Freitag, 23. Oktober 2026

Artikal Sound System – oder: Warum ich wieder grundlos lächeln will

Bild: Google Gemini


Es gibt Abende, da sitzt man auf der Couch, wie früher, und guckt einfach Musik. YouTube. Videos. Kein Plan, kein Ziel, nur diese eine Stunde, die sich nicht nach Zeit anfühlt, sondern nach Raum. Und irgendwann fällt mir ein, dass ich meine Lieblingsband schon lange nicht mehr erwähnt habe: Artikal Sound System. ASS. Mit der Sängerin Logan Rex. Natürlich. Die Sängerin, in die ich mich in zwei Minuten und vierundzwanzig Sekunden verliebte. Ein Umstand, der mir heute noch manchmal das grundlose Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Dieser Artikel ist der hundertste meines Blogs. Ein Jubiläumsartikel, entstanden aus genau diesem Gedanken: Warum nicht öfters grundlos lächeln? Ich bespreche darin das neueste Live-Video von ASS bei Sugarshack. Artikal Sound System gründete sich 2012, und alle Auftritte auf dem YouTube-Kanal von Sugarshack sind beeindruckend. Die Rohfassung entstand schon im Frühjahr 2026, aus dem Bedürfnis heraus, ein Hörerlebnis zu verbalisieren. Was nicht immer einfach ist. Aus meinen Notizen, die ich beim Hören immer nebenbei schreibe, ist dieser Text geworden.

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Es ist ein Video von ASS. Das prickelnde Livemusik-Feeling. Aber ich brauchte einige Wochen, bis ich das Video richtig gut fand, so gut wie die anderen. Ich kämpfte mit der Musik. Besonders als Fan muss man das manchmal machen.

Lustige Nebenbemerkung: Die Texte sind so gut zu verstehen, dass Nachbarn vor der Tür stehen blieben. Wahrscheinlich lauschten sie. Wahrscheinlich war ich zu laut. Aber keiner beschwerte sich.

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Logan Rex. Sie muss kämpfen. Meine Verliebtheit zu ihr, die nicht vergeht. Sie ist müde – und das macht die Stimme echt. Es ist der Zauber einer Sängerin, die kämpft — wie Flore Benguigui —, dort anzukommen, wo sie hinwill. Ihren eigenen Anspruch zu erreichen. Und als Zuschauer oder Fan steht man mit pochendem Herzen an ihrer Seite, hoffend, bangend, wohin die Reise des Abends will. Logan singt die Texte gut verständlich, auch für Nicht-Muttersprachler. Und man taucht tief in die Lyrics ein, die einen dann durch den Abend tragen. Man fängt an zu schweben.

Es ist live. Und das macht das Erlebnis von ASS aus. Die Studioproduktionen finde ich konsequenterweise nicht empfehlenswert. Such dir die Live-Auftritte. Das sind die Perlen.

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Ehrlich gesagt: Wenn ich homosexuell werden würde, würde ich mich bei diesem Auftritt in den Drummer Adam Kampf verlieben. Ich denke schon. Player of the match. Nicht, weil er laut ist. Weil er trägt. Unsichtbar. Wie ein Fundament.

Auch der Bassist Fabian Acuña kommt nicht schlecht. Bei 2:00. Ein Gesicht, das sagt: „Jetzt bin ich drin.“ Schöner als jeder Song. Das Warmspielen ist das Lied. Der Rest ist Zugabe. Oder man begreift bei Livemusik das Wesen der Musik. Den Zauber des Moments. Ein erhabener Schauer geht über das Rückenmark. Dann der Song „Vertigo“ – Gänsehaut pur. Highlight ab Minute 6:45.

Der Gitarrist Chris Montague verhaut am Anfang seine Riffs. Herz bleibt fast stehen. Schock. Als Fußballfan, ein Verwandter des Musikfans, habe ich mich gewöhnt, das Klären auf der Linie als erleichternde Großtat zu erleben. So auch hier: das Gefühl, ein Fan zu sein, seinen Champions zuzurufen, was sie als Nächstes machen sollen. Die „Messi-Schieß“-Momente mit hämmerndem Herzschlag, die ich dankbar auch erleben konnte (lies hierzu bitte die Fußnote). Absolute Konzentriertheit in der Versunkenheit. Versunkenheit in die Faszination eines Künstlers.

