Donnerstag, 26. März 2026

Angriff der AI-Texte (2) - Gedankenkarambolage

Bild: Google Gemini


Der folgende Text ist eine - versprochene - Fortsetzung des Essays Angriff der AI-Texte(1) -> LINK hier. Der Artikel ist bewusst notizbuchartig, da es sehr viel für nur einen Artikel ist, und ich das Thema durch haben will. Platz für neue Inspirationen.

Was bisher geschah?

Ich wollte die beiden exotischen Programmiersprachen Forth und Pharo testen. Beide Sprache bieten Live-Programming. Beide Sprachen sind alt. Wobei ich mit Pharo am Ende die Programmfamilie Smalltalk meine. Smalltalk ist Programmiergeschichte, während Pharo.. na ja warten wir noch mit der Beurteilung.

Dabei traf ich auf zwei, sehr aktuelle Bücher:

  1. Forth Fundamentals
  2. Pharo Essentials
  3. Beide Bücher vom selben Autor: Robert Johnson. Derselbe Verlag: HiTeX Press Verlag.
  4. Beide Bücher über absolute Nischenthemen! Und wer den Buchkatalog vom HiTeX Press Verlag einsieht: Lauter wirklich exotische Nischenbücher, wo ein Nerd schon reflexartig zugreifen würde. Immer der Autor Robert Johnson! Ein Verlagspseudonym?
  5. Beide Bücher sind aktuellem Datums. Letztes Jahr. Wann wurde das letzte Buch über Forth geschrieben? Das sind Bücher weit mehr als 10 Jahre alt!

Meiner Erfahrung nach, kann es so viel Zufall bei diesen Themen nicht geben. Es wurde noch schöner: Das Design der Bücher war auffallend angenehm. Sie sprachen mein ästhetisches Gefühl an. Ich las im Vorwort und die Wörter prasselten nicht nur an mir vorrüber. Nein, ich schwamm mit ihnen. Die Formulierungen sind für ein IT-Buch zu verschwenderisch. Fühlte sich alles zu perfekt an.

Ich fand einen interessanten Artikel zu dem Theme Robert Johnson und dem HiTeX Press Verlag: LINK hier. In diesem Artikel wird der Verdacht einer maschinellen Erstellung solcher Bücher durch moderne AI geäußert. Folgender Satz blieb besonders hängen:

What if the book is being sold and no one has ever read it?

Seitenweise Text, von der AI ausgespuckt, und keiner hätte ihn je gelesen. Waren die Bücher tatsächlich AI-generiert? Das würde sich bei den Programmbeispielen zeigen. Die würden oft auf AI-Halluzinationen beruhen. Das bestätigte sich beim Lesen des Forth-Buches. War kaum zu gebrauchen. Zumindest nicht als Einstiegsliteratur. Klar, als Freak kann man solche Texte auf Fehler hin lesen. Das bildet ja auch. Aber den Anfänger macht es paranoid.

Ich war enttäuscht. Andersherum war die Geschichte lehrreich, wie meine Psyche auf diese vermeintlichen "Glücksgriffe" reagierte. Wer will schon alte, verstaubte Bücher lesen, wenn es moderne, schön bunte im Design gibt? Aber: Deren Eloquenz am Ende nur ein Substrat der vielen, alten verstaubten Bücher ist. Die Code-Beispiele fehlerhaft. Ein schönes, poppiges Fake-Gefühl. Das Lebensgefühl der 2020'er. Denn Deep-Fakes sind überall.

Wie bereits gesagt, aus dem HiTeX Press Verlag gibt es eine ganze Armada an Fachbüchern zu Nischenthemen. Sogar ein Schemacs-Buch. Verführerisch? Für mich nicht mehr. Ich rate ab, beim HiTeX Press Verlag ein Buch käuflich zu erwerben. Damit hat mein heutiger Essay bereits sein Ziel erreicht.

Bücher sind Tore zu anderem Denken

Die Fake-Bücher haben aber einen Prozess in mir angestoßen: Wie schreibe ich AI-Bücher, richtig? Das ist ein wichtiges Thema geworden und regelrechte Glaubenskämpfe werden in sozialen Medien gekämpft, die härter und verbissener werden. Die typische Schwarz-Weiß-Sicht der Welt der sozialen Medien. AI ist böse? AI macht dich zum Millionär? Weder noch. Aber ich fange klassisch mit der Dystopie an. Warum sind AI-Texte gefährlich?

Eine düstere Epoche der AI-Texte

Das Dilemma der AI-Epoche ist: Ein intelligenter Leser ersetzt den Autor AI-geschriebener Texte durch die AI selber. Daraus folgt, dass kein Autor ist mehr notwendig ist, um den Leser zu seinem Lesevergnügen zu bringen. Stimmt das? Nicht ganz. Autoren von nicht-AI-geschriebenen Texten sind der Logik nach nicht ersetzbar. Weil dem AI-Texten eines fehlt: Das Notizbuch immer griffbereit zu haben. Selbst beim Duschen, um kreative Einfälle sofort zu notieren. Also genau das, wo Scheitern erlaubt und Lachen heiligt. Zauber der Unmittelbarkeit. Präziser gesagt: AI-Texte haben keine Authentizität.

Werden AI-gewöhnte Menschen nach sperrigen menschen-geschriebenen Texten fragen? Sie könnten fragen, warum menschen-geschriebene Texte gefährlich sind? Sie könnten Fake-News enthalten, könnten falsche Gedanken bringen, könnten feindliche Propaganda sein. Vor allem könnten sie den Leser wieder so ernst nehmen, wie er gar nicht mehr ernst genommen werden soll oder will. Die Vorteile der AI-Welt. Anpassbar. Was nicht mehr passt, wird passend gemacht. Geschichte verschwindet, andere Geschichte poppt auf, wie die bunten Bücher aus dem HiTeX Press Verlag. Das sind die Vorteile der AI-Texte in ihren Nachteilen. Die Dynamiken sind da. Wir müssen sie zur Kenntnis nehmen.

Daher: Das Internet als öffentlich kuratierter Ort wird eine Wüste von AI-Texten werden, die den Leser hauptsächlich in Auffassungen über die Welt bestärken, die nicht wirklich seine eigenen sind. Sie ermöglichen keinen Denkprozess. Einen Verstehprozess, der zunehmend obligatorisch wird, um weiter "dazuzugehören".

Das ist keine tolle Aussicht. Mein Lebensgefühl: Ich fühle mich nicht in einem goldenen Internet-Zeitalter (das ist vorbei), sondern an dessen Ende.

