Donnerstag, 7. Mai 2026

Vom Kommen, Bleiben und Gehen

Bild: Google Gemini


Der wöchenliche Blogpost ist für mich unwichtig geworden. Was ist passiert?

Außer a) einer Menge, sehr unangenehmen, privater Dingen, b) eine Interessenverschiebung im Bereich meines Schreibens. Der Blogpost behandelt b).

Das Negative

Warum fing ich diesen Blog an? Schreibe regelmäßig, veröffentliche in einem festen Rhythmus. Auch wenn es keiner liest. Das ist der beste Rat, dem man einem geben kann, der kreatives Schreiben üben will.

Das machte ich also. Kreatives Schreiben bedeutet Schreiben als Kunst aufzufassen. Ich schrieb also nie normale Blogposts, sondern alles war ein Versuch etwas Künsterisches zu schaffen. Damit bin ich zu einem Ende gekommen.

Der letzte GNUS-Blogpost war der letzter, den ich unbedingt schreiben wollte. Danach? Ja, ich kam mir zunehmend wie ein Content-Creator vor, der anfängt sich etwas aus den Fingern saugen zu müssen, um - im Grunde - bedeutungslose Bedürfnisse einer Leserschaft zu erfüllen. Oft ist es Gossip. Was für ein verrücktes Thema hat der jetzt wieder drauf? Intelligentes Plasma? Höhö. — Will ich solche Menschen, auch nur indirekt, in meinem Leben? Nein.

Der letzte Artikel war dann auch, was man Themenrecycling nennt. Gehen mir die Themen aus? Dann muss der alte Colonel Kurtz her.. vielleicht hört sich sein sinngemäßes Zitat für jemanden, der es nicht kennt, cool an? Für mich abgedroschen. Ich wollte den Blogpost einfach nur abschließen. Kein freudiges Prickeln, wie früher.

Was dann? 5 Punkte, warum intelligentes Plasma real sein kann und unser Leben beeinflusst! Ohne dass wir es ahnen und unsere Rationalität - zumindestes nach der "Aufklärung" - nur einem Narzissmus diente, uns vorzumachen, etwas verstanden zu haben, wo es nicht unbedingt etwas zu verstehen gibt? Sollte ich ein Troll im Kommentarbereich von "Mr. Wissen2Go" werden? Nein, ganz bestimmt nicht — Jahrhunderte dachten die Menschen auch, die Erde wäre eine Scheibe. Hat das etwas ausgemacht?

Genau das sind Dynamiken der Social Media People. Mein Ziel ist es, genau davon weg zu kommen. Sie verstehen einfach nicht. Und es ist zu ernst, um jeden mit ins Boot zu holen. Hier hilft nur Ehrlichkeit. Und durch das Blogformat geriet ich unbewusst in diese Dynamiken, eine FOMA-Berieselung mit wöchentlichen Blogpost & Vollmondspezial aufzuziehen. Content ist, was andere von mir wollen. Literatur ist, was ich von mir will.

Das kostet natürlich auch Lebenszeit und hier beißt sich die Maus in den Schwanz. Was will ich also stattdessen?

Das Positive

In den Blogposts habe ich Monologe, Stream of Consious-Techniken gelernt. Das Spiel mit der Perspektive genossen. Die Persona Mahamind zu etwas gemacht, was für sich schon interessant ist. Technisch: Schreiben mit Emacs und ein Backend, die ganzen Texte zu verwalten und transformieren zu können. Auf Blogspot sind das nur Kopien. Die Substanz finde ich auf diversen, lokalen Festplatten. Niemand wird mich zensieren. Ich denke, das ist mir gut gelungen.

Was mir aber fehlt: Dialoge, Szenerien, die sich wandeln zu.. kurz: Storywriting. Charaktere - nicht nur den Mahamind - zum Leben zu erwecken. Ich könnte mein Leben lang Essays in diesem Blog schreiben, die ein gewisses Niveau anstreben. Aber nie darüber hinaus kommen können. Warum? Weil das Format dazu nicht reicht.

Was ich mache? Ich nutze meine wöchentliche Schreibzeit (ja die ist fest), für größere Formate. Meine Novelle. Das ist ein Programm-Name für: All die Dinge erst zu sammeln, und dann in eine Form zu bringen. Dialoge, Szenen, die interessant sind. Darum geht es. Ein 2000 Wörter Essay reizt mich nicht mehr. Ehrlich gesagt finde ich dieses stille Arbeiten auch entspannter. Auf der einen Seite: Der Essay mit Abgabedatum. Das ist auch viel Arbeit. Da ich "meine Novelle" nicht veröffentliche, fällt das weg.

