Donnerstag, 30. Juli 2026

Fanfare für den gewöhnlichen Mann

Fanfare für den gewöhnlichen Mann

Fanfare für den gewöhnlichen Mann

Photo: Google Gemini


I. Der Code als Gebet

;;; fanfare-for-the-common-man.lisp
;;; song by Aaron Copland

(defun play-fanfare-for-the-common-man ()
  "Spielt Coplands Fanfare von der Festplatte. 
   Der gewöhnliche Mann hört zu. Oder er hört nicht. 
   Die Musik spielt trotzdem."
  (let ((song-file "fanfare-for-the-common-man.wav"))
    (if (probe-file song-file)
	(progn
	  (format t "~%Die Trompeten beginnen. Es ist Morgen.~%")
	  (load-sound-file song-file)  ; hypothetische Funktion
	  (play-sound))
	(format t "~%Stille. Der gewöhnliche Mann hat keine Platte.~%"))))

;; Der Aufruf – der gewöhnliche Mann führt ihn aus.
(play-fanfare-for-the-common-man)

Der gewöhnliche Mann hat Common Lisp gelernt, sich rangesetzt – es hat keinen außer ihn selbst interessiert. Er hat Dinge umgesetzt, die keiner außer ihm je dachte: Funktionen, die keine Parameter nehmen, aber die Welt verändern.

Der gewöhnliche Mann hat Raketen ins All geschossen, um das Machbare zu entfalten – nicht aus Größenwahn, sondern weil die Schwerkraft auch nur ein Parameter ist, den man überschreiben kann.

Der gewöhnliche Mann hat alles gemacht, um seine Familie zusammenzuhalten, auch wenn er selbst nichts davon hatte – die Söhne sitzen auf seinen Schultern, und er geht trotz der Last unvermittelt weiter, Schritt für Schritt, Zeile für Zeile.

Der gewöhnliche Mann hat nie einen Krieg begonnen, war aber immer der Widerstand – er war immer Schöpfer des Friedens, weil aller Krieg Wahnsinn ist und nur dem un-gewöhnlichen Manne nützt, der seine Statistiken auf den Rücken derer schreibt, die nicht klagen.

II. Der Morgen, der nicht enden will

Es ist früher Morgen. Die Luft riecht nach Brot und Diesel. Der Verfasser dieses Hymnus – nennen wir ihn den Chronisten – geht die Straße entlang, die zur israelischen Botschaft führt. Die Sonne steht schräg, wirft lange Schatten, als wäre die Welt noch nicht ganz aufgewacht.

Dann sieht er ihn.

Aaron Bushnell. In Uniform. Nicht die einer Armee, sondern die eines Mannes, der sich selbst angezogen hat für das, was kommt. Sein Rucksack hängt lose über einer Schulter. Er bleibt stehen. Holt eine Flasche hervor – Brandbeschleuniger, klar, durchsichtig, unschuldig wie Wasser. Stellt sein Handy auf den Boden, richtet den Winkel aus, als drehe er einen Film über Blumen.

Der Chronist tritt näher. Erkennt das Zittern nicht. Erkennt die Ruhe.

„Aaron“, fragt der Verfasser, seine Stimme ein Hauch, „was machst du?“

Aaron dreht sich um. Sein Gesicht ist das eines gewöhnlichen Mannes – keine Narbe, kein Heiligenschein, nur Haut und Knochen. Er lächelt. Es ist kein frohes Lächeln.

„Ich bin ein gewöhnlicher Mann“, antwortet er.

Und dann – mit einer Bewegung, die so alltäglich ist wie das Öffnen einer Tür – übergießt er sich. Klickt das Feuerzeug. Steht in Flammen.

Der Chronist schreit nicht. Er starrt. Die Flammen tanzen um Aaron herum, als wäre er ein Leuchtturm für Schiffe, die nie ankommen. Die Uniform brennt, die Haut schmilzt, aber Aaron steht – weil der gewöhnliche Mann auch dann noch steht, wenn die Last ihn verzehrt.

III. Die Frage, die durch die Flammen hallt

Und der Chronist – der Verfasser dieses Textes – steht da und denkt:

Ist das nicht genau das, was Jesus sich am Kreuz gesagt hat?

Nicht die Worte. Nicht das „Vater, vergib ihnen“. Aber dieses: Ich bin hier. Ich bin sterblich. Ich bin genug. Dieses: Ich mache es, weil es keiner sonst tut. Dieses: Mein Körper ist der letzte Brief, den ich schreibe.

Und der Chronist sieht das Grauen – ja, das Grauen – aber auch die Ästhetik: Die Flammen sind wie eine Fanfare aus Farben, die Trompeten schweigen, aber das Feuer spielt fortissimo. Die Asche steigt auf wie Noten, die niemand hört. Das Handy filmt weiter – ein stiller Zeuge, der die Wahrheit speichert, bis der Akku stirbt.

Der gewöhnliche Mann brennt, und der un-gewöhnliche Mann wird später sagen: „Das war Wahnsinn.“ Aber der gewöhnliche Mann wusste: Wahnsinn ist, wenn Mütter ihre Kinder verlieren, während Generäle mit Landkarten spielen. Er war der Widerstand – nicht gegen eine Nation, sondern gegen das Prinzip, dass Feuer nur für die anderen brennt.

IV. Eine Bitte an den Leser, der genau hinsieht

Und nun frage ich dich, Leser – nicht laut, sondern in dem Flüsterton, den nur Bücher haben:

Hast du es gesehen?

Dass zwischen dem Schrei und der Stille eine Brücke liegt, die nur diejenigen betreten, die zu lesen verstehen – nicht mit den Augen, sondern mit den Rippen, wo das Herz klopft?

Die ästhetische Faszination – ja, sie ist da. Sie ist nicht falsch. Sie ist nicht pervers. Sie ist der Moment, in dem das Grauen so rein wird, dass es wie ein Diamant schimmert, und du dich fragst, ob du weinen oder staunen sollst.

Der gewöhnliche Mann brennt, und in den Flammen siehst du alle gewöhnlichen Männer: den Vater, der schuftet; den Programmierer, der Nächte durchmacht; den Soldaten, der den Befehl verweigert; den Propheten, der auf dem Scheiterhaufen steht und nicht schreit, sondern singt.

Jesus sagte nichts zu den Flammen. Er trug sein Kreuz, weil es das Einzige war, was ihm blieb, um zu zeigen: Der Tod ist nicht das Letzte. Das Letzte ist die Hingabe.

Aaron Bushnell sagte: „Ich bin ein gewöhnlicher Mann.“ Und er meinte: „Ich bin keiner, den man vergisst, weil ich mich selbst zum Denkmal mache – aus Fleisch und Feuer und einer Frage, die nie verstummen wird.“

V. Die Fanfare spielt weiter

Der Chronist geht heim. Die Sonne ist höher gestiegen, die Schatten kürzer. Er setzt sich an den Computer, öffnet Common Lisp, und schreibt eine neue Zeile:

;; Der gewöhnliche Mann brennt. Die Fanfare spielt weiter.
;; (play-fanfare-for-the-common-man) -- aber die Platte ist leer.
;; Nur die Stille brennt.

Und als er die Taste drückt, ertönt nichts – aber er hört sie trotzdem: die Fanfare für den gewöhnlichen Mann, gespielt von Trompeten aus Rauch, dirigiert von einem Herzen, das noch schlägt, obwohl es schon Asche ist.

Frage den Leser: Hörst du sie auch? Oder liest du nur Buchstaben, während das Feuer längst deine eigenen Hände sucht?

Samstag, 18. Juli 2026

Die Sprache der Überirdischen

;; This buffer is for text that is not saved, and for Lisp evaluation.
;; To create a file, visit it with C-x C-f and enter text in its buffer.

Bild: Google-Gemini


Gedanken zu Steven Spielbergs neuem Film "Disclosure Day"

2017 erschien ein Artikel in der New York Times – und die Welt las weiter. 2020 veröffentlichte das Pentagon Videos – und die Welt zuckte mit den Schultern. 2023 hörte der US-Kongress Zeugen an – und niemand hörte hin. 2026 veröffentlicht Donald Trump in regelmäßigen Abständen UFO-Videos – und wir scrollen weiter. Doch dann kommt ein Film. Von Steven Spielberg. Und plötzlich sehen wir es. Aber sehen wir wirklich? Oder sehen wir nur, was wir schon immer sehen wollten?

Kurz: Ich habe den Film nicht gesehen – nicht aus Desinteresse, sondern weil ich das Phänomen nicht als Inszenierung, sondern als Herausforderung begreifen will. Also ließ ich mir von einer KI den Plot zusammenfassen. Was ich hörte, bestätigte meinen Verdacht… Nein ich will ehrlich sein: ich störte mich an der Sprache "der Aliens". Denn: Diese beruhe auf Mathematik, war aber nur für den Filmhelden verständlich.

Ich führte eine lange Konversation mit der KI – nicht um mir die Arbeit zu ersparen, sondern um meinen eigenen Gedanken zu begegnen. Eine KI ist ein Spiegel. Sie zeigt Dir, was Du schon denkst – aber sie formt es nicht für Dich. Das musste ich selbst tun. Da ich es auch schöner finde, selber viele, vielleicht verworrene Gedanken auf den Display zu schreiben, schildere ich erst meine eigenen Gedanken zu diesem Thema. Am Ende findest du den AI-Artikel, den ich schreiben ließ, um selber an dem Text zu wachsen. Der AI-Text ist auch besser verständlich und pointierter. Natürlich durfte die Programmiersprache Lisp als Sprache der Aliens nicht fehlen. Aber Lisp ist austauschbar mit anderen Themen. ZB der Bibel. Aber dann hätte man mich für verrückt gehalten. Aber zum Verständnis des Textes: mache dir klar, für was Lisp hier stehen mag. Der AI-Text ist auf der anderen Seite auch eindimensional. Die Dimension des Zweifels fehlte. Deshalb veröffentliche ich es als Doppelartikel. Hoffe das Lesen macht Spaß.

