AI ist nicht das Problem. Das Problem sind die Leute, die hinter AI stehen

Also nicht von Ängsten treiben lassen, sondern einfach zu schauen: Wo begegnet uns heute AI?

  • AI in der Musik: AIVA komponiert Klassik, YouTube-Lofi-Kanäle laufen 24/7 AI-generiert, Stimmimitationen lassen tote Sänger "neue" Songs performen. Die Nachlässe drehen am Rad. Die Musik funktioniert, aber ohne Risiko, ohne Seele. Nur noch Ware ohne Herkunft.
  • AI in der Photographie: Midjourney, DALL-E, Stable Diffusion: Prompt rein, Bild raus. Für Social Media reichts. Gleichzeitig Analog-Renaissance: Junge Leute kaufen Prakticas auf Flohmärkten. Wollen das Rauschen, das Unperfekte, den Moment. Mein unscharfes Lieblingsbild – weil ich da war, der Wind kalt war, die Finger zitterten. Das gibt keine AI.
  • AI in Videoplattformen. Habe ich meine Erfahrungen mit: Meine netten - garantiert ohne Kraftausdrücke und juristisch koscher formulierten - pharmakritischen Kommentare binnen 5 Sekunden (ich prüfte mittels Zweitaccount) geshadowbannt, während stereotypische Freundensbekundungen unter Videos mit zivilen Toten in einem Genozid als besonders lesenswert angepinnt wurden. Vom Algorithmus. Von der AI. Lese hier meinen Beitrag: wie soziale Medien für mich gemeinsam mit Aaron Bushnell verbrannten.
  • AI als Rechtschreibprogramm: Grammarly, DeepL Write optimieren nicht nur Rechtschreibung, sondern Stil. Glätten alles. Weg mit Ironie, Mehrdeutigkeit, Ecken und Kanten. Mein Experiment: Alter Text durchgejagt – raus kam kürzer, klarer, korrekter – und komplett tot. Seitdem: Rechtschreibprüfung an, Stilkorrektur aus.

Moral der Firmen.

Jeder weiß, dass Google heute nicht mehr "don't be evil" ist. Auch andere IT-Unternehmen haben ein rabenschwarzes Image. Am Ende füttern sie die Drohnen, die irgendwo auf der Welt Menschen töten. Kollateralschäden nicht einklagbar. Aber funktionieren solche Firmen so auf lange Sicht? Ja - solange sie alternativlos sind.

Mein Moral Algorithmus

Ich sah, es nützt wenig auf die schlechten Schlagzeilen zu warten und sich dann aufzuregen. Das ist nicht effizient. Was kann ein Indikator sein, zu sagen: Diese Firma wird jetzt mit fiesen Tricks ihre Kunden auspressen? Qualität verschlechtern (AI-Inside!!) bei steigenden Preisen?

Meine Meinung: Ich meide alle börsen-notierten Unternehmen - Punkt. Börse will Wachstum um jeden Preis. Aber wie willst du jedes Jahr 10% Plus Wachstum erziehlen? - Genau dadurch, dass du Kunden und Mitarbeiter auspressst. Schau dir den Hintergrund von CEOs an. Einmal verstanden, keine weiteren Fragen mehr.

Und das ist oft sehr einfach umzusetzen. In Deutschland gibt es Genossenschaftsbanken. Big Money ist nicht alternativlos. Warum Amazon, wenn der Gang durch die Stadt zu einem Erlebnis werden kann? Unterhalte dich mal mit Händlern. Auge in Auge. Riech die Ware, bevor du sie bezahlst. Der Handschlag. Das ist interessant. Voller Leben. Amazon: nur klicken, zahlen und haben. Abgesehen vom Preis: ist das nicht billig?

Sicher ist Kaufen im Internet möglich: bei kleinen Shops, die den Datenschutz ernstnehmen und nicht alle 3 Monate neue AGBs sich aus den Fingern saugen. Auch ein Marker für meinen Moral Algorithmus.

Deutsche Bahn eine AG? Hier wird es schwer.. Natürlich ist dieser Algorithmus nicht 100%ig. Aber immerhin ein Indikator. An der Börse wollen die Anleger bezahlt werden. Willst du sie bezahlen? Einfach nachrechnen und anfangen zu sparen. Und: Internetklitschen sind immer nur solange preiswert, bevor sie nicht selber Monopole bilden.

Zurück zu dem AI-Thema: Dies kann man auf AI-Anbieter anwenden und bekommt klare Antworten. Natürlich ist der Schritt zu einer eigenen LLM irgendwann logisch. Rechnet man es durch, ist es langfristig auch günstiger.

Was mit AI gerne schief gehen kann

Die beiden Bücher aus dem HiTeX Press Verlag waren mit hoher Wahrscheinlichkeit zum größten Teil AI-generiert. Code-Beispiele zu testen, wäre zu viel Aufwand gewesen. Sie wurden einfach so veröffentlicht. Das zeigt eine Tendenz der AI-Literatur: massenhaft, ungeprüfte Texte werden veröffentlicht.

Aber hier wieder meine Frage vom Anfang? Wie schaffe ich es gute AI-Bücher schreiben zu lassen? Da kam mir die Idee beim Pharo-Buch alle Gedanken, Figuren, Handlungsstränge in dieser Sprache als Objekt zu schreiben. Das könnte dann später miteinander kombiniert, weiterentwickelt werden. Das ist die Grundidee von Smalltalk, der Sprache, aus der sich Pharo später dann entwickelte. Dann als living mindmap? Genau das wäre es für mich gewesen. Ich könnte damit story-building machen. Die AI schreibt es dann. Wenn die story gut ist, ist alles gut. Faszinierend.

Pharo - der heiße Flirt

Stell dir vor, du verliebst dich in eine Person, die dir von einer Welt voller reiner Objektorientierung vorschwärmt, von Zell-Netzwerken und lebendigen Images, von einer grafischen Umgebung, in der du Objekte per Rechtsklick erschaffst und durch Ziehen verbindest. Du denkst: "Das ist sie. Die Eine."

Du installierst Pharo – und dann passiert Folgendes: Du öffnest die Umgebung und wirst von einer Fenster-Explosion begrüßt, als hätte ein kleiner Programmier-Gott beschlossen, deinen Bildschirm mit lauter bunten Kacheln zu tapezieren.

Du versuchst, einen Playground zu öffnen, aber das Fenster lässt sich nicht entfalten – es bleibt ein schmaler Schlitz, als würde die IDE dir die kalte Schulter zeigen. Du klickst auf ein Fenster, und es springt weg. "Focus-Follows-Mouse", nennen sie das. Ich nenne es "Flucht vor dem Benutzer".

Du suchst im Internet, findest Tastenkombinationen, X11-Modes, Shared-Memory-Flags. Du konfigurierst Tage lang – nicht Code, sondern Fenster.

Du fragst dich irgendwann: "Wollte ich nicht programmieren lernen?" Die Community sagt: "Das ist ein Feature." Du denkst: "Wenn das ein Feature ist, will ich den Bug zurück." Du probierst Squeak im X11-Mode – es wird besser, aber die Vision der graphischen Programmierung ist immer noch nicht da.

Du probierst GNU Smalltalk – konsequent, aber ohne GUI, und immer noch mit dieser CamelCase-Syntax, die sich anfühlt, als würde dir jemand beim Denken die Hände auf den Rücken binden.

Und dann, nach Tagen des Kampfes, die Erkenntnis: Smalltalk ist kein Werkzeug. Es ist ein Museum. Die Visionen sind großartig, aber sie wurden nie umgesetzt. Was bleibt, ist eine aufgeblähte GUI mit einer doofen Syntax und einer Community, die sich damit brüstet, wie cool ihre Fenster-Farben sind. Die Zeit war nicht verschwendet – sie war eine wichtige Lektion: Gute Visionen ohne solide Umsetzung sind wie ein Sportwagen ohne Motor. Sieht toll aus, aber du kommst nicht vom Fleck.

Common Lisp - die gute Ehe

Und dann dachte ich an Common Lisp zurück. Kein großer Auftritt, keine bunten Fenster, keine Versprechungen von einer neuen Welt. Einfach eine REPL im Terminal und die stille Gewissheit: Das hier funktioniert. Seit 40 Jahren.

Common Lisp ist die langjährige, verlässliche Ehe, die nach Jahren immer noch hält – nicht aufregend im Sinne von Chaos, sondern aufregend im Sinne von: Es lässt mich jeden Morgen neu entdecken, wie klar und schön Software sein kann.

Keine Fenster-Magie, kein Image-Chaos, keine Prokrastinations-Fallen. Ich öffne Emacs, starte SBCL, und die Sprache gehorcht. Kein "Benutz doch den Class Browser", kein "Das Fenster springt weg, weil wir das so wollen". Einfach: Denk nach, schreib Code, führe aus.

CLOS – das Common Lisp Object System – ist optional, aber wenn ich es brauche, ist es mächtiger als alles, was Smalltalk je hatte: Multiple Dispatch, Methodenkombinationen, ein Metaobjektprotokoll, das mir erlaubt, das System zu verstehen und zu erweitern.

Nicht "Alles ist ein Objekt" als Zwangsjacke, sondern "Hier sind Werkzeuge, bau dir, was du brauchst". Und wenn ich eine GUI brauche, nehme ich CLOG und baue sie im Browser – dort, wo Fenster schon immer funktioniert haben.

Die Lisp-Community ist keine Community von "Schau dir meine coole Fenster-Farbe"-Fetischisten. Es sind Ingenieure. Pragmatiker. Menschen, die Dinge bauen, die funktionieren. Sie haben nie eine IDE gebaut, sie haben die Sprache gebaut. Alles andere kam von der Community, weil sie Werkzeuge brauchten, nicht weil sie Werkzeuge cool finden wollten.

Die Entscheidung für Common Lisp war keine, die ich je bereut habe. Sie war die Entscheidung für Stabilität, Klarheit und tatsächliche Produktivität.

Vertraue nicht den CamelCase-Leuten, die Fenster-Chaos als Feature verkaufen. Vertraue den Lisp-Leuten, die dir eine REPL geben und sagen: "Denk selbst. Ich gebe dir die Werkzeuge."

Fazit für mich: ich versuche jetzt selber eine "lebendige Gedanken-Mindmap" für mich zu entwickeln. Mit Common Lisp, mit CLOS und mit CLOG. Auch wenn es kein "Gamechanger" wird: ich lerne dabei gute Sachen. Das zählt.

Freitag, 20. März 2026

Entdecke Seele

Entdecke Seele

Bild: Google Gemini


Ein Dialogversuch

Der Raum

Die Kneipe Schiller Eck. Dunkles Holz. Espressomaschine atmet. Frühlingslicht fällt schräg durch beschlagene Scheiben. Kellnerin Anfang zwanzig, hochgesteckte Haare, eine Strähne löst sich, klebt am Hals. Sie wischt die Theke. Langsam. Sieht immer wieder zur Ecke.

