Freitag, 6. Februar 2026

Warum Common Lisp für Amateure die perfekte Sprache ist!

Bild: Google Gemini

Eigentlich wollte ich einen Essay über Weihnachten schreiben. Ein Artikel aus dem Archiv. Das Essen der Schwiegermutter bedingte bei mir eine Gewichtszunahme von ganzen 5 kg! Das war eine Menge. Zuviel um realistisch zu sein. Hintergrund: Zu Weihnachten bin ich nicht mehr Funktionsvegetarier. Ich werde schwach, breche ein. Oder: Es ist mir dann egal. Oder es war mir bis jetzt egal. Das habe ich für mich noch nicht vollständig und grundlegend rationalisieren können. Aber eine Frage stellte sich mir: Bleibt Fleisch länger im Darm? Meine Daten sprechen dafür. Denn innerhalb von 3 Tagen nahm ich 3 kg ab. UND: meine Wasserzufuhr war über die Tage reduziert. Normalerweise trinke ich 3 Liter grünen Tee am Tag. Über die Feiertage bloss 1,5 Liter Wasser im Schnitt. Was ich im Internet zu dieser Frage gelesen habe, stellte aber häufig das Axiom auf, dass Fleisch nicht so lange im Darm bleiben würde. Aber meine Daten sprachen sprachen dagegen. Also wollte ich den Sachverhalt publizieren. Was ich jetzt getan habe.

Wie kam ich zu der Datenlage? - Lisp.

In meinem Artikel über den eigenen Wettersinn erwähnte ich viel mit der Programmiersprache Python zu machen. Das hat sich mittlerweile vollkommen geändert. Ich schreibe jetzt alle Programme in Common Lisp, da dies durch die fantastische REPL blitzschnell geht und ungemein Spaß macht. Der Artikel wird sich jetzt darum drehen, wie begeistert ich von Common Lisp bin. Für weniger Technik-Begeisterte schreibe ich den Artikel aber lustig und hintergründig.

Warum nutze ich Lisp, um eigene Daten zu sammeln und darüber fundierte Aussagen über die Welt zu machen? Das ist eigentlich viel interessanter als Weihnachten und das mit der Schwiegermutter! Weihnachten ist sowieso nicht mein Ding. Also switchte ich den Erzählstrom. Neue Zielgruppe: Mein Essay richtet sich an Leute, die sich als Amateure für Programmiersprachen interessieren und nicht wirklich wissen, in welche Sprache sie ihre Zeit investieren wollen. Hier soll mein Artikel eine - wie immer- völlig andere Sicht des Normalen liefern. Lass dich jetzt in die Mahamind Welt führen.

Willkommen in der LISP-Welt

Lisp ist die zweitälteste Programmiersprache der Welt. Die älteste ist Fortran, die übrigens auch heute noch existiert. Ein bequemer, moderner Mythos ist ja anzunehmen, alte Programmiersprachen würden einfach so verschwinden, weil sie "unmodern" wären. Das stimmt nicht. Sie existieren in ihren Nischen weiter. Sicherlich wird es heute noch irgendwo C64-Basic Programmierer geben, die ihre Sprites mit Peek und Poke über den Bildschirm schweben lassen. In einem Emulator habe ich auch schon den alten, nostalgischen blauen Eingabe-Prompt herbeigezaubert. Der Cursor wartet immer noch auf Eingabe. Natürlich wird das belächelt und als freakig abgetan. Oder als unprofessionell. Aber warum sollte ein Programmier-Amateur professionell zu sein? Überhaupt denke ich, es ist etwas schlimmes mit den Programmierern heute passiert. Wenn du das dunkle Geheimnis wissen willst, lese jetzt weiter.