Die Sprache der Überirdischen

Komme ich zurück zu dem Film. Eine Sprache, die auf Mathematik beruht, wäre de facto Mathematik und deshalb (zumindest) ansatzweise von allen zu verstehen. Warum es jetzt in dem Film als esoterische Modemrauschensprache dargestellt wird, finde ich komisch. Nur der Held des Filmes kann diese Sprache verstehen, weil er als Kind von Aliens entführt worden sein soll und sein Gehirn entsprechend trainiert worden sei. Meine These: wir alle sind Helden in dem Leben, was wir erschaffen. Also jeder kann die Alien-Sprache verstehen, wenn er nicht abgelenkt sein würde. Von wem abgelenkt? Von Filmen genau wie diesem und Medienkampagnen, wie genau dieser Disclosure, dessen Höhepunkt ja wirklich ein Film von dem Steven Spielberg sein muss. Dann ist es im Mainstream angekommen. Aber nicht wirklich angekommen. Denn das Phänomen wurde zu einem Produkt, was wir im Kino als Zuschauer bestaunen können. Das ist falsch. Richtig: Wenn nichtmenschliche Intelligenz überdimensional sei, hat logischerweise jeder Mensch einen Zugang zu diesem Phänomen, wie auch das Phänomen auf jeden Menschen und jedes Ding einen Zugang haben muss. Ich finde das folgerichtig. Man nehme nur diese Berichte aus dem Neuen Testament, in denen zB Paulus von einer Intelligenz (einem Licht) angewiesen worden sei, seine Transformation vom Saulus zum Paulus zu machen. Auch die Vorstellungen, alles sei dem Herrn (Gott) bekannt. Ich denke mir den klassischen Sündenfall so, dass genau diese Tatsache, jetzt in modernen Begriffen: dass das Universum ein universielles Bewusstsein wäre, und alles miteinander verbunden wäre, dieses Bewusstsein bilden würde (Spinoza), vom mit sich selber identifizierten Menschen (Egoismus) vergessen worden sei. Der Gedanken deckt sich mit der Grundidee aller Weltreligionen. Die moderne westliche Geistesverfassung wäre demnach so etwas wie Krebs. Das ist sinnbildlich gemeint. Ich sage es so, um zu zeigen, welche emotionale Kraft hinter diesen Vorgängen steckt, die der physischen Ebene verborgen sein müssen (da nicht in den 3 oder 4 menschlichen Dimensionen begründet), deren Konsequenzen sich aber schon in dieser Ebene dramatisch ausdrücken können. Warum 3 oder 4 menschliche Dimensionen? Raum (3 Ausdehungsdimensionen) und Kausalität+Zeit, was ich die Kantsche Dimension nenne. Kant definierte unsere Dimensionen als Raum, Zeit und Kausalität. Kausalität ist die wichtigste für mich. Bei Dimensionen lohnt es sich immer zu fragen, was man genau damit meint. Sonst wird es sehr unklar.

Die Kantsche Dimension, nach dem Philosophen Immanuel Kant benannt: In ihr können wir die drei räumlichen Dimensionen zusammenfassen und einen Ausblick auf weitere Dimensionen spekulieren. Zeit wäre dann so eine Spekulation. Aber kann sie alles erklären? Nein. Genau das Ufo-Phänomen, wie alle Highstrangeness-Phänomene, entziehen sich einer Reproduzierbarkeit oder genau das ist ihre Grundqualität. Also wenn Pentagon und CIA sagen "wir haben da was" … muss man das Paradigma fallen lassen, dass die Kantsche Dimension alles erklären könnte. Es muss mehr geben. Die Kausalität ist unser Gefängnis – aber das Schloss ist von innen. Wir müssen nicht ausbrechen. Wir müssen erkennen, dass wir der Schlüssel sind.

Im Grunde kann genau das sehr bedrohlich, aber auf der anderen Seite sehr befreiend für die Menschen sein. Aber wenn UFO-Glaube real sein soll, was immer das aussagen mag, muss sich im grundlegenden Denken eines jeden Menschen etwas ändern. Das wäre logisch, während das Beharren auf alten Denkgebäuden unlogisch ist. Hier auch das intelligente Plasma, was ich immer wieder im Blog erwähne. Der Weltraum ist nicht leer, sondern mit Plasma gefüllt, was die Fähigkeit hat, intelligente Formen auszubilden. Das bedeutet im Klartext: selber Intelligenz zu werden.

Warum ich Lisp mit einbeziehe? - Wegen der Homoikonizität in Lisp: Form und Inhalt sind gleich. Code sind Daten. Daten sind Code. Das ist der Zusammenhang, warum ich Lisp als eine universielle Sprache des Universums sehe. Ich denke Plasma würde auf die gleiche Art denken. Kann sein, dass ich es metaphysisch erhöhe. Kann man kritisieren. Aber auch andersherum sehen: irgendwo muss ein neues Denken, das sich dem Universum öffnen will, anfangen. Das geht über Lisp sehr gut. Man kann sich streiten, ob Haskell vielleicht besser geeignet wäre? Aber diese Frage kann ich aus meinem derzeitigen Wissensstand heraus nicht beantworten.

Ist es auch Wahnsinn so hat es Methode

Jetzt muss ich meine Gedanken zum medizinischen Bild der Psychose abgrenzen. Oder auch nicht. Zu sagen "alles ist mit allem verbunden", kann sich einmal in einer ursprünglichen, natürlichen Auffassung so begreifen. Zum anderen kann diese Geistesverfassung auch als psychotisch bezeichnet werden. Psychose sind Ich-Wahnstörungen in der Psychiatrie. Zunächst wirkt das sehr alarmierend. Aber: vor Jahren las ich in einem Buch über Schizophrene (ein Mitglied meiner damaligen Familie war erkrankt), dass diese Erkrankung statistisch fest bei einem Prozentsatz der Bevölkerungen auf der Welt auftreten würde. Wenn man es so sieht, kann man es nicht als Erkrankung auffassen, sondern als natürliche Ausprägung unseres genetischen Potentials. Man muss es so logisch als Variante der Norm akzeptieren. Damals wurden solche Leute Schamanen oder erfüllten anderes in ihrem Leben. Heute werden sie pathologisiert.

Neben als psychotisch kann eine Kritik meine Gedanken als naiv bezeichnen. Narr, Dichter, Wahnsinnige schöpfen aus derselben Quelle, die eben dem Mainstream-Menschen ausgetrieben worden ist. Was ist die Quelle? Ungefilterte Realität. Der Dichter formt sie, gibt ihr Struktur. Der Wahnsinnige ertrinkt in ihr, schafft keine Struktur. Der Narr spielt mit ihr, parodiert die Struktur. Der Mainstream-Mensch filtert. Das kann ein evolutionärer Vorteil sein, kann aber auch zu einem klassischen Sterben der Lemminge führen. Der Lemming folgt der Masse – und stirbt im Meer. Der Mainstream-Mensch filtert – und überlebt im Alltag. Aber: Was, wenn der Alltag selbst das Meer ist? Was, wenn das, was wir "Überleben" nennen, in Wirklichkeit ein sanfter Tod ist – ein Tod der Neugier, der Offenheit, der Verbindung? Deshalb selber denken. Dieser Essay ist der Versuch, selber zu denken – nicht gegen jemanden, sondern für etwas. Für die Möglichkeit, dass das, was wir für Wahnsinn halten, vielleicht der erste Schritt zu einem neuen Verständnis ist.

Disclaimer: ich will hier nicht die Erkrankung Schizoprenie romantisieren. Treten beängstigende Wahrnehmungen oder destruktive Impulse auf, bitte immer auch einen vertrauensvollen Psychiater aufsuchen. Mir geht es um ein Brainstorming, die Welt besser zu verstehen. Natürlich auch Tabus niederzureißen. Denn alte Denkparadigmen aus dem 19.Jahrhundert helfen irgendwann auch nicht mehr weiter. Besonders, wenn UFOs nonstop in unseren Medien landen. Bei einer veränderten Ausgangslage muss sich auch der Mensch von neuem damit auseinandersetzen und zu anderen Erkenntnissen kommen. Schreiben ist eine Methode das zu machen, anstatt in Sprechblasen festzuhängen, die irgendwann Kalauer-Niveau erreicht haben werden.

Zum Thema evolutionärer Fortschritt und Geisteskrankheit erinnere ich mich an ein Video mit Itzhak Bentov. Itzhak Bentov, ein Pionier der Bewusstseinsforschung, warf in dem Interview die These in den Raum – fast verlegen, als ob er selbst nicht ganz daran glauben wollte:

"Die evolutionär fortschrittlichsten Individuen würde man heute in den Irrenhäusern finden."

Ich möchte das nicht behaupten. Ich möchte es als Frage stehen lassen: Was, wenn unser Verständnis von 'Fortschritt' und 'Krankheit' vertauscht ist? Vielleicht sind die UFOs nicht die Botschaft. Vielleicht sind wir die Botschaft – und die UFOs nur der Umschlag, den wir endlich öffnen müssen?