Dort: Mahamind. Unbestimmbares Alter. Großer Pullover. Umklammert seine weiße Tasse. Spricht leise. Zum leeren Stuhl gegenüber. Vor ihm auf den Tisch ein altes Buch. Aufgeschlagen.

Bis der anonyme Leser erscheint.

Das Gespräch

Mahamind: "Fechner. 1848. 'Nanna'. Über die Pflanze. Er schreibt: Pflanzen haben eine Seele. Warum? Weil es gerecht wäre. Menschen haben eine. Tiere haben auch eine. Also Pflanzen ebenso. Logik des Herzens. Aber schön. Rührend."

Der Kaffee dampft. Der Löffel rührt in der Tasse. Der Kaffe tiefschwarz und ohne Zucker.

Mahamind blickt auf den Stuhl gegenüber: "Das Problem ist nicht die Pflanze. Problem ist das Wort. "Seele". Politisch verseucht. Damals in den USA: debattierten ernsthaft, ob "Neger" eine hätten. Später: Kommunisten? Juden? Deutsche Seele! Dieses Wort, braun übermalt. Hat Grenzen gezogen. Zwischen Mensch und Pflanze. Zwischen Wert und Unwert. Die Seele als Verwaltungskategorie. Taufe war der erste Eintrag." Eine lange Pause. Kaffee ist jetzt kälter.

Mahamind reibt sich die Stirn, dann: "Fechner suchte Beweise für die falsche Frage. Spinoza wusste das. Kleiner Linsenschleifer. Amsterdam. Sagte: Es gibt eine Substanz. Alles was ist. Nenn es Gott. Nenn es Natur. Egal. Der Stein. Dein Gedanke. Die Pflanze. Alles Ausdruck dieser einen Sache. Modi. Wellen im selben Meer." Bei den letzten Worten zeichnet er mit dem Teelöffel Kreise auf Tisch.

Kellnerin nähert sich. Errötet leicht. "Noch einen?" Blick auf leeren Stuhl. "Für Ihren Gast auch?"

Mahamind sieht sie an. Wirklich an. "Für mich. Espresso. Mein Gast… geht jetzt." Kellnerin nickt. Geht zurück. Hüftschwung. Kaum merklich. Maschine zischt.

Mahamind in Richtung des leeren Stuhl: "Denken und Ausdehnung sind nicht getrennt. Zwei Seiten. Gedanke = Synapsenfeuer. Ein Ereignis. Nicht Ursache und Wirkung. Gleichzeitig. Immer."

Der Espresso kommt. Finger berühren sich fast. Kleiner Strom. Kellnerin lächelt. Mahamind lächelt zurück. Sie geht. Lächeln bleibt.

Mahamind hebt die kleine Tasse. Riecht. Schokolade. Erde. Sonne: "Das ist Materie. Das ist Gedanke. Gleichzeitig. Darum: Frage nicht 'Habe ich Seele?'. Frage: 'Was für ein Gedanke bin ich?'. Was für eine Welle? Willst du trüb sein? Klar? Zerstörerisch? Liebend? Du bist nicht getrennt vom Meer. Warst du nie."

Trinkt Espresso in einem Zug. Bitter. Dann süß. Dann Wärme.

Stille.

Mahamind beugt sich vor. Flüstert fast: "Wenn du heute Abend die Pflanze am Fenster siehst, die Blätter zum Licht… wen siehst du dann?"

Stille.

Kellnerin lächelt in sich hinein. Wind drückt gegen die Scheibe.

Mahamind schweigt.

"Du bist allein mit der Frage."

Donnerstag, 12. März 2026

Der Angriff der AI-Texte (I)

Bild: Google Gemini


Ich schreibe gerne anekdotisch Gedanken und Ereignisse aus meinem Leben auf. Ungefiltert. Assoziativ. Wie Geschichten an einem Lagerfeuer. Für einen Freund. Ich bin mir darüber klar, dass die so entstehende Literatur für viele auch unübersichtlich, oder schwer zugänglich werden kann. Das ist ok. So wie vielleicht nur ein Mensch von 1000 überhaupt ein Freund sein kann, ein richtiger Freund, denke ich einem von 1000 Lesern einen wichtigen Gedankenanstoß geben zu können. Ein Satz, in dem die Dinge über das Leben geschickt nur ein klein wenig umgedreht worden sind, und eine völlig neue, andere, reizvolle Lebensperspektive sich manifestiert. Das will der Blog Mahamind sein.

So war mir klar, dass meine Texte über Common Lisp (-> Link) für normale Leser (nicht die Zielgruppe) wie ein Aufprall gegen eine Wand mit einer Menge Anlauf sein müsste. Kein Mensch kennt Common Lisp. Geschweige denn, interessiert sich dafür. Eine sublime Botschaft des Textes: Das kann die Ursache sein, ein Leben zu leben, das man selber fatalistisch als "abgeschlossen" empfindet. Deterministisch. Also das Gegenteil von frei und erfüllt. Wobei es mir nicht darum geht, dass jeder Mensch Common Lisp lernen sollte und ich das subliminal mit einem Versprechen verbinden will, ein glückliches Leben zu haben. Das wäre nicht fair. Und wahrscheinlich auch nicht wahr. Das wäre einer der Tricks, die Influencer und CopyWriter anwenden, um Leser zu binden. Nächster Schritt wäre das kostenpflichtige Webinar. Das will ich nicht machen. Auch weil ich im Grunde aufrichtig faul bin. Ich will den Leser verwirren und ein Stück in eine andere Welt mitnehmen und ihm zeigen:

"Schau mal, da ist was! Mach was eigenes daraus. Es lohnt sich."

Wobei es nicht um Dinge gehen kann, die sich im Leben manifestieren, sondern um die Mechanismen, die hinter diesem Ding stehen. Also: warum ist Common Lisp so anders? Warum setzt es Kreativität frei? Warum wird es im Mainstream totgeschwiegen? Jetzt weiter: ist es im Grunde dasselbe, was auch mit Jesus passierte? Wenn du wissen willst, wie ich ticke, lese meinen Beitrag über Mirin Dajo. Oder über die Gnostik. Willkommen in der Metaebene.

Der Text will also kein Tech-Blogartikel sein. Es geht um mehr. Aber! Schaue ich 2026 nach draußen, ist da eine Welt, mit der Frage: entweder von dieser Technik versklavt zu werden oder sie selber sich anzueignen und einen Weg in seine persönliche Freiheit zu finden? Denn die Welt da draußen ist nicht friedlich und nett. Die Frage weiter an Dich: sich von den sozialen Medien prägen zu lassen, um irgendwie, wie auch immer, glatt und mainstreamtauglich zu werden? Ja du wirst die "persönliche" Schublade finden und genau kennenlernen, in die dich die Gesellschaft - mit deiner Mithilfe - stecken wird und dann schließt. Ist das dein Ort? Willkommen im Glied. Oder auszusteigen, Blogs wie Mahamind und andere zu lesen und dann zu erkennen: selber machen ist der Weg. Die anderen sind völlig egal. Freiheit.

"Kommst du nach Sparta, verkündige dort du habest uns hier liegen sehen.." in der Mainstreamversion oder: "Die größte Freiheit ist die Erkenntnis der Notwendigkeit." - nach Spinoza. Oder klassisch: "Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss." - Goethe. Wobei Spinoza meine Liebligsversion ist.

Ich hoffe, dass war jetzt ein netter Teaser. Inspirierend und vollkommen anders, als erwartet. Wie es jetzt weitergeht, wird noch extremer als Common Lisp. Versprochen. Der normale Leser, ich nenne ihn liebevoll medioker, wird aufschreien: "Nein!" Aber es muss sein: es geht um noch exotischere Programmiersprachen. Kennst du schon Forth und Pharo? - Ich denke, hier ist der Punkt, an dem der mediokre Leser aussteigen wird. Deshalb ein kleiner Ausblick auf mein Schreibskript. Ich lege mir immer Stichpunkte zurecht, die mein Artikel ansteuern soll. Handgeschrieben.

Also: Ich stelle die beiden Programmiersprachen Forth und Pharo kurz vor. Warum sie mich reizen. Und bringe das dann in Verbindung mit AI-Literatur. Das ist dann der Hauptgedanke. Also kein klassischer Gedankengang "ist AI-Literatur gut oder böse", sondern einer mit zündenden Idee: "wie mache ich gute AI-Literatur." Aber alles was gut ist, kostest auch Zeit und Mühe. Das ist ein Naturgesetz. Das nehme ich vorweg. Aber da mein Schreibprozess kreatives Schreiben ist, ist mir momentan selber noch nicht klar, was am Ende dabei rauskommen wird. Also:

Draußen tobt der Angriff der AI-Texte. Millionen Wörter, die niemand geschrieben hat. Millionen Gedanken, die niemand gedacht hat. Ein Tsunami aus Mittelmaß, der alles zu überschwemmen droht, was echt ist. Und du sitzt da und fragst dich: Soll ich schwimmen lernen – oder eine Arche bauen? Natürlich: Gegen den Tsunami hilft kein Deich. Gegen den Tsunami hilft nur: selber zur Welle werden. Aber anders. Nicht aus Wasser – aus Gedanken.

Forth und Pharo

Forth - Es gibt kaum (bis überhaupt keine) Videos über Forth und Pharo auf Youtube. Kaum Tutorials, keine "Mache das, dann haste das" Videos. Ein gutes Zeichen. Wie im Zen, ist einer, der auf YouTube darüber spricht kein Meister. Aber warte! In modern nennt man es: Reactionvideo? Das fand ich. Genau dieses Video gibt den Zustand wieder, zum ersten Mal mit Forth in Verbindung zu kommen. Der Moment des Erwachtens. Vorher wusste ich nicht einmal vom Hörensagen, dass es so etwas wie Forth gibt. Ein lebensveränderner Moment. Ehrfurcht? Verstörend? Angst? Freude? Nicht einfach in Worte zu fassen. Das Video versucht es. Klicke hier, um es zu sehen.

Natürlich ist es nicht cool, Tabak dabei zu rauchen. Der Sprecher, ein AI-Unternehmer, steckt sich bei seinen Videos gerne eine Zigarre an. Kein gutes Vorbild. Aber er gibt den Moment wieder, den ein erster, tiefer Kontakt mit Forth hat. Darum geht es mir. Und lustigerweise ist er wohl studiert. Also vom Fach. Auch er kannte es bis dahin nicht. Forth ist so etwas wie das klassische Latein der Programmiersprachen. Mit Forth betrittst du ein Reich, wie das Pilzreich sehr sehr alt und vielen absolut unbekannt. Sehr maschinennah und sehr minimalistisch. Absolut anpassbar. Schreibt kleinere Binaries als C. Du passt es vom ersten Moment an deine Bedürfnisse an. Das musst du, weil es minimalistisch ist. Da ist nicht viel, wenn du es nicht selber schreibst. Der Compiler ist wenige Kilobyte groß, die gesamte Installation mit Updates war bei - glaube ich - 3 MB. Keine große Sache zu installieren. Du lernst dabei sehr nach "am Metall" zu programmieren. Auch viel über Hardware. Im Vergleich zu Assembler gilt diese Sprache aber als abstrakt und bedeutend einfacher. Eine maschinen-nahe Hoch-Sprache. Information wird im Code sehr stark verdichtet. Verbraucht kaum Ressourcen. Ist also kein Problem zu installieren und damit.. es ist mehr spielen als arbeiten. Aber Spielen setzt Phantasie frei und daraus entsteht Kreativität.