Deshalb möchte ich eine Anekdote aus meinem Leben erzählen: Zu Zeiten meines Studiums hatten viele Informatiker eine Gandalf-Aura! Ein ewiges, grundloses Lächeln umspielte ihre Gesichtszüge. Und stellten sich während des Gespräches mit ihnen tiefgreifende Fragen, was natürlich immer der Fall war, hieß es: "Lass uns das mal weiter untersuchen", und ein Programm wurde geschrieben und mit einem vorweihnachtlichen "Hohoho" gestartet.. Deshalb mochte ich Informatiker und Mathematiker in der Zeit. Statt Alkohol Limonade und dabei nächtelange Gespräche. Im Grunde ist das eine viel gesündere Lebenseinstellung, als das, was - auch damals schon - als "cool" verkauft werden sollte.

Heute ist es anders. Viele Informatiker, sie nennen sich anders, professioneller. Also ich meine: Viele Leute, die mit Programmiersprachen arbeiten, haben heute für mich die Aura des kalten Technokraten. Denn moderne Sprachen lassen sie zu Usern eines umfangreichen Bibliothekensystems werden. Reine Anwender. Kaum Leute, die tiefer einsteigen wollen.

Ich erlebte in meinem Leben eine Zeit der Transformation, die alle Lebensbereiche erfasste. Die alten Professoren ermahnten uns, am Ende vergeblich, davor, keine "Fachidioten" zu werden. Aber wie könnte es man anders machen?

Das Gegenbild zum "Fachidioten" ist der "Generalist", also ein Mensch, der Dinge wie ein Amateur angeht. Denn Amateur bedeutet im Wortsinn etwas zu machen, weil man es liebt, es zu machen (von Latein amare, lieben). Ohne Bezahlung. Heute wollen sie schon in der Amateurliga im Fußball Geld verdienen. Sie werden nach dem ersten Absatz denken: 'Das macht den ganzen Text überflüssig.' Und Sie haben recht. Genau deshalb schreibe ich ihn. Denn in einer Welt, die nur noch auf Effizienz, Nutzen und den kürzesten Weg zum Ziel getrimmt ist, ist die liebevolle, verschachtelte, unnötige Länge die letzte radikale Tat. Willkommen in der Werkstatt des Überflüssigen.

Der Amateur ist der platonische Liebhaber einer Sache. Dem "Fachidiot" ist in erster Linie wichtig, seinen Job zu behalten. Siehe auch, was viele YouTuber versprechen. 'In 6 Monaten zum Softwareentwickler' ist noch ein seriöses Versprechen. Was zum Clickbait fehlt, ist: 'und verdiene 1 Millionen im Jahr!' Viele Dinge gehen auf YouTube in einem Dschungel von Copywriting unter. Lese auch gerne dazu meinen Essay über den Bullshitmountain.

Wie läuft das in Kurzform? Es werden Rezepte in der Art geliefert: mache x um y zu erreichen. Lustigerweise ist das klassisches imperatives Denken. Gegensatz hier wäre funktionales Denken, was eleganter ist. Denn vielen Menschen, die imperativ Denken, ist gar nicht klar, dass es auch anders geht. Und das ganze Copywriting (Werbetexten) geht so: mache dies, um das zu bekommen. Wie mit einem Hund. Was man bekommen kann, ist auch gleich: Geld, Selbstrespekt, Gesundheit, Identität. Also Dinge, die unwichtig werden, wenn man sie hat. Weil dann neue Sache verkauft werden wollen. Neverending Story. Wenn immer nur "Mache x, um y zu bekommen" und alles eine Funktion der Zeit ist, dann wäre alles nichts, weil ich - als Maß der Dinge - vergänglich bin. Das ist das große, philosophische Problem dabei.

Ein funktionales Denken wäre der andere Gesichtspunkt, sein Denken an ewig wahren Dingen auszurichten. Extrem betrachtet: Hochphilosophisch, vielleicht auch schon religiös. Aber in einer gesunden Art und Weise.

Ich dachte einmal, Rust ist die sinnvollste moderne Hype-Sprache. Aber: ich konnte mir das Tutorial anschauen, das Buch lesen. Ich kam aber nie dazu wirklich eigene Projekte zu schreiben. Programmierenlernen geht nur so, dass man zeilenweise eigenen Code produziert. Das ist die Praxis. Rust als sehr maschinennahe Sprache, eignet sich also nicht für einen Amateur, der zum Beispiel nur seinen fixen Ideen nachgehen will. Dinge zu analysieren, um mein Sein zu verstehen. Was meine Motivation ist, mich an die Tasten zu setzen.