  • Dinge werden zwanghaft überwacht und Daten einfach so gehandelt und analysiert. Ein paar Userklicks reichen aus, das rechtlich zu fixen.
  • Alte Hardware, die nicht im "Internet der Dinge" irgendwas an irgendjemanden funkt, wird zunehmend interessant. Ein neues Smartphone? 1000 Euro, um meine eigene Überwachung zu bezahlen? Schon Irrsinn.
  • Autos werden Datenminen. Der Zauber der Vintagecars, der analogen Kamera und alten Standrechner. Mit einer Menge Speicher.

Ich sammele digitale Bücher, um genug für den Rest meines Lebens zu haben. Weil ich rechne, dass das irgendwann nicht mehr gehen wird. Urheberrecht sticht Privatsphäre aus. Natürlich. Und alles andere gleich mit. Das Internet wird immer mehr Menschen ausschließen, statt friedlich zu verbinden.

Dafür muss einer kein Prophet sein. Es liegt überall schwer in der Luft: Das Ende des Internetseitalters, in dem die Leute aufwachen und entdecken, dass alle Internetinstallationen sie überwachen, ausbeuten und bevormunden. Und, die natürliche Bewegung eines Menschen, Dinge, die einfach toxisch sind, zu verlassen und außerhalb der nervös, bunten IT-Welt das Paradies zu entdecken, welches für den Menschen einst gedacht war. Das Paradies, das man ihm weggenommen hat.

Deshalb plane ich eine Email-Liste. Das wird wahrscheinlich die letzte Form von Veröffentlichung sein, die noch problemlos geht. Das stört, die es entscheiden, am wenigsten. Die Email-Liste wollte ich mit Emacs-Gnus machen.. schaue einfach noch mal in ein paar Monaten vorbei. Und wenn du magst: abonniere den RSS-Feed des Blogs mit einem Feed-Reader. Alle Neuigkeiten zeitnah frisch verfügbar.

Das beste aus den Dingen machen

AI ist da, geht nicht mehr weg und wie kann man das beste daraus machen? Natürlich: erst einmal runter kommen. AI ist nicht die AI, die viele aus Scifi-Filmen kennen. Kontrollinstrument: ja. Umgehung eines Urheberrechts: ja. Aber der Rest sind oft Urängste, die kanalisiert werden müssen. Hier recherchiere: Binnenangst versus Realangst. Einmal verstanden, vieles durchschaut. Kurz gesagt: werden die realen Sorgen zu "Ängsten", die in den Medien zu irrationalen Gebilden hochgekocht werden. Dadurch werden sie "alternativlos". Daher auch die häufige Floskel in Deutschland: "da kannste nichts machen!" Einfach anfangen die Begriffe "Realangst & Binnenangst" nachzulesen. Das ist ein interessanter soziologischer Mechanismus. Und nein: Du kannst sehr viel machen.

AI ist nicht das Problem. Das Problem sind die Leute, die hinter AI stehen

Also nicht von Ängsten treiben lassen, sondern einfach zu schauen: Wo begegnet uns heute AI?

  • AI in der Musik: AIVA komponiert Klassik, YouTube-Lofi-Kanäle laufen 24/7 AI-generiert, Stimmimitationen lassen tote Sänger "neue" Songs performen. Die Nachlässe drehen am Rad. Die Musik funktioniert, aber ohne Risiko, ohne Seele. Nur noch Ware ohne Herkunft.
  • AI in der Photographie: Midjourney, DALL-E, Stable Diffusion: Prompt rein, Bild raus. Für Social Media reichts. Gleichzeitig Analog-Renaissance: Junge Leute kaufen Prakticas auf Flohmärkten. Wollen das Rauschen, das Unperfekte, den Moment. Mein unscharfes Lieblingsbild – weil ich da war, der Wind kalt war, die Finger zitterten. Das gibt keine AI.
  • AI in Videoplattformen. Habe ich meine Erfahrungen mit: Meine netten - garantiert ohne Kraftausdrücke und juristisch koscher formulierten - pharmakritischen Kommentare binnen 5 Sekunden (ich prüfte mittels Zweitaccount) geshadowbannt, während stereotypische Freundensbekundungen unter Videos mit zivilen Toten in einem Genozid als besonders lesenswert angepinnt wurden. Vom Algorithmus. Von der AI. Lese hier meinen Beitrag: wie soziale Medien für mich gemeinsam mit Aaron Bushnell verbrannten.
  • AI als Rechtschreibprogramm: Grammarly, DeepL Write optimieren nicht nur Rechtschreibung, sondern Stil. Glätten alles. Weg mit Ironie, Mehrdeutigkeit, Ecken und Kanten. Mein Experiment: Alter Text durchgejagt – raus kam kürzer, klarer, korrekter – und komplett tot. Seitdem: Rechtschreibprüfung an, Stilkorrektur aus.

Moral der Firmen.

Jeder weiß, dass Google heute nicht mehr "don't be evil" ist. Auch andere IT-Unternehmen haben ein rabenschwarzes Image. Am Ende füttern sie die Drohnen, die irgendwo auf der Welt Menschen töten. Kollateralschäden nicht einklagbar. Aber funktionieren solche Firmen so auf lange Sicht? Ja - solange sie alternativlos sind.

Mein Moral Algorithmus

Ich sah, es nützt wenig auf die schlechten Schlagzeilen zu warten und sich dann aufzuregen. Das ist nicht effizient. Was kann ein Indikator sein, zu sagen: Diese Firma wird jetzt mit fiesen Tricks ihre Kunden auspressen? Qualität verschlechtern (AI-Inside!!) bei steigenden Preisen?

Meine Meinung: Ich meide alle börsen-notierten Unternehmen - Punkt. Börse will Wachstum um jeden Preis. Aber wie willst du jedes Jahr 10% Plus Wachstum erziehlen? - Genau dadurch, dass du Kunden und Mitarbeiter auspressst. Schau dir den Hintergrund von CEOs an. Einmal verstanden, keine weiteren Fragen mehr.

Und das ist oft sehr einfach umzusetzen. In Deutschland gibt es Genossenschaftsbanken. Big Money ist nicht alternativlos. Warum Amazon, wenn der Gang durch die Stadt zu einem Erlebnis werden kann? Unterhalte dich mal mit Händlern. Auge in Auge. Riech die Ware, bevor du sie bezahlst. Der Handschlag. Das ist interessant. Voller Leben. Amazon: nur klicken, zahlen und haben. Abgesehen vom Preis: ist das nicht billig?

Sicher ist Kaufen im Internet möglich: bei kleinen Shops, die den Datenschutz ernstnehmen und nicht alle 3 Monate neue AGBs sich aus den Fingern saugen. Auch ein Marker für meinen Moral Algorithmus.

