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Freitag, 22. August 2025

Entdecke den Wettersinn in Dir!

Wie werde ich wetterfühlig - oder: warum ich mir selber eine Wetter-App programmiere?

Bild: Google-Gemini

Hallo, der Blogartikel beschäftigt sich mit der natürlichen Fähigkeit des Menschen, das Wetter vorherzusagen. Gibt es so eine Fähigkeit? Kann man sie trainieren?

Wie kam es den Artikel zu schreiben?

Aus Lust an dem Thema. Mir fiel auf, dass meine Wetter-App oft völlig falsche Wetterprognose anzeigt. Und ich testete viele Wetter-Apps. Alles nicht optimal. Besonders das UI ('User Interface', graphisches Design der App) verspricht immer mehr, als es real halten kann.

Wenn man mehr verspricht, als man halten kann, dann ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Das war bei den Wetter-Apps der Fall. Ich versuche dann immer Probleme "herunterzubrechen". Das heißt sie in Teilprobleme zu zerteilen, die informativer oder sogar dann auch lösbarer werden.

Da stieß ich auf ein großes Manko der Wetter-Apps: sie archivieren keine historischen Wetterdaten. Das macht sie völlig nutzlos. Was sie liefern sind Wetterprognosen. Das sind mathematische Modelle, die dies und das vorhersagen sollen. Wenn das aber nicht klappt, dann sitzt man auf der Fehlprognose und das ist auch schon alles.

Mit historischen Daten kann man Trends ermitteln. Zum Beispiel: die Temperatur wurde die letzten 30 Tage wärmer, also kann man selber prognostizieren, dass das Wetter demnächst noch wärmer werden könnte. Ganz einfach. Ich besitze keine Ausbildung in Meteorologie (Wetterkunde) und das Buch, das ich angelesen habe, ließ ich erschrocken liegen: im Vorwort wurde gesagt, Meteorologie würden nur noch mathematische Vorhersagemodelle verwendet. Da wollte ich dann nicht einsteigen, da ich schon wusste, dass solche Prognosen oft daneben liegen. Im Grunde ist das, was Meteorologie heute ist, nicht das, was mir unter Wetterkunde vorschwebt.

Meine Vorstellungen von Wetterkunde

Kurz gesagt: Wetterkunde ist für mich wie ein Talent in einem Rollenspiel, dass man verbessern kann, um ohne Hilfsmittel (im Spiel) das Wetter vorhersagen zu können. Wird es regnen? Wie wird das mit dem Wind? Sonnenschein?

Natürlich ist der Hinweis auf das Rollenspiel spaßig gemeint. Aber im Grunde ist es doch so, dass jeder Mensch einen Instinkt dafür hat, wie das Wetter in den nächsten 24 Stunden sich verändern wird. Das kann ein großer Überlebensvorteil sein. In freier Wildbahn.

Heute denken wir, dazu mathematische Modelle erfinden oder konkret: uns von Apps sagen zu lassen, wie das Wetter werden wird. Das ist die zivilisatorische Sackgasse.

Meine Vorstellung von Wetterkunde ist also ein instinktives Wissen PLUS (wenn dann das intensivieren will): das Sammeln von historischen Wetterdaten.

Wie geht es?

Der erste Schritt ist traditionelle Himmelsbeobachtung: einfach den Himmel beobachten. Was für Wolken sind da? Lernen Wolkenformationen zu erkennen. Zum Beispiel sind Cirrus-Wolken Vorboten und Cumulonimbus-Wolken unmittelbare Zeichen für Gewitter. Hier ist es nicht wichtig, die einzelnen Wolkenformen benennen zu können. Es geht um das bewusste Wahrnehmen. Ohne Worte: Wolkenlesen wie ein Seefahrer. Die stumme Sprache des Himmels entziffern.

Ein weiterer Schritt kann das innere Einnorden sein. Also wo sind die Himmelsrichtungen, wenn ich mich durch den Raum bewege? Den Schatten im Augenwinkel als Kompass nutzen. Die unsichtbaren Linien der Welt spüren. Das ist super, um den Sonnenstand abzuschätzen. Wie spät ist es jetzt? Du kannst die Farben bei Sonnenauf- und untergang deuten ("Abendrot gut Wetterbot")

Beobachte das Verhalten der Tieren: Schwalben fliegen tief bei drohendem Regen, Ameisen werden aktiver bei hoher Luftfeuchtigkeit. Das aufgeregte Geschnatter der Spatzen im Gebüsch. Die emsige Stille der Schnecken auf dem Weg. Höre dem Gesang der Vögel zu. Oft erzählt er dir, wie das Wetter werden wird.

Lerne Gerüche bewusst wahrzunehmen: Regen riecht man oft vorher (=> das nennt man "Petrichor", letzter Absatz des Artikels geht darauf tiefer ein). Luft riecht "frisch" vor einem Gewitter.

Wie ist das körperliche Empfinden? Fallender Luftdruck (schlechtes Wetter naht) kann bei manchen Menschen Kopfschmerzen verursachen. Steigender Luftdruck (Wetterbesserung) wird oft als angenehm empfunden.

Luftfeuchtigkeit fühlen: Schwüle, drückende Luft deutet auf Gewitter hin.

Temperaturveränderung auf der Haut spüren (z.B. kühler Wind).

Praktische Tipps:

  • Regelmäßig nach draußen gehen und die Wetterverhältnisse bewusst wahrnehmen.
  • Eigene Beobachtungen mit der offiziellen Vorhersage vergleichen.
  • Ein Wettertagebuch führen, um Muster zu erkennen.