Pyhon - beste Anfängersprache

Im Grunde war Python für mich ein Weg das zu erreichen. Nicht, weil die Sprache wirklich einfach wäre. Das Indentieren der Befehle raubte mir mehr Nerven als die Parenthesen später in Lisp. Am Ende gewöhnt man sich schlicht und ergreifend an die Notation der Sprache. Und sieht es dann als einfach. Python hat aber viele gute Lernresourcen. Zum Beispiel die Webseite realpython.com. Da kann man sich tagelang Tutorials zu Python durchlesen. Und bekommt dadurch Ahnung. Python ist aber etwas, in das man einfach so hineinwachsen kann. Und dann anfängt Probleme lösen, oder sie erst einmal erfassen kann.

Emacs. Ist im Grunde ein Lisp-Bootcamp

Irgendwann kam dann der Texteditor Emacs in mein Leben. Ich realisierte einfach, dass Dinge mit einer steilen Lernkurve langfristig das größte Potential haben. Im Grunde war Emacs mein Lehrer, der mir in meiner 'Bullshit-Mountain' Krise half, wieder anzufangen klar zu denken. Die Erkenntnis war hart, einfach, und heute ungewöhnlich: wähle den Weg mit der steilsten Lernkurve. Meistere sie und dann hast du was gelernt. Easy. Es gibt keine Abkürzungen etwas gut und fundiert zu lernen. Deshalb glaube nicht, wenn sie dich in ihren Videos davon überzeugen wollen. Schalte sie ab! Denn es kostet deine Zeit, die du besser investieren musst.

Im Grunde verstand ich dann auch langsam, warum sich Fast-Food gegenüber guter Küche durchsetzt. Immer. Es gibt einen Massengeschmack, der alles besondere, elitäre im Keim vernichten muss, um selber diese Stelle einzunehmen. Alle Witze über Emacs beschreiben dieses Phänomen. Und ich lache herzlich über sie. Ich habe sie wirklich begriffen. Im Grunde muss man für sich erkennen, dass der 'Burger-Brater' nicht der Chefkoch ist, auch wenn er in seinen Lockangeboten auf Social Media genau das darstellen will. Und der Gesang der Sirenen geht so: Und so muss Emacs ein komischer, freakiger Texteditor sein. Und genauso muss Lisp veraltetet sein. Verstaubt da alt. Nicht alt weil gut.

Real lernte ich mich durch Emacs immer besser in Lisp zurechtzufinden. Emacs verwendet den Lisp-Dialekt "Emacs Lisp". Eigentlich ist Emacs Lisp. Das versteht man erst später in einer Art Erleuchtung. Ein tolles Gefühl ist das. Da also alles nicht sofort, aber irgendwann in Emacs sehr einfach und spielend wird, installierte ich dann auch Common Lisp mit der Programmieroberfläche SLIME. Setzte mich ran. Und dann genoß ich es in drei Buffern gleichzeitig zu programmieren. Mein Begriff von Hochtechnologie. Und blieb dabei.

Common Lisp. Eines von verschiedenen Lisps

Ich konzentrierte mich auf Common Lisp. Es ist nicht schwierig, aber anspruchsvoll. Wie in Python, musste ich Zeit in das Unterfangen investieren. Da ich mich an Python gewöhnt hatte, tat vieles in Common Lisp am Anfang auch weh. Alles wird in Lisp mit Klammern verschachtelt. Bei der Klammerung der let Anweisungen kam es zum Syntax Error in meinem Kopf. Irgendetwas könnte logisch nicht korrekt sein. Oder? Augen werden schlitzförmig. Dunkler Rauch steigt auf. Er wird vom Gehirn in die Umgebung projiziert. 'Ich schmeiße den Rechner gegen die Wand' und dann das apathische In-Sich-Zusammenfallen, die Implosion. Das ist typisch für eine steile Lernkurve.