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Ja, ASS hören sich jetzt ein bisschen mehr gesetzter und gemäßigter an. Also wie eine Band, die angekommen ist. Richtung Mainstream. Immer ein großer Schritt für einen Fan, diesen Weg des Künstlers mitzunehmen. Am Anfang: Tatendrang, etwas machen wollen. Dann: angekommen zu sein.

Was ich an ASS Liebe? —

"ASS ist besser als Mahamind. Nicht, weil du weniger gut wärst. Sondern weil die Musik das ist, wonach deine Texte sich sehnen. Der Klang, den sie nie ganz erreichen. Die Unmittelbarkeit, die Worte nicht haben."

Ein Schlagzeug, das nicht erklärt – das da ist. Eine Stimme, die nicht beschreibt – die füllt. Und ja, es ist schwierig zu beschreiben, was genau ich an einem Liveauftritt mag. Eben weil es auch ambivalent ist.

Als Gefühl manifestiert sich beim Hören und Sehen ganz leise durch die Hintertür das Gefühl des Entsetzens, sich nicht mehr täglich zu verlieben, wie man früher einmal wollte. Ich hab es verloren! Den Willen, sich jeden Tag von Neuem zu verlieben. Egal, was passiert. Das ist schmerzlich berührend. Aber auch der Entschluss reift, es wieder zu probieren, und die Erkenntnis reift, es einfach nur zuzulassen. Das ist alles.

Zusammenfassend: Am Ende fühlte es sich so an, dass es schade gewesen ist, dass ich aufhörte, mich immer wieder neu zu verlieben. Da gibt das Video Kraft und weist einen Weg. Und das ist das Spiel auf der persönlichen Seelenpartitur. Großes Kino, daheim im YouTube-Heimkino. Ein einfacher Abend mit Musik-Videos. Mag ich.

Das Video ist ein Erlebnis, und ein Fazit würde ihm nicht gerecht werden. Erlebe es!

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Fußnote

¹ Der Artikel entstand lange vor der Fußball-WM 2026 und ruhte im Archiv. Ich schrieb ihn dann jetzt um oder fertig – wie man will. Ich muss leider sagen, dass ich die Messi-Passage vor der WM 2026 einfach schön und genial fand, und sie mir einfach aus den Fingern auf die Tastatur glitt. Aber: Bei der WM 2026 musste ich sehen, was ich schon in Messis Barcelona-Zeit niemals wirklich sehen wollte: selten gepfiffene Fouls und glückliche Entscheidungen zu Elfmetern, die letztlich Spielentscheidungen waren. Ich war blind, das ökonomische Interesse zu ignorieren, große Fußballstars zu haben, und wachte erst im Sommer 2026 in einer großen Enttäuschung auf. Das als persönliche Note, mich nicht als (ehemaligen) Messi-Fan zu hassen. Alles, was ich schreibe, schreibe ich aus Enthusiasmus heraus, in der Hoffnung, die Welt ein wenig besser zurückzulassen, wie ich sie vorfand. Natürlich gelingt es mir nicht immer, beziehungsweise entwickeln sich meine Ansichten. Ich strich aber die Passage mit Messi nicht, weil: a) durch wen sollte ich ihn ersetzen? b) ich will in dem Artikel Artikal Sound System feiern, und da ist ein Messi-Vergleich vielleicht angebracht? Setze ich einfach mal so als Statement. Die Passage ist auch zu gut. Aber mir ist wichtig, auch zu schreiben, wie ich es heute sehe: nicht mehr so.

Freitag, 16. Oktober 2026

Die Wildente


Bild: Google Gemini


Gestern ließ sie Essen für 100k kommen. Für sich.

Mein Sohn wollte einem Jungen auf der Straße Geld geben. Fünftausend in seiner Hand. Mehr, als der Junge je erträumt hatte. Sie ließ sich Ente kommen. Wildente. Zäh. Ich aß heute die Reste.