Historische Wetterdaten per App

Im Grund ist auch hier der Schlüssel zum Erfolg das Interesse. Da ich keine wirkliche gute Wetter-App für mich fand, die auch historische Werte der letzten Tage (Jahre) verwaltete, schaute ich mir die APIs der Wetterdienstanbieter an. Historische Wetterdaten sind problemlos abrufbar. Und das oft auch kostenfrei. Man muss sich nur registrieren und dann kann man mit einem API-Schlüssel auf die Daten zugreifen. Da braucht man aber Kenntnisse einer Programmiersprache. Python ist einfach zu lernen und es gibt für alles eine Bibliothek. Am Anfang habe ich historische Wetterdaten händisch gesammelt. Das wird aber auf die Dauer zwanghaft. Aber das geht auch. Einfach in ein Notizbuch eintragen. LibreOffice-Tabelle oder was auch immer.

Aber ich jetzt: Jetzt rufe ich einfach die alten Daten ab, speichere sie auf meiner Festplatte und mein Dilemma ist gelöst. Der beruhigende Rhythmus des Code-Getippes. Die Zufriedenheit, wenn der Datensatz endlich sauber auf der Festplatte liegt. Der eigene, persönliche Wetterserver. Vom Datenkonsumenten zum Datensammler werden. Die Hoheit über die eigenen Prognosen zurückerobern. Keine "Vorhersagen" mehr. Sondern eigenes Erleben und Intuition. Hören des Winds, der Vögel. Wahrnehmen des Lichts, wie riecht der Tag? Das ist doch lebendiger als das auf das Smartphone zu starren und eine Message an jemanden am Frühstückstisch zu schicken mit der Frage: "Du, wie ist das Wetter?" Aber noch besser: Natürlich kann ich jede Frage "wie ist das Wetter bei Dir?" mit einem Griff zum Laptop und "Einen kleinen Moment!" ausführlich und fundiert beantworten. Und werde ich mal naß, liebe ich es. Denn das ist Leben.

Was ist Petrichor? Oder: Wie riecht Regen?

Am Ende, als kleinen Exkurs, noch der Versuch, Regen mit allen Sinnen zu beschreiben. Vielleicht kann das als Anregung und Motivation dienen beim nächsten Regenschauer einfach die eigenen Sinne aufzumachen. Das passiert passiv, einfach durch innerliches Loslassen.

Geruch: Der Geruch von Petrichor kann folgend beschrieben werden:

Der scharfe, ozonige Beigeschmack der Luft vor dem Gewitter. Der modrige Duft von nassem Laub. Wie ist das jetzt? Der Geruch von Regen ist der Geruch von Kindheit, von Sommernacht, von Pfützen.

erdig-modrig: Die tiefste, grundlegende Note. Erinnert an frische, feuchte Gartenerde nach dem Umgraben.

Würzig-holzig: Eine leicht pfeffrige, holzige Komponente, ähnlich dem Geruch von trockenem Moos oder verfaultem Holz, das nun befeuchtet wird.

Mineralisch: Eine scharfe, fast metallische Nuance, wie der Geruch von nassem Stein oder einer Betonplatte, die nach langer Trockenheit endlich abkühlt.

Frisch & rein: Eine saubere, belebende Obertone, die den Staub und die Trübung der trockenen Luft wegzuwaschen scheint.

Gesichtssinn: Was kannst du zu Beginn des Regens sehen? Das Flirren über dem Asphalt. Die unnatürliche Klarheit der Fernsicht. Dieses unerklärliche "Drückende" in der Luft. Die bleierne Stille. Regen wird sichtbar durch die ersten, großen Regentropfen, die auf staubigen, trockenen Boden aufschlagen. Die Magie, wie aus Staub und Trockenheit plötzlich dieser belebende Duft wird. Der Geruch, nach dem man sich sehnt, nach langen heißen Perioden. Kurz vor der Entstehung des Regenschauer ist ein schwacher, flirrender Dunst über dem heißen Asphalt oder Sand zu sehen.

Wirkung: Die Luft wirkt nach dem Regen klar und gewaschen, die Farben der Umgebung erscheinen intensiver und gesättigter.

Gehörsinn: Das ferne, dumpfe Grollen. Das plötzliche Verstummen der Vögel. Regen wird begleitet von dem charakteristischen Zischen und leisen Pochen der ersten Regentropfen, die auf den staubigen, heißen Untergrund treffen. Das Geräusch des leichten Prasselns eines sanften Landregens, der den Duft erst richtig aus dem Boden löst und in die Luft trägt.

Gefühl / Tastsinn: Gänsehaut bei kaltem Abwind. Die feuchte Kühle auf der Stirn noch bevor der Regen kommt. Oft begleitet von einer spürbaren Abkühlung der Luft und einem leichten, frischen Windhauch, der den Duft trägt. Die zuvor vielleicht drückende, schwüle oder staubige Luft wird rein und leicht und fühlt sich auf der Haut angenehm kühl an.

Geschmackssinn: Ein erdfrischer, mineralischer Beigeschmack in der Luft, den man fast auf der Zunge zu schmecken meint. Erinnert an den Geschmack von Quellwasser oder an die kühle, saubere Luft in einer Höhle – nicht direkt essbar, aber wahrnehmbar. Die gereinigte Luft schmeckt frisch und weich, im Kontrast zur scharfen Trockenheit davor.

Wissenschaftliche Note: Der Duft entsteht durch Geosmin, ein organisches Molekül, das von bestimmten Bodenbakterien (Streptomyces) produziert wird. Zusätzlich tragen pflanzliche Öle, die während der Trockenperiode freigesetzt und vom Boden aufgenommen wurden, sowie Ozon aus der Luft zum komplexen Geruch bei.

Fazit: Petrichor ist die Unterschrift des Regens unter einen Vertrag mit der Erde. Ein Duft, den keine App der Welt jemals einfangen kann.

