Freitag, 5. September 2025

Kolumne Teil 7 - Einwurf: "Das Mind-Map-Buch" – Ein ambivalentes Meisterwerk?

Bild: Google Gemini

Heute will ich einen kurzen Einwurf auf das "Das Mind-Map-Buch" von Tony Buzan machen. Das Buch empfahl ich schon einmal, und zwar im dritten Teil meiner Kolumne: Kolumne Teil III – 2500 Wörter in einer Stunde. Ich weiß nicht, ob es diesem Artikel gelingen wird, eine positive Atmosphäre zu erschaffen, denn als ich das "Mind-Map-Buch" endlich fertig gelesen hatte, blieb ein fader Nachgeschmack.

Aber der Reihe nach. Fangen wir mit dem Positiven an.

Die Verheißung: Die Befreiung von der Linearität

Die ersten Kapitel machen wirklich Lust, selber Mind Maps zu probieren. Was sind Mind Maps? Es sind Notizen, die in Bildform niedergeschrieben werden. Die Bilder sind meistens Schaubilder. Aber da nur du bei diesem Prozess deine Regeln definierst, sind nur die Papierkanten deine Grenzen.

Für mich war das ein wahrer Aha-Moment: In meinen Gedanken schaffe ich es so, die Linearität, die jedem schon beim Schreiben in der Schule beigebracht wurde, zu verlassen. Ein wahrer Mahamind-Gedanke: Gedanken jenseits von Zeit und Raum. Diese Linearität geht im westlichen Kulturkreis auf dem Papier von Links nach Rechts. Das ist die Schreibrichtung. Arabisch geht andersherum: Von Rechts nach Links. Chinesen können noch von Oben nach unten schreiben. Habe ich einen vergessen? Ich entschuldige mich dafür.

Aber was man erkennen kann: Eigentlich ist die Richtung, wie wir schreiben, egal. Es ist eine gesellschaftliche Konvention. Ob jetzt der menschliche Geist von Rechts nach Links oder umgekehrt denkt, bezweifle ich aber. Wenn man älter wird, imitiert man das vielleicht. Aber das ist nicht von Geburt an so. Da bin ich mir sicher.

Neben dem linearen Denken gibt es ein bildliches Denken. Und genau diesem bildlichen Denken kommt man mit Mind Maps entgegen. Lineares Denken ist nachvollziehbar, aber nicht kreativ. Das bildliche Denken kann herausfordernd sein, da es einen selber dahin bringen kann, wo man eigentlich gar nicht hin wollte. Aber gerade das ist auch inspirierend.

Ich komme mal mit aktuellen Konzepten: Das bildliche Denken entspricht dem Denken des Unbewussten oder auch der rechten Hirnhemisphäre. Beim Mind-Map-Malen wird also, so die Theorie, das gesamte Gehirn aktiviert.

Die Praxis: Eine Tasse Kaffee in Türkis

Praktisch muss man es einfach ausprobieren: In der Mitte des Blatts wird ein Thema gemalt oder geschrieben. Von diesem gehen Äste oder Pfeile zu anderen Themenkomplexen, die einem selber Sinn machen. Man assoziiert völlig frei.

Also: Mind-Maps -> Tasse Kaffee. Den Pfeil kann man auch gerne farbig malen. Zum Beispiel ein leichtes Türkis. Und ihn beschriften: "gemütlich". Siehst du die Tasse Kaffee vor dir? Wie sie genüsslich dampft? Dem angenehmen Geruch riechen?

Genau: Dadurch werden alle Sinne aktiviert. Das Gehirn wird umfassender benutzt und das ist auch schon das Geheimnis, warum es besser wirkt als reines begriffliches Denken: Wenn du eine Tasse Kaffee die nächsten Stunden trinkst, gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass du an Mind-Maps denken wirst. Probiere es dann einfach mal aus.

Meine Erfahrungen dabei sind: Völlig andere Perspektiven auf das Ursprungsthema werden bildlich direkt sichtbar. Den gemütlichen Kaffee lassen wir einfach stehen. Aber es gibt auch andere Sachen, die bestimmt notiert werden wollen. "Organisation von Daten" vielleicht? Darum geht es. Aus einer Metaperspektive (abstrakt, von "ganz oben") besteht alles nur aus Daten, die jetzt in deinem Kopf irgendwie zusammengesetzt werden. Genau das machst du mit deiner Mind-Map. Die anderen Perspektiven auf Probleme können dir helfen, dich besser zu verstehen und einige Dinge zu erkennen, die du noch nicht wusstest.

Der fade Nachgeschmack: Universalität und Apple

Warum also der fade Beigeschmack nach der Lektüre? Zwei Dinge haben mich gestört.

  1. Die ermüdende Universalität: Buzan wendet das Konzept Mind-Map dann auf fast alle Lebenssituationen an. Das geht. Aber: Das zu lesen wurde, gelinde gesagt: langweilig. Auch wenn es gut geschrieben ist. Ich hatte den Eindruck, einen AI-Text vor mir zu haben. Besprechungen, Einkaufsliste, Psychoanalyse, Blogartikel. Ja, das ist universell anwendbar. Ich denke, jedem interessierten Leser war das schon nach den ersten Kapiteln klar.
  2. Die selbstverliebte Apple-Exklusivität: Buzan beschreibt selbstverliebt seine Apple-Apps, die natürlich nur die haben können, die einen Apple haben. Das war der Punkt, an dem ich ein bisschen ärgerlich wurde. Fazit: Versuche immer, niemanden aus deinem Buch auszugrenzen. iMap hört sich sehr perfekt an, elektronische Mind-Maps anzufertigen. Elektronische Mind-Maps haben den Charme der Veränderbarkeit und der Platzersparnis. Aber: Ich sitze jetzt schon fast Wochen daran, alternative Mind-Map-Programme zu testen und bisher habe ich noch nichts Vergleichbares gefunden.

Fazit: Die Idee zählt, nicht das ganze Buch

Kurz gesagt: Während die Grundidee genial und befreiend ist, wirkt das Buch in seiner späteren Ausführung oft repetitiv und übersteigert die Methode beinahe zu einer Allzweckwaffe für alles.

Trotz meiner Kritik am Buch als Ganzes: Die Methode der Mind Maps selbst ist absolut empfehlenswert und lebensverändernd! Mein Rat: Lies die ersten, inspirierenden Kapitel, nimm dir die grundlegende Idee heraus und probiere es einfach aus. Vielleicht reicht ja sogar die Lektüre dieses Artikels, zusammen mit einem Schuss Entschlusskraft, um dich einfach mal mit einem Stift zu bewaffnen. Ihr werdet überrascht sein, welche Gedankenwelten in euch schlummern.

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