Pünktlich zur Weihnachtszeit ging meine Smartwatch, eine Huawei BLAbla2, kaputt. Sie erlosch einfach im Swimmingpool, obwohl sie wasserfest gewesen sein sollte. Zumindest die meiste Zeit. Sie wurde etwas mehr als drei Jahre alt. Ich hatte sie mir damals bei einem Einkaufsbummel mit meinem Bruder gekauft, der völlig dieser Smartmanie verfallen war. Habe ich den Kauf bereut oder hat mir die Investition etwas gebracht? Ich schreibe hier einfach eine kleine Reflexion über diese Zeit.
(Meine) Gründe für eine Smartwatch
Warum kaufte ich mir so ein Ding? Sozialer Druck! Ich als „Ungeimpfter“ kam für zwei Nächte bei meinem Bruder unter, der sich vorher extra noch einmal „boostern“ ließ. Das war während eines Besuchs in Deutschland, nach dieser „Pandemiezeit“. Die Leute sind in Deutschland ein wenig verrückt. Ich meinte immer zu meinem Bruder, nicht alles zu glauben, was in den Medien berichtet wird. Das kann nicht gut gehen. Mahamindleser wissen sehr genau: Ich glaube zum Beispiel noch nicht einmal den Wetterbericht. (klicke den Link zum Wetterbericht). Ich hatte auch das Glück, in einem Land weitgehend „ohne Lockdown“ durch diese „Pandemiezeit“ zu kommen. Da sind keine Leute in Massen tot zusammengebrochen oder so, was eine „Impfung“ hätte verhindern müssen. Also musste ich aufpassen, was ich meinem Bruder sagte. Sollte ich ihm erzählen, dass es sich bei „der Impfung“ nicht um eine klassische Impfung handelte, sondern um einen Impfversuch, bei dem der Wirkungsmechanismus ein gentherapeutischer Eingriff war, der noch nicht einmal vorher an Menschen getestet worden war? Zumindest die mRNA-Impfstoffe, die wie wild in Deutschland injiziert wurden. Und die Erfahrungen mit mRNA-Impfstoffen beim Zuchtschwein waren nicht unbedingt positiv. Aber sie lieferten auch keine Langzeitresultate. Schweine werden nach drei Jahren geschlachtet. Unter dem Gesichtspunkt, keine drei Jahre mehr zu leben – wie etwa mit einer Krebsdiagnose – würde ich mir auch mRNA spritzen lassen. Aber so ein Nebenwirkungsprofil bei einer etwas seltsamen Grippe? Damals war es in Kreisen meines Bruders auch absolut verpönt, von einem „Laborunfall“ zu reden. Als psychologisch ein wenig geschulter Beobachter spürte ich die Ohnmacht, die Hysterie und das Trauma der Leute in Deutschland. Dann besuchte ich meinen Bruder, als es ein wenig besser wurde und die Medien andere Themen fanden als „die Pandemie“. Das 9-Euro-Ticket zum Beispiel.