Freitag, 8. August 2025

Mirin Dajo, der durchbohrte Prophet

Bild: Google Gemini


Ich will heute über das Buch "Das letzte Geheimnis von Mirin Dajo" aus dem Jahre 2022, geschrieben von Luc Bürgin, einen Blogartikel verfassen. Mirin Dajo war ein niederländischer Aktionskünstler, der sich auf der Bühne von seinem Assistenten Jan Dirk (Johnan) de Groot mit einem Florett durchstoßen ließ. Kein Schmerz war ihm anzumerken, kein Blut floß. Mirin Dajo (esperanto: mirindajo für Wunder) war das Pseudonym von Arnold Gerrit Johannes Henskes, geboren am 6. August 1912. Mit seinen Aktionen wollte er für den Weltfrieden Aufmerksamkeit erlangen. Der 2. Weltkrieg endete am 8.Mai in Europa. In dem Umfeld startete er seine Karriere als Aktionskünster und ging mit seinen beiden Assistenten Johnan und Hylke Otter in die Schweiz, um mit seinen spektakulären Durchstoßungen (suche hier auf YouTube unter "Mirin Dajo") für einen Weltfrieden zu werben. In seinen eigenen Worten "den dritten Weltkrieg zu verhindern".

Da ich gerade dieses Buch zuende gelesen hatte und es hoppla der 6. August 2025 war, dachte ich mir: schreib doch mal über das Buch. Es hat mich sehr in den Bann gezogen (244 Seiten in 5 Tagen gelesen). Einfach zu lesen, aber schwierig zu verstehen. Natürlich wird Mirin Dajo immer ein Wunder bleiben. Auch wenn ich mir hier über ihn meine Gedanken machen werde. Mirin war kein klassischer Schausteller oder Bühnenmagier, sondern die Perforationen (Durchlöcherungen) mit scharfen Gegenständen wurden medizinisch gesichert. Er sprach von einer Souveränität des Geistes über den Körper, die solche Phänomene hervorbringen würde.

Schon vor gut 10 Jahren bekam ich von Mirin Dajo die spektakulären Videos mit den Durchstoßungen und etwas von seinem Hintergrund mit. Aber ich vergaß ihn völlig und plötzlich, vor ein paar Wochen, hatte ich den Einfall, wieder nach ihm zu suchen. Ich suchte Wochen. Mein Unbewusstes hatte die Stichpunkte "der durchbohrte Prophet" abgespeichert. Deshalb benutzte ich diese jetzt für meinen Blogbeitrag als Überschrift. Richtig wäre: "der unverwundbare Prophet". Diese Beschreibung wird für ihn gewöhnlich gebraucht. Ich finde meine Version aber passender. Am Ende war er verwundbar. Soviel als Cliffhanger.

Hannie mit dem roten Haaren, tot in den Dünen aus Widerstand

Seine Cousine Hannie Schaft (1920 bis 1945) wurde als Widerstandskämpferin kurz vor Ende des Krieges von den Deutschen erschossen. Die ganze Familie lebte dich beisammen in der Nähe von Rotterdam. Das war tragisch für die Familie. Mirin Dajo malte Hannie (kommunistischer Kampfname, eigentlich hieß sie Jannetje Johanna Schaft oder "Jo") darauf mehrmals in der Nacht, ohne sich daran erinnern zu können. Also im Trance. Die Bilder (leider nicht im Buch zu sehen) sollten sehr realistisch gewesen sein. Mirin selber war gelernter Zeichner und seine Bilder, die im Buch abgebildet wurden, sind sehr realistisch. Hannie Schaft wurde auch het meisje met het rode haar genannt. Also das Mädchen mit den roten Haaren. Und eine kurze Bildersucher im Internet offenbart ihren Blick und zeichnet das Drama, in dem sich Mirin befunden haben muss. Das wird sehr eindrücklich im Buch beschrieben und damit erwachte auch mein Interesse: wie es schien, unterhielt Mirin sich im Trancezustand mit geistigen Wesen. Also auch mit Hannie.

Hannie Schaft ist in den Niederlanden eine Berühmtheit geworden. Aber mir fiel bis jetzt auch keine Biographie von ihr in die Hände. Das ist sicherlich auch interessant. Es wurde später ein Film über sie gemacht, der aber - so scheint mir - überzeichnet ist. Biographie Hannie Schaft ist also noch auf TODO. Aber man sieht, was das Buch über Mirin alles anstößt.

Was das Buch nicht erwähnt: An seinem Geburtstag am 6. August 1945 fiel um 8:16 Ortzeit die erste Atombombe in Hiroshima. Für meinen Blogbeitrag wird diese Tatsache noch wichtig werden. Also schreibe ich hier einen Erinnerungsbeitrag an Mirin Darjo und die Opfer des Atombombenabwurf in Hiroshima. Das Thema wird immer größer. Aber klar ist, warum Mirin von einem Weltfrieden sprach und einen dritten Weltkrieg verhindern wollte.

Die Zeitzeugen berichten alle über Mirin Dajo als einen sehr sympathischen Individualisten, dem das Wohl anderer mehr am Herzen lag, als sein eigenes. Er sprach davon eine Mission zu haben, heilte Menschen und war geradezu fixiert darauf in die Schweiz zu gehen und mit seinen waghalsigen Taten den Weltfrieden herbei zu führen. Er sprach davon unverwundbar zu sein. Aber die Schilderungen im Buch machen ihn sehr sympathisch und ich verglich seine Schweizerfahrungen (Er sprach von einem Land des Friedens) mit meinen. Besonders das Camping gefiel mir dort.

Aber bringe ich einfach jetzt meine Notizen über ihn als rohe Textfassung. Ich schrieb das an einem schönen See, an dem ich mit meiner Familie war. Mindmaps, handschriftliche Notizen, die immer umfangreicher wurden. Am Ende war es keine Mindmap mehr.

Was wollte Mirin Dajo?

