Wie werde ich wetterfühlig - oder: warum ich mir selber eine Wetter-App programmiere?
Hallo, der Blogartikel beschäftigt sich mit der natürlichen Fähigkeit des Menschen, das Wetter vorherzusagen. Gibt es so eine Fähigkeit? Kann man sie trainieren?
Wie kam es den Artikel zu schreiben?
Aus Lust an dem Thema. Mir fiel auf, dass meine Wetter-App oft völlig falsche Wetterprognose anzeigt. Und ich testete viele Wetter-Apps. Alles nicht optimal. Besonders das UI ('User Interface', graphisches Design der App) verspricht immer mehr, als es real halten kann.
Wenn man mehr verspricht, als man halten kann, dann ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Das war bei den Wetter-Apps der Fall. Ich versuche dann immer Probleme "herunterzubrechen". Das heißt sie in Teilprobleme zu zerteilen, die informativer oder sogar dann auch lösbarer werden.
Da stieß ich auf ein großes Manko der Wetter-Apps: sie archivieren keine historischen Wetterdaten. Das macht sie völlig nutzlos. Was sie liefern sind Wetterprognosen. Das sind mathematische Modelle, die dies und das vorhersagen sollen. Wenn das aber nicht klappt, dann sitzt man auf der Fehlprognose und das ist auch schon alles.
Mit historischen Daten kann man Trends ermitteln. Zum Beispiel: die Temperatur wurde die letzten 30 Tage wärmer, also kann man selber prognostizieren, dass das Wetter demnächst noch wärmer werden könnte. Ganz einfach. Ich besitze keine Ausbildung in Meteorologie (Wetterkunde) und das Buch, das ich angelesen habe, ließ ich erschrocken liegen: im Vorwort wurde gesagt, Meteorologie würden nur noch mathematische Vorhersagemodelle verwendet. Da wollte ich dann nicht einsteigen, da ich schon wusste, dass solche Prognosen oft daneben liegen. Im Grunde ist das, was Meteorologie heute ist, nicht das, was mir unter Wetterkunde vorschwebt.
Meine Vorstellungen von Wetterkunde
Kurz gesagt: Wetterkunde ist für mich wie ein Talent in einem Rollenspiel, dass man verbessern kann, um ohne Hilfsmittel (im Spiel) das Wetter vorhersagen zu können. Wird es regnen? Wie wird das mit dem Wind? Sonnenschein?
Natürlich ist der Hinweis auf das Rollenspiel spaßig gemeint. Aber im Grunde ist es doch so, dass jeder Mensch einen Instinkt dafür hat, wie das Wetter in den nächsten 24 Stunden sich verändern wird. Das kann ein großer Überlebensvorteil sein. In freier Wildbahn.
Heute denken wir, dazu mathematische Modelle erfinden oder konkret: uns von Apps sagen zu lassen, wie das Wetter werden wird. Das ist die zivilisatorische Sackgasse.
Meine Vorstellung von Wetterkunde ist also ein instinktives Wissen PLUS (wenn dann das intensivieren will): das Sammeln von historischen Wetterdaten.
Wie geht es?
Der erste Schritt ist traditionelle Himmelsbeobachtung: einfach den Himmel beobachten. Was für Wolken sind da? Lernen Wolkenformationen zu erkennen. Zum Beispiel sind Cirrus-Wolken Vorboten und Cumulonimbus-Wolken unmittelbare Zeichen für Gewitter. Hier ist es nicht wichtig, die einzelnen Wolkenformen benennen zu können. Es geht um das bewusste Wahrnehmen. Ohne Worte: Wolkenlesen wie ein Seefahrer. Die stumme Sprache des Himmels entziffern.
Ein weiterer Schritt kann das innere Einnorden sein. Also wo sind die Himmelsrichtungen, wenn ich mich durch den Raum bewege? Den Schatten im Augenwinkel als Kompass nutzen. Die unsichtbaren Linien der Welt spüren. Das ist super, um den Sonnenstand abzuschätzen. Wie spät ist es jetzt? Du kannst die Farben bei Sonnenauf- und untergang deuten ("Abendrot gut Wetterbot")
Beobachte das Verhalten der Tieren: Schwalben fliegen tief bei drohendem Regen, Ameisen werden aktiver bei hoher Luftfeuchtigkeit. Das aufgeregte Geschnatter der Spatzen im Gebüsch. Die emsige Stille der Schnecken auf dem Weg. Höre dem Gesang der Vögel zu. Oft erzählt er dir, wie das Wetter werden wird.
Lerne Gerüche bewusst wahrzunehmen: Regen riecht man oft vorher (=> das nennt man "Petrichor", letzter Absatz des Artikels geht darauf tiefer ein). Luft riecht "frisch" vor einem Gewitter.
Wie ist das körperliche Empfinden? Fallender Luftdruck (schlechtes Wetter naht) kann bei manchen Menschen Kopfschmerzen verursachen. Steigender Luftdruck (Wetterbesserung) wird oft als angenehm empfunden.
Luftfeuchtigkeit fühlen: Schwüle, drückende Luft deutet auf Gewitter hin.
Temperaturveränderung auf der Haut spüren (z.B. kühler Wind).
Praktische Tipps:
- Regelmäßig nach draußen gehen und die Wetterverhältnisse bewusst wahrnehmen.
- Eigene Beobachtungen mit der offiziellen Vorhersage vergleichen.
- Ein Wettertagebuch führen, um Muster zu erkennen.