Smartwatch als Symbol „dazu zu gehören
Ich konnte – weil ich lange nicht mehr in Deutschland lebte – auf „dummer Ausländer“ machen, der nicht so superkompetent durch deutsche Medien informiert worden war wie mein Bruder. Ich bekomme auch schon einen ausländischen Akzent hin, wenn ich will. Oder ich streue ungewöhnliche Lehnwörter aus anderen Sprachen ein. Die Wörter stehen dann für Konzepte, die lange erklärt werden müssen. Meine aus deutscher Sicht – ich muss schon sagen – Dissidenz machte dann nichts aus. Ich ließ meinen Bruder mit seinem Weltbild punkten und hörte mir seine Vorstellungen von einem guten Leben an. Lassen wir mediale Angstbilder, die ein bisschen wie seriöse Clickbaits fungieren, beiseite. Mein Bruder interessiert sich für alles, was irgendwie „Smart“ ist. Smartphone, Smart City, Smart Car, Smart Home, Smartwatch. Mit seinem Sohn baut er an einem Raspberry Pi, was ich sympathisch fand. Auch, dass er seine Sachen in Haskell programmiert. Ich will ihn also nicht als dummen Menschen beschreiben. Aber irgendwie haben sie seine Affekte an Dinge gebunden, die mir völlig fremd sind. Mit „sie“ meine ich Medien, die den Leuten zum großen Teil erfolgreich klar gemacht haben: Lest, schaut, hört uns – und ihr seid klug. Kann man den Medien nicht übelnehmen. Das ist Selbstinteresse. In meinem Leben bin ich aber weit gekommen und habe viel gesehen. Richtig wäre es meiner Meinung nach: Fang an, Standardbücher und Originalliteratur zu lesen. Dann bist du zumindest auf dem Weg, klug zu werden. Journalisten sagen von sich selbst, sie seien ehrlich: "Dazu haben wir aber keine Zeit." Auf einer sommerlichen Terrasse ergeben sich am Abend dann auch gute Themen. Und dann sah ich die Smartwatch, relativ günstig, und kaufte sie mir einfach. Auch, um ein weiteres Thema zu haben. „Ich habe auch so was. Schau her: Sie piepst jetzt.“ Ein Symbol dazu zu gehören. In der Familie meines Bruders haben alle … und wir zeigten uns gegenseitig unsere Handgelenke mit den Uhren, die nicht einfach Uhren waren, sondern … mehr. Das war ein Stammesritual wie auch in Afrika. Natürlich macht es mir Spaß, das alles mit ein wenig Ironie niederzuschreiben. ABER: Es war ein schöner Sommer in Deutschland nach der „Pandemie“. Ein schönes Land im Sonnenschein. Und nette Leute! Aber eben bloß in einer medialen Kühltruhe mit mediokren Betrachtungen zu Themen, die man auch besser in der internationalen Presse liest. Und auch da: bitte nicht unipolar. Dann ergibt das Spiel der Interessen auch mehr Sinn, als in eine Angststarre zu fallen. Dann denkt auch der klügste Mensch nicht mehr nach, wenn die Panik kommt.
Smartwatch – mein Resümee
Geplante Obsoleszenz. Nach dem Anekdotischen folgt mein Bericht über drei Jahre Smartwatch. Wie erwähnt, erlosch ihre Funktion im Swimmingpool vor ein paar Tagen. Vorweihnachtszeit. Das war erst einmal enttäuschend. Es war nicht so wie mit anderen Huawei-Geräten, wo die Akkulaufzeit nachlässt und man das Gerät dann mehr im Schrank liegen lässt, um es seltener zu benutzen. Das fühlt sich organischer an. „Nicht mehr gehen“ fühlt sich an wie tot sein. Mir fiel sofort das schlimme Wort „geplante Obsoleszenz“ ein. Wie lange sind schon die Voyager-Sonden im All unterwegs? Der Mercedes URALT? Die alte deutsche Waschmaschine? Und jetzt findet die Smartwatch ihre letzte Bestimmung als Technikschrott! Als hätte man die Dichtung nicht besser machen können. Aber man will ja nicht.
Nette, aber letztlich Beschäftigungstherapie. Die meisten Dinge, die man heute kauft, sind gekaufte Identitäten. Mit der Smartwatch bekommt man ein aktives, sportliches und gesünderes Image. Alles wird getrackt. Herzschlag, Schlaf, „Stresslevel“. Aber einige Dinge machten kaum Sinn: die O2-Sättigung im Blut. Einige Apps wie „Wetter“ waren sehr schlecht. Auch gab es eine nutzlose „Pranayama“-App. Hört sich gesund an. Ich mache oft Pranayama: Die App war nicht zu gebrauchen. Es gab auch keine besseren Apps, und so begnügte ich mich mit den Voreingestellten. Ein wenig Spaß machte immer, das Ziffernblatt nach ein paar Wochen zu ändern. Was ich häufig nutzte, war der Timer, um Dinge beim Kochen nicht zu vergessen. Aber auch hier: Ein absoluter Nerd-Faktor wären mehrere mögliche Timer gewesen und nicht nur einer. Wichtig wurden für mich dann die „Sport-Sensoren“: das Trainingsmonitoring. Das half mir gefühlt, „am Ball zu bleiben“.