Wer so wie Mirin Dajo über das "Einswerden mit Gott" redete, da hilft es nicht ihm zuzuhören, zu verstehen, sondern selber, wie er, jahrelang jeden Tag für Stunden zu meditieren. Dann ist das nicht so schwierig zu verstehen. Sondern sehr klar zu sehen. Der Stein muss geschliffen werden, sonst poltert er im Flussbett und hat noch nicht die geeignete Form angenommen. Also versuche ich verständlich zu schreiben: Es kann nur mit dem Herzen, intuitiv, von manchen vertanden werden, oder von Leuten, die gleiche spirituelle Erfahrungen machten. Auf dem Weg der Kontemplation oder Meditaion. Er spricht wortwörtlich davon, diese Meditationen vorzunehmen, die er schildert. Es ging nicht um das "Durchbohren", sondern zu dem Zustand der inneren Klarheit zu kommen.

Also "normaler" Mensch, kommt man schnell an eine innere Dissonanz: "meint der das ernst?" - Zwei Möglichkeiten: nein, dann geht das zielstrebig in die Spinnerecke. Wenn Mirin Dajo das ernst meinte, dann - salopp ausgedrückt - in die Jesusecke. Die Spinnerecke ist praktisch, da sich nichts verändert. Alles bleibt beim alten. Die Jeususecke ist dagegen unpraktisch, da sich alles verändern muss und das oft auch wehtut: Das Gefühl selber Jahre lang fasch abgebogen zu sein. Auch mir wäre es angenehmer gewesen, einen Spinner zu debunken. Das gibt einem Selbstwertgefühl. Aber so einfach ist das nicht bei Mirin Dajo.

Folgende Punkte sind wichtig: medizinische Überprüfung seiner Durchstoßungen. Röntgen, Autopsiebericht. -> Das war real. Sein toter Körper zeigte anatomische Spuren der Durchstoßungen. Das war kein Hokus-Pokus eines Bühnenmagiers, sondern da ging einer auf die Bühne und ließ sich 500 mal mit einem Degen durchstoßen. Die Zahl 500 fällt immer wieder in dem Buch. Warum eigentlich? Aber sicherlich stimmt das nur nährungsweise. Warum macht er das? Geld ist sicherlich nicht das Motiv gewesen. Bei ihm. In dem Buch werden Briefe an seine Familie in den Niederlanden zittiert, mit denen er Zigaretten "zum verhöckern" oder getrocknete Früchte (in der Nachkriegszeit eine Rarität) schickte. Das war aufmerksam. Und es war ihm wichtig, sich so um seine Familie zu kümmern. Aber öffnen wir jetzt einen dunklen Vorhang: das meiste von dem Geld, was er in der Schweiz sammeln konnte, wurde von seinen beiden Assistenten veruntreut. Auch dem geht das Buch nach.

Während Mirin Dajo von seinem Johnan schwärmte, der sie so gut entwickeln würde (also er sah bei ihm auch Entwicklungspotential), stellte die Staatsanwaltschaft in der Schweiz einen Haftbefehl aus, da er (zusammen mit Hylke Otter) 24000 Schweizer Franken entwendet. Hätte man zu der Zeit Gold für das Geld gekauft, hätte man es heute für etwas eine viertel Millionen Dollar verkaufen können. Das war schon was. Mirin's Mutter sah das energischer als ihr Sohn und schnitt den Assistenten aus gemeinsamen Bildern mit ihrem Sohn kurzer Hand aus.

Aber Mirin Dajo war Geld völlig egal. Das hing mit seinem idealistischen Wesen zusammen. Er kam dann aber an Assistenten, die das als einen Beruf ansahen und fast alles Geld für sich beiseite schafften oder zeitgleich ausgaben. - Ohne jetzt überhaupt ein Risiko eingegangen zu sein. In Gegensatz zu ihm. Für sie war es eine Show. Und sie planten immer mehr davon.

Das Ende des Unverletzbaren

Und so wurde es durch immer neue Bühnenshows, in denen Mirin Dajo sein Leben riskierte, am Ende recht stressig für Mirin. Es war schon einzusehen, warum Schweizer Behörden seine Darstellungen oft untersagten. Es war auch zu seinem Schutz. Natürlich zeigte sich das erst im Nachhinein.

Irgendwann kam dann so, wie es endet, wenn der Körper überlastet ist. Hier ist Mirin Dajo schwer einzuschätzen: Geld, war ihm nicht wichtig. Auch nicht viel Geld für seine Familie. Die 24000 Schweizer Franken hätte seine Familie zu der Zeit gut gebrauchen konnte.

Aber da war er in einer komischen Beziehung zu seinem Assistenten. Sie verbrachten viel Zeit miteinander, auch gemeinsames Zelten. Ich glaube, dass war seine Lieblingszeit in der Schweiz. Gemeinsam mit Johnan für Wochen Zelten. Kein Stress. Und seine Hängematte war ihm wichtig. In dem ganzen Buch habe ich nur diese Hängematte als etwas sehr Persönlich-Menschliches von ihm begriffen. Ansonsten kreisten seine Gedanken nur darum, eine Friedensbotschaft mit seinen Aufführungen den Leuten zu vermitteln. Er ließ sich etliche Male auf der Bühne durchstechen, um den Weltfrieden zu erreichen. Hier muss einer tiefer steigen, Mirin verstehen zu können. Denn der Drops sollte schon nach ein paar Aufführungen und medizinischen Dokumentationen des Phänomens geschluckt sein. Eine Steigerung würde nichts erklären oder demonstrieren als eher eine Attraktionsgier zu befriedigen.

Aber dadurch, dass seine Assistenten immer mehr Shows organisierten, bekam das eine Dynamik einer Bühnenshow. Mirin Dajo wurde zur Schau gestellt. Normalerweise hätten die medizinisch dokumentierten Durchstechungen gereicht. Aber Mirin wollte dann auch noch in die USA. Kein geringerer als Albert Einstein sollte ihm das Visa beschaffen. Dazu später. Er wollte sich von einer Eisenbahn überrollen lassen. Das ganze unbeschadet überstehen. Das Wort De-Materialisieren ging ihm über die Lippen. Für mich hörte sich das nach keinem guten Plan an.