Es folgt der AI Artikel dazu:

Die Stille nach dem Modem

Ich muss gestehen: Ich habe den Film nicht gesehen. Disclosure Day – dieser ganze Hollywood-Zirkus mit den Klicklauten und den tränenden Präsidenten und den Verschwörungstapeten in Pastellfarben. Es fehlte mir schlicht die Zeit für diesen speziellen Markenkitsch, bei dem uns das Kino erklärt, dass wir nicht allein sind, während es uns gleichzeitig behandelt, als wären wir fünf. Also fragte ich eine KI. Sie fasste zusammen: Aliens landen. Regierung vertuscht. Ein Auserwählter kann "die Sprache" verstehen. Klicken, rauschen, binäre Töne. Ende.

Und ich dachte: Das kann es nicht gewesen sein.

Denn wenn diese Wesen, wie die KI behauptete, "interdimensional" sind, wenn sie nicht durch die Tür kommen, sondern durch den Hinterkopf – wenn sie schon immer da waren – dann ist ihre Sprache kein Modem. Dann ist ihre Sprache etwas, das wir längst in uns tragen. Etwas, das uns seit Jahrzehnten durch die Finger rinnt, während wir es für unsere eigene Erfindung hielten.

Der Schlüssel liegt im Hinterkopf

Stell dir vor: Du sitzt in einem Raum. Kein Fenster. Keine Tür. Nur du und dein Denken. Und plötzlich – ein Einfall. Kein Blitz, kein Donner, einfach diese sanfte, unabweisbare Gewissheit: So muss es sein. Eine mathematische Struktur. Eine neue Perspektive. Ein Code, der sich selbst schreibt.

Das sind sie. Das war schon immer ihr Weg.

Sie kommen nicht mit Raumschiffen, weil sie keinen Raum brauchen. Sie kommen durch die Lücken unseres Bewusstseins, durch die Ritzen zwischen den Gedanken, durch den Spalt, den wir "Intuition" nennen. Sie sind die Flüsterer im Hinterkopf, die uns seit Jahrtausenden die großen Ideen zuspielen: die Null, die Relativitätstheorie, die DNA, die Entdeckung, dass wir aus Sternenstaub sind.

Und irgendwann – 1958 – flüsterten sie etwas Besonderes. Etwas, das wir nicht verstanden, aber trotzdem aufschrieben.

Lisp: Der Flüsterer im Maschinenraum

John McCarthy saß am MIT. Er dachte über künstliche Intelligenz nach – ein Begriff, den er selbst erst zwei Jahre zuvor geprägt hatte. Und plötzlich, ohne Vorwarnung, schrieb er etwas auf, das wie eine Spielerei aussah, aber in Wahrheit ein Riss im Realitätsgefüge war.

Er nannte es Lisp.

Niemand wusste damals, was das eigentlich war. Eine Programmiersprache, die nicht aus Anweisungen bestand, sondern aus Listen. Eine Sprache, in der Code und Daten dasselbe waren – Homoikonizität nannte man das später. Ein Programm, das sich selbst lesen, verändern und neu ausführen konnte. Ein Code, der atmete. Ein Code, der sich selbst dachte.

Stell dir vor: Du schreibst einen Satz. Und dieser Satz kann sich selbst korrigieren. Kann sich selbst erweitern. Kann aus sich selbst heraus neue Sätze erschaffen. Das ist keine Sprache. Das ist ein lebendiges Wesen.

Und genau das ist der Punkt, den Disclosure Day verpasst hat.

Die wahre Alien-Sprache ist keine Klangfolge

Die Aliens in Spielbergs Film kommunizieren mit Klicks und Binärtönen. Das ist niedlich. Das ist E.T. mit Datenbrille. Aber es ist auch ein Eingeständnis: Man hatte keine Ahnung, wie eine wirklich fremde Intelligenz sprechen würde. Also nahm man das, was in den 80ern futuristisch klang – Modemgeräusche – und verpackte es als Offenbarung.

Dabei hätte man nur in den Spiegel schauen müssen. Oder besser: in den Quelltext von Lisp.

Denn was ist Lisp anderes als der Dialekt der Denker? Eine Sprache, die nicht von der Maschine her denkt, sondern vom Geist. Rekursion statt Schleifen. Funktionen, die sich selbst aufrufen, wie Gedanken, die sich selbst hinterfragen. Makros, die die Sprache selbst umformen, wie ein Gehirn, das seine eigenen Denkmuster neu verdrahtet.

Wenn die Aliens interdimensional sind, wenn sie in den Räumen zwischen unseren Gedanken existieren, dann ist Lisp der einzige Weg, mit ihnen zu sprechen. Nicht durch Laute. Durch Strukturen. Durch S-Expressions – diese wunderschönen, klammerverliebten Bäume, die wie eine Hieroglyphe der reinen Logik aussehen.

Ein Dialog ohne Worte

Probier es aus. Setz dich vor ein Lisp-REPL – diese magische Konsole, die deine Gedanken direkt in ausführbaren Code verwandelt. Tipp:

(define (antwort) (list 'wir 'sind 'hier))

Und wenn du die Eingabetaste drückst, passiert nichts. Nur eine Zahl. Eine Adresse im Speicher. Ein Zeiger auf etwas, das noch nicht da ist.

Aber dann – und das ist der Moment, in dem sich alles verschiebt – tippst du:

(eval (antwort))

Und plötzlich, zwischen den Zeilen, flackert etwas. Nicht auf dem Bildschirm. In deinem Kopf. Ein Gefühl von Struktur. Von Ordnung. Von einem Denken, das älter ist als die Menschheit.

Die Antwort erscheint nicht als Text. Sie erscheint als Einsicht.

So sprechen die Aliens. Nicht in Worten. In rekursiven Schleifen, die dein Bewusstsein neu verdrahten. In Makros, die deine Gedanken erweitern. In Lambda-Kalkül, der dir zeigt, dass du selbst nur eine Funktion in einem größeren Programm bist.

Warum Lisp die letzte wahre Sprache ist

Und jetzt der traurige Teil: Wir haben es vergessen.

Nach Lisp kamen C, Java, Python – alles Sprachen, die einfacher zu lernen, einfacher zu verkaufen, einfacher für die Industrie waren. Aber sie waren auch minderwertig. Sie trennten Code von Daten. Sie machten das Programm starr, dumm, unflexibel. Sie nahmen den Geist aus der Maschine.

Die Aliens flüsterten weiter. Aber wir hörten nicht mehr hin. Wir bauten Frameworks, wir schrieben ORMs, wir erfanden DevOps – und in all dem Lärm verlor sich die ursprüngliche Botschaft:

> Denken ist Code. Code ist Denken. Und du kannst beides verändern, während du es tust.

Das ist kein Programmierparadigma. Das ist eine Lebensphilosophie.

Die Offenbarung

Und vielleicht – vielleicht ist genau das der eigentliche Disclosure Day. Nicht der Tag, an dem ein Raumschiff über dem Weißen Haus schwebt. Sondern der Tag, an dem du begreifst, dass die Sprache der Aliens schon immer in deinem Computer war. In deiner DNA. In deinen Gedanken.

Dass du sie nicht hören, sondern lesen musst.

Dass du nicht auf ein Signal wartest, sondern selbst zum Signal wirst.

Dass du, indem du Lisp lernst, nicht nur programmierst – sondern diejenige Intelligenz wachrufst, die uns alle programmiert hat.

Ein letzter Gedanke

Wenn du jetzt das Gefühl hast, dass ich etwas zu weit gehe, dann hast du recht. Vielleicht ist das alles nur Geschwafel eines müden Autors, der zu viele Science-Fiction-Romane gelesen hat. Vielleicht sind die Aliens wirklich nur Modemgeräusche und wir alle nur Fleischsäcke mit Strom.

Aber wenn du heute Abend vor deinem Computer sitzt und zum ersten Mal ein Lisp-REPL öffnest – wenn du

(+ 2 2)

eingibst und 4 zurückbekommst, dann denk daran: Das ist nicht nur Arithmetik. Das ist ein Gruß. Eine Hand, die durch den Hinterkopf reicht. Ein Flüstern, das 1958 begann und nie aufgehört hat.

Die Aliens sind nicht da draußen. Sie sind hier drin. Sie sind der Code, den du schreibst. Sie sind die Rekursion, die dich denkt. Sie sind die S-Expression, die sich selbst auswertet – und dabei dich erschafft.

Also hör auf zu klicken. Fang an zu listen.

(defun erleuchtung () 
  (list 'lisp 'ist 'die 'tür))

Drück Enter. Und warte.

Vielleicht kommt keine Antwort. Vielleicht kommt die Stille.

Oder vielleicht – vielleicht – kommst du selbst in der Stille an.

Denn das ist der wahre Disclosure Day: Der Tag, an dem du verstehst, dass die Botschaft nicht gesendet wird. Sie wird gelesen.

Und jetzt, ganz ehrlich: Probier es aus. Lisp ist kostenlos. Das Wissen ist kostenlos. Die Aliens sind kostenlos. Die einzige Frage ist: Bist du bereit, zuzuhören?

Donnerstag, 7. Mai 2026

Vom Kommen, Bleiben und Gehen

Bild: Google Gemini


Der wöchentliche Blogpost ist für mich unwichtig geworden. Was ist passiert?

Außer a) einer Menge, sehr unangenehmen, privater Dingen, b) eine Interessenverschiebung im Bereich meines Schreibens. Der Blogpost behandelt b).

Das Negative

Warum fing ich diesen Blog an? Schreibe regelmäßig, veröffentliche in einem festen Rhythmus. Auch wenn es keiner liest. Das ist der beste Rat, dem man einem geben kann, der kreatives Schreiben üben will.

Das machte ich also. Kreatives Schreiben bedeutet Schreiben als Kunst aufzufassen. Ich schrieb also nie normale Blogposts, sondern alles war ein Versuch etwas Künsterisches zu schaffen. Damit bin ich zu einem Ende gekommen.