Deutsche Bahn eine AG? Hier wird es schwer.. Natürlich ist dieser Algorithmus nicht 100%ig. Aber immerhin ein Indikator. An der Börse wollen die Anleger bezahlt werden. Willst du sie bezahlen? Einfach nachrechnen und anfangen zu sparen. Und: Internetklitschen sind immer nur solange preiswert, bevor sie nicht selber Monopole bilden.

Zurück zu dem AI-Thema: Dies kann man auf AI-Anbieter anwenden und bekommt klare Antworten. Natürlich ist der Schritt zu einer eigenen LLM irgendwann logisch. Rechnet man es durch, ist es langfristig auch günstiger.

Was mit AI gerne schief gehen kann

Die beiden Bücher aus dem HiTeX Press Verlag waren mit hoher Wahrscheinlichkeit zum größten Teil AI-generiert. Code-Beispiele zu testen, wäre zu viel Aufwand gewesen. Sie wurden einfach so veröffentlicht. Das zeigt eine Tendenz der AI-Literatur: massenhaft, ungeprüfte Texte werden veröffentlicht.

Aber hier wieder meine Frage vom Anfang? Wie schaffe ich es gute AI-Bücher schreiben zu lassen? Da kam mir die Idee beim Pharo-Buch alle Gedanken, Figuren, Handlungsstränge in dieser Sprache als Objekt zu schreiben. Das könnte dann später miteinander kombiniert, weiterentwickelt werden. Das ist die Grundidee von Smalltalk, der Sprache, aus der sich Pharo später dann entwickelte. Dann als living mindmap? Genau das wäre es für mich gewesen. Ich könnte damit story-building machen. Die AI schreibt es dann. Wenn die story gut ist, ist alles gut. Faszinierend.

Pharo - der heiße Flirt

Stell dir vor, du verliebst dich in eine Person, die dir von einer Welt voller reiner Objektorientierung vorschwärmt, von Zell-Netzwerken und lebendigen Images, von einer grafischen Umgebung, in der du Objekte per Rechtsklick erschaffst und durch Ziehen verbindest. Du denkst: "Das ist sie. Die Eine."

Du installierst Pharo – und dann passiert Folgendes: Du öffnest die Umgebung und wirst von einer Fenster-Explosion begrüßt, als hätte ein kleiner Programmier-Gott beschlossen, deinen Bildschirm mit lauter bunten Kacheln zu tapezieren.

Du versuchst, einen Playground zu öffnen, aber das Fenster lässt sich nicht entfalten – es bleibt ein schmaler Schlitz, als würde die IDE dir die kalte Schulter zeigen. Du klickst auf ein Fenster, und es springt weg. "Focus-Follows-Mouse", nennen sie das. Ich nenne es "Flucht vor dem Benutzer".

Du suchst im Internet, findest Tastenkombinationen, X11-Modes, Shared-Memory-Flags. Du konfigurierst Tage lang – nicht Code, sondern Fenster.

Du fragst dich irgendwann: "Wollte ich nicht programmieren lernen?" Die Community sagt: "Das ist ein Feature." Du denkst: "Wenn das ein Feature ist, will ich den Bug zurück." Du probierst Squeak im X11-Mode – es wird besser, aber die Vision der graphischen Programmierung ist immer noch nicht da.

Du probierst GNU Smalltalk – konsequent, aber ohne GUI, und immer noch mit dieser CamelCase-Syntax, die sich anfühlt, als würde dir jemand beim Denken die Hände auf den Rücken binden.

Und dann, nach Tagen des Kampfes, die Erkenntnis: Smalltalk ist kein Werkzeug. Es ist ein Museum. Die Visionen sind großartig, aber sie wurden nie umgesetzt. Was bleibt, ist eine aufgeblähte GUI mit einer doofen Syntax und einer Community, die sich damit brüstet, wie cool ihre Fenster-Farben sind. Die Zeit war nicht verschwendet – sie war eine wichtige Lektion: Gute Visionen ohne solide Umsetzung sind wie ein Sportwagen ohne Motor. Sieht toll aus, aber du kommst nicht vom Fleck.

Common Lisp - die gute Ehe

Und dann dachte ich an Common Lisp zurück. Kein großer Auftritt, keine bunten Fenster, keine Versprechungen von einer neuen Welt. Einfach eine REPL im Terminal und die stille Gewissheit: Das hier funktioniert. Seit 40 Jahren.

Common Lisp ist die langjährige, verlässliche Ehe, die nach Jahren immer noch hält – nicht aufregend im Sinne von Chaos, sondern aufregend im Sinne von: Es lässt mich jeden Morgen neu entdecken, wie klar und schön Software sein kann.

Keine Fenster-Magie, kein Image-Chaos, keine Prokrastinations-Fallen. Ich öffne Emacs, starte SBCL, und die Sprache gehorcht. Kein "Benutz doch den Class Browser", kein "Das Fenster springt weg, weil wir das so wollen". Einfach: Denk nach, schreib Code, führe aus.

CLOS – das Common Lisp Object System – ist optional, aber wenn ich es brauche, ist es mächtiger als alles, was Smalltalk je hatte: Multiple Dispatch, Methodenkombinationen, ein Metaobjektprotokoll, das mir erlaubt, das System zu verstehen und zu erweitern.

Nicht "Alles ist ein Objekt" als Zwangsjacke, sondern "Hier sind Werkzeuge, bau dir, was du brauchst". Und wenn ich eine GUI brauche, nehme ich CLOG und baue sie im Browser – dort, wo Fenster schon immer funktioniert haben.

Die Lisp-Community ist keine Community von "Schau dir meine coole Fenster-Farbe"-Fetischisten. Es sind Ingenieure. Pragmatiker. Menschen, die Dinge bauen, die funktionieren. Sie haben nie eine IDE gebaut, sie haben die Sprache gebaut. Alles andere kam von der Community, weil sie Werkzeuge brauchten, nicht weil sie Werkzeuge cool finden wollten.

Die Entscheidung für Common Lisp war keine, die ich je bereut habe. Sie war die Entscheidung für Stabilität, Klarheit und tatsächliche Produktivität.

Vertraue nicht den CamelCase-Leuten, die Fenster-Chaos als Feature verkaufen. Vertraue den Lisp-Leuten, die dir eine REPL geben und sagen: "Denk selbst. Ich gebe dir die Werkzeuge."

Fazit für mich: ich versuche jetzt selber eine "lebendige Gedanken-Mindmap" für mich zu entwickeln. Mit Common Lisp, mit CLOS und mit CLOG. Auch wenn es kein "Gamechanger" wird: ich lerne dabei gute Sachen. Das zählt.