Ansichten aus der Jesusecke

Aber, da ich Mirin gerne in die "Jesusecke" folge, wurde mir auch klar, dass dann auch Gestalten wie Judas und eine Kreuzigung kommen mussten. In der Jesusgeschichte ist es doch auch so, dass die Leute immer mehr Zeichen von Jesus haben wollten. Als hätten die Zeichen, die er vollbrachte, nicht gereicht. Es sollte immer weiter gehen. Solange, bis er tragisch endete. So war es dann auch hier. In Amerika als "Wundermann", der vielleicht sich auch dann eine Atombombe auf den Kopf schmeißen lässt, um danach Werbung für eine Zigarettenmarke zu machen. Sicherlich stellten sich das die Assistenten so vor. Bringt Geld. Ob sich Mirin davon anstecken ließ.

Aber in die USA ging es dann nicht. In meinem Jesusvergleich übernahm Albert Einstein die Rolle des Pontius Pilatus und lehnte das Visagesuch ab.

Der Originaltext seiner Absage ist sogar erhalten:

Ich hoffe sehr, dass Ihre Leistungen mehr auf dem Gebiet des Zauberkünstlers liegen, und dass sie sich nicht an ihrem Leib versündigen, den Sie ihrer Mutter verdanken. Ich kann natürlich nichts tun, um Ihnen bei Ihren Bestrebungen behilflich zu sein, weil ich sehr vorsichtig sein muss mit jeder Äußerung, die andere beeinflussen können. - Albert Einstein 8.Januar 1948

Diese Worte müssen Mirin Dajo schwer getroffen haben. Ich muss sagen, dass Einsteins Formulierungen schon sehr grausam waren. Ein Beispiel von passiver Aggressivität. Also das Streben nach Weltfrieden wertete Einstein nicht als überzeugende Leistung. Das drückt das doch aus? Und da wird noch vieles mehr unter der subliminalen Ebene ausgedrückt. Und an dem Unbewussten von Mirin muss das genagt haben. Solche Formulierungen tun erst gar nicht so weh. Der Schmerz kommt erst mit der Zeit. Man muss sich die Formulierungen auf der Zunge zergehen lassen.

Durch Mirins besondere Ethik, war er unverwundbar, da sein Körper auf die Durchbohrungen ohne starke Blutungen reagierte und schnell verheilte. Unterminierte man diese besondere Einstellung dadurch, dass man ihn als einen Bühnendarsteller abstempelte, ohne überhaupt seine "besondere Mission" verstehen zu wollen, dann wurde er auch dadurch weniger "resistent" und mehr verletzlich. Und gerade Albert Einstein wurde damals - vermutlich auch von Mirin - als eine Art Wissenschaftspapst gesehen. Also sein Urteil, wiegte besonders schwer.

Nach der Absage Einsteins sprang Mirins Sekretär, der für ihn kostenlos Briefe schrieb und beantwortete, sofort ab. Er wollte mit Mirin ein Visa für die USA bekommen. Im weiteren Verlauf bekam er es. Alleine. Der andere Assistent Hylke Otter musste die Schweiz dringend verlassen. Im Buch wird nur kurz eine Frauengeschichte erwähnt, die ihn veranlasste. Keine weiteren Infos. Er war Geistheiler und in meinem Jesusvergleich der Johannes-Der-Täufer-Archetypus. Es soll Mirin Dajo entdeckt und gefördert haben.

Und so blieb Mirin mit Johnan alleine zurück. Immer das Schweizer Visaamt im Nacken, das ihm das Visa nicht verlängern wollte. Viele Dokumente von Schweizer Ämter wurden in dem Buch abgebildetet. Sie beschatteten Mirin sogar und spionierten ihm nach. (Archetypus-> römisches Reich in der Jesusgeschichte)

Was mir nie klar wurde: warum wollten sie in die USA. Unbedingt? Warum den Sprung von der schönen Schweiz in die USA machen, wenn man auch bequem nach Italien oder Frankreich gehen konnte? Das erschließt sich mir nicht. Zumal es erst mal kein USA-Visa gab und das Schweizer Visa ständig auszulaufen drohte, wenn es nicht verlängert wurde. Und das Amt sträubte sich.

Aber sicherlich waren Italien oder Frankreich nach dem Krieg keine Länder, um Karriere zu machen. Aber das wäre entspannter gewesen. Nachhaltiger eine "gesunde Popularität" aufzubauen. So war das aber wie im Casino "alles auf eine Karte zu setzen". Nach dem Platzen der USA-Blase befand sich Mirin (und seine Assistenten) in einem Tief. Aus dem sollte es nicht mehr hinausgehen. Denn Mirin starb bei dem Versuch noch gefährlichere Dinge auszuprobieren. Er verschluckte eine Klinge, die seine Aorta beschädigte. Er starb nicht gleich, sondern nach Tagen. So der Autopsiebericht. Die Dame, die ihn zuletzt beherrbergte, sagte, gehört zu haben, wie Johnan ihn in der Nacht dazu gedrängt haben soll, die Klinge zu schlucken. (Johnan -> Judas. Definitiv) Mirin unterzog sich einer Operation, die Klinge entfernen zu lassen. Sie materialierte nicht von alleine woanders hin. Er erholte sich scheinbar sehr rasch von der Operation, legte sich aber nach ein paar Tagen hin, um "seinen Körper im Trance zu verlassen". Das war normal für ihn und deshalb ließen ihn seine Gefährten dann auch lange so liegen. Sein Gesicht zu einem Lächeln geformt, entschlief er und kehrte nicht mehr in seinen Körper zurück. So starb er um den Frohenleichnam des Jahres 1948.