Pharo - ist ein moderner Abkömmling der Programmiersprache Smalltalk. Das Programmierparadigma ist dort: Alles ist Objekt. Alles lebt. Zusammenfassung der Programmierparadigma der interessanten Programmiersprachen: Lisp -> alles in Liste. Forth -> alles ist Wort (so werden Funktionen benannt). Also drei verschiedene Ansätze Programmierung zu verstehen. Was aber alle Sprachen verbindet, ist die Fähigkeit zur Live-Programmierung der Programme im Speicher. Die Programme werden zur Laufzeit geändert, kein Stopp, kein Reboot. Häufig nur eine Tastenkombination und das Programm wird so "modeliert". Genau das ist das coole an diesen Sprachen und deshalb wurden exotische Sprachen wie Common Lisp, Forth und Pharo für mich interessant. Du kannst sie selber zu 100% an deine Bedürfnisse oder an die Hardware (the metal) anpassen. Also Gegensatz zu Mainstreamsprachen: "schau du kannst mit PythonScriptRust dies und das einfach machen" versus Freak-Sprachen: "alles liegt unter deinen Fingerspitzen", - du musst es nur machen (können).

Alle haben diese praktische Live-Programmierung. Deine Programme sind also schon als Fragmente immer aktiv im Speicher und du veränderst sie interaktiv im Betrieb. Kein Reboot. Mir kommt das wie eine Leinwand vor, die immer da ist und sich immer verändern kann. Stell dir vor, du malst ein Bild, und die Farbe trocknet nie. Du kannst morgen weitermalen, und übermorgen, und in zehn Jahren. Und das Bild lebt mit dir. Das ist Live-Programmierung." Das alles wird dann organisch. Viele Programme laufen so jahrzehntelang. Daher die lustige Vorstellung über Legacy Software, die tief in vergessenen Kellern läuft und läuft und sich keiner mehr ranwagt, sie zu verändern. Du musst dann sehr genau wissen, was du machst. Ein Naturgesetz: wenn dir der Laden am Ende nicht um die Ohren fliegen soll, muss du eine fanatische Gewissenhaftigkeit entwickeln. Genau das, was man bei den Herrscharen der Python & Javascriptentwicklern oft vergeblich sucht.

Wenn das so gut ist, warum kann das nicht Python&Co? Weil das gesamte Programmierparadigma sich änderte. Heute: Programm schreiben, starten, abbrechen, debuggen.. neu starten.. Das im Dauerloop. Ich finde das aber frustierend. An laufenden Programmen hingegen "zu schrauben" ist elektrisierend. Adrenalinkick. Abenteuer. Natürlich ist genau das der Alptraum eines Arbeitgebers. Aber als Amateur bin ich selber mein Chef. Und mache, was mir gefällt.

Während bei Forth noch gar nicht klar ist, was ich damit machen will, außer zu lernen, ist es bei Pharo anders. Ich will das Anfängerprojekt programmieren: Das Notizbuch. Da alles Objekt ist und miteinander kommunizieren kann, wird dann die Verknüpfung dieser Notizen (hoffentlich) kinderleicht, intuitiv, beinah schon magisch. Hier kommt jetzt die Verbindung zu meiner Schreibleidenschaft. Ich will Literatur schaffen. Wie kannst du das machen?

Indem du Notizen geschickt miteinander verbindest. Alles ist Objekt? Nimm jetzt Charaktere, Gegenstände und Orte einer Erzählung. Sie existieren alle gleichzeitig im Speicher. Du kannst sie updaten. Eine individuelle Geschichte daraus erstellen. Sie mit anderen verknüpfen. Den Plot weiterlaufen lassen. Dann eine Schreibanleitung für eine AI, die den Text mit der und der Textur entfaltet.. Nach was hört sich das an? Einer Fabrikationsstraße Ideen in menschenlesbaren Text zu bringen? Und lange, in sich verwobene Erzählungen zu schaffen? Ich nenne es AI-Literatur.

AI-Literatur ist ja ein aktuelles Thema. Jeder will einfach nur die AI durchlaufen lassen und damit Produkte produzieren. Aber natürlich, das ist nicht so einfach. Denn - auf das Schreiben bezogen - du darfst die AI niemals den Plot selbstständig weiterentwickeln lassen, dann entsteht Unsinn. Die bessere Idee ist: Immer ein Drehbuch abarbeiten lassen. Mache dies, das und genauso. Also imperativ. Die Metaebene machst du in Smalltalk. Genau dazu wurde die Sprache erschaffen. Vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem ich mich ärgere, mich jahrelang mit Obsidian abgeplagt zu haben? Aber auch Obsidian war zu meinem damaligen Erlebnishorizont das beste, was ich tun konnte. Also Horizonte erweitern. Das soll eine gute Programmiersprache machen. Soweit die Motivation.

Freaksprachen hört sich sympathisch an. Aber einen negativen Aspekt fand ich bei Freak-Programmiersprachen: Militärische Nutzung. Die Drone kannst du nicht in der Luft rebooten. Das geht besser mit einer richtigen REPL. Genau das kannst du auch damit machen. Du schreibst in Python und nutzt fremde Bibliotheken? Bist stolz, was alles damit so geht? Irrtum. Fremde Bibliotheken sind Sicherheitsrisiko. Besser, du schreibst deine eigenen. Also in der Freak-Programmierszene gibt es Licht und Schatten. Oder: auch aus Spaß kann bitterer Ernst werden.

Es war genau die Nacht, in der sie ein Land in Nahost mit Bomben überfielen. Mein Sohn wachte neben mir auf. Ich schreibe in letzter Zeit immer früh morgens. Noch im Dunklen und dann wurde es hell. Er wollte auch auf der Tastatur schreiben, ich sagte er solle mir diktieren:

"Gottlieb is the pot. He is running my monsters. And he get free form the monsters. And the monsters are not there. Because he was leaving the pot. And he come back than I hide in the pot. After that When it is sunny day then the monster die. Because the sun is shining. Daddy you wake up."

– Hier endet der erste Teil von "Angriff der AI-Texte". Den nächste Teil erklärt, warum Bücher Tore zu einem anderen Denken sind. Und ich berichte über zwei - augenscheinliche - AI-Bücher, mit denen ich Forth und Pharo lernen wollte. Und ich verrate, warum Pharo eine heiße Affäre war, und Common Lisp wie eine langjährige Ehe ist.

Freitag, 13. Februar 2026

Die Pendelbewegung des Geistes

Bild: Google Gemini


Man stelle sich folgende Szene vor:

Ein Pendel. Unten ein Gewicht, oben eine Hand, die es hält. Der Esoteriker fragt: "Zeige mir den Engel, der über meinem Leben wacht." Das Pendel schwingt. Kreisend, bestätigend. Der Esoteriker lächelt.

Der Kritiker neben ihm: "Nichts als unbewusste Muskelbewegungen. Kleine, nicht wahrnehmbare Zuckungen der Hand. Mikro-Motorik, gesteuert von Erwartung und Suggestion. Alles Unfug."

Beide haben recht. Und beide haben unrecht.

Der Mahamind-Leser, der in der Ecke sitzt und Kaffee trinkt, denkt weiter:

Man kann das Pendel benutzen, um mit seinem Unbewussten zu kommunizieren. Das ist weitaus mehr, als der Esoteriker zu fassen versteht, und unendlich mehr als das kleine Eiland der Rationalität des Kritikers, an dessen Stränden überall Stacheldrahtzäune und große Schilder aufgestellt werden: HIER GEHT ES NICHT WEITER. ENDE DES VERSTANDENEN. KEIN ZUTRITT FÜR UNGELÄUTERTE.

Der Esoteriker betreibt spirituelle Parfümerie. Er will die Essenz, aber er will sie duftend, angenehm, verkäuflich. Die Rationalisten sind die Kastraten des Lebens, die aus Angst vor dem Unkontrollierten ganze Dimensionen der Erfahrung wegamputieren.

Der Mahamind-Leser weiß mehr: Das Pendel ist ein Interface. Nicht zu Engeln, nicht zu Geistern. Sondern zu dem Teil meiner selbst, der sonst nicht spricht, weil das imperative Denken (Mach X für Y! Erreiche Z in drei Tagen!) ihn mit Dauerberieselung übertönt.

Selbstbewusstsein kommt vom Können. Und Können kommt vom Machen. Und Machen kommt vom Fragen, das nicht nach Antworten schreit, sondern nach Resonanz.

Vom Geruch alter Bücher und dem Gestank neuer Versprechungen

Ein Buch über die Gnosis aus dem Jahre 1956 ist mir in die Hände gefallen. Nur 100 Seiten. Gebundenes Papier, das nach Keller riecht, aber nach einem Keller, in dem jemand Wein gelagert hat, nicht Schimmel.

Alles so tiefgründig. Sauber recherchiert. Mit viel Mühe alle Puzzleteile zusammengesetzt – wobei "die Gnosis" immer ein Puzzle bleiben wird, dessen Bild man nie ganz sieht, weil das Fehlen der Teile zum System gehört.

Mir wurde bei so viel Qualität in der Schrift klar, in welchem Niedergang wir im Jahre 2026 leben.

Alle neuen Bücher müssen Mickey Maus Denkblasen des durchschnittlichen Lesers bedienen. Kleine, runde, überschaubare Gedanken. Hui! Da fliegt was! Ist das ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist der Gedanke, den ich gerade hatte, bevor ich aufs Handy schaute!

Diese Texte werden mühsam und zäh, weil alles sich wiederholt. Mache meinen Kurs. Folge meiner Methode. Entdecke das Geheimnis, das nur ich dir offenbaren kann (gegen geringes Entgelt, zahlbar in monatlichen Raten). Oder die Reaktion des Lesers: Ich warte lieber auf den Film. Verfilm es für mich. Mach es leicht. Mach es verdaulich. Mach es zu etwas, das ich konsumieren kann, ohne mitzukauen.

Allein schon, dass die Zitate in diesem Gnostiker-Buch in ihrer Originalsprache stehen – unübersetzt, unbarmherzig, schön – zeugt von einer Kultur, die trotz aller englischen Lehnwörter (die so ungemein modern und gebildet klingen sollen) längst verloren gegangen ist.

Bei meinem gemächlichen Studium der Kabbala fiel mir auf: Moderne esoterische Helfer versprechen, Dinge möglichst einfach erklären zu wollen. Aber das ist gar nicht, was ich will.