Freitag, 20. März 2026

Entdecke Seele

Entdecke Seele

Bild: Google Gemini


Ein Dialogversuch

Der Raum

Die Kneipe Schiller Eck. Dunkles Holz. Espressomaschine atmet. Frühlingslicht fällt schräg durch beschlagene Scheiben. Kellnerin Anfang zwanzig, hochgesteckte Haare, eine Strähne löst sich, klebt am Hals. Sie wischt die Theke. Langsam. Sieht immer wieder zur Ecke.

Dort: Mahamind. Unbestimmbares Alter. Großer Pullover. Umklammert seine weiße Tasse. Spricht leise. Zum leeren Stuhl gegenüber. Vor ihm auf den Tisch ein altes Buch. Aufgeschlagen.

Bis der anonyme Leser erscheint.

Das Gespräch

Mahamind: "Fechner. 1848. 'Nanna'. Über die Pflanze. Er schreibt: Pflanzen haben eine Seele. Warum? Weil es gerecht wäre. Menschen haben eine. Tiere haben auch eine. Also Pflanzen ebenso. Logik des Herzens. Aber schön. Rührend."

Der Kaffee dampft. Der Löffel rührt in der Tasse. Der Kaffe tiefschwarz und ohne Zucker.

Mahamind blickt auf den Stuhl gegenüber: "Das Problem ist nicht die Pflanze. Problem ist das Wort. "Seele". Politisch verseucht. Damals in den USA: debattierten ernsthaft, ob "Neger" eine hätten. Später: Kommunisten? Juden? Deutsche Seele! Dieses Wort, braun übermalt. Hat Grenzen gezogen. Zwischen Mensch und Pflanze. Zwischen Wert und Unwert. Die Seele als Verwaltungskategorie. Taufe war der erste Eintrag." Eine lange Pause. Kaffee ist jetzt kälter.

Mahamind reibt sich die Stirn, dann: "Fechner suchte Beweise für die falsche Frage. Spinoza wusste das. Kleiner Linsenschleifer. Amsterdam. Sagte: Es gibt eine Substanz. Alles was ist. Nenn es Gott. Nenn es Natur. Egal. Der Stein. Dein Gedanke. Die Pflanze. Alles Ausdruck dieser einen Sache. Modi. Wellen im selben Meer." Bei den letzten Worten zeichnet er mit dem Teelöffel Kreise auf Tisch.

Kellnerin nähert sich. Errötet leicht. "Noch einen?" Blick auf leeren Stuhl. "Für Ihren Gast auch?"

Mahamind sieht sie an. Wirklich an. "Für mich. Espresso. Mein Gast… geht jetzt." Kellnerin nickt. Geht zurück. Hüftschwung. Kaum merklich. Maschine zischt.

Mahamind in Richtung des leeren Stuhl: "Denken und Ausdehnung sind nicht getrennt. Zwei Seiten. Gedanke = Synapsenfeuer. Ein Ereignis. Nicht Ursache und Wirkung. Gleichzeitig. Immer."

Der Espresso kommt. Finger berühren sich fast. Kleiner Strom. Kellnerin lächelt. Mahamind lächelt zurück. Sie geht. Lächeln bleibt.

Mahamind hebt die kleine Tasse. Riecht. Schokolade. Erde. Sonne: "Das ist Materie. Das ist Gedanke. Gleichzeitig. Darum: Frage nicht 'Habe ich Seele?'. Frage: 'Was für ein Gedanke bin ich?'. Was für eine Welle? Willst du trüb sein? Klar? Zerstörerisch? Liebend? Du bist nicht getrennt vom Meer. Warst du nie."

Trinkt Espresso in einem Zug. Bitter. Dann süß. Dann Wärme.

Stille.

Mahamind beugt sich vor. Flüstert fast: "Wenn du heute Abend die Pflanze am Fenster siehst, die Blätter zum Licht… wen siehst du dann?"

Stille.

Kellnerin lächelt in sich hinein. Wind drückt gegen die Scheibe.

Mahamind schweigt.

"Du bist allein mit der Frage."

Donnerstag, 12. März 2026

Der Angriff der AI-Texte (I)

Bild: Google Gemini


Ich schreibe gerne anekdotisch Gedanken und Ereignisse aus meinem Leben auf. Ungefiltert. Assoziativ. Wie Geschichten an einem Lagerfeuer. Für einen Freund. Ich bin mir darüber klar, dass die so entstehende Literatur für viele auch unübersichtlich, oder schwer zugänglich werden kann. Das ist ok. So wie vielleicht nur ein Mensch von 1000 überhaupt ein Freund sein kann, ein richtiger Freund, denke ich einem von 1000 Lesern einen wichtigen Gedankenanstoß geben zu können. Ein Satz, in dem die Dinge über das Leben geschickt nur ein klein wenig umgedreht worden sind, und eine völlig neue, andere, reizvolle Lebensperspektive sich manifestiert. Das will der Blog Mahamind sein.

So war mir klar, dass meine Texte über Common Lisp (-> Link) für normale Leser (nicht die Zielgruppe) wie ein Aufprall gegen eine Wand mit einer Menge Anlauf sein müsste. Kein Mensch kennt Common Lisp. Geschweige denn, interessiert sich dafür. Eine sublime Botschaft des Textes: Das kann die Ursache sein, ein Leben zu leben, das man selber fatalistisch als "abgeschlossen" empfindet. Deterministisch. Also das Gegenteil von frei und erfüllt. Wobei es mir nicht darum geht, dass jeder Mensch Common Lisp lernen sollte und ich das subliminal mit einem Versprechen verbinden will, ein glückliches Leben zu haben. Das wäre nicht fair. Und wahrscheinlich auch nicht wahr. Das wäre einer der Tricks, die Influencer und CopyWriter anwenden, um Leser zu binden. Nächster Schritt wäre das kostenpflichtige Webinar. Das will ich nicht machen. Auch weil ich im Grunde aufrichtig faul bin. Ich will den Leser verwirren und ein Stück in eine andere Welt mitnehmen und ihm zeigen:

"Schau mal, da ist was! Mach was eigenes daraus. Es lohnt sich."

Wobei es nicht um Dinge gehen kann, die sich im Leben manifestieren, sondern um die Mechanismen, die hinter diesem Ding stehen. Also: warum ist Common Lisp so anders? Warum setzt es Kreativität frei? Warum wird es im Mainstream totgeschwiegen? Jetzt weiter: ist es im Grunde dasselbe, was auch mit Jesus passierte? Wenn du wissen willst, wie ich ticke, lese meinen Beitrag über Mirin Dajo. Oder über die Gnostik. Willkommen in der Metaebene.