Mirin selber sprach - bei seinem letzten Besich in den Nierderlanden - zu seiner Familie - vorahnungsvoll - die Schweiz nicht mehr zu verlassen und zurückzukommen. Also schließe ich daraus, dass er selber auch nicht damit rechnete, in die USA zu gehen. Vielleicht war das so eine fixe Idee, halb als Scherz, um seine Assistenten glücklich zu machen? Also die Aussicht: Geld und nochmals Geld. Aber das entsprach Mirin selber nicht. Wären die Amerikaner auch weniger materialistisch geworden, wäre er dort auch als "Wundermann" aufgetreten? Bühnenstars werden aufgebaut, um sie dann fallen zu lassen. Beides belustigt die Zuschauer. Und wir sahen schon in der Schweiz: das, was Mirin machte, musste immer weiter gesteigert werden. Warum? Wahrscheinlich, weil um ihn die flaschen Leute waren. Wie immer. Die "Jesusecke" verlangt nach einer Kreuzigung. Obwohl er keinem was getan hatte. Das war das düstere Mysterium.

Spekulationen

Mirins Vater legte vor der Krematation 3 weiße Rosen auf Mirims Sarg. Er wurde in der Schweiz verbrannt und später in das Grab seiner Familie gebracht. Der Vater reiste extra an. Bei den 3 Rosen, musste ich mit dem Lesen aufhören und erinnerte mich in einem Buch über Freimaurer gelesen zu haben: drei Rosen zu einem Begräbnis sind ein Erkennungszeichen für einen verstorbenen Freimaurer. Die drei Rosen stehen für: Liebe, Licht und Leben. Aus der ganzen Schweiz reisten Freunde und Fans von Mirin ab, um vor seiner Verbrennung Abschied zu nehmen. Natürlich können die drei Rosen auch Zufall gewesen sein. Natürlich. Natürlich redete Mirin vor seinem Tod auch davon, mit sehr viel Rauch in seiner Zukunft zu tun zu haben. Das könnte eine Vorahnung auf die Verbrennung des Körpers gewesen sein. Also am Ende des Buches geht man bei Mirin Dajo nicht mehr von Zufällen aus.

Etwas seltsames fiel mir dann auch auf: Mirin Dajo wurde am 6. August 1912 geboren. Genau 33 Jahre vor dem Atombombenabwurf der Amerikaner in Hiroshima. 33 Jahre ist auch so eine besondere Zahl in esoterischen Zirkeln. Vergleich zu Jesus: seine Kreuzigung muss auch so um die 33 Jahre gewesen sein? Für Mirin Dajo fing dann seine "Himmelfahrtsmission" an. Jetzt zu Einstein, der auch als "Vater der Atombombe" gesehen werden kann. Gerade er ist dann in der Rolle des Pontius Pilatus zu finden. Ich finde das psychologisch interessant, dass Mirin gerade ihn aussuchte, ihm -unbewusst- seine Prophetenrolle (Jesus wird übrigens von den Muslimen als Prophet geachtet) zu betstätigen. Während Einstein das Thema oberflächlich zu behandelt suchte, aber es im Grunde ignorierte. Er meinte, vorsichtig sein zu müssen, was er sagte. Er war es auch, der Theodor Roosevelt einen Brief schickte, ihn zu ermutigen, die Atombombe zu bauen. Genau die, die am 6. August 1945 um 8:16 in Hiroshima niederging. Um 8:16 meditieren viele Japaner oder machen Schattenboxen. Nehme ich an. Ich weiß aber, dass es ein sonniger Morgen gewesen war, als die Detonation 60000 Menschen in Bruchteilen einer Sekunde verdampfen ließ.

Was mir Mirin Dajo beibrachte

Mirin hätte es so gesehen, dass Atomwaffen immer schrecklich sind. Ganz gleich, wer sie hat. Die Einsteinsche Denkungsart wäre - ganz modern - die Dinge differenziert zu sehen. Man muss schon einen Sinn dafür in sich trainieren, der einen warnt, wenn gutes als schlecht und schlechtes als gut verkauft werden soll. Dieser Sinn würde dann ständig alamierend, weshalb dieser Sinn bei vielen dann verkümmert und keine Probleme mehr macht. Probleme wären in der Jesusecke zu landen und dann das ganze Drama, was auch Mirin durchgemacht zu haben, zu erleben. Die Thematik betrifft jeden, der nicht weit ab der Zivilisation sein Leben führen darf. Atomwaffen sind heute auch noch selbstverständlich und Politikern ihren Emotionen und der Korruption verfallen. Mirin glaubte, sein Körper könne Gewalt widerstehen – glauben wir, dass unsere Zivilisation es kann?

Das letzte Kapitel ist wohl einem Vortrag von Mirin entnommen. Dort erklärt er einiges. Ich gebe das mal so wieder, wie ich es begriffen habe. Natürlich ist das ein persönlicher Eindruck, weil das ganze eben doch komplexer ist, als ich es seufz wohl hier niederschreiben kann. Aber ich will zum Lesen des Buches ermuntern.

Was war sein Geheimnis: Wenn der Körper dem Geist gehorchen muss, dann ist es klar wo das Kommando & Kontroll Center unsereres Lebens liegt. (Kether)

Und dann ist es eine Pervertierung der wahren Welt, freiwillig in so einer Welt leben zu wollen, in der alles was möglich ist, auch einmal passieren wird. Ab dem 26. August 1945 08:16 Ortzeit Hiroshima hat diese Logik einen offensichtlichen Knick. Das ist jedem klar sein, der nur einmal um eine Ecke denken kann. Game over. Setze dazu noch diverse andere Bedrohungen der menschlichen Spezies durch eigene Technik. Eine tiefe Thematik. Aber es scheint, selbst 500 Mal sich auf einer Bühne dagegen abstechen zu lassen, ist vergebens. Aber Mirin macht uns Mut: es geht darum persönlich die Einstellung zu ändern und negative Gedanken abzustellen. So wie er.