Dann ging sie. Dringend, großer Zirkus. Mutter läge im Krankenhaus. Mal wieder. Parfum blieb. Billiges. Vier Kondome in ihrer Tasche – mein Sohn fand sie, unschuldig.

Er weinte. Sie log ihn an: ein Taxi komme. Ich rief sie an, damit er ins Telefon schluchzen konnte: Mami komm. Am anderen Ende ein Lachen: Ja, ich komme … jetzt. Das Jetzt währte, bis es vergessen war.

Neben ihrem Bett – getrennte Räume, schäbig, Kleider wie Geister – fand ich im Müll die Wildente.

Das endlose Jetzt. Der Sohn half mir beim Entsorgen. Klarheit ist kalt. Aber sauber.

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Der Titel verweist auf Henrik Ibsens „Die Wildente" (1884) – ein Drama über Lebenslüge, Wahrheit und die Zerstörung einer Familie.

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Todesmetall - Dialog einer idealisierten Jugenderinnerung

Bild: Google Gemini

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Nachbar: (bleibt am Gartenzaun stehen, leicht besorgt) „Junge, was hörst du da schon wieder für einen Lärm? Das kann doch kein Mensch aushalten. So eine Musik macht doch nur aggressiv.“

Jugendlicher: (lehnt an der Hauswand, Kopfhörer um den Hals, Blick in die Ferne) „Sie haben recht. Es ist laut. Es ist schrill. Die meisten hören nur das – und erschrecken sich. Aber das ist nicht die Musik. Das ist nur die Hülle.“

Nachbar: „Die Hülle wovon?“

Jugendlicher: (kurzes Zögern, dann fester) „Stellen Sie sich einen Magier vor. Nicht mit Umhang und Zauberstab. Einen, der auf unsichtbaren Bahnen durchs Weltall gleitet. Um ihn herum fliegen Bälle und Spiralen – aus purem Feuer. Energie. Die formt er mit seinen Händen. Ohne ein Wort. Nur durch Bewegung, durch innere Kraft. Und auf dieser Vorstellung – auf diesem einen inneren Bild – ruht unsere ganze Welt. Oder zumindest das, was die Leute daraus machen: all ihre Annahmen, wo sie sind, wer sie sind, was echt ist.“

Nachbar: (irritiert, aber auch stiller als zuvor) „Und das hörst du in diesem … Krach?“

-> Schaut Nachbarn jetzt an.

Jugendlicher: „Ich höre nicht den Krach. Ich höre den Versuch, Ernsthaftigkeit in eine Szene zu tragen, die eigentlich nicht ernst sein dürfte. — Weil sie das Universum erst erschafft. Wie soll man das mit Geige oder Gitarrensolo ausdrücken? Manchmal braucht es Verzerrung. Manchmal braucht es Wut. Nicht um zu zerstören – sondern um alles, was falsch ist, so laut wegzudrücken, dass für einen Moment das Innere sichtbar wird.“

Nachbar: (schweigt, sieht den Jungen zum ersten Mal richtig an)

Jugendlicher: (setzt die Kopfhörer wieder auf, leiser) „Sie müssen es nicht verstehen. Die meisten tun es nicht. Aber gefragt haben Sie.“

Montag, 28. September 2026

AI-Texte oder warum ich AI-Sloper und kein Autor mehr bin

Eine Erzählung in Fragmenten

Bild: Google Gemini


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In letzter Zeit erreichten mich einige Leseranschriften auf Mastodon. Drei! Mastodon? Ja, ich hatte dort Werbung für meine letzten Posts gemacht. In Englisch. Zielgruppe: Polyglotte, — Massenmenschen -> Ausschluss. So eine typische Mahamind-Sache eben. Aber komischerweise funktionierte es. Drei Menschen erreicht, die dann so etwas wie: „Hey, danke für deine Texte!“ schrieben.