Der Text will also kein Tech-Blogartikel sein. Es geht um mehr. Aber! Schaue ich 2026 nach draußen, ist da eine Welt, mit der Frage: entweder von dieser Technik versklavt zu werden oder sie selber sich anzueignen und einen Weg in seine persönliche Freiheit zu finden? Denn die Welt da draußen ist nicht friedlich und nett. Die Frage weiter an Dich: sich von den sozialen Medien prägen zu lassen, um irgendwie, wie auch immer, glatt und mainstreamtauglich zu werden? Ja du wirst die "persönliche" Schublade finden und genau kennenlernen, in die dich die Gesellschaft - mit deiner Mithilfe - stecken wird und dann schließt. Ist das dein Ort? Willkommen im Glied. Oder auszusteigen, Blogs wie Mahamind und andere zu lesen und dann zu erkennen: selber machen ist der Weg. Die anderen sind völlig egal. Freiheit.

"Kommst du nach Sparta, verkündige dort du habest uns hier liegen sehen.." in der Mainstreamversion oder: "Die größte Freiheit ist die Erkenntnis der Notwendigkeit." - nach Spinoza. Oder klassisch: "Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss." - Goethe. Wobei Spinoza meine Liebligsversion ist.

Ich hoffe, dass war jetzt ein netter Teaser. Inspirierend und vollkommen anders, als erwartet. Wie es jetzt weitergeht, wird noch extremer als Common Lisp. Versprochen. Der normale Leser, ich nenne ihn liebevoll medioker, wird aufschreien: "Nein!" Aber es muss sein: es geht um noch exotischere Programmiersprachen. Kennst du schon Forth und Pharo? - Ich denke, hier ist der Punkt, an dem der mediokre Leser aussteigen wird. Deshalb ein kleiner Ausblick auf mein Schreibskript. Ich lege mir immer Stichpunkte zurecht, die mein Artikel ansteuern soll. Handgeschrieben.

Also: Ich stelle die beiden Programmiersprachen Forth und Pharo kurz vor. Warum sie mich reizen. Und bringe das dann in Verbindung mit AI-Literatur. Das ist dann der Hauptgedanke. Also kein klassischer Gedankengang "ist AI-Literatur gut oder böse", sondern einer mit zündenden Idee: "wie mache ich gute AI-Literatur." Aber alles was gut ist, kostest auch Zeit und Mühe. Das ist ein Naturgesetz. Das nehme ich vorweg. Aber da mein Schreibprozess kreatives Schreiben ist, ist mir momentan selber noch nicht klar, was am Ende dabei rauskommen wird. Also:

Draußen tobt der Angriff der AI-Texte. Millionen Wörter, die niemand geschrieben hat. Millionen Gedanken, die niemand gedacht hat. Ein Tsunami aus Mittelmaß, der alles zu überschwemmen droht, was echt ist. Und du sitzt da und fragst dich: Soll ich schwimmen lernen – oder eine Arche bauen? Natürlich: Gegen den Tsunami hilft kein Deich. Gegen den Tsunami hilft nur: selber zur Welle werden. Aber anders. Nicht aus Wasser – aus Gedanken.

Forth und Pharo

Forth - Es gibt kaum (bis überhaupt keine) Videos über Forth und Pharo auf Youtube. Kaum Tutorials, keine "Mache das, dann haste das" Videos. Ein gutes Zeichen. Wie im Zen, ist einer, der auf YouTube darüber spricht kein Meister. Aber warte! In modern nennt man es: Reactionvideo? Das fand ich. Genau dieses Video gibt den Zustand wieder, zum ersten Mal mit Forth in Verbindung zu kommen. Der Moment des Erwachtens. Vorher wusste ich nicht einmal vom Hörensagen, dass es so etwas wie Forth gibt. Ein lebensveränderner Moment. Ehrfurcht? Verstörend? Angst? Freude? Nicht einfach in Worte zu fassen. Das Video versucht es. Klicke hier, um es zu sehen.

Natürlich ist es nicht cool, Tabak dabei zu rauchen. Der Sprecher, ein AI-Unternehmer, steckt sich bei seinen Videos gerne eine Zigarre an. Kein gutes Vorbild. Aber er gibt den Moment wieder, den ein erster, tiefer Kontakt mit Forth hat. Darum geht es mir. Und lustigerweise ist er wohl studiert. Also vom Fach. Auch er kannte es bis dahin nicht. Forth ist so etwas wie das klassische Latein der Programmiersprachen. Mit Forth betrittst du ein Reich, wie das Pilzreich sehr sehr alt und vielen absolut unbekannt. Sehr maschinennah und sehr minimalistisch. Absolut anpassbar. Schreibt kleinere Binaries als C. Du passt es vom ersten Moment an deine Bedürfnisse an. Das musst du, weil es minimalistisch ist. Da ist nicht viel, wenn du es nicht selber schreibst. Der Compiler ist wenige Kilobyte groß, die gesamte Installation mit Updates war bei - glaube ich - 3 MB. Keine große Sache zu installieren. Du lernst dabei sehr nach "am Metall" zu programmieren. Auch viel über Hardware. Im Vergleich zu Assembler gilt diese Sprache aber als abstrakt und bedeutend einfacher. Eine maschinen-nahe Hoch-Sprache. Information wird im Code sehr stark verdichtet. Verbraucht kaum Ressourcen. Ist also kein Problem zu installieren und damit.. es ist mehr spielen als arbeiten. Aber Spielen setzt Phantasie frei und daraus entsteht Kreativität.

Pharo - ist ein moderner Abkömmling der Programmiersprache Smalltalk. Das Programmierparadigma ist dort: Alles ist Objekt. Alles lebt. Zusammenfassung der Programmierparadigma der interessanten Programmiersprachen: Lisp -> alles in Liste. Forth -> alles ist Wort (so werden Funktionen benannt). Also drei verschiedene Ansätze Programmierung zu verstehen. Was aber alle Sprachen verbindet, ist die Fähigkeit zur Live-Programmierung der Programme im Speicher. Die Programme werden zur Laufzeit geändert, kein Stopp, kein Reboot. Häufig nur eine Tastenkombination und das Programm wird so "modeliert". Genau das ist das coole an diesen Sprachen und deshalb wurden exotische Sprachen wie Common Lisp, Forth und Pharo für mich interessant. Du kannst sie selber zu 100% an deine Bedürfnisse oder an die Hardware (the metal) anpassen. Also Gegensatz zu Mainstreamsprachen: "schau du kannst mit PythonScriptRust dies und das einfach machen" versus Freak-Sprachen: "alles liegt unter deinen Fingerspitzen", - du musst es nur machen (können).