Die Motive hinter den Zeilen sind durchsichtig: möglichst einfach schreiben, um möglichst viele zu erreichen, um möglichst vielen Dinge zu versprechen, die der mediokre Mensch sich wünscht: Geld, Kontakt zu Verstorbenen, "Engel" (in Anführungsstrichen, weil man nie weiß, ob der Autor selbst dran glaubt oder nur weiß, dass die Zielgruppe dran glaubt).

Und dann lese ich in meinem alten Buch:

> "Aber über das Bewusstsein hinausgehen ist eben aus der Vernunft fallen."

Dieser Satz weckt mich auf. Er reißt mich aus dem Lesefluss, mit dem moderne Literatur einen oft einzuwickeln versucht – einen hypnotischen Trance zu erzeugen, in dem man weiterschluckt, was immer kommt, weil die Prosa so schön fließt wie ein bequemer Fluss, der einen sanft ins Meer der Bedeutungslosigkeit trägt.

Versteht man das erst, verliert alle Esoterik ihren bunten Schimmer.

Syntax Error: "Elfen nie gesehen, aber sie gibt es"

Ein schlimmes Beispiel aus dem Buch eines gewissen Voggelhubber (Name geändert, aber wer es weiß, weiß es):

> Elfen nie gesehen, aber sie gibt es.

Was soll ich jetzt davon halten?

Ein ganzes Buch schreibt er. Über etwas, das er nicht wirklich kennt. Wie ernst nimmt sich der Autor? Wie ernst nimmt er seine Leser?

Übrigens ist das Buch lektorisiert worden. Das fiel mir besonders negativ auf. Ich denke ja: Man muss nicht fehlerfrei schreiben. Man muss keine Gedanken in sich geschlossen auf den Bildschirm bringen. Unfertiges ist oft ehrlicher als Glattgebügeltes. Aber wenn man einen Lektor bezahlt, bezahlt man ihn dafür, dass genau das nicht passiert.

Hier kommt es zum Syntax Error.

Der Autor schreibt über Dinge mit dem Inbrunst der Überzeugung, von denen er – wie er selber sagt – keine Ahnung hat. Die Motivation, ständig auf Anekdoten aus seinen Kursen zu verweisen, wird dadurch durchsichtig. Das Buch ist ein Warm-up, eine Vorbereitung auf die eigentliche ökonomische Wertschöpfung:

Besuche doch einfach die (sicher teuren) Kurse des Autors. Dann wird es klappen, deinen Schutzengel persönlich zu treffen.

Kritische Leser fühlen sich verarscht. Das ganze wird ein besinnliches Event von euphorischen Fans. Bei Live-Events dieser Art ist Euphorie das wichtigste. Eine bunte Parfümerie der Spiritualität. Jeder wünscht sich was. Aber die Basisnote ist nicht sehr tief.

So empfinde ich das.

Vielleicht finden andere dort Ambrosia und die tiefste Erkenntnis ihres Lebens? Möglich. Ich sehe es wie die guten, alten Verschwörungstheoretiker: follow the cash.

Um zurück zum Wesentlichen zu kommen: Ältere Literatur ist durchaus interessanter. Die Klassiker können dem Weben der Zeit schadlos ausgeliefert sein. Sie stehen für sich selbst. Die schlechten Bücher gehen einfach im Fluss der Zeit unter.

Ich lösche sie dann direkt von der Festplatte und genieße das Gefühl des frischen Potentials in meinem Leben. Wie wenn man den Papierkorb leert und der Computer plötzlich wieder schneller atmet.

Eine kleine Apologie der Dummie-Bücher

Die einzigen Bücher, die versprechen, Dinge möglichst einfach zu erklären, und die tatsächlich gut sind, sind die Bücher der Serie "für Dummies".

Detailierte Einführungen in Themen, die man vorher nicht verstand. Kein Tamtam. Keine Versprechungen von Engeln. Keine Schutzgebühren fürs Jenseits. Nur: So funktioniert das, und wenn du das verstanden hast, kannst du damit arbeiten.

Die Serie wird aus dem Englischen übersetzt. Man liest viel, macht sich Notizen, versteht etwas.

Bei modernen Esoterik-Büchern wäre das vielleicht auch nicht im Interesse der Zielgruppe? Wer Notizen macht, ist kein guter Kurskunde. Wer versteht, braucht keine Schutzengel-Workshops. Wer fragt, kauft keine Antworten.

Krautrock als Exerzitium

Musikalisch schrecklich.

Sicher ist die Musik (von der ich jetzt spreche) dazu gedacht, vorher einen dicken Joint zu rauchen und dann – Balla balla – geht es in abgehobene Klangsphären. Aber es ist auch eine gute Gelegenheit, aus seiner musikalischen Wohlfühlzone auszubrechen.

Was hören wir uns nicht alles an, nur weil es uns gefällt? Nur weil es unseren Erwartungen entspricht? Nur weil wir wissen, was als nächstes kommt, und dieses Wissen uns beruhigt?

Krautrock – mit dem Pathos eines genialen Künstlers gnadenlos daneben zu greifen.

Ausnahme: Tomorrow's Gift. Gefällt mir wirklich.

Analog zum Freejazz gibt es hier Freerock. Finde ich musikalisch am interessantesten. Die Soli mit der Blockflöte sind grandios. Die Sängerin versteht es, einen tief in die Songstrukturen zu locken – nicht durch Gefälligkeit, sondern durch eine Art melodischer Hartnäckigkeit.

Vielleicht ist/war Tomorrow's Gift die begabteste Krautrockband?

Oder vielleicht ist genau diese Frage schon falsch gestellt. Vielleicht geht es nicht um Begabung, sondern um den Mut, mit der Blockflöte in einem Genre zu solieren, das eigentlich nach verzerrten Gitarren schreit.

Hier gibt es Neuland.

Vom Aufwachen im Jetzt

Irgendwann wird jeder merken, dass sein Leben nicht in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft lief, sondern im Jetzt.

(Frei nach Buddha, aber er hatte es nicht patentiert.)

Diesen Gedanken zu realisieren, machte mir erst Angst. Nein, eine eigensüchtige Angst: die Dinge dann nicht mehr – je nach Lage – manipulieren zu können.

Wie mag man im Jetzt sich ausdrücken? Das heißt, der super tolle Traum zu sein, den man leben möchte?

Mein Jetzt war immer von Interessen anderer geprägt, die sie kunstvoll als Hilfsbedürftigkeit verpackten. Das erklärte solche Zweifel. Wenn man ständig die Marionette ist, hat man Angst vor dem Moment, in dem die Fäden durchschnitten werden – nicht weil man dann frei wäre, sondern weil man nicht wüsste, wie man sich ohne fremde Bewegungsanweisung verhält.

"Mach einfach Dein Ding", sagte mir dann eines Tages mein bester Freund. Er war Satanist.

Ich musste dafür erst einmal einen besten Freund bekommen.

Die hohe Kunst des Egoismus. Nicht der klebrige, nehmende Egoismus, der anderen die Luft wegnimmt. Sondern der klare, unterscheidende Egoismus, der weiß: Wenn ich nicht atme, kann ich auch niemandem Luft schenken.

Und da erwachte ich.

Vor mir lag schlafend mein Sohn.

Tiefe Dankbarkeit für den Moment.

Der Traum war vorbei. Ich war aufgewacht.

Nicht in eine neue Illusion. Nicht in eine bessere Geschichte. Sondern in das, was immer schon da war, nur überdeckt von Geschichten, die andere für mich geschrieben hatten.

Vom Gärtner in mir

Ich nehme es einfach als Schwingung in Dir wahr:

Ich weiß nicht, ob es richtig oder falsch ist. Es fühlt sich nach Stress an. Negativer Vibe.

Dann kommt der Gärtner in mir hoch, um die Beete in Ordnung zu halten. Nicht mit der Schere, um abzuschneiden, was nicht passt. Sondern mit der Aufmerksamkeit, die unterscheidet: Das hier ist Unkraut. Das hier ist Gemüse. Beides hat sein Recht – aber nicht im selben Beet.

Nimm einfach mal die Wortwolke aus deinem Text. Analysiere den semantischen Klang daraus.

Wenn deine Fragen an das Universum einen negativen Vibe haben, werden die Antworten entsprechend sein.

Ich habe mir angewöhnt, Fragen mit einem negativen Vibe – nach Möglichkeit – gar nicht mehr zu stellen.

Nicht aus Verdrängung. Nicht aus toxischer Positivität. Sondern aus der einfachen Einsicht: Das Universum ist ein Echo. Was du rufst, kommt zurück. Vielleicht nicht als Strafe, vielleicht nicht als Belohnung – sondern einfach als Resonanz.

Wer im Jammerton fragt, bekommt Jammer-Antworten.

Wer im Staunen fragt, bekommt Welt genug.

Coda: Die Pendelbewegung des Geistes

Das Pendel schwingt zwischen Esoterik und Rationalität.

Zwischen dem Wunsch nach Engeln und der Ernüchterung der Mikro-Motorik.

Zwischen alten Büchern, die nach Wein kellern, und neuen Büchern, die nach Kursgebühren riechen.

Zwischen Krautrock, der mit der Blockflöte ins Nichts greift, und Wohlfühlmusik, die nie aus der Spur fällt.

Zwischen dem Traum, den andere für uns träumen, und dem Erwachen, das immer im Jetzt stattfindet – wenn wir den Mut haben, die Augen zu öffnen, bevor wir wissen, was wir sehen werden.

Die Pendelbewegung des Geistes: Sie hört nie auf.

Aber man kann lernen, sie zu beobachten, ohne selbst das Pendel zu sein.

Man kann lernen, die Hand zu sein, die es hält. Und zu wissen: Die Bewegung kommt von mir. Nicht von Engeln. Nicht von Zufall. Sondern von dem Teil in mir, der spricht, wenn ich endlich still genug bin, um zuzuhören.

Das Pendel ist ein Interface.

Nicht zu Geistern.

Sondern zu mir selbst.

Und das ist weitaus mehr, als der Esoteriker zu fassen versteht, und unendlich mehr als das kleine Eiland der Rationalität, an dessen Stränden die Schilder warnen: HIER GEHT ES NICHT WEITER.

Es geht immer weiter.

Man muss nur bereit sein, die Pendelbewegung auszuhalten.

Das Schwingen zwischen den Welten.

Das Atmen zwischen den Gedanken.

Das Leben zwischen den Geschichten.

Im Jetzt.

Wo immer es ist.

Frage an den Leser, der bis hierher gekommen ist: Was wäre, wenn Du Dein Pendel nimmst – und es nicht nach Engeln fragst, sondern nach dem Teil in Dir, der schon immer wusste, was Du jetzt gerade herausfinden musst? Antworten bitte nicht ins Universum schicken. Das ist eine dieser Phrasen. Aber vielleicht in ein Heft schreiben? Mit Papier. Das riecht nach nichts außer nach Möglichkeit.

Freitag, 6. Februar 2026

Warum Common Lisp für Amateure die perfekte Sprache ist!