Und um diese Dinge abzustellen muss man seinen Geist trainieren, dass Dinge die zwar möglich sind, wieder undenkbar werden. Steht man auf der Bühne, mit einem langen Dolch durch den Bauch, lächelnder Blick durch das Publikum in die Unendlichkeit, dann führt jeder Gedanke des Zweifel zur Panik und damit in das Verderben. Disziplin des Denkens ist notwendig, um das Undenkbar real werden zu lassen. Der Grund, warum er nie wirklich populär geworden ist: er verkündet keine einfachen Wahrheiten, sondern einen schweren Weg mit einem inneren Lächeln zu gehen. Aber auf einer handsignierten Karte von ihm findet sich der Ausspruch "Ich helfe ewig". Wer war er? Oder wer ist er?

Praktisches

Er beschrieb in seinen Vorträgen, wie man regelmäßig meditieren kann, um dann in Kontakt mit seiner inneren Welt zu kommen. Fast wie ein Theosoph oder Rosenkreuzer. Diese Welt transzendiert zu einer ewigen, geistigen Welt. Also beschloss ich Mirin Dajo in einer Meditation aufzusuchen. Eine sehr freundliche Energie. Er half mir mit meinem Knie, dass nach einer unüberlegten Übung mit einer Kettle-Bell mich wie Kaptain Ahab fühlen ließ. Ich denke am Ende, war es genau das, was er wollte. Wer weiter forschen will: Er durchstieß seinen Körper übrigens häufig in der Gegend, die man Tiferet zuordnet. Ich mache praktisch erst mal Schluß, da ich den Artikel am Freitag veröffentlichen will und er viel viel zu lang geworden ist. Das Thema kann ein ganzes Buch füllen. Meine Intention ist am Ende dann doch recht kurz geworden. Vielleicht bin ich schüchtern? Aber es lohnt sich wirklich mit den Mirin Dajo Energien in Kontakt zu kommen. Wenn man spirituell ist. Die "Jesus-Ecke" erscheint mir dann auch wie ein Weltprinzip, dass immer wieder einmal in der Menschengeschichte aufleuchtet. Es also nicht als große Ausnahme erscheint, wie es in "den Büchern" der Religionen beschrieben wird, sondern als seltene aber stetige Anomalie unseren Alltag durchdringt. Da heißt es Suchen, den inneren Judas in sich zu erkennen. Dann kann man ihn loslassen. Er wird nicht mehr gebraucht.

Ich hoffe, der Artikel konnte einiges an Motivation und neuen Einblicken liefern. Er muss ewig unvollendet bleiben.

Freitag, 6. September 2024

Die Lester Love Meditation

Dankbarkeit war immer wieder hier im Blog ein Thema. Dankbarkeit funktioniert so, dass wir, wenn wir Dankbarkeit fühlen, uns auch zunehmend positiver im Leben verhalten. Wie funktioniert das? Die Mehrzahl der Menschen denkt genau andersherum: "mir muss etwas Tolles passieren, damit ich dankbar sein kann." Denkst du so herum, dann wirst du automatisch abhängig von Äußerlichkeiten und die Chancen steigen, dadurch zunehmend vom Leben frustriert zu werden. Der Fehler liegt in der Erwartungshaltung. Viele machen sehr vieles, wenn nicht gar alles, in der Erwartung glücklich zu werden. Du wirst aber nicht glücklich werden, sondern du kannst dich nur dazu entscheiden glücklich zu sein. Da lohnt es sich, darüber zu meditieren. Da kannst du sehr viel entdecken, was in der Motivation vieler schon im Ansatz völlig falsch verankert worden ist. Stichwort hier auch Werbung, die westliche Menschen oft unbewusst prägt. Werbung schleicht sich in so einer Gesellschaft überall ein und wirkt als heimlicher Verführer: "Natürlich kannst du nicht einfach so glücklich sein. Du brauchst die Hautcreme, das Bier, Auto, Smartphone und so weiter." Wenn du aufmerksam bist, wirst du entdecken, dass dieses Denken auch in der Politik angekommen ist: du musst so und so sein, genau so denken, das gut finden, um dich zugehörig zu fühlen. Dann bist du glücklich! Wirklich? Nein, - so funktioniert das Gehirn und die menschliche Psyche nicht. Das ist der Grund, warum viele eben nicht glücklich sind. Sie sind beschäftigt damit, es zu werden. Hier auch exemplarisch die schöne Geschichte vom "Fischer und seiner Frau" 1, die zeigt, dass wenn Glück an Äußerlichkeiten hängt, der Hunger nach Glück niemals erfüllt werden will. Der Hunger nach Glück wäre dann Gier. Eine völlig andere Emotion.

Aus diesem Grund lohnt sich das Führen eines Dankbarkeitstagebuchs. Durch das tägliche Aufschreiben von mindestens drei Dingen, über die du dankbar bist, entwickelst du einen anderen Filter im Kopf, durch den du das Leben wahrnimmst. Durch die tägliche Routine, wird es zur Gewohnheit, Dinge positiver zu sehen und wenn sie negativ sein sollen, anders mit ihnen umzugehen. Das Jammern und Klagen ist wie ein emotionaler Kurzschluß im Kopf. Wahrnehmen und Jammern, dann wieder von vorne. Ein Kreislauf, der nur selten von Handlungen unterbrochen wird, um das Leben zu verbessern. Ich sage eben nicht, dass du dein Leben einfach nur gutfinden sollst. Fühlst du dich in negativen Dynamiken gefangen, dann ist der erste Schritt eine positive Grundhaltung in dir selber aufzubauen. Und dann die Dinge aus dieser Grundhaltung heraus zu bewältigen. Tag für Tag.