Erst einmal: Danke für diese Leserrückfragen, die alle positiv waren und mich tief berührten. „Es gibt Leute da draußen, die das lesen!“ Ich freute mich. Ich war auch ein wenig überfordert mit diesen langen und tiefen Nachrichten, da ich eine kreative Kunstpause machte. Ich versuchte, den Kopf klar und über Wasser zu halten. Ich hatte meine eigenen, ganz persönlichen Probleme zu bewältigen. Wer will, kann sich meine letzten Posts durchlesen, die ich vor ein paar Tagen einfach reingestellt habe: Noirtext, Wir lebten auf einem sinkenden Schiff, Nachtwandler, Requiem für die Ertrinkenden, Onlinebabel.

Als überzeugter Esoteriker bin ich der Überzeugung, dass jeder darauf achten sollte, nur positive Gedanken in unsere Welt zu entlassen. Umso schwieriger finde ich es, solche Texte zu veröffentlichen. Die Texte veröffentlichte ich zuerst auf der Social-Media-Plattform Threads – inzwischen alles komplett gelöscht. Meine Kritik an Inhalten, so wie ich sie da erlebt habe, wie ich mich selber erleben musste, bezog sich ursprünglich auf genau diese Plattform. Ich wollte eine populäre Plattform ausprobieren. Vielleicht hätte ich meine Ideen darüber promoten können? Aber daraus wurde nichts. Meine Posts verwandelten sich rasch in düstere Lyrik. Natürlich schöpfte ich auch aus einem Pool an anderen Ereignissen. Aber mir geht es jetzt gut. Bitte keine Sorge.

Hier könnte ich jetzt einen eigenen Bericht über diese Internetseite Threads schreiben. Warum das schrecklich ist, dort seine Zeit zu versenken, und was es aus dir macht, wenn du es nicht merkst, dass es schrecklich ist, und es weiterhin machst.

Die Zielgruppe dort: mediokre Menschen, die viel mit Emojis arbeiten und „Digga“ sagen. Oder AI-Beiträge nur für diese Zielgruppe. Aber was soll ich mit Menschen anfangen, die wirklich noch nie ein UFO in ihrem Leben gesehen haben? Oder sonst etwas Außergewöhnliches erlebt haben, als jetzt ihre Hochzeit. Im besten Fall.

Wobei die Beiträge der Menschen vornehmlich negativ waren. Ich trainierte meine Früherfassung für passiv-aggressive Formulierungen, um solche Beiträge dann schnell aus meinem Feed zu werfen. Damit war ich dann nur noch beschäftigt. Also 90 Prozent der Zeit war ich damit beschäftigt, „meinen Algorithmus zu trainieren“. Das habe ich dann für mich als Red Flag entdeckt: Das sind die bösartigen sozialen Medien, die dich lange online halten wollen. Denn auf der anderen Seite fand ich kaum etwas Qualitatives.

Abgrenzung unmöglich. Es gibt dort eine Dating-Community, die ihren besonderen Charme triefend verbreitet. Auch außerhalb ihrer Dating-Gruppe. Permanent. Aber auch das Blockieren von Dating-Threads als Gruppe war nicht möglich. Also wieder selber „Algorithmus trainieren“. Klicken: „nicht erwünscht“. Der Algorithmus ist aber ein besonders netter: Das, was du nicht magst, präsentiert er dir, weil er sich ausrechnet, damit Engagement bei dir zu erzeugen. Also klicken. Es war das Gefühl wie in den späten 2010ern, den Briefkasten zu leeren: meist nur Werbezusendungen, die ungelesen in den Müll oder ins Altpapier wanderten. Das war auch das Nutzergefühl auf Threads.

Ich wollte meine Lyrik-Texte nur irgendwie archivieren. Da fiel mir ein: Ich habe einen Blog. Genau da. Das ist aber melancholisch anders als die Sachen, die ich zuvor geschrieben habe. Ich nenne es Poesie. Es ist aber Prosa, Lyrik oder irgendwas dazwischen. Auf jeden Fall ein neues Schreiben. Eine neue Stimme in mir. Es waren nicht mehr diese klassischen Mahamind-Essays. Die schienen vorbei zu sein. Nicht mehr machbar. Da war etwas anderes, das einfach raus wollte.