Bild: Google Gemini

Eigentlich wollte ich einen Essay über Weihnachten schreiben. Ein Artikel aus dem Archiv. Das Essen der Schwiegermutter bedingte bei mir eine Gewichtszunahme von ganzen 5 kg! Das war eine Menge. Zuviel um realistisch zu sein. Hintergrund: Zu Weihnachten bin ich nicht mehr Funktionsvegetarier. Ich werde schwach, breche ein. Oder: Es ist mir dann egal. Oder es war mir bis jetzt egal. Das habe ich für mich noch nicht vollständig und grundlegend rationalisieren können. Aber eine Frage stellte sich mir: Bleibt Fleisch länger im Darm? Meine Daten sprechen dafür. Denn innerhalb von 3 Tagen nahm ich 3 kg ab. UND: meine Wasserzufuhr war über die Tage reduziert. Normalerweise trinke ich 3 Liter grünen Tee am Tag. Über die Feiertage bloss 1,5 Liter Wasser im Schnitt. Was ich im Internet zu dieser Frage gelesen habe, stellte aber häufig das Axiom auf, dass Fleisch nicht so lange im Darm bleiben würde. Aber meine Daten sprachen sprachen dagegen. Also wollte ich den Sachverhalt publizieren. Was ich jetzt getan habe.

Wie kam ich zu der Datenlage? - Lisp.

In meinem Artikel über den eigenen Wettersinn erwähnte ich viel mit der Programmiersprache Python zu machen. Das hat sich mittlerweile vollkommen geändert. Ich schreibe jetzt alle Programme in Common Lisp, da dies durch die fantastische REPL blitzschnell geht und ungemein Spaß macht. Der Artikel wird sich jetzt darum drehen, wie begeistert ich von Common Lisp bin. Für weniger Technik-Begeisterte schreibe ich den Artikel aber lustig und hintergründig.

Warum nutze ich Lisp, um eigene Daten zu sammeln und darüber fundierte Aussagen über die Welt zu machen? Das ist eigentlich viel interessanter als Weihnachten und das mit der Schwiegermutter! Weihnachten ist sowieso nicht mein Ding. Also switchte ich den Erzählstrom. Neue Zielgruppe: Mein Essay richtet sich an Leute, die sich als Amateure für Programmiersprachen interessieren und nicht wirklich wissen, in welche Sprache sie ihre Zeit investieren wollen. Hier soll mein Artikel eine - wie immer- völlig andere Sicht des Normalen liefern. Lass dich jetzt in die Mahamind Welt führen.

Willkommen in der LISP-Welt

Lisp ist die zweitälteste Programmiersprache der Welt. Die älteste ist Fortran, die übrigens auch heute noch existiert. Ein bequemer, moderner Mythos ist ja anzunehmen, alte Programmiersprachen würden einfach so verschwinden, weil sie "unmodern" wären. Das stimmt nicht. Sie existieren in ihren Nischen weiter. Sicherlich wird es heute noch irgendwo C64-Basic Programmierer geben, die ihre Sprites mit Peek und Poke über den Bildschirm schweben lassen. In einem Emulator habe ich auch schon den alten, nostalgischen blauen Eingabe-Prompt herbeigezaubert. Der Cursor wartet immer noch auf Eingabe. Natürlich wird das belächelt und als freakig abgetan. Oder als unprofessionell. Aber warum sollte ein Programmier-Amateur professionell zu sein? Überhaupt denke ich, es ist etwas schlimmes mit den Programmierern heute passiert. Wenn du das dunkle Geheimnis wissen willst, lese jetzt weiter.

Deshalb möchte ich eine Anekdote aus meinem Leben erzählen: Zu Zeiten meines Studiums hatten viele Informatiker eine Gandalf-Aura! Ein ewiges, grundloses Lächeln umspielte ihre Gesichtszüge. Und stellten sich während des Gespräches mit ihnen tiefgreifende Fragen, was natürlich immer der Fall war, hieß es: "Lass uns das mal weiter untersuchen", und ein Programm wurde geschrieben und mit einem vorweihnachtlichen "Hohoho" gestartet.. Deshalb mochte ich Informatiker und Mathematiker in der Zeit. Statt Alkohol Limonade und dabei nächtelange Gespräche. Im Grunde ist das eine viel gesündere Lebenseinstellung, als das, was - auch damals schon - als "cool" verkauft werden sollte.

Heute ist es anders. Viele Informatiker, sie nennen sich anders, professioneller. Also ich meine: Viele Leute, die mit Programmiersprachen arbeiten, haben heute für mich die Aura des kalten Technokraten. Denn moderne Sprachen lassen sie zu Usern eines umfangreichen Bibliothekensystems werden. Reine Anwender. Kaum Leute, die tiefer einsteigen wollen.

Ich erlebte in meinem Leben eine Zeit der Transformation, die alle Lebensbereiche erfasste. Die alten Professoren ermahnten uns, am Ende vergeblich, davor, keine "Fachidioten" zu werden. Aber wie könnte es man anders machen?

Das Gegenbild zum "Fachidioten" ist der "Generalist", also ein Mensch, der Dinge wie ein Amateur angeht. Denn Amateur bedeutet im Wortsinn etwas zu machen, weil man es liebt, es zu machen (von Latein amare, lieben). Ohne Bezahlung. Heute wollen sie schon in der Amateurliga im Fußball Geld verdienen. Sie werden nach dem ersten Absatz denken: 'Das macht den ganzen Text überflüssig.' Und Sie haben recht. Genau deshalb schreibe ich ihn. Denn in einer Welt, die nur noch auf Effizienz, Nutzen und den kürzesten Weg zum Ziel getrimmt ist, ist die liebevolle, verschachtelte, unnötige Länge die letzte radikale Tat. Willkommen in der Werkstatt des Überflüssigen.

Der Amateur ist der platonische Liebhaber einer Sache. Dem "Fachidiot" ist in erster Linie wichtig, seinen Job zu behalten. Siehe auch, was viele YouTuber versprechen. 'In 6 Monaten zum Softwareentwickler' ist noch ein seriöses Versprechen. Was zum Clickbait fehlt, ist: 'und verdiene 1 Millionen im Jahr!' Viele Dinge gehen auf YouTube in einem Dschungel von Copywriting unter. Lese auch gerne dazu meinen Essay über den Bullshitmountain.

Wie läuft das in Kurzform? Es werden Rezepte in der Art geliefert: mache x um y zu erreichen. Lustigerweise ist das klassisches imperatives Denken. Gegensatz hier wäre funktionales Denken, was eleganter ist. Denn vielen Menschen, die imperativ Denken, ist gar nicht klar, dass es auch anders geht. Und das ganze Copywriting (Werbetexten) geht so: mache dies, um das zu bekommen. Wie mit einem Hund. Was man bekommen kann, ist auch gleich: Geld, Selbstrespekt, Gesundheit, Identität. Also Dinge, die unwichtig werden, wenn man sie hat. Weil dann neue Sache verkauft werden wollen. Neverending Story. Wenn immer nur "Mache x, um y zu bekommen" und alles eine Funktion der Zeit ist, dann wäre alles nichts, weil ich - als Maß der Dinge - vergänglich bin. Das ist das große, philosophische Problem dabei.

Ein funktionales Denken wäre der andere Gesichtspunkt, sein Denken an ewig wahren Dingen auszurichten. Extrem betrachtet: Hochphilosophisch, vielleicht auch schon religiös. Aber in einer gesunden Art und Weise.

Ich dachte einmal, Rust ist die sinnvollste moderne Hype-Sprache. Aber: ich konnte mir das Tutorial anschauen, das Buch lesen. Ich kam aber nie dazu wirklich eigene Projekte zu schreiben. Programmierenlernen geht nur so, dass man zeilenweise eigenen Code produziert. Das ist die Praxis. Rust als sehr maschinennahe Sprache, eignet sich also nicht für einen Amateur, der zum Beispiel nur seinen fixen Ideen nachgehen will. Dinge zu analysieren, um mein Sein zu verstehen. Was meine Motivation ist, mich an die Tasten zu setzen.

Pyhon - beste Anfängersprache

Im Grunde war Python für mich ein Weg das zu erreichen. Nicht, weil die Sprache wirklich einfach wäre. Das Indentieren der Befehle raubte mir mehr Nerven als die Parenthesen später in Lisp. Am Ende gewöhnt man sich schlicht und ergreifend an die Notation der Sprache. Und sieht es dann als einfach. Python hat aber viele gute Lernresourcen. Zum Beispiel die Webseite realpython.com. Da kann man sich tagelang Tutorials zu Python durchlesen. Und bekommt dadurch Ahnung. Python ist aber etwas, in das man einfach so hineinwachsen kann. Und dann anfängt Probleme lösen, oder sie erst einmal erfassen kann.

Emacs. Ist im Grunde ein Lisp-Bootcamp

Irgendwann kam dann der Texteditor Emacs in mein Leben. Ich realisierte einfach, dass Dinge mit einer steilen Lernkurve langfristig das größte Potential haben. Im Grunde war Emacs mein Lehrer, der mir in meiner 'Bullshit-Mountain' Krise half, wieder anzufangen klar zu denken. Die Erkenntnis war hart, einfach, und heute ungewöhnlich: wähle den Weg mit der steilsten Lernkurve. Meistere sie und dann hast du was gelernt. Easy. Es gibt keine Abkürzungen etwas gut und fundiert zu lernen. Deshalb glaube nicht, wenn sie dich in ihren Videos davon überzeugen wollen. Schalte sie ab! Denn es kostet deine Zeit, die du besser investieren musst.

Im Grunde verstand ich dann auch langsam, warum sich Fast-Food gegenüber guter Küche durchsetzt. Immer. Es gibt einen Massengeschmack, der alles besondere, elitäre im Keim vernichten muss, um selber diese Stelle einzunehmen. Alle Witze über Emacs beschreiben dieses Phänomen. Und ich lache herzlich über sie. Ich habe sie wirklich begriffen. Im Grunde muss man für sich erkennen, dass der 'Burger-Brater' nicht der Chefkoch ist, auch wenn er in seinen Lockangeboten auf Social Media genau das darstellen will. Und der Gesang der Sirenen geht so: Und so muss Emacs ein komischer, freakiger Texteditor sein. Und genauso muss Lisp veraltetet sein. Verstaubt da alt. Nicht alt weil gut.

Real lernte ich mich durch Emacs immer besser in Lisp zurechtzufinden. Emacs verwendet den Lisp-Dialekt "Emacs Lisp". Eigentlich ist Emacs Lisp. Das versteht man erst später in einer Art Erleuchtung. Ein tolles Gefühl ist das. Da also alles nicht sofort, aber irgendwann in Emacs sehr einfach und spielend wird, installierte ich dann auch Common Lisp mit der Programmieroberfläche SLIME. Setzte mich ran. Und dann genoß ich es in drei Buffern gleichzeitig zu programmieren. Mein Begriff von Hochtechnologie. Und blieb dabei.