Die positiven Effekte von Common Lisp fielen mir erst Wochen später, nebenbei, auf: ich hatte zeilenweise Code -wie von selbst- geschrieben. Obwohl Lisp keine redunante Sprache ist. Heißt in wenigen Zeilen Code drückst du sehr viel mehr aus, als in anderen Sprachen. Also ganz nebenbei hatte ich etliche Projekte am Laufen.

In Python war es so: wenn es wichtig schien, setzte ich mich ran. Das Debuggen dauert länger und das ganze war ein Kraftakt.

In Common Lisp: ich setze mich einfach ran und schreibe. Auch waren dann, die am Anfang deprimierenden Compiler-Fehler fast verschwunden. Übrigens: Common Lisp wird von einem Compiler in einen schnellen Maschinencode übersetzt. Vorher dachte ich auch, dass Lisp eine Sprache ist, die immer über einen Interpreter - wie Python - läuft und deshalb langsam ist. Falsch! Common Lisp ist schneller als die Eisenbahn. Python ist mir heute zu langsam. Das ist auch ein wichtiger Punkt. Und der größte Punkt ist die REPL in Common Lisp. Das muss man schon erlebt haben, anstatt einfach darüber zu lesen. Aber du kannst Programme zur Laufzeit verändern. Während sie laufen. Also: Kein Code schreiben, compilieren, debuggen mehr. Die Programme (alle!) laufen und du bearbeitest sie. Wer es nicht kennt, weiß nicht, wie cool das ist. Pathetisch ausgedrückt ist es eine Operation am offenen, schlagenden Herzen.

Negativ-Punkte: Common Lisp hat keine große Lobby, die Ressourcen sind begrenzt und alt. Viele 'Experten' kennen es nicht. Ich las zum Beispiel 20 Jahre alte Bücher. Alt bedeutet auch nicht, dass es veraltet ist. Es läuft seit über 20 Jahren und du kannst alles damit machen. Es muss nicht verbessert werden. Oder du verbessert es selber: Mit Makros. Common Lisp macht dich zu einem Tüftler mit einem eigenen Werkzeugkasten. Also genau das tolle Heimwerker-Feeling, das ein Amateur gerne hat. Wichtig: Ohne den Einsatz von modernen Chat-Bots wäre ich nicht soweit gekommen. Common Lisp nur aufgrund der alten Bücher zu lernen, hätte ich nicht geschafft. Das wurde mir auch klar. Und das ist das gute an der Zeit, in der wir leben. Wissen kann sich breiter verteilen.

Mein Chat-Bot sagte einmal, dass du Lisp immer auf 'den Schultern von Riesen lernen wirst'. Common Lisp ist nicht 'tot', sondern es ruht in sich, weil es perfekt ist. Also ruht es statisch wie eine Figur, die ein großer Künstler einmal für die Ewigkeit aus Stein gemeißelt hat. - Irgendwie sprachen mich diese Worte ungemein an. 'Auf den Schultern von Riesen!'

Common Lisp zu lernen ist eines der Dinge, die dir kein 'Experte' raten wird, weil er es selber nicht kennt. Es ist so schwierig, überhaupt davon zu erfahren, dass es Common Lisp gibt. Und Common Lisp ist gut und produktiv. Deshalb also mein schlichter Artikel mit der Botschaft: 'Schau hier, da gibt es etwas zu entdecken!'

Zusammengefasst ist Common Lisp für mich produktiver, schneller und macht es einfach, auch größere Software-Projekte zu schreiben. Es klappt einfach. Also weg vom ewigen Gerede über das 'Wie' der modernen 'Software-Designer' zu einem einfachen 'Schau mal her, was ich gemacht habe: es funktioniert!'. Das ist das Ausschlaggebende für den Amateur. Mehr nicht.