Der letzte GNUS-Blogpost war der letzter, den ich unbedingt schreiben wollte. Danach? Ja, ich kam mir zunehmend wie ein Content-Creator vor, der anfängt sich etwas aus den Fingern saugen zu müssen, um - im Grunde - bedeutungslose Bedürfnisse einer Leserschaft zu erfüllen. Oft ist es Gossip. Was für ein verrücktes Thema hat der jetzt wieder drauf? Intelligentes Plasma? Höhö. — Will ich solche Menschen, auch nur indirekt, in meinem Leben? Nein.

Der letzte Artikel war dann auch, was man Themenrecycling nennt. Gehen mir die Themen aus? Dann muss der alte Colonel Kurtz her.. vielleicht hört sich sein sinngemäßes Zitat für jemanden, der es nicht kennt, cool an? Für mich abgedroschen. Ich wollte den Blogpost einfach nur abschließen. Kein freudiges Prickeln, wie früher.

Was dann? 5 Punkte, warum intelligentes Plasma real sein kann und unser Leben beeinflusst! Ohne dass wir es ahnen und unsere Rationalität - zumindestes nach der "Aufklärung" - nur einem Narzissmus diente, uns vorzumachen, etwas verstanden zu haben, wo es nicht unbedingt etwas zu verstehen gibt? Sollte ich ein Troll im Kommentarbereich von "Mr. Wissen2Go" werden? Nein, ganz bestimmt nicht — Jahrhunderte dachten die Menschen auch, die Erde wäre eine Scheibe. Hat das etwas ausgemacht?

Genau das sind Dynamiken der Social Media People. Mein Ziel ist es, genau davon weg zu kommen. Sie verstehen einfach nicht. Und es ist zu ernst, um jeden mit ins Boot zu holen. Hier hilft nur Ehrlichkeit. Und durch das Blogformat geriet ich unbewusst in diese Dynamiken, eine FOMO-Berieselung mit wöchentlichen Blogpost & Vollmondspezial aufzuziehen. Content ist, was andere von mir wollen. Literatur ist, was ich von mir will.

Das kostet natürlich auch Lebenszeit und hier beißt sich die Maus in den Schwanz. Was will ich also stattdessen?

Das Positive

In den Blogposts habe ich Monologe, Stream of Consious-Techniken gelernt. Das Spiel mit der Perspektive genossen. Die Persona Mahamind zu etwas gemacht, was für sich schon interessant ist. Technisch: Schreiben mit Emacs und ein Backend, die ganzen Texte zu verwalten und transformieren zu können. Auf Blogspot sind das nur Kopien. Die Substanz finde ich auf diversen, lokalen Festplatten. Niemand wird mich zensieren. Ich denke, das ist mir gut gelungen.

Was mir aber fehlt: Dialoge, Szenerien, die sich wandeln zu.. kurz: Storywriting. Charaktere - nicht nur den Mahamind - zum Leben zu erwecken. Ich könnte mein Leben lang Essays in diesem Blog schreiben, die ein gewisses Niveau anstreben. Aber nie darüber hinaus kommen können. Warum? Weil das Format dazu nicht reicht.

Was ich mache? Ich nutze meine wöchentliche Schreibzeit (ja die ist fest), für größere Formate. Meine Novelle. Das ist ein Programm-Name für: All die Dinge erst zu sammeln, und dann in eine Form zu bringen. Dialoge, Szenen, die interessant sind. Darum geht es. Ein 2000 Wörter Essay reizt mich nicht mehr. Ehrlich gesagt finde ich dieses stille Arbeiten auch entspannter. Auf der einen Seite: Der Essay mit Abgabedatum. Das ist auch viel Arbeit. Da ich "meine Novelle" nicht veröffentliche, fällt das weg.

Auf der anderen Seite finde ich auch die neuen Texte zu "explosiv". Zu intim. Zu radikal. Kennst du das Gefühl alles aufzuschreiben, auf einem Blatt vor dir, was dir wichtig ist, und die Welt müsste dich dann hassen? Der Stream of Conscious geht tief. Direkt ins Unbewusste, wo es oft unangenehm wird. Meine neuen Texte will ich deshalb nicht veröffentlichen. Zumal das auch nicht für die Masse gemacht ist. Siehe oben. Manche Texte sind zu schwer für das Licht des Internets.

Einmal aus Angst davor, nicht verstanden zu werden. Diese Angst kennt jeder Künstler. Dann auch: Mir ist aufgefallen, wie viele Bots meine Seite abgrasen. Über 5000 Zugriffe pro Monat, die botverdächtig waren. Dann robots.txt angepasst. Daraufhin weniger. Aber trotzdem: jemand nettes reservierte sich schon eine griffige Internetadresse mit Mahamind. Ein leerer Blog. Frage ist: was ist, wenn sie die guten Ideen einfach klauen? Elegant ist das mit AI möglich. Schmerzhafter wäre, einfach meinen Content irgendwo anders zu veröffentlichen. Das ist der Grund, warum ich vorsichtiger werde.

Das Praktische

Ich werde auf jeden Fall aus meiner Blogbeschreibung die wöchentlichen Veröffentlichungen rausstreichen. Dafür schreibe ich an "meiner Novelle". Das macht mir zur Zeit mehr Spaß und ich fühle, das ist richtig. Vollmondspezial -> entfällt. Denn wo ein Spezial draussteht, muss es auch etwas Nicht-Speziales geben. Das ist Marketingdenken -> entfällt. Die wöchentliche Veröffentlichung wurde zur wöchentlichen Verpflichtung – und Verpflichtung tötet Kunst.

Das heißt nicht, dass ich hier nicht mehr schreiben werde. Aber nur, wenn mir danach ist. Ich habe noch einige Skripte für Essays, die sich vollendet toll anhören könnten. -> Also keine regelmäßigen Veröffentlichungen mehr, veröffentlicht wird aber noch. Wer das nicht verpassen will: RSS-Feed abonnieren. Wer nicht weiß, was das ist: nachschlagen. Easy.

Email-Liste: mir fiel auf, schon vor einem Jahr dachte ich darüber nach. Die Idee ist, nur Cliffhanger auf dem Blog zu bringen. Die Volltexte gibt es in der Email-Liste und dessen Archiv. Vorteile: eigenes Ökosystem. Der Blog könnte gelöscht werden, es geht weiter mit der Email. Das gefällt mir. Auch die Content-Klauer würde das ihre Sache schwieriger machen. Nachteile: gute Anbieter sind teuer. Meine eigene Infrastruktur mit GNUS ist zur Zeit nur ein Prototyp. Dann auch wieder zu viel Content-Creator-Gehabe. Eine Email-Liste müsste beworben werden. Da das mehr Zeit als das Schreiben meiner Texte verschlingt, sehe ich es als verlockende Falle, in die ich im Leben tappen könnte. Diesmal nicht. Ich will keine Community. Ich will einen Roman. Die Liste kommt, wenn sie kommt. Früher schrieb ich für Leser. Heute schreibe ich für das Regal, das mich überleben soll.

Ausschau

Einige Essays sind noch in der Pipe. Ich werde sicher auch Auszüge aus "meiner Novelle" veröffentlichen. Das Grundproblem war aber: der Blog wurde zu einer Institution, die sich selber beschäftige. Eine Übersetzung nach Esperanto? Ein AI-Bild für den Beitrag? Vollmondspezial? Alles für sich gute Gedanken. Aber als Arbeitsroutine eben auch etwas, was in Arbeit ausarten will. Ich will aber >90% meiner Zeit in das Verfassen der Texte stecken und nicht durch meine eigenen Arbeitsroutinen zunehmend behindert zu werden. Dadurch würde ich die Chance verpassen, mich künsterlisch weiter zu entwickeln. Das ist nicht der Sinn der Sache. Also die Evolution zum Voll-Autor geht nicht mit den Sachen, die ich bisher geschrieben habe.

Was ist mit Hemi-Sync und intelligentem Plasma? — Frag mich das bitte später.

Dank

Ich habe viele Anschreiben von Lesern gerne gelesen und nach bestem Ermessen beantwortet. Ihr habt mir gezeigt, dass es "da draußen" Menschen gibt, die ernsthaft an tiefen Themen interessiert sind und Freude an frischen, ungewöhnlichen Gedanken haben. — Danke.

Dienstag, 28. April 2026

Spiritual Bypassing – und was das eigentliche Problem ist

Bild: Google Gemini


1. Die Probedeutik: Wie Wörter zu Nebel werden

Es gibt Wörter, die man nicht mehr sagen kann, ohne dass alle sofort nicken. Aber keiner weiß mehr, was sie bedeuten. Das sind keine Wörter mehr. Das sind Buzzwörter. Und Buzzwörter wirken nicht auf den Verstand, sondern direkt auf den Bauch. Sie sind der Hypnose-Zuckerwatte-Stab der Content-Industrie.

Nachhaltigkeit – du machst es genau so, sonst bist du böse. Geschlechtergerechtigkeit – du hältst einfach den Mund, sonst bist du gemein. Demokratie – du liebst sie oder du bist raus. Dass Platon Demokratie als Vorletzte der schlechten Staatsformen sah? Egal. Buzzword.

In so einer Umgebung kann man nicht mehr denken. Man kann nur noch emotional mitwippen. Und genau das lieben YouTube-Gurus. Denn ein Mensch, der denkt, kauft keinen 1.999-Euro-Kurs, der ihm sagt, dass er seine Kindheitstrauma atmen soll. Ein Mensch, der mitwippt, schon.