Wenn mich jemand nach dem Lesen der Lyrik fragen will, ob es mir gut geht – bitte nicht.

Aber ich traf dort auch auf Menschen, die es nach Kinski immer nur im Plural geben kann. Ich benutze aber eine personifizierende Metapher für ihn: den AI-Hater. Mein durch Threads geschulter neuer Skill „Erkenne passiv-aggressive Formulierungen schon im Ansatz“ erreichte durch das Training an solchen Menschen schon beinahe eine mediale Qualität: Ich wusste gleich am Anfang, was noch in vielen Posts dann am Ende erscheinen sollte. Wie eine dunkle, dornige Rose, die sich im Zeitraffer vor dem inneren Auge entfaltet.

AI-Hater – hier nicht erwünscht!

Aus meiner Perspektive sind AI-Hater Leute, die keine Ahnung haben, wie Texte produziert werden. „Ein Schriftsteller schreibt die alle!“ Sehr naiv, das anzunehmen. Genauer: Ein Lektor bringt die Texte in eine schöne Form und kümmert sich um Rechtschreibung und Grammatik. Oft werden da Texte nochmals gnadenlos umgeschrieben, damit sie in den Massengeschmack passen. Wenn das eine AI übernehmen kann, ist das günstiger und besser für alle, als „damals“ ein Monopol auf schöne Texte bei den Verlagen und dem Literaturbetrieb zu belassen.

„AI-Texte sind so langweilig“ – als wären AI-Texte langweilig und der ganze Public-Relations- oder Copywriting-Mist, den die Leute schon seit Jahrzehnten gewöhnt sind, nicht? AI-Texte sind eine logische Konsequenz aus dieser Verflachung mit Triggern, Calls-to-Action und anderen Psychotricks, die letztlich immer den Text kommerzialisieren zu müssen. Sol Stein sei Dank. Texte für sich selbst sind nicht existent. Die Frage ist immer: Welches Produkt wird beworben, oder was kann der Leser für sich aus dem Text ziehen? Wie wird er reich, gesund, intelligent? Einen Text einfach nur zu lesen, um den Menschen, der ihn geschrieben hat, zu verstehen, ist nicht mehr modern. Aufmerksamkeitsspanne beim Leser: drei Sekunden? Weiterscrollen.

Wenn du bis hierhin gekommen bist: Kompliment, du gehörst nicht zu diesen Menschen. Für die ist „AI“ dann natürlich etwas wie „Atomkraft“ oder „die Sache aus den Filmen“. Also innere Bilder kommen hoch, wollen bedient werden: „Angst“, dann treten die Mahner auf die Bühne. Was – wahrscheinlich – nur mir aufgefallen ist: Auf Threads fallen dann diese „Mahner“ wie Heuschreckenschwärme über besonders prominente AI-Nutzer. Richtig niveaulos und platt. So wie man sich die Leute „die mitgemacht haben“ so vorstellt. Der einzelne Anbieter ist dann das Problem. Der Anbieter macht aber kaum Geld mit seinem Content. Jetzt kommt da eine Grundtendenz bei diesen Leuten: „nach unten hin treten, nach oben buckeln“. Kann man übrigens alles bei Wilhelm Reich in „Die Psychologie des Faschismus“ nachlesen. Tolles Buch übrigens, das aufzeigt: Der andere ist nie das Problem. Das Problem ist dieses Etwas in dir und mir, das sich struktureller Gewalt anpassen will, um sein Überleben zu gewährleisten. So werden dann Spießer gemacht. Die dann auf Threads wie Heuschreckenschwärme umherziehen. Und noch nie ein UFO gesehen haben, aber alles besser und das ganz genau wissen. Kinskis „die immer nur im Plural vorkommen“. Sie treten auf die schwachen AI-Nutzer, während die gesamte Plattform selber AI ist. Ein Algorithmus bestimmt da alles. Und der Algorithmus selbst? Er ist der eigentliche AI-Sloper – ein Textproduzent ohne Autor, der aus Menschen Heuschrecken macht, damit sie für ihn denken, fühlen, hassen. Das merken sie nicht. Das ist nach oben buckeln.