Alle haben diese praktische Live-Programmierung. Deine Programme sind also schon als Fragmente immer aktiv im Speicher und du veränderst sie interaktiv im Betrieb. Kein Reboot. Mir kommt das wie eine Leinwand vor, die immer da ist und sich immer verändern kann. Stell dir vor, du malst ein Bild, und die Farbe trocknet nie. Du kannst morgen weitermalen, und übermorgen, und in zehn Jahren. Und das Bild lebt mit dir. Das ist Live-Programmierung." Das alles wird dann organisch. Viele Programme laufen so jahrzehntelang. Daher die lustige Vorstellung über Legacy Software, die tief in vergessenen Kellern läuft und läuft und sich keiner mehr ranwagt, sie zu verändern. Du musst dann sehr genau wissen, was du machst. Ein Naturgesetz: wenn dir der Laden am Ende nicht um die Ohren fliegen soll, muss du eine fanatische Gewissenhaftigkeit entwickeln. Genau das, was man bei den Herrscharen der Python & Javascriptentwicklern oft vergeblich sucht.

Wenn das so gut ist, warum kann das nicht Python&Co? Weil das gesamte Programmierparadigma sich änderte. Heute: Programm schreiben, starten, abbrechen, debuggen.. neu starten.. Das im Dauerloop. Ich finde das aber frustierend. An laufenden Programmen hingegen "zu schrauben" ist elektrisierend. Adrenalinkick. Abenteuer. Natürlich ist genau das der Alptraum eines Arbeitgebers. Aber als Amateur bin ich selber mein Chef. Und mache, was mir gefällt.

Während bei Forth noch gar nicht klar ist, was ich damit machen will, außer zu lernen, ist es bei Pharo anders. Ich will das Anfängerprojekt programmieren: Das Notizbuch. Da alles Objekt ist und miteinander kommunizieren kann, wird dann die Verknüpfung dieser Notizen (hoffentlich) kinderleicht, intuitiv, beinah schon magisch. Hier kommt jetzt die Verbindung zu meiner Schreibleidenschaft. Ich will Literatur schaffen. Wie kannst du das machen?

Indem du Notizen geschickt miteinander verbindest. Alles ist Objekt? Nimm jetzt Charaktere, Gegenstände und Orte einer Erzählung. Sie existieren alle gleichzeitig im Speicher. Du kannst sie updaten. Eine individuelle Geschichte daraus erstellen. Sie mit anderen verknüpfen. Den Plot weiterlaufen lassen. Dann eine Schreibanleitung für eine AI, die den Text mit der und der Textur entfaltet.. Nach was hört sich das an? Einer Fabrikationsstraße Ideen in menschenlesbaren Text zu bringen? Und lange, in sich verwobene Erzählungen zu schaffen? Ich nenne es AI-Literatur.

AI-Literatur ist ja ein aktuelles Thema. Jeder will einfach nur die AI durchlaufen lassen und damit Produkte produzieren. Aber natürlich, das ist nicht so einfach. Denn - auf das Schreiben bezogen - du darfst die AI niemals den Plot selbstständig weiterentwickeln lassen, dann entsteht Unsinn. Die bessere Idee ist: Immer ein Drehbuch abarbeiten lassen. Mache dies, das und genauso. Also imperativ. Die Metaebene machst du in Smalltalk. Genau dazu wurde die Sprache erschaffen. Vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem ich mich ärgere, mich jahrelang mit Obsidian abgeplagt zu haben? Aber auch Obsidian war zu meinem damaligen Erlebnishorizont das beste, was ich tun konnte. Also Horizonte erweitern. Das soll eine gute Programmiersprache machen. Soweit die Motivation.

Freaksprachen hört sich sympathisch an. Aber einen negativen Aspekt fand ich bei Freak-Programmiersprachen: Militärische Nutzung. Die Drone kannst du nicht in der Luft rebooten. Das geht besser mit einer richtigen REPL. Genau das kannst du auch damit machen. Du schreibst in Python und nutzt fremde Bibliotheken? Bist stolz, was alles damit so geht? Irrtum. Fremde Bibliotheken sind Sicherheitsrisiko. Besser, du schreibst deine eigenen. Also in der Freak-Programmierszene gibt es Licht und Schatten. Oder: auch aus Spaß kann bitterer Ernst werden.

Es war genau die Nacht, in der sie ein Land in Nahost mit Bomben überfielen. Mein Sohn wachte neben mir auf. Ich schreibe in letzter Zeit immer früh morgens. Noch im Dunklen und dann wurde es hell. Er wollte auch auf der Tastatur schreiben, ich sagte er solle mir diktieren:

"Gottlieb is the pot. He is running my monsters. And he get free form the monsters. And the monsters are not there. Because he was leaving the pot. And he come back than I hide in the pot. After that When it is sunny day then the monster die. Because the sun is shining. Daddy you wake up."

– Hier endet der erste Teil von "Angriff der AI-Texte". Den nächste Teil erklärt, warum Bücher Tore zu einem anderen Denken sind. Und ich berichte über zwei - augenscheinliche - AI-Bücher, mit denen ich Forth und Pharo lernen wollte. Und ich verrate, warum Pharo eine heiße Affäre war, und Common Lisp wie eine langjährige Ehe ist.

Freitag, 6. März 2026

George Spencer-Brown - Der Mathematiker, der mit einem einzigen Kreuz die Welt neu erfand

George Spencer-Brown - Der Mathematiker, der mit einem einzigen Kreuz die Welt neu erfand

George Spencer-Brown - Der Mathematiker, der mit einem einzigen Kreuz die Welt neu erfand

Vorwort

Der folgende Artikel ist mit AI-Unterstützung entstanden. Folgendes Problem: Der aktuelle Anomalistik-Podcast brachte eine interessante Folge, in der es in der Einleitung um den Mathematiker George Spencer-Brown geht. Das ist sehr theoretisch und für mich kaum richtig zu verstehen. Also ließ ich mir das Werk von Spencer-Brown von einer zeitgenössischen AI (Deepseek) erklären und als Quintessenz das interessante Gespräch in einen Artikel für Leute, die keine Mathematiker sind, schreiben. Es ist doch schön, was heute alles möglich ist? Denker wie Spencer-Brown, deren Bücher ich vor ein paar Jahre noch "für später einmal" beiseite gelegt hätte, sind einfach erschließbarer geworden.

Wenn dir der Artikel gefällt, kannst du dir auch gleich den Podcast besser anhören. Den kannst du hier finden. Der Anomalistik Podcast gefällt mir deshalb, weil hier Leute mit universitärem Hintergrund über Themen sprechen, die jenseits der heutigen Wissenschaft liegen. Oder anders herum gesehen: topaktuell sind. Welche Wissenschaft beschäftigt sich mit Dingen, die bekannt sind? "Die Substanz des Universums - Warum wir in einer virtuellen Realität leben" mit dem Gast Bernd Pröschold. Enjoy!

