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| Bild: Google-Gemini |
Erich von Däniken ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Mein Vater ist nur wenige Tage vor Erich von Däniken gestorben. Da ich, mein Vater und Erich von Däniken vor Jahrzehnten einmal auf einem Vortrag zusammen waren - mein Vater und ich im Publikum, Erich von Däniken als Redner - schreibe ich einfach mal einen Essay darüber, der natürlich im Mahamind-Style sich tausendfach verästelt und am Ende irgendwo heraus kommt, wo es jeden Leser überraschen wird: Irgendwo bei sich selber.
Das Thema UFO oder High Strangeness fasziniert mich, weil es automatisch einen zu der Frage führt, "wer bin ich im Universum?". Deshalb auch meine Vollmond-Spezial-Serie in dem Blog. Viele Themen in diesem Blog scheinen 'esoterisch' zu sein, handeln am im Grunde davon sich selber in einer Welt als etwas Wahrnehmendes ernst zu nehmen. Also der Prozess im Inneren ist das Bedeutsame. Eine letzliche Wahrheit wird es nie in meinem Universum geben, dass immer von dem abhängt, der es wahrnimmt. Diesem Gedanken will ich mit meinem Schreiben gnadenlos auf den Grund gehen. Fange ich einfach heute an mit dem Schreiben. Ich mache es immer spontan und da ich faul bin "heute schon wieder Vollmond" - aus dem Stehgreif.
Eine Reise zur Prä-Astronautik
Jahrzehnte später besuchte ich 'las americas', eine charmante Bezeichnung für die vielen Amerikas auf dem Kontinent. Damals war ich noch Enthusiast. Ich hatte mich auf YouTube durch Ancient Aliens geklickt, diesen Kanal mit seinen reißerischen Videos. Der Grundton war immer derselbe: „Alles von den Göttern gebaut. Von Außerirdischen.“
Ich schlenderte allein durch die Ruinen von Tiwanaku. Auf einem kleinen Hügel sah ich eine Touristengruppe. Hauptsächlich blasse Frauen. Alle meditierten. Nur ein Mann schaute mich unsicher an. Wir beide zuckten mit den Schultern. Ein stummes Geständnis: Hier ist nichts. Wahrscheinlich hielten sie den Hügel für eine unentdeckte Pyramide. Aber es war nur ein Hügel. Die Situation war nicht proportional. Die Erwartung überwucherte alles.
Kurz danach dann die „Fabrik der Götter“. Puma Punku. Der Ort, an dem laut Videos niemand wusste, was geschah, aber die gehauenen Steine hatten rechte Winkel! Ein Beweis für außerirdische Technik. Ein rechter Winkel. Meine spontane Reaktion war eine tiefe, stumme Enttäuschung. Die ganze Anlage war winzig. Kläglich klein gegen das, was die Videos suggeriert hatten. Sie hatten mit speziellen Winkeln vom Boden gefilmt, um die Steine riesig erscheinen zu lassen. Die Lüge war nicht im Stein. Sie war in der Perspektive.
Und da begriff ich es: Das haben keine außerirdischen Götter gebaut. Das haben Menschen gebaut. Von der Macht ihrer eigenen Ideologie entzückter Priester. Ich sah die ersten großen Lügen. In Stein gemeißelt.
Natürlich sind das bedeutende Bauten gewesen. Aber sie waren eben nicht so spektakulär wie einige Formate auf YouTube das darstellen. Erich von Däniken war jetzt nicht "Ancient Aliens". Aber sicherlich eine Denkrichtung.
Erinnerungen an meinen Vater
Ich erinnere mich zurück an meinen Vater, mit dem ich im Publikum gesessen bin, und Erich von Däniken hielt einen Vortrag. Seine letzten Worte waren "sollte sich das Marsgesicht bestätigen.." Ich fasse kurz zusammen: Wir wissen heute, Jahrzehnte später, dass es sich nicht bestätigte. War das vielleicht von Dänikens Trick Dinge in den Raum zu stellen?