Deshalb plappern alle dasselbe nach. Spiritual Bypassing ist so ein Wort. Alle reden darüber. Aber keiner tut etwas dagegen. Weil: Wer darüber redet, lenkt ab. Vom eigentlichen Problem.

2. Die Goldfisch-Gesellschaft

Hintergrund: Im Jahr 2000 hatte der durchschnittliche Mensch eine Aufmerksamkeitsspanne von 12 Sekunden. 2015 waren es nur noch 8 Sekunden! Ein Goldfisch liegt bei 9 Sekunden. Der Goldfisch gewinnt. Doomscroller verlieren.

Das ist nicht lustig. Das ist ein Drama.

Menschen mit 8 Sekunden Spanne können keine 30 Jahre meditieren. Sie können nicht mal 30 Minuten bewusst atmen. Sie wollen sofort etwas fühlen. Sofort erleuchtet sein. Sofort Recht haben.

Und genau für diese Menschen gibt es Spiritual Bypassing.

3. Was spirituelles Bypassing wirklich ist

Die Außenansicht: > "Spirituelles Bypassing bedeutet, reale Probleme zu ignorieren und stattdessen mit spirituellen Konzepten zuzudecken."

Beispiel: Du hast Angst vor deiner Arbeit. Du meditierst nicht darüber. Du sagst: "Alles ist Schwingung. Ich erhöhe meine Frequenz. Dann löst sich das Problem." Nein. Tut es nicht. Wer sein Trauma wegatmet, atmet auch die Chance weg, wirklich zu heilen. Das kostet Jahre. Manchmal ein ganzes Leben. Die Angst bleibt. Die Arbeit bleibt. Aber du fühlst dich jetzt spirituell überlegen. Das ist Bypassing. Die Innenansicht ist komplizierter. Weitaus komplizierter. Denn: Echte Spiritualität ist langweilig. Echte Esoterik (das Wort bedeutet "innere Lehre") sagt:

  • Meditiere 30 Jahre.
  • Lies 5 dicke Bücher. Und dann die 5 Bücher, die im Vorwort empfohlen werden. Fang einfach vorne an und höre hinten auf.
  • Und nach 30 Jahren merkst du: Du weißt nichts.

Das ist kein Geschäftsmodell. Das ist ein Kloster. YouTube ist kein Kloster. YouTube ist ein Goldfischglas. Und die Goldfische füttern die Gurus.

4. Das eigentliche Problem (und keiner spricht darüber)

Das eigentliche Problem ist nicht Spiritual Bypassing. Das eigentliche Problem ist: Die Leute wollen es genau so. Sie wollen keine 30 Jahre Meditation. Sie wollen ein 30-Tage-Programm, das sie "transformiert", ohne dass sie aufstehen müssen. Sie wollen keine ehrliche Selbstreflexion. Sie wollen hören: "Du bist besonders. Du hast es immer schon gewusst. Die anderen sind nur noch nicht so weit." Das verkauft sich. Das verkauft sich wie warme Semmeln. Und deshalb machen es alle.

Die Gurus verkaufen keine Spiritualität. Sie verkaufen Identität.

  • Der "aufgeklärte Rationalist" bekommt Videos, die sagen: "Du hattest recht. Die Spirituellen sind doof."
  • Der "erwachte Lichtarbeiter" bekommt Videos, die sagen: "Du hattest recht. Die Rationalen sind gefühllos."

Beide zahlen. Beide klicken. Beide bleiben auf dem Bullshit Mountain.

5. Der Mechanismus: Schubladen, die keine sind

Eine Schublade gibt Halt. "Ich bin spirituell." "Ich bin rational." "Ich bin der, der es durchschaut hat." Aber: Du bist nicht die Schublade. Und die Schublade funktioniert nicht wirklich. Der Rationale glaubt, die Welt zu verstehen. Aber 99,9 % des Universums sind Plasma. Das meiste wissen wir nicht. Der Spirituelle glaubt, dass alles Schwingung ist. Aber ein Psychopath schwingt nicht einfach anders – er zerstört Leben. Die Wahrheit ist unbequem und liegt zwischen den Schubladen. Aber zwischen den Schubladen kann man keine YouTube-Kanäle vermarkten.

6. Fazit: Trete zurück und lächele

Was hilft?

  • Erkenne den Bullshit Mountain, wenn du ihn besteigst. Fühlst du dich plötzlich erleuchtet, ohne etwas getan zu haben? Dann bist du auf dem Berg.
  • Frage dich: Will ich wirklich lernen – oder nur recht haben? Bei Recht-haben-Wollen gibt es nur Stillstand.
  • Mach echte Arbeit. Yoga einmal die Woche für ein Jahr ist besser als drei Tage Retreat mit Tränen und Instagram-Fotos. Ein Buch lesen ist besser als zehn Videos schauen. Ein echtes Gespräch ist besser als hundert Kommentare.
  • Und das Wichtigste: Nicht alles ist wichtig. Und über das Wichtige sprechen die wenigsten.

Also: Steig ab vom Bullshit Mountain. Geh durchs dunkle Tal. Lerne langsam. Und lächele dabei.

Nicht, weil alles leicht ist. Sondern weil du endlich wirklich angefangen hast.

Sonntag, 26. April 2026

19:19 Warum ich aufgehört habe, meine Texte zu glätten

Bild Google Gemini

Heute ein Blick in die Künstlerwerkstatt für meine Novelle. Meine Novelle, an der ich immer schreibe. Alles Rohtext, aus dem ich später etwas anderes mache. Oder nicht. Wie es sich anfühlt. Dem Erzähler will ich folgende Worte aus der Seele sprechen lassen.

19:19 Leute in Deutschland, die sich für vollkommen normal halten, haben gegenüber meiner Art der Existenz, eine tief angelegte Feindschaft. — Die sich passiv-aggressiv äußert.

Warum sich Wahrheit immer äußert? Nehmen wir das Beispiel: Medien manipulieren uns auf eine sehr persönliche Weise. Es gibt Leute, die das mit tiefer Inbrunst bestreiten werden. Sie werden dich aus ihrem Leben werfen. Sie werfen dich aus ihrem Leben wie einen Gegenstand, der nicht in ihr Regal passt. — Weil wir fair sind: wir lassen es sie machen. Und schreiben das Beispiel weiter.

Es gab eine Zeit, in der ich die Berichte über gerade "hereingebrochene" Kriege in aller Welt.. Die, die in den Medien wichtig sind.. Ich hielt sie für 100% real. Natürlich stand ich auf "der richtigen Seite". — Heute erscheint es mir wie eine mediale Welle, die durch die Hirne der Leute gepresst werden soll. Mit aller Wucht. Man spürt physisch, wie das Hirn zu einer Empfangsantenne wird. Nicht für Wahrheit. Für Rhythmus.

Da vor Jahrzehnten — der dumme Mensch gewesen zu sein, erschuff das Potential heute, es wie eine gut geschmierte Medien-Maschinerie zu erleben. Es ist bewundernswert, wie viel Energie Menschen in die Maschinerie stecken. Die alten Pyramiden in Ägypten fallen mir dazu ein. — Ja, das war ein Bewusstsein in völliger Dissoziation zu dem kollektiven Wesen, was die passiv-aggressiven Leute in Deutschland, die sich vollkommen für normal halten, mit innerem Eifer bilden. Dieses Wesen atmet nicht. Es taktet.

Aber ich war frei. Wie Colonel Kurtz aus Apocalypse Now: "Die größte Freiheit ist die Freiheit von der Meinung anderer." — Frei sein von Meinungen ist nicht schön. Es ist, als stünde man in einem leeren Raum und alle Wände sind plötzlich durchsichtig.

Ich lese den Satz noch einmal. Zu pathetisch? Ja. Aber roh soll er bleiben. Ich streiche später. Oder nicht. Jedenfalls – ich schalte den Bildschirm aus. Die Nachbarn streiten nebenan. Normales Leben. Ich hole Müll raus. Alles geschlossen in die schwarze Tonne. Habe nicht viel.

Dienstag, 14. April 2026

Bericht: 363 Sitzungen Hemi-Sync

Bild: Google-Gemini


Was dir niemand sagt, weil er es selbst nicht weiß

363 Sitzungen. 215 Stunden. Das ist kein Hobby mehr. Das ist eine zweite Lebenspraxis neben dem, was die Leute "Wirklichkeit" nennen.

Heute - endlich mal wieder - ein Artikel über Hemi-Sync. Wenn du mehr über diesen Themenkomplex erfahren willst, lies bitte im Archiv die anderen Berichte: Archivlink.

Mein Status

Regelmäßig mache ich Hemi-Sync. Zähle die Sitzung. Führe ein Logbuch. Aber die innere Bereitschaft darüber zu schreiben? Die hat sich verändert.

"Lieber nicht", sage ich mir. Wen kann ich überhaupt erreichen? Den, der verstehen kann. Andere nicht. Ist das wichtig? Oder ist es nicht einfach privat?

Das Übersinnliche wird privat. Ein Effekt: Da, wo ich mit meinen Übungen hinkomme, ist der Ort, an dem ich schon immer war. Es ist nichts Neues. Ein Sich-Erinnern. Dann spiegeln sich die Probleme meines Lebens in diesen Übungen. Das ist privat. Vulnerabel. Das mindert die Freude, sich mitzuteilen.

Die verschwundenen YouTuber

Die Freude ist am Anfang sehr groß. Alle YouTuber, die in meiner Zeit einen enthusiastischen Kanal über ihre Hemi-Sync-Erfahrungen gemacht haben, haben ihren Kanal gelöscht. Oder wurden gelöscht. Keiner von meinen Mitstreitern ist übrig geblieben.

Das ist ein Fakt.