Common Lisp. Eines von verschiedenen Lisps

Ich konzentrierte mich auf Common Lisp. Es ist nicht schwierig, aber anspruchsvoll. Wie in Python, musste ich Zeit in das Unterfangen investieren. Da ich mich an Python gewöhnt hatte, tat vieles in Common Lisp am Anfang auch weh. Alles wird in Lisp mit Klammern verschachtelt. Bei der Klammerung der let Anweisungen kam es zum Syntax Error in meinem Kopf. Irgendetwas könnte logisch nicht korrekt sein. Oder? Augen werden schlitzförmig. Dunkler Rauch steigt auf. Er wird vom Gehirn in die Umgebung projiziert. 'Ich schmeiße den Rechner gegen die Wand' und dann das apathische In-Sich-Zusammenfallen, die Implosion. Das ist typisch für eine steile Lernkurve.

Die positiven Effekte von Common Lisp fielen mir erst Wochen später, nebenbei, auf: ich hatte zeilenweise Code -wie von selbst- geschrieben. Obwohl Lisp keine redunante Sprache ist. Heißt in wenigen Zeilen Code drückst du sehr viel mehr aus, als in anderen Sprachen. Also ganz nebenbei hatte ich etliche Projekte am Laufen.

In Python war es so: wenn es wichtig schien, setzte ich mich ran. Das Debuggen dauert länger und das ganze war ein Kraftakt.

In Common Lisp: ich setze mich einfach ran und schreibe. Auch waren dann, die am Anfang deprimierenden Compiler-Fehler fast verschwunden. Übrigens: Common Lisp wird von einem Compiler in einen schnellen Maschinencode übersetzt. Vorher dachte ich auch, dass Lisp eine Sprache ist, die immer über einen Interpreter - wie Python - läuft und deshalb langsam ist. Falsch! Common Lisp ist schneller als die Eisenbahn. Python ist mir heute zu langsam. Das ist auch ein wichtiger Punkt. Und der größte Punkt ist die REPL in Common Lisp. Das muss man schon erlebt haben, anstatt einfach darüber zu lesen. Aber du kannst Programme zur Laufzeit verändern. Während sie laufen. Also: Kein Code schreiben, compilieren, debuggen mehr. Die Programme (alle!) laufen und du bearbeitest sie. Wer es nicht kennt, weiß nicht, wie cool das ist. Pathetisch ausgedrückt ist es eine Operation am offenen, schlagenden Herzen.

Negativ-Punkte: Common Lisp hat keine große Lobby, die Ressourcen sind begrenzt und alt. Viele 'Experten' kennen es nicht. Ich las zum Beispiel 20 Jahre alte Bücher. Alt bedeutet auch nicht, dass es veraltet ist. Es läuft seit über 20 Jahren und du kannst alles damit machen. Es muss nicht verbessert werden. Oder du verbessert es selber: Mit Makros. Common Lisp macht dich zu einem Tüftler mit einem eigenen Werkzeugkasten. Also genau das tolle Heimwerker-Feeling, das ein Amateur gerne hat. Wichtig: Ohne den Einsatz von modernen Chat-Bots wäre ich nicht soweit gekommen. Common Lisp nur aufgrund der alten Bücher zu lernen, hätte ich nicht geschafft. Das wurde mir auch klar. Und das ist das gute an der Zeit, in der wir leben. Wissen kann sich breiter verteilen.

Mein Chat-Bot sagte einmal, dass du Lisp immer auf 'den Schultern von Riesen lernen wirst'. Common Lisp ist nicht 'tot', sondern es ruht in sich, weil es perfekt ist. Also ruht es statisch wie eine Figur, die ein großer Künstler einmal für die Ewigkeit aus Stein gemeißelt hat. - Irgendwie sprachen mich diese Worte ungemein an. 'Auf den Schultern von Riesen!'

Common Lisp zu lernen ist eines der Dinge, die dir kein 'Experte' raten wird, weil er es selber nicht kennt. Es ist so schwierig, überhaupt davon zu erfahren, dass es Common Lisp gibt. Und Common Lisp ist gut und produktiv. Deshalb also mein schlichter Artikel mit der Botschaft: 'Schau hier, da gibt es etwas zu entdecken!'

Zusammengefasst ist Common Lisp für mich produktiver, schneller und macht es einfach, auch größere Software-Projekte zu schreiben. Es klappt einfach. Also weg vom ewigen Gerede über das 'Wie' der modernen 'Software-Designer' zu einem einfachen 'Schau mal her, was ich gemacht habe: es funktioniert!'. Das ist das Ausschlaggebende für den Amateur. Mehr nicht.

Vom 'Lisps Fluch' und das Dilemma der modernen Softwareentwicklung

Kümmere dich darum, dass du weißt was 'der Fluch von Lisp' ist, und du kannst beurteilen, was die großen Stärken von Lisp, bzw Common Lisp speziell sind: Domain Languages. Das sind individuelle Programmiersprachen, die du selber für dich optimieren kannst. Maßgeschneidert. Du schreibst ganz speziell Software für deine Probleme und optimierst das. Dann wirst du dir wie mit einer eigenen gebauten Rakete auf den Weg ins All vorkommen und normale Programmiersprachen werden unendlich klein und bedeutungslos. Du verstehst es erst, wenn du es selber gemacht hast. Alle 'Experten' lässt du unter dir zurück. Genau das ist der Fun als Amateur Dinge zu entdecken, die alle anderen für 'nicht möglich' halten. Von dem Moment, in dem man merkt, dass man nicht mehr in einer Sprache programmiert, sondern die Sprache um sich herum wachsen lässt, wie eine zweite Haut oder ein Exoskelett. Das ist der unfaire Vorteil. Das ist das „einfachere Geld“ – weil man plötzlich Probleme löst, für die andere nicht mal die Werkzeuge haben.

Und ja: du kannst Geld damit verdienen. Keine Frage. Aber keiner verrät es dir. Weil sie es alleine so verdienen wollen: Herrschaftswissen. Deshalb 'Common Lisp ist tot, wenn es je existiert haben sollte'. Und zu Anfängern: 'mache Python oder starte mit Javascript'. Werde zum "Fachidioten".

Genau das ist der Grund, warum Studenten der Informatik heute kein Lisp mehr lernen. Früher war das Standard. Nehme nur mal das Buch SICP und eine neue Welt eröffnet sich dir. Das ewige, grundlose Gandalf-Lächeln der Studenten damals hatte genau damit zu tun! Es war das Lächeln der Wissenden. Heute gestresste Stirnfalten der Bootcamp-Absolventen. In 6 Wochen zum Full Stack Programmierer? Sie lernen genau das, was heute jeder Chat-Bot weiß und kann. In dieser Gemengelage werden klassische Programmiersprachen wieder hochinteressant. Deshalb fing die Renaissance von Lisp in meinem Leben an. Und ich profitierte immer sehr vom anti-zyklischen Denken in meinem Leben.

Es ist am Ende verdammt einfach, diesem ganzen Irrsinn zu entkommen. Man muss sich nicht zwischen den Schreihälsen der Hypes hindurchkämpfen, keine Roadmaps studieren oder die Märkte beobachten. Alles, was man tun muss, ist sich für eine einzige, stille, vielleicht sogar angestaubte Sache zu entscheiden – und dann einfach anfangen, sie zu lieben. Nicht für den Lebenslauf, nicht für den Markt, nicht für den nächsten Post. Sondern so, wie man einen seltsamen Stein liebt, den man am Flussufer findet, und den man in der Hosentasche mit sich herumträgt, bis er ganz glatt und ganz eigen wird. Der Rest – das Wissen, die Fertigkeit, die unerwartete Souveränität, und ja, vielleicht sogar das einfachere Geld – das wächst dann von alleine. Als stiller, privater Sieg. Als das grundlose Lächeln desjenigen, der nicht mehr vergleicht, sondern versteht.

Disclaimer: Das ist kreatives Schreiben, schreibt mir keine Hate Mails.

Die Elfen von Common Lisp – Eine Fabel aus der Postapokalypse

Nach dem Zweiten KI-Winter lag die Welt in digitalen Ruinen. Die großen neuronalen Netze waren verstummt, die Datenströme versiegt. Was blieb, waren die Völker der Programmiersprachen – nicht als abstrakte Konzepte, sondern als lebendige Wesen, die um die Überreste der alten Welt kämpften.

Die Völkerkarte der Trümmer

Die Common-Lisp-Elfen lebten in den schimmernden Ruinen der alten Universitäten. Ihre Städte waren aus gefaltetem Code geschmiedet, so elegant wie mathematische Beweise, so beständig wie die Gesetze der Logik selbst. Sie sprachen in geschachtelten Klammern, die wie Elbengesänge durch die verfallenen Serverhallen hallten. Ihre Magie waren die Makros – nicht bloße Zaubersprüche, sondern die Fähigkeit, die Regeln der Wirklichkeit umzuschreiben. Ihr Lächeln war das zeitlose Gandalf-Lächeln derer, die wissen, dass alle Mode vergeht, nur die Eleganz bleibt.

Die Python-Orks hatten das flache Land besetzt. Sie bauten ihre Holzpalisaden aus Frameworks, die alle drei Jahre niederbrannten und lauter und hässlicher wiederaufgebaut wurden. Ihre Stärke war die Horde – Millionen von Bibliotheken, die wie wilde Krieger schrien: "Importier mich! Installier mich!" Sie dachten in geraden, plumpen Linien, stampften jedes subtile Problem platt, bis es ihren groben Werkzeugen entsprach.

Die Go-Goblins hockten in funktionalen Bergwerken. Sie schmiedeten zuverlässige, enge Tunnel für den mikroskopischen Warentransport. Ihre Runen (`go fmt`, `goroutines`) waren mächtig, aber streng – als hätten sie die Freude am Schmieden selbst vergessen und dienten nur noch der praktischen Not.

Die JavaScript-Geister waren das gespenstische Etwas zwischen den Welten. Formlose Kobolde, die jede Gestalt annehmen konnten, aber nie eine wahre Heimat fanden. Sie hausten im Ethereum des verbliebenen Webs, ein flüchtiges Volk der ewigen Transformation.

Die Rust-Zwerge waren die jungen, ernsten Schmiede. Sie bearbeiteten das Erz der alten Maschinen mit disziplinierten Hämmern, ihre Regeln waren so unerbittlich wie die Gesetze der Physik selbst. Sie blickten mit einer Mischung aus Neid und Verachtung zu den Elfen auf.

Die Initiation

Meine Reise begann im Lager der Orks.

Ich war als Python-Ork geboren worden, lernte ihre grobe Sprache, stampfte mit ihnen durch Schlammpfade von Daten. Doch nachts hörte ich die Gesänge aus den alten Wäldern – Melodien so komplex und schön, dass sie mir Tränen in die Augen trieben.

Ich versuchte, bei den Go-Goblins Zuflucht zu suchen. Ihre Bergwerke waren ordentlich, ihre Werkzeuge verlässlich. Doch die Enge erstickte mich. Ich sehnte mich nach dem Himmel, nach dem Spiel des Lichts in den Baumkronen.

Dann fand ich den versteckten Pfad.