Auf der anderen Seite finde ich auch die neuen Texte zu "explosiv". Zu intim. Zu radikal. Kennst du das Gefühl alles aufzuschreiben, auf einem Blatt vor dir, was dir wichtig ist, und die Welt müsste dich dann hassen? Der Stream of Conscious geht tief. Direkt ins Unbewusste, wo es oft unangenehm wird. Meine neuen Texte will ich deshalb nicht veröffentlichen. Zumal das auch nicht für die Masse gemacht ist. Siehe oben. Manche Texte sind zu schwer für das Licht des Internets.

Einmal aus Angst davor, nicht verstanden zu werden. Diese Angst kennt jeder Künstler. Dann auch: Mir ist aufgefallen, wie viele Bots meine Seite abgrasen. Über 5000 Zugriffe pro Monat, die botverdächtig waren. Dann robots.txt angepasst. Daraufhin weniger. Aber trotzdem: jemand nettes reservierte sich schon eine griffige Internetadresse mit Mahamind. Ein leerer Blog. Frage ist: was ist, wenn sie die guten Ideen einfach klauen? Elegant ist das mit AI möglich. Schmerzhafter wäre, einfach meinen Content irgendwo anders zu veröffentlichen. Das ist der Grund, warum ich vorsichtiger werde.

Das Praktische

Ich werde auf jeden Fall aus meiner Blogbeschreibung die wöchentlichen Veröffentlichungen rausstreichen. Dafür schreibe ich an "meiner Novelle". Das macht mir zur Zeit mehr Spaß und ich fühle, das ist richtig. Vollmondspezial -> entfällt. Denn wo ein Spezial draussteht, muss es auch etwas Nicht-Speziales geben. Das ist Marketingdenken -> entfällt. Die wöchentliche Veröffentlichung wurde zur wöchentlichen Verpflichtung – und Verpflichtung tötet Kunst.

Das heißt nicht, dass ich hier nicht mehr schreiben werde. Aber nur, wenn mir danach ist. Ich habe noch einige Skripte für Essays, die sich vollendet toll anhören könnten. -> Also keine regelmäßigen Veröffentlichungen mehr, veröffentlicht wird aber nocht. Wer das nicht verpassen will: RSS-Feed abonnieren. Wer nicht weiß, was das ist: nachschlagen. Easy.

Email-Liste: mir fiel auf, schon vor einem Jahr dachte ich darüber nach. Die Idee ist, nur Cliffhanger auf dem Blog zu bringen. Die Volltexte gibt es in der Email-Liste und dessen Archiv. Vorteile: eigenes Ökosystem. Der Blog könnte gelöscht werden, es geht weiter mit der Email. Das gefällt mir. Auch die Content-Klauer würde das ihre Sache schwieriger machen. Nachteile: gute Anbieter sind teuer. Meine eigene Infrastruktur mit GNUS ist zur Zeit nur ein Prototyp. Dann auch wieder zu viel Content-Creator-Gehabe. Eine Email-Liste müsste beworben werden. Da das mehr Zeit als das Schreiben meiner Texte verschlingt, sehe ich es als verlockende Falle, in die ich im Leben tappen könnte. Diesmal nicht. Ich will keine Community. Ich will einen Roman. Die Liste kommt, wenn sie kommt. Früher schrieb ich für Leser. Heute schreibe ich für das Regal, das mich überleben soll.

Ausschau

Einige Essays sind noch in der Pipe. Ich werde sicher auch Auszüge aus "meiner Novelle" veröffentlichen. Das Grundproblem war aber: der Blog wurde zu einer Institution, die sich selber beschäftige. Eine Übersetzung nach Esperanto? Ein AI-Bild für den Beitrag? Vollmondspezial? Alles für sich gute Gedanken. Aber als Arbeitsroutine eben auch etwas, was in Arbeit ausarten will. Ich will aber >90% meiner Zeit in das Verfassen der Texte stecken und nicht durch meine eigenen Arbeitsroutinen zunehmend behindert zu werden. Dadurch würde ich die Chance verpassen, mich künsterlisch weiter zu entwickeln. Das ist nicht der Sinn der Sache. Also die Evolution zum Voll-Autor geht nicht mit den Sachen, die ich bisher geschrieben habe.

Was ist mit Hemi-Sync und intelligentem Plasma? — Frag mich das bitte später.

Dank

Ich habe viele Anschreiben von Lesern gerne gelesen und nach bestem Ermessen beantwortet. Ihr habt mir gezeigt, dass es "da draußen" Menschen gibt, die ernsthaft an tiefen Themen interessiert sind und Freude an frischen, ungewöhnlichen Gedanken haben. — Danke.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentare sind geschlossen. Wenn Dir meine Gedanken ein Echo entlocken, schreib mir einfach einen gedanklichen Brief.

Vom Kommen, Bleiben und Gehen

Bild: Google Gemini Der wöchenliche Blogpost ist für mich unwichtig geworden. Was ist passiert? Außer a) einer Menge, sehr unangenehmen...