Das Lustige ist aber jetzt: Wo immer sie ein AI-Bild sehen, kommt ihnen die Galle hoch. Ich finde AI-Bilder gut, da sie kleinen Anbietern oder auch Hobbyisten wie mir ganz demokratisch die Möglichkeit geben, Bilder zu erstellen, die ihre Werke abrunden. Die wenigsten werden Mahamind-Texte wirklich durchlesen. Aber die Coverbilder bleiben in Erinnerung.

Wo ist das Problem? Das Problem sind „Rechteinhaber“ von Trainingsmaterial von AIs? Lass uns das genauer anschauen: Die „Rechteinhaber“ stellen ihren Content freiwillig in das Internet. Jeder darf das lesen, auch AIs, und seine Notizen dazu machen. Das macht eine AI. Und solange die Texte und Bilder dann nicht eins zu eins wiedergegeben werden, ist es kein Diebstahl von „intellektuellem Eigentum“. Das können die Mahner natürlich nie verstehen, weil sonst ihre Rolle als Mahner überflüssig wäre. Das macht kein Mahner, in der Entwicklungsstufe, wie sie auf Threads gedeihen, erst recht nicht. Denn das sind Trolle, die mal ein Thema gefunden haben, mit dem sie sich immer im Recht fühlen zu meinen.

Also nutze ich mal meine Erfahrungen, um auf tagespolitische Trends zu reagieren: Ich bin ein AI-Sloper und stolz darauf und dankbar für bessere Schreibbedingungen, als unzählige Autoren zuvor sie hatten. Ich lasse meine Texte mittlerweile von AI lektorieren, ganz einfach, weil ich es machen kann.

Haben die Ahnung, wie Texte geschrieben werden? Lektorat!?

Ja, ich lasse eine AI (Deepseek) über die Texte laufen. Warum sollen meine Texte nicht lektorisiert lesbar sein? Aber einen Lektor kann ich mir nicht leisten. Und: Muss ich das heutzutage überhaupt noch? Brisante Fragen, und die können in der heutigen Zeit von vielen nur noch polemisch diskutiert werden. Die AI-Hater. Vorab: Ich bezweifle, ob die AI-Hater jemals ein Buch kaufen würden bei einem Autor, der ihrer Reinheits-Ideologie entspricht. Das ist eine wichtige Frage. Denn viele Autoren müssen Geld verdienen und mit dieser Zielgruppe machen sie es nicht. Denn nur eine laute Minderheit will AI-freie Produkte. Hier wichtig: Es geht denen nicht um Texte, sondern um alles. Also wie bei dem Veganismus. Totalitär nennt man das übrigens. Ich hab mir lange die Kommentare dazu durchgelesen und am Ende kam ich zu dem Ergebnis: Ich möchte mit diesen Leuten nichts zu tun haben. Ich habe das jetzt sehr drastisch geschrieben, und genau daran fühle ich: Es wäre besser, bei diesen Leuten um den heißen Brei zu reden, und genau das nennt man Appeasement. Es ist falsch, Appeasement zu betreiben, um da eine toxische Leserschaft zu bedienen, denen es am Ende nicht um Literatur, sondern um Weltanschauung geht. Ich will nicht gebraucht werden, um irgendwelche gesellschaftlichen Zwänge zu bedienen, sondern ich will ästhetische Texte erschaffen. Meine Ideen ausdrücken, imposant bis über den Punkt, wo es schmerzt. Mein Rob-Zombie-Filter. Etwas – auf seine Art Schönes – daraus zu schaffen. Was natürlich für einen Menschen, der gesellschaftlich eingenordet ist, vollkommen schräg und außerhalb seines Orbits sein muss. Mahamind schreibt von intelligentem, bewusstem Plasma, UFOs, Hemi-Sync. Qabalah und Tarot! Common Lisp. Und auch Aaron Bushnell. Und hier wurde mir deutlich, dass es nicht mein Weg ist, im „Literaturbetrieb“ zu enden und nette Katzengedichte auf Threads zu veröffentlichen mit Call-to-Action, meine Texte, die einfach nur schön sein dürfen und sonst nicht weiter stören, bitte doch zu kaufen. Ich schreibe auch „human-made“ und „fair-trade“ drauf. Alles Plaketten für Leute, die sich selbst beweihräuchern wollen. Ein Titelbild, so erdig bunt – ich liebe Blautöne, du nicht? Strahlend blau im Buchregal. Als Deko fürs Buchregal. Das ist dann das Produkt. Das möchte ich nicht machen. Ich will lieber der Autor sein, der sich präzise zwischen die Stühle setzt, um einfach sein Ding gemacht zu haben. Der Leser als Zeuge, nicht als Konsument.