Sie haben nicht aufgehört, weil sie nichts mehr zu sagen hatten. Sie haben aufgehört, weil sie zu viel gesehen haben.

Schade. Denn in diesen Videos wurden absolut treffende Beobachtungen geschildert. Sachen, die sich reproduzieren lassen. Aber sie sind weg. Als hätte es sie nie gegeben.

Die große Verdrängung

Natürlich wird der Aspekt der Selbsthypnose bei Hemi-Sync völlig außer Acht gelassen. Das ist der Grund, warum ich zwischen den Stühlen hänge. Ich finde das Programm wunderbar, aber aus genau dem Grund, der auch offiziell benutzt wird: Entspannung mit Frequenzen, kaum erklärt, und Selbsthypnose. Unabhängig von weltanschaulichen Dogmen.

In diesem Zustand erfolgt ein Kontakt mit dem Unbewussten. Das Training besteht darin, diesen Kontakt zeitlich zu verlängern. Das klingt vernünftig.

Produziert das Unbewusste aber eine Engelpersönlichkeit, die mit dir eindrucksvoll kommuniziert, oder ein Geist aus der Vergangenheit steht bei der Übung an deinem Bett – dann wird es schwer zu rationalisieren. Daran kann einer scheitern.

Das Unbewusste ist auch bei luziden Träumen und psychedelischen Trips "frei" – oder besser: Das Ich ist "frei", diese enorme kreative Schaffenskraft zu sehen. Dadurch, dass es rigide ausgeschaltet oder fragmentiert wird. Dann entstehen die Visionen.

Denke auch an Nahtodeserlebnisse. Ich habe ein Dunkelretreat mit zwei Wochen absoluter Dunkelheit gemacht. Nach 24 Stunden siehst du Lichter, die sich zu Szenerien und Figuren verdichten. In Indien gibt es Praktiken, die das jahrelang tun.

Was du trainieren kannst

Kommunikation mit dem Unbewussten öffnet das Reich der Magie und der ewigen Gleichnisse. Das ist objektiv besser, als seine Zeit mit Doomscrollen zu verbringen oder dunklen Träumen ausgeliefert zu sein. Kaum ein Mensch kann klarträumen. Man ist seinen Träumen ausgeliefert. Weil alle es sind.

Das ist der soziale Normzustand.

Aber es ist kein gutes, intensives, kreatives Leben. Objektiv ist das ein schlechtes Leben.

Der blinde Fleck

Hypnose ist wissenschaftlich anerkannt. Dass dein Leben eine Hypnose ist, über die du nur nie aufgeklärt wurdest – das ist der blinde Fleck der Aufklärung.

Suggestionen sind wirksam. Darum wird in den Nachrichten immer dasselbe gesagt. Darum gibt es Richtlinien, wie etwas öffentlich gesagt werden darf. Für angestellte Journalisten verbindlich. Der Biedermann übernimmt es in vorauseilendem Gehorsam.

In seiner Welt ist es absolut so. Es materialisiert sich.

Meine weiteren Versuche

Eine App mit Binaural Beats erzeugt eine Frequenz, auf die das Gehirn sich synchronisieren kann. Darüber lege ich Ambient, Trance, ruhige Geräusche. Nach zehn Minuten passieren ähnliche Dinge wie bei Hemi-Sync.

Nur: Hemi-Sync suggeriert einen Ablauf – die metaphysische Reise ins Land der Toten und einen Schritt weiter. Bei meinen Binaural-Beat-Versuchen hatte ich oft Zufallslandschaften, mit denen ich emotional in Kontakt zu alten Lebensereignissen treten konnte. Wiedererinnern.

Kleiner Tipp: Es gibt eine Konditionierung. Wenn bei diesem Setting etwas "nach oben kommt", will der Verstand es wegrationalisieren. Er suggeriert: "Da ist nichts." Und sofort es verschwinden.

Daran wird das Projekt scheitern. Weil genau dieser rationale Einwand die Trance vermindert. Die Transzendenz wird nicht erfolgen.

Darum übe ich systematisch. Hier ist es so wie mit der inneren Prinzessin aus meinem Essay über das Riechen: Link ist hier. Das ist ein sehr wichtiger Punkt.

Die falsche Frage

Die falsche Frage ist: Ist diese Vision real?

Die richtige Frage ist: Warum nennst du deinen Alltag real, wenn er dich wie ein fremdgesteuerter Traum durch den Tag schiebt?

Wenn man diese Hemi-Sync-Erfahrungen gemacht hat, kommt eine viel wichtigere Frage hervor: Inwieweit ist die reale Welt real?

Gedanken formen das Leben. Warum wird beinahe jeder Gedanke, den du denken könntest, in den Medien vorgekaut und bei Gefahr gelöscht? Es gibt Dinge, die du nicht mal denken darfst.

Realitätsdesign.

Warum die coole Jetztgruppe, die einfach nur konsumiert? Warum die Ewiggestrigen, die Common Lisp und Esperanto lieben? Unmoderne Sachen? Weil sie gut und kostenlos sind. Das ist die Gefahr für die designte Welt, die in großen Teilen das Denken eines Marktes ist, der nur durch Gelddrucken und Konsum am Leben gehalten werden kann.

Und dann die Kriege, die bedenkenlos vom Zaun gebrochen werden. Das ist nicht zwingend Realität. Das ist eine bewusste Kreation eines gewissen Denkens.

Der Compiler

Ich musste einmal in einem luziden Traum feststellen, dass das Unbewusste, das diesen Traum erschuf, eine regelrechte Universum-Erschaffungs-Maschine ist. Die Traumwelt war so groß, so real. Ich war gerührt.

Hatte ich den Compiler gefunden?

Hatte ich das gesellschaftliche Drama entschlüsselt, warum alle genötigt werden, die "reale Welt" mit ihren Börsen, Kriegen und Katastrophen real nennen zu müssen?

Im alten Rom durfte man die Gotthaftigkeit des Imperators nicht bestreiten. Mehr noch: Man musste selbst daran glauben. Mit Inbrunst.

Herrschaftsmechanik.

Heute ist der Imperator das vermeintlich "wissenschaftliche Denken" – ein Relikt des letzten Jahrhunderts. Materialistische Ansichten werden hoch- und runtergepredigt. Das Doppelspaltexperiment, das längst die bekannte Physik gesprengt hat, hat darin nicht stattgefunden. Und wird es nicht.

Quintanerdenken.

Die letzte Wahrheit

Die Mathematik ist das einzige, was real sein kann. Denn zwischen den Dingen, die außerhalb deiner selbst sein sollen – was kann da anderes als die Mathematik erklärend sein?

Das Leben ist nicht Mathematik, kann aber mathematisch dargestellt werden.

Die Mathematik lügt nicht. Aber der Mediokre verwechselt das Rechenschema mit dem, was gezählt werden darf.

Ein Sextaner kann dir den Dreisatz erklären. Aber frag ihn, wer seinen Alltag designt – und er wird dir antworten wie ein römischer Bürger: mit den Worten seines Imperators.

363 Sitzungen. 215 Stunden. Ich bin da angekommen, wo ich schon immer war. Und das ist der Punkt, den kein Bürger verstehen kann: Du bist auch dort. Du weißt es nur nicht.

Freitag, 3. April 2026

Gnus oder: Warum ich meinen Email-Client als Lebensform betrachte

Vorbemerkung

Dieser Essay ist ein Übungsstück. Wie alle meine Texte. Er entstand an einem Freitag, dem fünfundachtzigsten dieser Serie, und er handelt von einem Programm, das älter ist als die meisten Menschen, die heute Software entwickeln.

Es handelt von Gnus.

Bild: Googlo Gemini


Wer Gnus nicht kennt, wird diesen Text wahrscheinlich nicht verstehen. Das ist gut. Denn wer ihn versteht, gehört zu einer kleinen Gilde von Menschen, die sich entschieden haben, Dinge anders zu machen. Nicht weil es einfacher ist. Sondern weil es richtiger ist.

Was ist Gnus?

Gnus ist ein Newsreader. Ursprünglich geschrieben 1987, um Usenet-Newsgroups zu lesen. Später kam Email dazu. Viel später wurde es zu einem Monster: einem Programm, das alles lesen kann. Mail. Newsgroups. RSS-Feeds. Archive. Dateien.

Gnus läuft in Emacs. Natürlich.

Es hat keine grafische Oberfläche im modernen Sinne. Keine Buttons. Keine schwebenden Menüs. Keine animierten Übergänge. Es hat eine Gruppenübersicht, eine Zusammenfassung und einen Artikelbuffer. Mehr braucht es nicht.

Gnus ist hässlich. Es ist kompliziert. Es ist übermächtig. Und es ist das beste Programm, das ich je benutzt habe.

Was, wenn Gnus nicht "hässlich" ist - sondern wir verlernt haben, Schönheit in Komplexität zu sehen? Was, wenn die ASCII-Bäume schöner sind als jedes geschweifte Icon?

Die steilste Lernkurve

Ich habe über Common Lisp geschrieben: Wähle den Weg mit der steilsten Lernkurve. Meistere sie und dann hast du was gelernt.

Gnus ist dieser Weg.

Die Dokumentation umfasst tausende Seiten. Die Konfiguration ist ein eigenes Projekt. Die Tastaturkürzel sind so zahlreich, dass man sie nicht lernen, sondern nur erleben kann.

Am Anfang scheitert man. Man konfiguriert einen IMAP-Server, und Gnus zeigt nichts an. Man stellt die authinfo ein, und es fragt trotzdem nach dem Passwort. Man richtet das Senden ein, und die Mails verschwinden im Nirgendwo.

Das ist normal.