Vom 'Lisps Fluch' und das Dilemma der modernen Softwareentwicklung

Kümmere dich darum, dass du weißt was 'der Fluch von Lisp' ist, und du kannst beurteilen, was die großen Stärken von Lisp, bzw Common Lisp speziell sind: Domain Languages. Das sind individuelle Programmiersprachen, die du selber für dich optimieren kannst. Maßgeschneidert. Du schreibst ganz speziell Software für deine Probleme und optimierst das. Dann wirst du dir wie mit einer eigenen gebauten Rakete auf den Weg ins All vorkommen und normale Programmiersprachen werden unendlich klein und bedeutungslos. Du verstehst es erst, wenn du es selber gemacht hast. Alle 'Experten' lässt du unter dir zurück. Genau das ist der Fun als Amateur Dinge zu entdecken, die alle anderen für 'nicht möglich' halten. Von dem Moment, in dem man merkt, dass man nicht mehr in einer Sprache programmiert, sondern die Sprache um sich herum wachsen lässt, wie eine zweite Haut oder ein Exoskelett. Das ist der unfaire Vorteil. Das ist das „einfachere Geld“ – weil man plötzlich Probleme löst, für die andere nicht mal die Werkzeuge haben.

Und ja: du kannst Geld damit verdienen. Keine Frage. Aber keiner verrät es dir. Weil sie es alleine so verdienen wollen: Herrschaftswissen. Deshalb 'Common Lisp ist tot, wenn es je existiert haben sollte'. Und zu Anfängern: 'mache Python oder starte mit Javascript'. Werde zum "Fachidioten".

Genau das ist der Grund, warum Studenten der Informatik heute kein Lisp mehr lernen. Früher war das Standard. Nehme nur mal das Buch SICP und eine neue Welt eröffnet sich dir. Das ewige, grundlose Gandalf-Lächeln der Studenten damals hatte genau damit zu tun! Es war das Lächeln der Wissenden. Heute gestresste Stirnfalten der Bootcamp-Absolventen. In 6 Wochen zum Full Stack Programmierer? Sie lernen genau das, was heute jeder Chat-Bot weiß und kann. In dieser Gemengelage werden klassische Programmiersprachen wieder hochinteressant. Deshalb fing die Renaissance von Lisp in meinem Leben an. Und ich profitierte immer sehr vom anti-zyklischen Denken in meinem Leben.

Es ist am Ende verdammt einfach, diesem ganzen Irrsinn zu entkommen. Man muss sich nicht zwischen den Schreihälsen der Hypes hindurchkämpfen, keine Roadmaps studieren oder die Märkte beobachten. Alles, was man tun muss, ist sich für eine einzige, stille, vielleicht sogar angestaubte Sache zu entscheiden – und dann einfach anfangen, sie zu lieben. Nicht für den Lebenslauf, nicht für den Markt, nicht für den nächsten Post. Sondern so, wie man einen seltsamen Stein liebt, den man am Flussufer findet, und den man in der Hosentasche mit sich herumträgt, bis er ganz glatt und ganz eigen wird. Der Rest – das Wissen, die Fertigkeit, die unerwartete Souveränität, und ja, vielleicht sogar das einfachere Geld – das wächst dann von alleine. Als stiller, privater Sieg. Als das grundlose Lächeln desjenigen, der nicht mehr vergleicht, sondern versteht.

Disclaimer: Das ist kreatives Schreiben, schreibt mir keine Hate Mails.

Die Elfen von Common Lisp – Eine Fabel aus der Postapokalypse

Nach dem Zweiten KI-Winter lag die Welt in digitalen Ruinen. Die großen neuronalen Netze waren verstummt, die Datenströme versiegt. Was blieb, waren die Völker der Programmiersprachen – nicht als abstrakte Konzepte, sondern als lebendige Wesen, die um die Überreste der alten Welt kämpften.