Ist es wirklich wichtig? Aber manchmal plagten mich auch Zweifel: „Was ist, wenn die ermittelten Werte gar nicht stimmen?“ Hier kommt wieder „die Pandemie“ mit ihren falsch positiven PCR-Tests vor mein geistiges Auge. Gehören Smartwatch und diese Tests zu einem Zeitgeistphänomen? Angst, Panik, „am Ball zu bleiben“, nichts in der Küche anbrennen zu lassen? Der Verlust der sozialen Zugehörigkeit, wenn man es nicht besitzt? Alles keine guten Motive, die mir jetzt in den Sinn kommen. Ich widerstand deshalb auch dem Drang, sofort eine neue Smartwatch zu bestellen. Der Drang war da. Ich hatte mich an das Gerät gewöhnt. Aber irgendwie … uncool. Im Grunde gefällt es mir nicht, wenn Hardwarehersteller zu Software-Monopolisten werden. Was cool wäre: eine Lisp-Uhr, in der man seine Apps selbst schreibt. Es gibt Open-Source-Projekte wie AsteroidOS für bestimmte Smartwatches. Da kann man dann unendlich viel Zeit versenken. Aber wenn ich wirklich drüber nachdenke, bin ich froh, wenn dieser bleiche Streifen von meinem Handgelenk verschwunden ist. Der störte mich schon immer. Also lass ich das in Zukunft einfach weg.
Es ist ein Überwachungstool. Der Kaufpreis plus meine Daten. Ist mir zu teuer. Da ich denke, dass das heute eben so ist, muss ich dann ohne die zusätzlichen Extras durchs Leben gehen. Für die Küche eine Eieruhr. Es gibt gute Open-Source-Programme, die das Training verwalten können. Am Ende sind Kugelschreiber und Schulheft auch nicht so schlimm (klicke hier zu dem Artikel über handgeschriebene Notizen). Souverän kann ich das Büchlein aufschlagen und mit geschwungener Schrift notieren. Das Rumfummeln am Phone oder an der Uhr wirkt immer ungelenk. Auch wenn sich die Zeitgeist-Freaks noch so verrenken: Es ist eben nicht geschmeidig. Sie sehen sich selbst dabei nicht. Ich habe mein Ideal gefunden: handschriftliche Notizen und einmal am Tag am Schreibtisch die Werte in einen Datenstrom eingeben. In Emacs & Common Lisp, kurz und konzentriert. Keine Prokrastination.
Smartwatch – keine Zukunftslösung
Das Bild von der Einheit von „Mensch und Maschine“ – oder besser: und Datenstrom – wird oft in Artikeln als Zukunftsvision suggeriert. Aber ist es wirklich praktisch? Das analoge Leben kann per Definition nur real sein und ist deshalb ein fester Anker im menschlichen Bewusstsein. Das digitale Leben lebt von der Illusion und ist letztlich immer fehleranfällig. Allein deshalb werden viele Leute solche Tools im Endeffekt nicht nutzen. Auch die realen Gefahren von „Big Data“ sind nicht unwichtig, „wenn man selbst nichts zu verbergen hat“. Versicherungen kaufen gerne solche Daten, und wenn dann zu wenig Bewegung registriert wird, gibt es eben keine Lebensversicherung. Das wird dann nicht begründet. Auch wird nicht nachgefragt, ob die Daten der Smartwatch vielleicht fehlerhaft waren. Das interessiert keinen. Der Algorithmus macht das von alleine.
Also strecke ich jetzt mein freies, aber bleiches Handgelenk in die Sonne, um zu gesunden, mich selbst zu finden und das schöne Gefühl zu genießen, meinen Weihnachts-Essay geschrieben zu haben. Allen, die bis hierhin gelesen haben: eine schöne, besinnliche Auszeit.
Lese den Artikel hier in Esperanto.

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