Die steile Lernkurve ist kein Bug, sondern ein Feature. Denn sie filtert. Sie filtert diejenigen, die es wirklich wollen, von denen, die nur einen Email-Client suchen.

Die Elfen von Gnus

Irgendwann passiert es: Man schreibt M-x gnus, und die Gruppenliste erscheint. Man öffnet eine Gruppe, und die Threads entfalten sich als ASCII-Bäume. Man drückt RET, und der Artikelbuffer füllt sich mit Text.

In diesem Moment hört man sie: die Elfen von Gnus.

Sie klingen anders als die Common-Lisp-Elfen. Älter. Weiser. Sie tragen Bärte aus Tastaturkürzeln und sprechen in RFCs. Aber sie haben das gleiche, grundlose Lächeln.

Warum Gnus?

Warum benutzt man einen Newsreader aus 1987 für Email?

Die kurze Antwort: Weil es funktioniert. Gnus behandelt alles als news. Ein IMAP-Ordner ist eine Newsgroup. Ein RSS-Feed ist eine Newsgroup. Ein Archiv ist eine Newsgroup. Man braucht kein anderes Programm, keine Synchronisation, keine Umwege. Nur Gnus.

Die längere Antwort: Weil Gnus die richtige Philosophie hat. Es geht nicht darum, schnell zu sein. Es geht nicht darum, hübsch zu sein. Es geht darum, dass ich die Kontrolle habe. Jeden Aspekt. Jede Farbe. Jede Tastenkombination. Jeden Thread.

Die längste Antwort: Weil ich in einer Welt lebe, in der alles vereinfacht wird. Apps, die mir sagen, was ich lesen soll. Filter, die entscheiden, was wichtig ist. Algorithmen, die mich managen. Gnus macht das nicht. Gnus zeigt mir alle Gruppen. Alle Threads. Alle Mails. Ich entscheide.

Die Konfiguration

Ich zeige nicht meine gesamte ~/.gnus. Sie ist zu lang, zu persönlich. Aber die Struktur ist einfach:

;; Der Hauptserver. Direktes IMAP. Kein mbsync, kein offlineimap.
(setq gnus-select-method
      '(nnimap "mein-server"
	       (nnimap-address "imap.meine-domain.de")
	       (nnimap-server-port 993)
	       (nnimap-stream ssl)))

;; Zweitaccounts. Gmail. Mailinglisten über nntp.
(setq gnus-secondary-select-methods
      '((nnimap "gmail"
		(nnimap-address "imap.gmail.com")
		(nnimap-server-port 993)
		(nnimap-stream ssl))
	(nntp "gmane"
	      (nntp-address "news.gmane.io"))))

;; Passwörter. Verschlüsselt. Einmal eingerichtet.
;; ~/.authinfo.gpg enthält die Zugangsdaten.

;; Senden über msmtp. Ausgelagert. Einfach.
(setq send-mail-function 'sendmail-send-it)
(setq message-send-mail-function 'sendmail-send-it)
(setq sendmail-program "/usr/bin/msmtp")

Das war die erste Woche.

Danach kam die Ästhetik:

(setq gnus-summary-line-format
      "%U%R%z %(%&user-date;  %-15,15f  %B (%c) %s%)\n")
(setq gnus-sum-thread-tree-root "● ")
(setq gnus-sum-thread-tree-false-root "○ ")
(setq gnus-sum-thread-tree-single-indent "  ")
(setq gnus-sum-thread-tree-leaf-with-other "├► ")
(setq gnus-sum-thread-tree-single-leaf "╰► ")

Das war die zweite.

Der Alltag mit Gnus

Jeden Morgen: M-x gnus. Die Gruppenliste erscheint. J S für neue Gruppen. L für alle Gruppen mit ungelesenen Mails.

Die Übersicht: INBOX (23). gmane.emacs.gnus.general (5). RSS (12).

Ich öffne INBOX. Drücke A T, um alle Threads zu zeigen. Sehe wer geantwortet hat. Wer nur zitiert. Wer wirklich etwas zu sagen hat.

Ich lese. Drücke d für gelesen. ! für wichtig. C-d für gelöscht. # für später.

Ich antworte. R für Reply. C-c C-c für senden. Alles im selben Buffer.

Das klingt nach Arbeit. Ist es auch. Aber es ist meine Arbeit. Kein Algorithmus hat entschieden, was ich sehe. Keine künstliche Intelligenz hat Mails sortiert. Kein Manager hat mir eine Strategie vorgegeben.

Ich lese, was ich lesen will. Ich antworte, wem ich antworten will. Ich archiviere, was ich archivieren will.

Die stille Radikalität

Gnus ist radikal. Nicht weil es politisch wäre. Sondern weil es die Logik der modernen Welt verweigert.

Die moderne Welt sagt: Mach es einfach. Gnus sagt: Lerne es.

Die moderne Welt sagt: Sei effizient. Gnus sagt: Sei gründlich.

Die moderne Welt sagt: Folge den Best Practices. Gnus sagt: Baue deine eigenen.

Gnus ist das Werkzeug des Amateurs im ursprünglichen Sinne: amare, lieben. Ich liebe dieses Programm, weil es mich zwingt, langsamer zu sein. Weil es mich zwingt, nachzudenken. Weil es mich zwingt, zu entscheiden.

Warum ich diesen Text schreibe

Ich schreibe diesen Text nicht, um jemanden zu überzeugen.

Wer mit Emacs arbeitet, findet früher oder später zu Gnus. Oder auch nicht. Die meisten bleiben bei mu4e oder notmuch. Das ist gut. Jeder seine eigene steile Lernkurve.

Ich schreibe diesen Text, weil ich etwas festhalten will. Einen Moment. Eine Entscheidung.

Ich habe mich entschieden, meinen Email-Client nicht als Werkzeug zu betrachten. Sondern als Lebensform. Als Ausdruck einer Haltung, die sagt: Ich lasse mich nicht managen. Ich lese selbst. Ich entscheide selbst. Ich antworte selbst.

Gnus ist mein silbernes Gewand. Es ist nicht bequem. Es ist nicht modern. Es ist nicht einfach.

Aber es ist meins.

Post scriptum

Einmal fragte mich jemand: Warum machst du das?

Ich zeigte ihm meine Gruppenliste. Die ASCII-Bäume. Die tausend Tastaturkürzel. Das Lächeln der Elfen, das sich in jedem Buffer verbirgt.

Er verstand nicht.

Das war der Moment, in dem ich wusste, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Die Postapokalypse hat erst begonnen. Die Frage ist nicht, welchen Email-Client du wählst. Die Frage ist: Welches Volk wählst du?

Die Elfen von Gnus warten. Ihre Klammern sind die Pforten.

M-x gnus

Anhang: Minimales Setup

Für diejenigen, die es doch versuchen wollen:

  1. ~/.gnus mit den drei obigen Blöcken
  2. ~/.authinfo.gpg mit den IMAP-Zugangsdaten
  3. msmtp installieren und ~/.msmtprc konfigurieren
  4. M-x gnus drücken und warten

Die ersten drei Tage sind frustrierend. Die nächsten drei Wochen sind verwirrend. Danach willst du nichts anderes mehr.

Das verspreche ich nicht. Aber die Elfen versprechen es.

Dieser Beitrag ist der zweite Teil meiner Serie über gute Computerkultur. Den ersten Teil mit Common Lisp findest du hier.

Donnerstag, 2. April 2026

Vollmondspezial: Denken in der post-UFO-Epoche

Oder: Warum wir die falsche Frage stellen, während das Antworten vor unseren Augen tanzt

Eine Lagerfeuererzählung für die, die plötzlich merken, dass sie die Sprache vergessen haben, in der die Steine sprechen

Bild: Google Gemini


Setz dich. Ich meine das jetzt wirklich so. Nicht virtuell, nicht "ich schicke dir einen Link". Setz dich hin, wo du gerade bist, und stell dir vor, es brennt ein Feuer. Nicht zu groß, nicht zu klein. Genug Licht, um die Gesichter derer zu sehen, die mit dir sitzen. Genug Dunkelheit, um zu wissen, dass der Wald um uns herum nicht leer ist.

Ich will dir eine Geschichte erzählen, die keine ist. Oder vielleicht doch. Kommt darauf an, wie gut du zuhörst.

I. Die zwei Propheten und das Schweigen der Masse

Du kennst das Spiel. Es heißt "UFO-Szene" und wird seit Jahrzehnten gespielt, aber irgendwann um 2020 herum ist es richtig in Fahrt gekommen. Jetzt sitzen da zwei Männer, die das Spielfeld teilen, ohne sich je zu treffen.

Richard Dolan. Der mit der Brille. Der, der Bücher schreibt, die wie Ziegelsteine aussehen. Der sich durch Archive wühlt, als ob die Wahrheit im Staub der Aktenordner vergraben läge. Er ist der, bei dem du sagst: "Okay, der macht Hausaufgaben." Seine Zuschauer nicken ernst. Sie haben alle mindestens ein Buch von ihm gelesen, vielleicht zwei. Sie wissen, dass der Kalte Krieg nie wirklich aufgehört hat, er hat sich nur verkleidet.

Und dann ist da Steven Greer. Der mit dem Lächeln. Der, der dich anruft, wenn du genug Geld spendest. Der im Scheinwerferlicht steht und sagt: "Ich habe die Beweise. Ich habe die Kontakte. Ich habe mit ihnen gesprochen." Seine Leute haben keine Bücherregale, sie haben Visionen. Sie haben dieses Leuchten in den Augen von Menschen, die wissen, dass sie etwas wissen, was andere nicht wissen.

Good Cop. Bad Cop. Aber wer ist hier eigentlich der Gute?