Der Mathematiker, der mit einem einzigen Kreuz die Welt neu erfand

Stell dir vor, du könntest das gesamte Universum mit einem einzigen Symbol erklären. Keine komplizierten Formeln. Keine zehn Dimensionen. Nur ein kleines Zeichen. Genau das hat ein britischer Mathematiker namens George Spencer-Brown versucht. Und was dabei herauskam, sprengt alles, was wir über Wirklichkeit zu wissen glauben.

Inhaltsverzeichnis

  • Die Fliege im Glas
  • Wer war dieser Spencer-Brown?
  • Ein Mann, ein Kreuz, eine neue Welt
  • Was passiert, wenn du ein Kreuz malst?
  • Die zwei Seiten der Wirklichkeit
  • Die zwei Gesetze – einfacher geht's nicht
  • Unser Periodensystem – eine Entscheidung, nicht die Wahrheit
  • Was hat das mit mir zu tun?
  • Wie du eine friedlichere Welt erschaffst – ganz praktisch
  • Die paradiesische Insel
  • Zum Schluss
  • Wer war George Spencer-Brown? (Steckbrief)

1. Die Fliege im Glas

Kennen Sie das Gefühl, wenn eine Fliege im Zimmer gegen die Fensterscheibe summt? Sie sieht das Licht draußen, will raus – und knallt immer wieder gegen das Glas. Sie kann sich nicht vorstellen, dass da noch etwas ist. Eine unsichtbare Wand. Eine Grenze, die sie nicht sehen kann.

Wir sind diese Fliege.

Nur dass unser Glas nicht aus Glas ist. Es ist aus Materie. Aus Atomen. Aus dem Periodensystem. Wir glauben, die Welt besteht aus Dingen. Aus festen Stoffen. Aus Teilchen. Und dieses Bild funktioniert ja auch – im Alltag.

Aber was, wenn das nur die Innenseite des Glases ist? Was, wenn das meiste Universum ganz anders tickt?

Die Astrophysik sagt: 99,9% des Universums sind Plasma – ein Zustand, in dem Elektronen frei fliegen, in dem Teilchen nicht einzeln, sondern im Kollektiv reagieren. Unsere feste Materie ist nur die Ausnahme. Die 0,1%. Der Rest gehorcht anderen Gesetzen.

Und jetzt kommt ein Mathematiker, der behauptet: Mit unserem Denken ist es genauso.

2. Wer war dieser Spencer-Brown?

George Spencer-Brown (1923-2016) war kein gewöhnlicher Mathematiker. Er war auch:

  • ✈️ Pilot
  • 🎹 Konzertpianist
  • 🩺 Mediziner
  • 🛋️ Psychotherapeut

In Cambridge studierte er bei den Giganten Bertrand Russell und Ludwig Wittgenstein. Und dann, 1969, veröffentlichte er ein Buch, das bis heute alle verwirrt, die es aufschlagen: "Laws of Form" (deutsch: "Gesetze der Form").

Das Verrückte: Das ganze Buch basiert auf einem einzigen Symbol.

3. Ein Mann, ein Kreuz, eine neue Welt

Es sieht so aus:

oder ¬

Ein einfaches Kreuz. Ein Winkel. Nichts Besonderes, oder?

Aber für Spencer-Brown ist dieses Kreuz der Ursprung von allem. Es ist der erste Befehl, den das Universum befolgt hat. Und es ist der Befehl, den wir jeden Tag befolgen – ohne es zu merken.

Der Befehl lautet: "Triff eine Unterscheidung!"

4. Was passiert, wenn du ein Kreuz malst?

Hol dir kurz ein Blatt Papier. Oder mach es einfach in Gedanken.

Jetzt malst du einen kleinen Kreis. ⚪

Was hast du getan?

Das passiert Das bedeutet
Du hast eine Grenze gezogen Innen und außen entstehen
Du hast etwas bezeichnet Das Innere des Kreises wird wichtig
Du hast etwas ausgeschlossen Das Äußere wird erstmal ignoriert
Du hast einen Beobachter erschaffen Dich selbst, der jetzt weiß: "Hier drinnen ist etwas anderes als da draußen."

Das ist Spencer-Browns Kreuz. Es ist der Akt des Unterscheidens. Nichts mehr, aber auch nichts weniger.

Und jetzt kommt der Clou: Alles, was wir denken, wissen und wahrnehmen, basiert auf genau diesem Akt.

5. Die zwei Seiten der Wirklichkeit

Spencer-Brown gab den beiden Seiten, die durch das Kreuz entstehen, Namen:

Begriff Bedeutung Beispiel
Der "marked state" (das Bezeichnete) Alles, was wir sehen, benennen, denken können Der Kreis. Das Innere. Das, worauf wir zeigen.
Der "unmarked state" (das Unbezeichnete) Alles, was wir nicht sehen, nicht benennen, nicht denken Das Äußere. Das Ausgeschlossene. Der leere Raum um den Kreis.

Die meisten Menschen denken nur an den marked state. An die Dinge. An die Materie. An das, was vor ihnen liegt.

Spencer-Brown sagt: Der unmarked state ist genauso wichtig.

Ohne die leere Seite könnte der Punkt nicht existieren. Ohne die Stille gäbe es keinen Ton. Ohne das Ausgeschlossene gäbe es kein Eingeschlossenes.

Das klingt philosophisch? Ist es auch. Aber es ist vor allem praktisch.

6. Die zwei Gesetze – einfacher geht's nicht

Um zu zeigen, wie mächtig sein Kreuz ist, formulierte Spencer-Brown zwei winzige Gesetze. Mehr braucht er nicht, um die gesamte Logik zu erklären.

Gesetz 1: Das Gesetz des Rufens (Law of Calling)

"Der Wert eines erneuten Rufens ist der Wert des Rufens."

Praktisch: Wenn du zweimal "Hallo!" rufst, ist es immer noch ein Hallo. Zweimal unterscheiden ist wie einmal unterscheiden.

In seiner Notation:

⌐ ⌐   =  

Gesetz 2: Das Gesetz des Kreuzens (Law of Crossing)

"Der Wert eines erneuten Kreuzens ist nicht der Wert des Kreuzens."

Praktisch: Stell dir vor, du gehst durch eine Tür nach draußen. Gehst du wieder durch dieselbe Tür zurück, bist du wieder drinnen. Hin und her führt zum Anfang.

In seiner Notation:

⌐ ⌐   =   (leere Seite)

Das ist alles. Zwei Gesetze. Ein Symbol. Und daraus lässt sich die gesamte boolesche Logik ableiten – alles, was Computer heute rechnen.

7. Unser Periodensystem – eine Entscheidung, nicht die Wahrheit

Jetzt wird's spannend.