Die Völkerkarte der Trümmer

Die Common-Lisp-Elfen lebten in den schimmernden Ruinen der alten Universitäten. Ihre Städte waren aus gefaltetem Code geschmiedet, so elegant wie mathematische Beweise, so beständig wie die Gesetze der Logik selbst. Sie sprachen in geschachtelten Klammern, die wie Elbengesänge durch die verfallenen Serverhallen hallten. Ihre Magie waren die Makros – nicht bloße Zaubersprüche, sondern die Fähigkeit, die Regeln der Wirklichkeit umzuschreiben. Ihr Lächeln war das zeitlose Gandalf-Lächeln derer, die wissen, dass alle Mode vergeht, nur die Eleganz bleibt.

Die Python-Orks hatten das flache Land besetzt. Sie bauten ihre Holzpalisaden aus Frameworks, die alle drei Jahre niederbrannten und lauter und hässlicher wiederaufgebaut wurden. Ihre Stärke war die Horde – Millionen von Bibliotheken, die wie wilde Krieger schrien: "Importier mich! Installier mich!" Sie dachten in geraden, plumpen Linien, stampften jedes subtile Problem platt, bis es ihren groben Werkzeugen entsprach.

Die Go-Goblins hockten in funktionalen Bergwerken. Sie schmiedeten zuverlässige, enge Tunnel für den mikroskopischen Warentransport. Ihre Runen (`go fmt`, `goroutines`) waren mächtig, aber streng – als hätten sie die Freude am Schmieden selbst vergessen und dienten nur noch der praktischen Not.

Die JavaScript-Geister waren das gespenstische Etwas zwischen den Welten. Formlose Kobolde, die jede Gestalt annehmen konnten, aber nie eine wahre Heimat fanden. Sie hausten im Ethereum des verbliebenen Webs, ein flüchtiges Volk der ewigen Transformation.

Die Rust-Zwerge waren die jungen, ernsten Schmiede. Sie bearbeiteten das Erz der alten Maschinen mit disziplinierten Hämmern, ihre Regeln waren so unerbittlich wie die Gesetze der Physik selbst. Sie blickten mit einer Mischung aus Neid und Verachtung zu den Elfen auf.

Die Initiation

Meine Reise begann im Lager der Orks.

Ich war als Python-Ork geboren worden, lernte ihre grobe Sprache, stampfte mit ihnen durch Schlammpfade von Daten. Doch nachts hörte ich die Gesänge aus den alten Wäldern – Melodien so komplex und schön, dass sie mir Tränen in die Augen trieben.

Ich versuchte, bei den Go-Goblins Zuflucht zu suchen. Ihre Bergwerke waren ordentlich, ihre Werkzeuge verlässlich. Doch die Enge erstickte mich. Ich sehnte mich nach dem Himmel, nach dem Spiel des Lichts in den Baumkronen.

Dann fand ich den versteckten Pfad.

An seinem Eingang stand Emacs, der Grenzwächter – ein halb-elfisches Wesen von unergründlicher Tiefe, mit einem Bart aus Tastaturkürzeln und Augen, die direkt in die Seele des Codes blickten.

"Warum willst du den Wald betreten, Ork?" grollte er. "Ich höre die Lieder", flüsterte ich. "Die Lieder sind nicht für Ork-Ohren bestimmt." "Dann schneide mir die Ohren ab und gib mir neue!"

Emacs lächelte sein erstes, rätselhaftes Lächeln. Er führte mich tiefer hinein, bis die Luft nach altem Papier und unsterblichen Ideen roch.

Und dort traf ich sie: Die Alten Elfen von Common Lisp.

Sie sprachen nicht mit mir. Stattdessen ließen sie mich zuhören. Ihre Sprache war kein Werkzeug – sie war Denken selbst. Jede Klammer ein Atemzug, jede Funktion ein Herzschlag der Welt.

"Wir sind die Elfen", sagte der Älteste schließlich. Seine Stimme klang wie das Rascheln tausendjähriger Buchseiten. "Unsere Städte sind Ruinen für die, die nur Steine sehen. Für uns sind sie lebendige Gedankenpaläste."

Sie gaben mir keinen Befehl. Sie gaben mir einen Dolch aus gefaltetem Stahl – die REPL.