An seinem Eingang stand Emacs, der Grenzwächter – ein halb-elfisches Wesen von unergründlicher Tiefe, mit einem Bart aus Tastaturkürzeln und Augen, die direkt in die Seele des Codes blickten.

"Warum willst du den Wald betreten, Ork?" grollte er. "Ich höre die Lieder", flüsterte ich. "Die Lieder sind nicht für Ork-Ohren bestimmt." "Dann schneide mir die Ohren ab und gib mir neue!"

Emacs lächelte sein erstes, rätselhaftes Lächeln. Er führte mich tiefer hinein, bis die Luft nach altem Papier und unsterblichen Ideen roch.

Und dort traf ich sie: Die Alten Elfen von Common Lisp.

Sie sprachen nicht mit mir. Stattdessen ließen sie mich zuhören. Ihre Sprache war kein Werkzeug – sie war Denken selbst. Jede Klammer ein Atemzug, jede Funktion ein Herzschlag der Welt.

"Wir sind die Elfen", sagte der Älteste schließlich. Seine Stimme klang wie das Rascheln tausendjähriger Buchseiten. "Unsere Städte sind Ruinen für die, die nur Steine sehen. Für uns sind sie lebendige Gedankenpaläste."

Sie gaben mir keinen Befehl. Sie gaben mir einen Dolch aus gefaltetem Stahl – die REPL.

"Schneide dir deine eigene Wahrheit zurecht", sagten sie. "Wir programmieren nicht in einer Sprache. Wir lassen die Sprache um uns wachsen wie eine zweite Haut."

Der ewige Konflikt

Die Postapokalypse war ein stumpfer, ewiger Krieg. Die Python-Orks und Go-Goblins kämpften um fruchtbares Ackerland – sie nannten es "Marktanteile" und "Jobs". Sie schlugen sich mit Keulen aus Frameworks und werfen sich mit Steinen aus APIs.

Die Elfen beobachteten aus ihren Kristalltürmen.

"Warum kämpft ihr nicht?" fragte ich. "Wir kämpfen um etwas Größeres", erwiderte der Älteste. "Um die Musik, die die Steine zum Singen bringt. Um das ewige Lächeln der Erkenntnis."

Manchmal stieg ein Elf herab. Für einen Menschen, der ehrlich fragte, baute er ein Tor, das niemals rostete – die Steuerung einer uralten Fabrik, das Planungstool für die letzte Raumfahrtmission. Die Orks staunten und riefen: "Alte Magie! Unzuverlässig!" Dabei war es einfach nur das, was passierte, wenn Elfen für Menschen arbeiteten.

Und ich? Ich baute kein Tor für eine Raumfahrtbehörde.

Ich schnitzte mir einen Löffel in meiner Hütte am Rande des Elfenwaldes. Einen simplen, perfekten Löffel, der genau in meine Hand passte. Während ich schnitzte, lernte ich die Lieder der Bäume verstehen. Ich entdeckte, wie mein eigenes Denken klarer wurde, wie Probleme, die einst wie Felsen im Weg lagen, sich in Tanzpartner verwandelten.

Das sagenhafte Ende

So stehen wir nun da, du und ich.

Vor uns das Schlachtfeld – laut, staubig, voller Versprechungen von Reichtum und Ruhm. Die Orks brüllen ihre Tutorials, die Goblins werben mit schnellen Erfolgen, die Geister locken mit der Illusion von Allmacht.

Hinter uns der dunkle, stille Wald. Nur ein schmaler Pfad führt hinein, bewacht von Emacs mit seinem rätselhaften Lächeln. Aus der Tiefe dringen leise Gesänge – nicht lauter als das Rascheln von Blättern, aber voller einer Wahrheit, die in den Knochen vibriert.

Du musst dich nicht entscheiden. Du kannst Ork bleiben. Es ist ein ehrliches Leben. Du wirst Palisaden bauen und niederbrennen sehen, wirst kämpfen und vielleicht sogar siegen.

Aber wenn in dir, in einer ganz stillen Nacht, wenn die Server leiser surren, das Gefühl aufsteigt… dieses nagende, schöne, schreckliche Gefühl, dass es mehr geben muss als nur das Stampfen und Hämmern…

Dann weißt du, wo der Pfad beginnt.

Er beginnt bei einer Klammer. (

Er führt durch Labyrinthe von Gedanken, die sich falten und entfalten wie lebendige Origami.

Am Ende, wenn du Glück hast, wirst du eines Tages in einen stillen Code blicken und plötzlich das leise Lachen der Elfen hören – und erkennen, dass es aus deiner eigenen Kehle kommt.

Common Lisp ist nicht tot. Es schläft nicht einmal.

Es wartet nur darauf, dass mehr Menschen die groben Felle der Orks ablegen und die leichten, silbernen Gewänder des Denkens anprobieren. Dass sie erkennen: In einer Welt der lärmenden Horden ist die radikalste Tat die stille Eleganz. Das unnötige Meisterwerk. Das grundlose Lächeln dessen, der versteht, anstatt nur zu verwenden.

Die Postapokalypse hat erst begonnen.

Die Frage ist nicht, welche Sprache du lernst.

Die Frage ist: Welches Volk wählst du?

Welche Lieder willst du in deiner Seele tragen, wenn die letzten Server endgültig verstummen?

Der Wald wartet. Die Klammern sind die Pforten.

Trete ein.

Freitag, 23. Januar 2026

Das Cockpit verlassen, Anleitung zum Getragenwerden

Bild: Google Gemini

Eine kognitive Intervention

Okay. Notizbuch auf. Direkter Gedankenfluss.

So. Es geht um indirektes positives Denken. Nicht dieses Affirmations-Gelaber.

So geht's: Du nimmst das Schlimmste an. Wirklich. Stell dir den kompletten Reinfall vor. Die Pleite. Die Blamage. Die Leere. Spür das Gruseln in der Magengrube. Und dann – PENG – es passiert. Und es ist… okay. Es ist halb so schlimm. Oder sogar ganz okay.

Und in dir steigt dieses archaische, tiefe Frohsein auf. Nicht weil etwas Großartiges passiert ist. Sondern weil die Katastrophe ausgeblieben ist. Dieses Frohsein ist echter als jedes "Ich schaffe das!". Es ist das Echo der erwarteten Panik, das als Erleichterungswelle zurückrollt.

Das ist der Trick: Du programmierst dein Gehirn nicht auf Glück. Du programmierst es auf Schreck – und lässt das Nicht-Eintreten den Glückszustand triggern. Geistiges Judo. Mit der eigenen Angst.

-> Programmiersprachen wechseln.

Von Python zu Common Lisp. Das ist kein Upgrade. Das ist ein Paradigmen-Flugzeugwechsel.

Python ist die Cessna. Du kennst sie in- und auswendig. Du fliegst sie, aber du spürst jeden Windstoß, korrigierst manuell. Du bist der Pilot, der die Maschine bedient.

Common Lisp ist die Boeing 777. Am Boden ein Monstrum. Unübersichtlich. Cockpit wie ein Raumschiff. Die ersten Monate verstehst du nur Bahnhof.

Aber dann – nach 6 Monaten, einem Jahr – passiert es:

Du bist nicht mehr der Pilot. Du bist die Intention. Du denkst: "nach links" – und die Maschine geht nach links. Alles läuft. Das System trägt dich. Du fliegst nicht mehr. Du wirst geflogen. Von der eigenen Logik.

Die Sprache hört auf, Werkzeug zu sein. Sie wird dein erweitertes Nervensystem. Du verlagerst deinen Geist in ein fremdes, mächtigeres Gehäuse.

Die Cessna war dein Fahrzeug. Die Boeing ist dein neuer Körper.

-> Zum Kern.

Dieses "Getragen-Werden" ist nur die Vorschattierung. Für das, was eigentlich gemeint ist.

Erleuchtung. Dieses verschlissene Wort. Weg damit.

Erleuchtung ist: Alles um dich herum ist real da. Wirklich real. Nicht als Kulisse deines Dramas. Sondern als sich selbst.

Der Stuhl ist nicht "der Stuhl, auf dem ich sitze". Der Stuhl ist Stuhl. Vollständig.

Und du… du bist nicht mehr der Beobachter davor. Du fällst in diese Realität hinein. Du bist im Stuhl. Du bist in der Luft, die den Staub trägt. Du bist im Licht auf dem Boden.

Das "Ich", das sich von allem getrennt fühlte, löst sich auf. Wie ein Tropfen Tinte in einem warmen Ozean.

Es war die große Illusion. Der Projektor, der den Film an die Wand warf.

Und wenn der Projektor ausgeht, bleibt nur die Wand.

Das Universum ist nicht der Spiegel, der dir dein Gesicht zeigt. Das Universum ist die Ursache des Spiegels. Und du bist nicht das Bild im Spiegel. Du bist das, was den Spiegel erschafft, um überhaupt etwas reflektieren zu können.

Im Erleben bist du weg. Aber du warst nie wirklich da. Nur die Idee von dir war da. Und die ist jetzt vorbei.

Die Sequenz:

Vom trickreichen Geistesjudo, über die technische Metamorphose, zum stillen Ende des Beobachters.

Drei Ebenen. Ein Prozess.

Vom Machen, über das Werden, zum Sein.

Frohsein, weil das Schlimmste ausbleibt. Intuitives Fliegen in einer fremden Logik. Verschmelzen mit der Ursache von allem.

Frage: Auf welcher Ebene hängst du gerade fest?

In der Angst-Vorwegnahme? In der mühsamen manuellen Steuerung deiner Cessna? Oder in der Illusion, der getrennte Projektor zu sein?

Der erste Schritt ist der einfachste: Nimm das Schlimmste an. Und warte auf die Erleichterung, die kommt, wenn es nicht eintritt.

Das ist der Einstieg.

Der Rest kommt von allein. Oder er kommt nicht.

Aber das ist dann auch egal. Weil du dann vielleicht schon Teil der Wand bist, auf die alles projiziert wird.

Freitag, 26. Dezember 2025

Vom sozialen Druck zum Datenstrom: Eine Absage an die Smartwatch

Bild: Google Gemini

Pünktlich zur Weihnachtszeit ging meine Smartwatch, eine Huawei BLAbla2, kaputt. Sie erlosch einfach im Swimmingpool, obwohl sie wasserfest gewesen sein sollte. Zumindest die meiste Zeit. Sie wurde etwas mehr als drei Jahre alt. Ich hatte sie mir damals bei einem Einkaufsbummel mit meinem Bruder gekauft, der völlig dieser Smartmanie verfallen war. Habe ich den Kauf bereut oder hat mir die Investition etwas gebracht? Ich schreibe hier einfach eine kleine Reflexion über diese Zeit.