Da sind auch die Worte meines Vaters, der nach dem Vortrag zu mir meinte: ich sollte mal die glücklich wirkenden Zuhörer zählen und sie mit dem Ticketpreis multiplizieren. Wir kamen damals auf mehr als ein Monatsgehalt, das allein von den Tickets reinkam. Und mein Vater weiter: im Grunde ist von Dänikens Methode so, etwas in den Raum zu behaupten und von anderen zu verlangen, ihn zu widerlegen. "Bitte glauben Sie nichts!", waren oft von Dänikens Worte. Das klingt vordergründig seriös. Aber versteht man einmal die Technik, dann auch den Trick. Man kann einfach Dinge behaupten und das Widerlegen kostet Zeit, Energie und Geld, was nicht unbegrenzt vorhanden ist. Später hatte von Däniken viele Mitarbeiter, die sein System dann perfektionierten. Däniken wurde so selber zu einer monumentalen Pyramide der zeitgenössischen Prä-Astronautik und sicherlich auch sehr reich damit.
Ich fragte mich, warum mein Vater mich überhaupt zu so einem Vortrag mitgenommen hatte? "Damit ich das auch mal gesehen habe", sagte er zu mir. Ich war damals in dem Alter, in dem ich die Bibliothek meines Vaters entdeckte und mich stundenlang in ihr vertiefte. Viele Bücher über Archäologie waren da. Einige wenige über Prä-Astronautik. Ich erinnere mich an von Buttlar. Also Bücher, die schnell gelesen sind und gängige Klischees in der Masse bedienen. Ich bemerkte damals diesen Leserausch, der von diesen Erzählungen ausging. Aber die meisten waren seriöser und da ärchäologische Bücher gerne mit Bildern in Farbe daher kommen, fand ich gefallen an ihnen. Zu einer kritischen Würdigung kam ich aber erst sehr viel später. Ich erinnere mich aber gerne zurück an die Zeit in seiner Bibliothek.
Mein Fazit
Ein Punkt, wenn eine Gesellschaft in der Lage ist, große Prunkbauten zu errichten, muss sie soziale Strukturen geschaffen haben, in denen man eine große Mehrheit der Gesellschaft dazu bringen kann, diese Bauwerke - häufig im Schweiß ihres Angesichtes - zu erbauen. Kostengünstig. Eine Minderheit sitzt mit einem Zirkel im Schatten und beratschlägt Bauplänen. Die sicherlich auch genial und bewundernswert sind, aber häufig zu einer Narrativbildung der eigenen Göttlichkeit herangezogen werden. Oder schlicht gesagt: einer Elitenbildung. Der Vorgang ist auch heute, überall zu sehen und die Erkenntnis, dass Eliten oft, oder mit einer unheimlichen Präzision, von einem Segen zu einem Fluch werden, liegt in der Luft. Aus Ordnern werden Herrscher. Aus Herrschern Götter. Aus Göttern Flüche.
Dörfliche Gemeinschaften basieren hingegen oft auf einem Gemeinschaftsprinzip. Da die anstehenden Arbeiten bequem über den Tag erledigt werden können, herrscht auch kein Stress. Der Stress kommt, wenn wenige Menschen eine Mehrheit zu immer mehr Produktivität antreiben müssen, um ihren eigenen Lebensstil aufrecht zu erhalten. Das ist das Prinzip der Ausbeutung. Mein Positivbild der "dörflichen Gemeinschaft" entspringt historisch der "Donaukultur", die ähnlich weit entwickelt war. Rad, Schrift, keine Paläste. Also keine ausgeprägten Eliten bildete und entsprechend weniger Krieg, Mord und soziales Elend erzeugte. Spuren davon, konnten archäologisch nicht gefunden werden. Hier hat mir das Buch "Das Rätsel der Donauzivilisation" von Harald Haarmann den Blick geöffnet. Die Donauzivilisation als Gegenmodell zu pyramidialen Gesellschaften. Sie erfanden das Rad, aber nicht den Herrn. Sie schrieben, aber keine Befehle.
Dementsprechend kritisch wurde meine Sicht auf solche Kulturen, die uns heute durch ihre Bauten noch bekannt sind. Für die Mehrzahl der Menschen waren solche Gesellschaften eine Einbahnstraße zu schlecht entlohnten Dienstleistungen ohne die sich solche Systeme gar nicht hätten bilden können.