"Schneide dir deine eigene Wahrheit zurecht", sagten sie. "Wir programmieren nicht in einer Sprache. Wir lassen die Sprache um uns wachsen wie eine zweite Haut."

Der ewige Konflikt

Die Postapokalypse war ein stumpfer, ewiger Krieg. Die Python-Orks und Go-Goblins kämpften um fruchtbares Ackerland – sie nannten es "Marktanteile" und "Jobs". Sie schlugen sich mit Keulen aus Frameworks und werfen sich mit Steinen aus APIs.

Die Elfen beobachteten aus ihren Kristalltürmen.

"Warum kämpft ihr nicht?" fragte ich. "Wir kämpfen um etwas Größeres", erwiderte der Älteste. "Um die Musik, die die Steine zum Singen bringt. Um das ewige Lächeln der Erkenntnis."

Manchmal stieg ein Elf herab. Für einen Menschen, der ehrlich fragte, baute er ein Tor, das niemals rostete – die Steuerung einer uralten Fabrik, das Planungstool für die letzte Raumfahrtmission. Die Orks staunten und riefen: "Alte Magie! Unzuverlässig!" Dabei war es einfach nur das, was passierte, wenn Elfen für Menschen arbeiteten.

Und ich? Ich baute kein Tor für eine Raumfahrtbehörde.

Ich schnitzte mir einen Löffel in meiner Hütte am Rande des Elfenwaldes. Einen simplen, perfekten Löffel, der genau in meine Hand passte. Während ich schnitzte, lernte ich die Lieder der Bäume verstehen. Ich entdeckte, wie mein eigenes Denken klarer wurde, wie Probleme, die einst wie Felsen im Weg lagen, sich in Tanzpartner verwandelten.

Das sagenhafte Ende

So stehen wir nun da, du und ich.

Vor uns das Schlachtfeld – laut, staubig, voller Versprechungen von Reichtum und Ruhm. Die Orks brüllen ihre Tutorials, die Goblins werben mit schnellen Erfolgen, die Geister locken mit der Illusion von Allmacht.

Hinter uns der dunkle, stille Wald. Nur ein schmaler Pfad führt hinein, bewacht von Emacs mit seinem rätselhaften Lächeln. Aus der Tiefe dringen leise Gesänge – nicht lauter als das Rascheln von Blättern, aber voller einer Wahrheit, die in den Knochen vibriert.

Du musst dich nicht entscheiden. Du kannst Ork bleiben. Es ist ein ehrliches Leben. Du wirst Palisaden bauen und niederbrennen sehen, wirst kämpfen und vielleicht sogar siegen.

Aber wenn in dir, in einer ganz stillen Nacht, wenn die Server leiser surren, das Gefühl aufsteigt… dieses nagende, schöne, schreckliche Gefühl, dass es mehr geben muss als nur das Stampfen und Hämmern…

Dann weißt du, wo der Pfad beginnt.

Er beginnt bei einer Klammer. (

Er führt durch Labyrinthe von Gedanken, die sich falten und entfalten wie lebendige Origami.

Am Ende, wenn du Glück hast, wirst du eines Tages in einen stillen Code blicken und plötzlich das leise Lachen der Elfen hören – und erkennen, dass es aus deiner eigenen Kehle kommt.

Common Lisp ist nicht tot. Es schläft nicht einmal.

Es wartet nur darauf, dass mehr Menschen die groben Felle der Orks ablegen und die leichten, silbernen Gewänder des Denkens anprobieren. Dass sie erkennen: In einer Welt der lärmenden Horden ist die radikalste Tat die stille Eleganz. Das unnötige Meisterwerk. Das grundlose Lächeln dessen, der versteht, anstatt nur zu verwenden.

Die Postapokalypse hat erst begonnen.

Die Frage ist nicht, welche Sprache du lernst.

Die Frage ist: Welches Volk wählst du?

Welche Lieder willst du in deiner Seele tragen, wenn die letzten Server endgültig verstummen?

Der Wald wartet. Die Klammern sind die Pforten.

Trete ein.

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