Historische Wetterdaten per App
Im Grund ist auch hier der Schlüssel zum Erfolg das Interesse. Da ich keine wirkliche gute Wetter-App für mich fand, die auch historische Werte der letzten Tage (Jahre) verwaltete, schaute ich mir die APIs der Wetterdienstanbieter an. Historische Wetterdaten sind problemlos abrufbar. Und das oft auch kostenfrei. Man muss sich nur registrieren und dann kann man mit einem API-Schlüssel auf die Daten zugreifen. Da braucht man aber Kenntnisse einer Programmiersprache. Python ist einfach zu lernen und es gibt für alles eine Bibliothek. Am Anfang habe ich historische Wetterdaten händisch gesammelt. Das wird aber auf die Dauer zwanghaft. Aber das geht auch. Einfach in ein Notizbuch eintragen. LibreOffice-Tabelle oder was auch immer.
Aber ich jetzt: Jetzt rufe ich einfach die alten Daten ab, speichere sie auf meiner Festplatte und mein Dilemma ist gelöst. Der beruhigende Rhythmus des Code-Getippes. Die Zufriedenheit, wenn der Datensatz endlich sauber auf der Festplatte liegt. Der eigene, persönliche Wetterserver. Vom Datenkonsumenten zum Datensammler werden. Die Hoheit über die eigenen Prognosen zurückerobern. Keine "Vorhersagen" mehr. Sondern eigenes Erleben und Intuition. Hören des Winds, der Vögel. Wahrnehmen des Lichts, wie riecht der Tag? Das ist doch lebendiger als das auf das Smartphone zu starren und eine Message an jemanden am Frühstückstisch zu schicken mit der Frage: "Du, wie ist das Wetter?" Aber noch besser: Natürlich kann ich jede Frage "wie ist das Wetter bei Dir?" mit einem Griff zum Laptop und "Einen kleinen Moment!" ausführlich und fundiert beantworten. Und werde ich mal naß, liebe ich es. Denn das ist Leben.
Was ist Petrichor? Oder: Wie riecht Regen?
Am Ende, als kleinen Exkurs, noch der Versuch, Regen mit allen Sinnen zu beschreiben. Vielleicht kann das als Anregung und Motivation dienen beim nächsten Regenschauer einfach die eigenen Sinne aufzumachen. Das passiert passiv, einfach durch innerliches Loslassen.
Geruch: Der Geruch von Petrichor kann folgend beschrieben werden:
Der scharfe, ozonige Beigeschmack der Luft vor dem Gewitter. Der modrige Duft von nassem Laub. Wie ist das jetzt? Der Geruch von Regen ist der Geruch von Kindheit, von Sommernacht, von Pfützen.
erdig-modrig: Die tiefste, grundlegende Note. Erinnert an frische, feuchte Gartenerde nach dem Umgraben.
Würzig-holzig: Eine leicht pfeffrige, holzige Komponente, ähnlich dem Geruch von trockenem Moos oder verfaultem Holz, das nun befeuchtet wird.
Mineralisch: Eine scharfe, fast metallische Nuance, wie der Geruch von nassem Stein oder einer Betonplatte, die nach langer Trockenheit endlich abkühlt.
Frisch & rein: Eine saubere, belebende Obertone, die den Staub und die Trübung der trockenen Luft wegzuwaschen scheint.
Gesichtssinn: Was kannst du zu Beginn des Regens sehen? Das Flirren über dem Asphalt. Die unnatürliche Klarheit der Fernsicht. Dieses unerklärliche "Drückende" in der Luft. Die bleierne Stille. Regen wird sichtbar durch die ersten, großen Regentropfen, die auf staubigen, trockenen Boden aufschlagen. Die Magie, wie aus Staub und Trockenheit plötzlich dieser belebende Duft wird. Der Geruch, nach dem man sich sehnt, nach langen heißen Perioden. Kurz vor der Entstehung des Regenschauer ist ein schwacher, flirrender Dunst über dem heißen Asphalt oder Sand zu sehen.
Wirkung: Die Luft wirkt nach dem Regen klar und gewaschen, die Farben der Umgebung erscheinen intensiver und gesättigter.
Gehörsinn: Das ferne, dumpfe Grollen. Das plötzliche Verstummen der Vögel. Regen wird begleitet von dem charakteristischen Zischen und leisen Pochen der ersten Regentropfen, die auf den staubigen, heißen Untergrund treffen. Das Geräusch des leichten Prasselns eines sanften Landregens, der den Duft erst richtig aus dem Boden löst und in die Luft trägt.
Gefühl / Tastsinn: Gänsehaut bei kaltem Abwind. Die feuchte Kühle auf der Stirn noch bevor der Regen kommt. Oft begleitet von einer spürbaren Abkühlung der Luft und einem leichten, frischen Windhauch, der den Duft trägt. Die zuvor vielleicht drückende, schwüle oder staubige Luft wird rein und leicht und fühlt sich auf der Haut angenehm kühl an.
Geschmackssinn: Ein erdfrischer, mineralischer Beigeschmack in der Luft, den man fast auf der Zunge zu schmecken meint. Erinnert an den Geschmack von Quellwasser oder an die kühle, saubere Luft in einer Höhle – nicht direkt essbar, aber wahrnehmbar. Die gereinigte Luft schmeckt frisch und weich, im Kontrast zur scharfen Trockenheit davor.
Wissenschaftliche Note: Der Duft entsteht durch Geosmin, ein organisches Molekül, das von bestimmten Bodenbakterien (Streptomyces) produziert wird. Zusätzlich tragen pflanzliche Öle, die während der Trockenperiode freigesetzt und vom Boden aufgenommen wurden, sowie Ozon aus der Luft zum komplexen Geruch bei.
Fazit: Petrichor ist die Unterschrift des Regens unter einen Vertrag mit der Erde. Ein Duft, den keine App der Welt jemals einfangen kann.

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