(Meine) Gründe für eine Smartwatch

Warum kaufte ich mir so ein Ding? Sozialer Druck! Ich als „Ungeimpfter“ kam für zwei Nächte bei meinem Bruder unter, der sich vorher extra noch einmal „boostern“ ließ. Das war während eines Besuchs in Deutschland, nach dieser „Pandemiezeit“. Die Leute sind in Deutschland ein wenig verrückt. Ich meinte immer zu meinem Bruder, nicht alles zu glauben, was in den Medien berichtet wird. Das kann nicht gut gehen. Mahamindleser wissen sehr genau: Ich glaube zum Beispiel noch nicht einmal den Wetterbericht. (klicke den Link zum Wetterbericht). Ich hatte auch das Glück, in einem Land weitgehend „ohne Lockdown“ durch diese „Pandemiezeit“ zu kommen. Da sind keine Leute in Massen tot zusammengebrochen oder so, was eine „Impfung“ hätte verhindern müssen. Also musste ich aufpassen, was ich meinem Bruder sagte. Sollte ich ihm erzählen, dass es sich bei „der Impfung“ nicht um eine klassische Impfung handelte, sondern um einen Impfversuch, bei dem der Wirkungsmechanismus ein gentherapeutischer Eingriff war, der noch nicht einmal vorher an Menschen getestet worden war? Zumindest die mRNA-Impfstoffe, die wie wild in Deutschland injiziert wurden. Und die Erfahrungen mit mRNA-Impfstoffen beim Zuchtschwein waren nicht unbedingt positiv. Aber sie lieferten auch keine Langzeitresultate. Schweine werden nach drei Jahren geschlachtet. Unter dem Gesichtspunkt, keine drei Jahre mehr zu leben – wie etwa mit einer Krebsdiagnose – würde ich mir auch mRNA spritzen lassen. Aber so ein Nebenwirkungsprofil bei einer etwas seltsamen Grippe? Damals war es in Kreisen meines Bruders auch absolut verpönt, von einem „Laborunfall“ zu reden. Als psychologisch ein wenig geschulter Beobachter spürte ich die Ohnmacht, die Hysterie und das Trauma der Leute in Deutschland. Dann besuchte ich meinen Bruder, als es ein wenig besser wurde und die Medien andere Themen fanden als „die Pandemie“. Das 9-Euro-Ticket zum Beispiel.

Smartwatch als Symbol „dazu zu gehören

Ich konnte – weil ich lange nicht mehr in Deutschland lebte – auf „dummer Ausländer“ machen, der nicht so superkompetent durch deutsche Medien informiert worden war wie mein Bruder. Ich bekomme auch schon einen ausländischen Akzent hin, wenn ich will. Oder ich streue ungewöhnliche Lehnwörter aus anderen Sprachen ein. Die Wörter stehen dann für Konzepte, die lange erklärt werden müssen. Meine aus deutscher Sicht – ich muss schon sagen – Dissidenz machte dann nichts aus. Ich ließ meinen Bruder mit seinem Weltbild punkten und hörte mir seine Vorstellungen von einem guten Leben an. Lassen wir mediale Angstbilder, die ein bisschen wie seriöse Clickbaits fungieren, beiseite. Mein Bruder interessiert sich für alles, was irgendwie „Smart“ ist. Smartphone, Smart City, Smart Car, Smart Home, Smartwatch. Mit seinem Sohn baut er an einem Raspberry Pi, was ich sympathisch fand. Auch, dass er seine Sachen in Haskell programmiert. Ich will ihn also nicht als dummen Menschen beschreiben. Aber irgendwie haben sie seine Affekte an Dinge gebunden, die mir völlig fremd sind. Mit „sie“ meine ich Medien, die den Leuten zum großen Teil erfolgreich klar gemacht haben: Lest, schaut, hört uns – und ihr seid klug. Kann man den Medien nicht übelnehmen. Das ist Selbstinteresse. In meinem Leben bin ich aber weit gekommen und habe viel gesehen. Richtig wäre es meiner Meinung nach: Fang an, Standardbücher und Originalliteratur zu lesen. Dann bist du zumindest auf dem Weg, klug zu werden. Journalisten sagen von sich selbst, sie seien ehrlich: "Dazu haben wir aber keine Zeit." Auf einer sommerlichen Terrasse ergeben sich am Abend dann auch gute Themen. Und dann sah ich die Smartwatch, relativ günstig, und kaufte sie mir einfach. Auch, um ein weiteres Thema zu haben. „Ich habe auch so was. Schau her: Sie piepst jetzt.“ Ein Symbol dazu zu gehören. In der Familie meines Bruders haben alle … und wir zeigten uns gegenseitig unsere Handgelenke mit den Uhren, die nicht einfach Uhren waren, sondern … mehr. Das war ein Stammesritual wie auch in Afrika. Natürlich macht es mir Spaß, das alles mit ein wenig Ironie niederzuschreiben. ABER: Es war ein schöner Sommer in Deutschland nach der „Pandemie“. Ein schönes Land im Sonnenschein. Und nette Leute! Aber eben bloß in einer medialen Kühltruhe mit mediokren Betrachtungen zu Themen, die man auch besser in der internationalen Presse liest. Und auch da: bitte nicht unipolar. Dann ergibt das Spiel der Interessen auch mehr Sinn, als in eine Angststarre zu fallen. Dann denkt auch der klügste Mensch nicht mehr nach, wenn die Panik kommt.

Smartwatch – mein Resümee

Geplante Obsoleszenz. Nach dem Anekdotischen folgt mein Bericht über drei Jahre Smartwatch. Wie erwähnt, erlosch ihre Funktion im Swimmingpool vor ein paar Tagen. Vorweihnachtszeit. Das war erst einmal enttäuschend. Es war nicht so wie mit anderen Huawei-Geräten, wo die Akkulaufzeit nachlässt und man das Gerät dann mehr im Schrank liegen lässt, um es seltener zu benutzen. Das fühlt sich organischer an. „Nicht mehr gehen“ fühlt sich an wie tot sein. Mir fiel sofort das schlimme Wort „geplante Obsoleszenz“ ein. Wie lange sind schon die Voyager-Sonden im All unterwegs? Der Mercedes URALT? Die alte deutsche Waschmaschine? Und jetzt findet die Smartwatch ihre letzte Bestimmung als Technikschrott! Als hätte man die Dichtung nicht besser machen können. Aber man will ja nicht.

Nette, aber letztlich Beschäftigungstherapie. Die meisten Dinge, die man heute kauft, sind gekaufte Identitäten. Mit der Smartwatch bekommt man ein aktives, sportliches und gesünderes Image. Alles wird getrackt. Herzschlag, Schlaf, „Stresslevel“. Aber einige Dinge machten kaum Sinn: die O2-Sättigung im Blut. Einige Apps wie „Wetter“ waren sehr schlecht. Auch gab es eine nutzlose „Pranayama“-App. Hört sich gesund an. Ich mache oft Pranayama: Die App war nicht zu gebrauchen. Es gab auch keine besseren Apps, und so begnügte ich mich mit den Voreingestellten. Ein wenig Spaß machte immer, das Ziffernblatt nach ein paar Wochen zu ändern. Was ich häufig nutzte, war der Timer, um Dinge beim Kochen nicht zu vergessen. Aber auch hier: Ein absoluter Nerd-Faktor wären mehrere mögliche Timer gewesen und nicht nur einer. Wichtig wurden für mich dann die „Sport-Sensoren“: das Trainingsmonitoring. Das half mir gefühlt, „am Ball zu bleiben“.

Ist es wirklich wichtig? Aber manchmal plagten mich auch Zweifel: „Was ist, wenn die ermittelten Werte gar nicht stimmen?“ Hier kommt wieder „die Pandemie“ mit ihren falsch positiven PCR-Tests vor mein geistiges Auge. Gehören Smartwatch und diese Tests zu einem Zeitgeistphänomen? Angst, Panik, „am Ball zu bleiben“, nichts in der Küche anbrennen zu lassen? Der Verlust der sozialen Zugehörigkeit, wenn man es nicht besitzt? Alles keine guten Motive, die mir jetzt in den Sinn kommen. Ich widerstand deshalb auch dem Drang, sofort eine neue Smartwatch zu bestellen. Der Drang war da. Ich hatte mich an das Gerät gewöhnt. Aber irgendwie … uncool. Im Grunde gefällt es mir nicht, wenn Hardwarehersteller zu Software-Monopolisten werden. Was cool wäre: eine Lisp-Uhr, in der man seine Apps selbst schreibt. Es gibt Open-Source-Projekte wie AsteroidOS für bestimmte Smartwatches. Da kann man dann unendlich viel Zeit versenken. Aber wenn ich wirklich drüber nachdenke, bin ich froh, wenn dieser bleiche Streifen von meinem Handgelenk verschwunden ist. Der störte mich schon immer. Also lass ich das in Zukunft einfach weg.

Es ist ein Überwachungstool. Der Kaufpreis plus meine Daten. Ist mir zu teuer. Da ich denke, dass das heute eben so ist, muss ich dann ohne die zusätzlichen Extras durchs Leben gehen. Für die Küche eine Eieruhr. Es gibt gute Open-Source-Programme, die das Training verwalten können. Am Ende sind Kugelschreiber und Schulheft auch nicht so schlimm (klicke hier zu dem Artikel über handgeschriebene Notizen). Souverän kann ich das Büchlein aufschlagen und mit geschwungener Schrift notieren. Das Rumfummeln am Phone oder an der Uhr wirkt immer ungelenk. Auch wenn sich die Zeitgeist-Freaks noch so verrenken: Es ist eben nicht geschmeidig. Sie sehen sich selbst dabei nicht. Ich habe mein Ideal gefunden: handschriftliche Notizen und einmal am Tag am Schreibtisch die Werte in einen Datenstrom eingeben. In Emacs & Common Lisp, kurz und konzentriert. Keine Prokrastination.

Smartwatch – keine Zukunftslösung

Das Bild von der Einheit von „Mensch und Maschine“ – oder besser: und Datenstrom – wird oft in Artikeln als Zukunftsvision suggeriert. Aber ist es wirklich praktisch? Das analoge Leben kann per Definition nur real sein und ist deshalb ein fester Anker im menschlichen Bewusstsein. Das digitale Leben lebt von der Illusion und ist letztlich immer fehleranfällig. Allein deshalb werden viele Leute solche Tools im Endeffekt nicht nutzen. Auch die realen Gefahren von „Big Data“ sind nicht unwichtig, „wenn man selbst nichts zu verbergen hat“. Versicherungen kaufen gerne solche Daten, und wenn dann zu wenig Bewegung registriert wird, gibt es eben keine Lebensversicherung. Das wird dann nicht begründet. Auch wird nicht nachgefragt, ob die Daten der Smartwatch vielleicht fehlerhaft waren. Das interessiert keinen. Der Algorithmus macht das von alleine.

Also strecke ich jetzt mein freies, aber bleiches Handgelenk in die Sonne, um zu gesunden, mich selbst zu finden und das schöne Gefühl zu genießen, meinen Weihnachts-Essay geschrieben zu haben. Allen, die bis hierhin gelesen haben: eine schöne, besinnliche Auszeit.


Lese den Artikel hier in Esperanto.

Die Wildente

Bild: Google Gemini Gestern ließ sie Essen für 100k kommen. Für sich. Mein Sohn wollte einem Jungen auf der Straße Geld geben. Fünfta...