So gesehen erfüllen hagiographische Narrative, wie sie in der gewöhnlichen Esoterik verbreitet werden, von naturverbundenen Natives, mit nur guten Eigenschaften und den großen Pyramiden, auch heute einen gesellschaftlichen Nutzen, noch nicht einmal die Fähigkeit zu entwickeln diese Arten von Gesellschaften kritisch zu sehen. Statt dessen: Bewunderung für technische Großtaten. Mit denen sich dann Eliten legitimieren. Auch hier wieder fällt mir Erich von Däniken ein mit seinen, "die von den Sternen kamen".
Meine Sicht ist eine Nischenperspektive, da sie richtig angewandt, auch heute zu einer Gesellschaftskritik kommen muss. Pyramidiale Systeme finden sich heute auch in sozialen Medien. Heldenbildung und mystisches Denken immer mehr im Journalismus und das lustige ist: auch wenn man dieses neue Pantheon der Guten und Erfolgreichen durchschaut, verwandeln sich die virtuellen, öffentlichen Hallen in sozialen Medien zu Stätten, wo inflationär auch ihre Bilder - beinah schon - zelebriert werden. Die Geister der Abhängigen werden dadurch in ihrer eigenen Ohnmacht inkubiert. Mahamind-Leser wissen: für das Unbewusste gibt es kein Nein. Und ohnmächtiger Hass ist in Zeiten einer "Aufmerksamkeitsökonomie" wertvoller als Gold. Und macht eben auch ohnmächtig. Also ein perfektes Machtinstrument. Wir bauen ihre Tempel mit unseren Blicken. Und zahlen mit unserer Zeit. Dein ohnmächtiger Hass ist ihr Treibstoff. Deine Aufmerksamkeit ihr Zement. Und: Die Bewunderung für die Maschine ist der größte Feind ihres Opfers.
Ende
Selbstkritik: Eigentlich sollte das hier eine Art Info-Newsletter werden. Mit ganz vielen interessanten Videos, Artikeln von anderen, die ich einfach nur kuratieren muss. Immer zum Vollmond. Ich sehe aber: ich schaffe dieses Format zur Zeit noch nicht. Zum anderen ist es auch der Reiz ein umfangreiches Thema zu einem Termin fertig zu stellen. Ich glaube, ich brauche diesen Druck. Und es ist auch der Reiz, etwas mit heißen Nadeln gestrickt zu haben.
Kartenlegung: Mahamind-Leser wissen auch: ich wollte auch eine Tarotlegung zu Vollmond machen. Auch das ist untergegangen. Gestern habe ich übrigens ein neues Legesystem geschaffen: die Mahamind Karten. Besteht nur aus Traumsymbolen, was das Lesen tiefer und intuitiver macht. Ist auch ein toller DIY-Ansatz: du musst nur ein billiges Pokerkartendeck nehmen und mit Edding die Traumsymbole auf die Karten schreiben. Dann hast du ein neues, völlig eigenes Legesystem. Für die Leser meines Bloges habe ich dann eben doch meine neuen Karten mal eben befragt. Die Situation ist folgendermaßen: Quelle-Brücke und als Perspektive: die Heilerin. Herz 10 - Kreuz 2 - Kreuz Dame. Vielleicht ist es mir bei einigen Lesern gelungen, die Brücke zu der alten, fast vergessenen Donauzivilisation zu weisen? Das würde mich auf jeden Fall sehr freuen. Mein neues Kartendeck ist sicher auch einen Artikel wert. Einmal verstanden, inspiriert es den Leser, selber mit archetypischen Symbolen zu arbeiten.
Weitere Punkte:
- Luck Bürgerlin 2022 gestorben. Habe ich erst jetzt mitbekommen. Ich schrieb eine tiefe Reaktion (klick hier um sie zu lesen) auf eines seiner letzten Bücher über Mirin Dajo. Schade, dass Bürgerlin selber diese Zeilen niemals lesen wird.
- Neuer Blog von Wladislaw Raab: Ich sehe ihn als den Chronisten der High Strangeness. Ich schilderte ihm mal eine ("die") UFO-Sichtung von mir und veröffentlichte sie auch auf meinem Blog. Den Link werde ich anpassen. Klick hier, um die UFO-Schilderung zu lesen.