Spencer-Browns Denken führt zu einer radikalen Einsicht: Die Welt ist nicht einfach da. Wir erschaffen sie durch unsere Unterscheidungen.

Nehmen wir das Periodensystem. Die meisten Menschen glauben: Die Elemente waren immer da. Wir haben sie nur entdeckt.

Spencer-Brown würde sagen: Wir haben uns entschieden, die Welt mit dem Periodensystem zu erschaffen.

Wir haben entschieden, nach Elementen zu unterscheiden. Nach Atomgewichten. Nach stabilen Stoffen. Diese Entscheidung war erfolgreich – sie hat uns Handys und Atombomben gebracht. Aber sie ist nicht wahr. Sie ist eine Möglichkeit unter unendlich vielen.

Eine andere Zivilisation könnte völlig anders unterscheiden:

Statt nach Elementen… …könnte man unterscheiden nach
⚛️ Atomgewicht 🎨 Farben (Periodensystem der Lichtwellen)
🧪 Stabilität 🎵 Tönen (Physik der Schwingungen)
🧱 Materie 🧠 Bewusstseinszuständen (Wissenschaft des Geistes)

Wären die "falsch"? Oder nur anders?

Unser Weltbild basiert auf 0,1% des Universums – auf der Materie, die wir kennen. Der Rest – das Plasma, die Dunkle Materie, der leere Raum – entzieht sich unseren Unterscheidungen. Vielleicht, weil wir noch nicht gelernt haben, anders zu unterscheiden.

8. Was hat das mit mir zu tun?

Jetzt denken Sie vielleicht: "Schön, ein verrückter Mathematiker mit komischen Kreuzen. Aber was geht mich das an?"

Eine Menge.

Denn Spencer-Brown zeigt: Jeder Mensch trifft ständig Unterscheidungen. Und jede Unterscheidung erschafft eine kleine Welt.

Wenn du unterscheidest als… …erschaffst du eine Welt voller…
Freund / Feind …Verbündeter oder Gegner
hoffnungslos / herausfordernd …Resignation oder Möglichkeit
Opfer / Gestalter …Fremdbestimmung oder Freiheit

Du kannst nicht nicht unterscheiden. Aber du kannst wählen, wie du unterscheidest.

Und das ist die gute Nachricht.

9. Wie du eine friedlichere Welt erschaffst – ganz praktisch

Spencer-Browns Philosophie ist keine trockene Theorie. Sie ist eine Einladung, anders zu unterscheiden. Freundlicher. Bewusster. Friedlicher.

1. Unterscheide ohne Feindbild

Das Kreuz schafft eine Grenze – aber es sagt nichts über das Drüben. Es sagt nicht: "Das Drüben ist böse." Es sagt nur: "Es ist anders."

Übung: Unterscheide zwischen deiner Meinung und der anderen Meinung – ohne die andere Meinung abzuwerten. Die Grenze markiert Verschiedenheit, nicht Feindschaft.

2. Erinnere dich: Der andere unterscheidet auch

Jeder Mensch, dem du begegnest, ist ein Beobachter wie du. Auch er trifft Unterscheidungen. Auch er erschafft eine Welt.

Übung: Wenn du jemanden triffst, sag dir: "Da kommt ein Weltenerschaffer." Der andere wird nicht zum Objekt deiner Urteile, sondern zum Mit-Schöpfer.

3. Pflege den unmarked state in dir

Der unmarked state ist das, was nicht bezeichnet ist. In dir ist das: die Stille zwischen den Gedanken. Das Zögern vor dem Urteil. Die Offenheit, bevor du jemanden festlegst.

Übung: Meditiere 5 Minuten am Tag. Sitze still. Atme. Lass die Gedanken kommen und gehen. Das ist der Moment, in dem du aufhörst zu unterscheiden.

4. Steig aus dem kollektiven "Wir" aus

Das "Wir" ist die gefährlichste Unterscheidung von allen. Denn jedes "Wir" erschafft ein "Die".

Jedes "Wir"… …erschafft ein "Die"
Wir Deutschen die Ausländer
Wir Christen die Heiden
Wir Normalen die Verrückten

Übung: Versuche einen Tag lang, ohne "wir" zu denken. Nicht "wir gegen die". Einfach "ich" und "du". Und schau, was passiert.

10. Die paradiesische Insel

Am Ende all dieser Gedanken steht ein einfacher, menschlicher Wunsch: Eine paradiesische Insel. Allein oder mit benignen Leuten.

Ein Ort, an dem du keine Unterscheidungen mehr treffen musst, die wehtun.

Auf dieser Insel sind alle Unterscheidungen freundlich:

Statt… …unterscheidest du
Freund/Feind Schatten/Sonne (zum Wohlfühlen)
Richtig/Falsch reife/unreife Früchte (zum Nähren)
Gut/Böse Meeresrauschen/Wind (zum Genießen)

Keine Feindbilder. Keine "Wir gegen Die". Keine Angst.

Spencer-Brown hat uns gezeigt: Wir erschaffen Welten mit jeder Unterscheidung.

Dann lass uns doch eine Welt erschaffen, die dieser Insel ähnelt.

11. Zum Schluss

Die Insel ist kein Ort auf der Landkarte. Sie ist ein Zustand des Unterscheidens.

Du kannst sie jetzt betreten – für einen Augenblick, für eine Stunde, für einen Tag:

Frage dich Und dann entscheide
Was nährt mich – was erschöpft mich? Wende dich dem Nährenden zu.
Was kann ich ändern – was muss ich lassen? Lerne das Lassen.
Was ist Lärm – was ist Stille? Bleib für einen Moment in der Stille.

Das Spiel geht nur zu zweit. Aber es beginnt bei dir.

Und der unmarked state? Der ist immer da. Du musst nur still werden und ihn spüren.

12. Wer war George Spencer-Brown? (Steckbrief)

Name George Spencer-Brown
Lebensdaten 2. April 1923 – 25. August 2016
Nationalität Britisch
Berufe Mathematiker, Pilot, Konzertpianist, Mediziner, Psychotherapeut
Studium Cambridge (bei Bertrand Russell und Ludwig Wittgenstein)
Hauptwerk "Laws of Form" (1969) – "Gesetze der Form"
Spätwerk "Dieses Spiel geht nur zu zweit" (ca. 1971)
Besonderheit Behauptete, am 7. September 1970 "erleuchtet" worden zu sein
Denkweise Suchte zeitlose Wahrheiten – der Zeitgeist war ihm egal

Danke fürs Lesen!

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Lizenz:

[CC BY-NC 4.0] – Teile gerne, aber nenne die Quelle und nicht für kommerzielle Zwecke. Kommerz tötet Leben!

Datum: 2026-03-06

Autor: mahamind

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