"Ist es nicht wundervoll?“ - Diese Affirmation habe ich als besonders wirkungsvoll sein Leben positiv zu verändern in Videos auf Youtube aufgeschnappt. Es wird so gemacht, dass du in jeder Situation im Alltag, wenn du dich gestresst oder fertig fühlst, du die Autosuggestion "Ist es nicht wundervoll?" leise oder still zu dir selber sagst. Also genau in diesen WTF-Momenten. Dadurch unterbrichst du den emotionalen Kurzschluss, den Kreislauf der Relexe im Kopf, der dich hilflos und ausgeliefert fühlen läßt. Du gewinnst Distanz und denkst darüber nach, was so wundervoll sein kann, gerade an doofen Situationen? So erwirbst du Weisheit das positive gerade im Negativen zu sehen zu können. Begreifst du da die Zusammenhänge, dann wirst du durch Verhaltensänderungen solche Situationen anders angehen. Hört sich theoretisch an? Einfach ausprobieren. Nach ein paar Wochen, wirst du das Leben, und es dich, völlig anders sehen. Garantiert positiv.

Dankbarkeitstagebuch und die "Ist es nicht wundervoll?"-Affirmation habe ich selber als Livehacks ausprobiert. Livehacks sind simple technische oder psychologische Kniffs, die ohne viel Mühe große Resultate erzielen. Komme ich nun aber zu etwas, was ich selber noch ausprobieren will. Um das alles noch zu toppen: die "Lester Love" Methode.

Lester Levinson war ein moderner, spiritueller Meister in den USA, der 1994 verstarb. Sein Weg zur Spiritualität begann als 42-Jähriger, als ein Arzt ihm eine schlimme Diagnose über sein Herz mitteilte: er wäre unheilbar krank, sollte nach Hause gehen, gar nichts mehr machen und sterben. Das war sehr niederschlagend für Lester. Er wußte nicht, was er nun machen sollte? In dieser schlimmen Situation entwickelte er seine "Lester Love" Methode. Es ist eine Form der Meditation bei der du damit anfängst jeden Menschen auf eine Liste zu schreiben, den du in irgendeiner Form im Leben geliebt hast. Nicht nur die ganz große Liebe (die vielleicht Lesters Herz gebrochen hatte), sondern alle Menschen, bei denen Du das Gefühl der Liebe empfunden hast. Auf einer Liste. Fein säuberlich. Dann klapperst Du die Liste chronologisch ab und versetzt Dich in die Situation, die Gefühle von damals mit diesem Menschen. Das ist alles. Dann kommt der nächste. Chronologie ist frei wählbar. Die "Lester Love" Methode wendest du ideal an, wenn du sie täglich eine Stunde anwendest. Eine reine Liebesmeditation. Andere, traditionelle Meditationen sind übrigens ähnlich lang. Natürlich hat die Geschichte ein Happy End. Als Lester seine Liebesmeditation entdeckte, verbesserten sich auch seine Symptome. Er heilte völlig von seiner Herzerkrankung und wurde weitere 40 Jahre alt. Wie gesagt, wurde er dann spiritueller Meister, schrieb Bücher und nannte seine Methode, die er von dann an lehrte: "Sedona Methode". Eine schöne Geschichte. Motiviert mich, es auch auszuprobieren.

Die "Lester Love" Methode beschreibt Jonathan Robinson in seinem Buch "The Enlightenment Project" von 2022. 2 In diesem Buch beschäftigt sich Robinson mit den Dingen, die alle erleuchteten Menschen gemeinsam haben. Er besuchte eine Menge von diesen Menschen und verbrachte Zeit mit ihnen. Unter anderem den Dalai Lama, Mutter Theresa und viele andere mehr. Was diese Menschen gemeinsam haben, das faszinierte ihn so sehr, dass er dieses Buch schrieb. In dem Buch stellt er etliche Livehacks vor, die jeden Menschen in die Lage versetzen, erleuchtet oder glücklich zu sein. Frieden gefunden zu haben. Wie immer du es sagen willst? Es gibt eigentlich keine treffende Bezeichnung dafür. Natürlich probierte Robinson die "Lester Love" Methode selber aus. Er beschreibt, wie er mittels EEG untersucht worden ist. Während der Untersuchung führte er die "Lester Love" Methode aus und das EEG zeigte hohe Werte an Gamma-Wellen. So hoch, dass die Untersuchungsleiterin erschrack: so etwas hatte sie bei Menschen aus den USA noch nie gesehen. Buddhistische Mönche sollen ähnlich aktive Gamma Wellen bei ihren Meditationen erziehlen. Er war ein Rätsel für diese Frau.

Das erregt natürlich meine Neugierde. Robinson erklärt, dass die "Lester Love" Methode eine Form der emotionalen Meditation sei. Es gibt etliche Auffassungen über Meditation. Laut ihm ist es ratsam, eine Meditationsart zu wählen, die einem zunächst widerstrebt. Also in diesem Fall, führst Du eine emotionale Meditation aus, wenn Du emotionale Blockaden hast. Es gibt auch Bewegungsmeditationen. Um sich besser in seinem Körper wahrnehmen zu können. Also ein weites Feld neue Erfahrungen zu sammeln. Robinsons Buch ist auf jeden Fall sehr interessant. Wenn du Lust hast, ihn persönlich zu hören, kannst du das in dem Next Level Soul Podcast von Alex Ferrari tun. Da bin ich auf ihn und seine Arbeit gestoßen.

Praktisch werde ich mir eine Liste von geliebten Personen anfertigen. Das werden eine Menge mehr werden, als ich mir das jetzt so vorstelle. Das ist auch der Reiz, wie am Ende die Liste aussehen wird, ob sie jemals fertig wird? Dann verbinde ich das am besten mit Atemübungen. Sonst komme ich mit der Zeit nicht klar. Also ich mache zwei Sachen in einem: Pranayama und Affirmationen, bzw emotionale Rückerinnerung. Das ist der Plan. Da ich diesen schönen Blog habe, kann ich später einen Artikel darüber schreiben, wie es war. Klingt nach einem Plan.

1 Vom Fischer und seiner Frau, niederdeutsches Märchen, von den Gebrüdern Grimm festgehalten.

2 Jonathan Robinson "The Elightenment Project", 2022

Die Wildente

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