Wie lasse ich AI an den Texten mitwirken?

Ich muss mich nicht rechtfertigen. Und das Wie? Ist mein Betriebsgeheimnis. Vielleicht biete ich irgendwann mal einen Kurs dazu an. Wenn es Leute gibt, die das toll finden, was ich mache, und wissen wollen, wie ich es mache. Deal?

Gedankenfetzen

Deshalb: tolle, historische Gelegenheit. Texte, die über 30 Prozent AI-Anteil haben, kommen in die Kategorie AI-Text im Blog.

Ihre Reinheits-Ideologie. AI-freie Produkte. Human-made. Fair-trade. Als ob ein Text ein Körper wäre, den man vor Eindringlingen schützen muss. Als ob Sprache eine Rasse hätte.

Soziale Medien machen aus normalen Menschen so etwas wie Stadtbewohner, die es für normal ansehen, den freien Himmel nicht mehr zu sehen. Wegen der Lichtverschmutzung. Und sie halten jeden völlig selbstverständlich für verrückt, der von einem unbegrenzten Himmel sprechen würde.

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Ich sitze hier und schreibe diese Zeilen, während draußen die Stadt ihr eigenes Licht absondert, dieses orange-graue Glühen, das die Sterne verschluckt. Ich denke an die drei Menschen auf Mastodon, die meine Texte gelesen haben. Drei Menschen, die vielleicht verstehen, worum es geht. Nicht um AI oder nicht-AI. Nicht um Reinheit oder Verrat. Sondern um das Schreiben selbst. Um diese merkwürdige Tätigkeit, Worte aneinanderzureihen, in der Hoffnung, dass irgendwo jemand sie liest und nickt.

Ich bin kein Autor mehr. Ich bin ein AI-Sloper. Und das ist in Ordnung. Denn was ich erschaffe, ist immer noch meins. Meine Ideen, meine Bilder, meine dornigen Rosen, die sich im Zeitraffer entfalten. Die AI ist nur ein Werkzeug, wie ein Lektor es war, wie ein Bleistift es ist. Sie macht meine Texte lesbarer, glatter, vielleicht sogar besser. Aber sie macht sie nicht zu ihren.

Und wenn mich jemand fragt, ob es mir gut geht – nach dem Lesen meiner Lyrik – dann bitte ich: Fragt nicht. Lest einfach. Lasst die Worte wirken. Und wenn ihr wollt, kommt mit mir hinaus, dorthin, wo der Himmel noch unbegrenzt ist. Wo die Lichtverschmutzung nicht alles erstickt hat. Wo man noch UFOs sehen kann, wenn man nur lange genug hinschaut.

Ich bin da draußen. Zwischen den Stühlen. Mit meinen Blautönen und meinen AI-Texten. Und ich schaue weiter zu den UFOs hinauf. Lebendiges Plasma. Mein Gott, es ist voller Sterne.

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Für die, die lange Texte lesen können. Für die, die zwischen den Zeilen lesen. Für die drei auf Mastodon. Und für alle, die wissen, dass Sprache keine Rasse hat und Texte keine Körper sind, die man vor Eindringlingen schützen muss.

Artikal Sound System – oder: Warum ich wieder grundlos lächeln will

Bild: Google Gemini Es gibt Abende, da sitzt man auf der Couch, wie früher, und guckt einfach Musik. YouTube. Videos. Kein Plan, kein Zi...