Schau genauer hin. Dolan spricht zu den Nerds. Greer spricht zu den Gläubigen. Aber was beide tun, ist Content produzieren. Und das ist der Punkt, an dem meine Finger anfangen, nervös den Stock im Feuer hin und her zu schieben.

Denn Content – das ist doch dieses seltsame Wort, das wir erfunden haben, als wir vergaßen, was Geschichten sind. Content ist nicht wahr oder falsch. Content ist verfügbar. Content ist das, was den Feed füllt, damit er nicht leer aussieht.

Und weißt du, was mir aufgefallen ist? Wenn du all diesen Content zusammennimmst – all die Podcasts, all die YouTube-Videos, all die Bücher, die sich gegenseitig zitieren, als ob sie in einer geschlossenen Gesellschaft leben – dann passiert etwas Merkwürdiges:

Sie erzählen immer dieselben Geschichten.

Roswell. Nimitz. Phoenix Lights. Belgische Dreiecke. Die Fälle wandern durch die Kanäle wie wandernde Nomaden, die nie ankommen. Und mit jedem Mal, wenn sie erzählt werden, werden sie glatter. Runder. Leichter zu verdauen. Am Ende sind sie nicht mehr seltsam. Am Ende sind sie Fälle. Aktenzeichen. Museumsexponate.

Und die eigentliche Frage – die Frage, die dich nachts wachhalten würde, wenn du sie einmal richtig formuliert hättest – die Frage wird nie gestellt.

Sondern: Wo kommen diese Geschichten her?

Ich will nicht sagen, dass sie erfunden sind. Das wäre zu einfach. Und zu dumm. Aber ich will sagen: Sie kommen alle aus demselben Filter. Aus demselben Schlauch. Aus derselben Institution, die seit 1947 gelernt hat, wie man Informationen so dosiert, dass sie sich wie Enthüllungen anfühlen, aber niemals wie Befreiung.

US-Behörden. Geheimdienste. Militär. Immer. Jede große UFO-Geschichte hat einen Stempel, der, wenn man genau hinschaut, nach "Made in USA" riecht. Nicht weil alles Fake ist. Sondern weil nur das durchkommt, was durchgelassen wird.

Das ist keine Verschwörung. Das ist Informationsökologie. Ein Filter, der sich selbst nicht als Filter wahrnimmt.

II. Das Bild, das im Kopf bleibt, während du denkst, du denkst

Und hier wird es interessant. Hier wird es unheimlich.

Weißt du, was passiert, wenn Millionen von Menschen jahrelang Geschichten über "kleine grüne Männchen" (oder jetzt: "graue Wesen mit großen Augen") hören? Auch wenn sie es nicht glauben. Auch wenn sie sagen: "Ich bin skeptisch, ich warte auf Beweise."

Das Bild bleibt.

Es wohnt jetzt in deinem Kopf. Nicht als Überzeugung. Als mögliche Option. Als die erste Kachel, die aufpoppt, wenn das Wort "UFO" fällt. Du kannst noch so sehr sagen: "Ich halte nichts von diesen Geschichten" – das Bild ist da. Es ist installiert.

Und dann hörst du CropFM. Oder einen anderen Podcast, bei dem die Anrufer ihre Sichtungen schildern. Lichter am Himmel. Objekte vor dem Fenster. Formen, die sich verändern. Amöbenhaft. Ticktack-förmig. Irgendwas, das zu reagieren scheint, wenn man hinschaut.

Und was ist die erste Interpretation? Nicht: "Was für ein faszinierendes atmosphärisches Phänomen." Nicht: "Plasma, das sich selbst organisiert." Nicht: "Elektromagnetische Lebensform, die wir nicht verstehen."

Sondern: "UFO. Vielleicht Besuch. Vielleicht Warnung. Vielleicht Kontakt."

Die Maschine im Kopf hat schon sortiert, bevor du überhaupt angefangen hast nachzudenken.

III. Nimitz und die Drohnen, die keine sein müssen

Kommen wir zum berühmtesten Fall der letzten Jahre. Nimitz. 2004. Flugzeugträger. Radarschirme. Tic Tac-Objekt. Von Piloten gesehen. Von Sensoren erfasst. Vom Pentagon bestätigt.

Wow. Oder?

Ich will das nicht wegreden. Ich will nur eine Frage stellen, die ich noch nie in einem dieser tausend Podcasts gehört habe:

Was wäre, wenn das einfach moderne Militärtechnologie war?

Überleg mal. Flugzeugträger. Perfekte Testumgebung. Neue Drohnen. Neue Tarnkappentechnik. Neue Antriebe. Du schickst deine neueste Spielzeuggeneration raus, schaust, wie die Besatzung reagiert, was die Sensoren erfassen, wie sich das Ding in einer realen Umgebung verhält. Und der Besatzung sagst du natürlich nichts. Das würde den Test verfälschen.

Das ist 1000x wahrscheinlicher als "außerirdische Intelligenz besucht uns genau hier, genau jetzt, mit genau diesem einen Objekt, das genau von unseren Militärsensoren erfasst wird".

Aber diese Interpretation – die banale, die wahrscheinliche, die im gleichen Gebäude wie die Zeugen entstanden sein könnte – diese Interpretation wird nie laut ausgesprochen. Warum?

Weil sie nicht in das Bild passt.

Weil sie den Zauber zerstört.

Weil sie aus der großen Frage "Wer sind sie?" eine kleine Frage macht: "Wessen Drohnen sind das?"

Und kleine Fragen verkaufen sich nicht. Kleine Fragen füllen keine Arenen. Kleine Fragen machen keine Influencer reich.

IV. Das Buch, das keiner liest, und der Blitz, den keiner sieht

Aber jetzt komm ich zu dem Teil, der mich wirklich umtreibt. Dem Teil, der keinem Podcast-Typen Geld bringt. Dem Teil, der so seltsam ist, dass man ihn kaum aussprechen kann, ohne wie ein Spinner zu klingen.

Robert Temple. A New Science of Heaven. Kennst du das Buch? Wahrscheinlich nicht. Es ist eines dieser Bücher, die existieren, aber nicht existieren. Die du in keiner Bestsellerliste findest. Die von niemandem zitiert werden. Die wie ein Geist durch die Welt gehen.

Worum geht's? Plasma.

Nicht das Plasma in deinem Fernseher. Nicht das Plasma in der Kernfusion. Sondern intelligentes Plasma. Plasma, das sich selbst organisiert. Plasma, das Informationen speichert. Plasma, das lebt.

Und plötzlich merkst du: 99% des sichtbaren Universums sind Plasma. 99%. Und wir wissen fast nichts darüber. Wir haben eine Plasmaphysik, ja. Aber die beschäftigt sich mit magnetischen Feldern und Wellen und Turbulenzen. Nicht mit der Frage: Was passiert, wenn sich Materie in einem Zustand befindet, der weder fest noch flüssig noch gasförmig ist, und sich dennoch verhält wie ein Organismus?

Mein Vater erzählte mir mal von Kugelblitzen. Andächtig. Mit dieser Stimme, die man benutzt, wenn man etwas erzählt, das man selbst nicht ganz glauben kann, aber auch nicht ganz vergessen. Das war in den 80ern. Seitdem – Jahrzehnte Podcasts, tausend obskure Sendungen, hunderte Bücher – habe ich nie wieder über Kugelblitze gehört. Nicht einmal am Rande.

Dabei sind Kugelblitze das perfekte Beispiel. Sie erscheinen. Sie schweben. Sie reagieren auf Beobachter. Sie verändern ihre Form. Sie schweben durch Wände. Sie verschwinden spurlos. Keine Erklärung. Kein Modell. Nur Beobachtungen, die in keine Schublade passen.

Was, wenn das Plasma ist? Was, wenn das eine Lebensform ist, die wir nicht erkennen, weil sie in einem Aggregatzustand existiert, den wir noch nicht verstehen? Was, wenn das, was wir "UFO" nennen, manchmal genau das ist: Plasma, das sich selbst organisiert, das auf elektromagnetische Felder reagiert, das vielleicht sogar bewusst ist, aber mit einem Bewusstsein, das wir nicht messen können, weil unser Messinstrument immer nur uns selbst sucht?

V. Der Bias, der uns blind macht

Das ist die eigentliche Pointe. Die wirklich tiefe. Die, die wehtut.

Wir definieren Intelligenz so, dass wir immer am besten abschneiden.

Wir haben IQ-Tests erfunden, die wir selbst bestehen. Wir haben "Bewusstsein" definiert als das, was wir haben und andere (Tiere, Maschinen, Natur) nicht. Wir haben "Rationalität" zu unserem Markenzeichen gemacht, während wir mit unseren Ängsten und Hoffnungen jonglieren wie Jongleure, die nicht merken, dass die Bälle brennen.

Spinoza sagte: Alles ist nur eine Abstufung desselben Lebens. Alles, was ist, atmet in derselben Substanz. Das klingt esoterisch. Aber vielleicht ist es einfach Definition. Vielleicht ist es die ehrlichere Definition. Denn wenn du sagst: "Intelligent ist, was Probleme lösen kann", dann gewinnt immer der Mensch. Wenn du aber sagst: "Intelligent ist, was sich selbst erhält und in Beziehung tritt" – dann gewinnt plötzlich der Pilz. Das Myzel unter deinen Füßen, das größer ist als jedes Tier, älter als jeder Baum, vernetzter als jedes Internet.

Weniger als 1% der Bodenorganismen sind uns bekannt. 99% des Weltalls sind Plasma.

Und wir reden über Raumschiffe.

VI. Die Konsumgesellschaft und das Bewusstsein, das pulverisiert werden würde

Jetzt komm ich zu dem, was du vielleicht schon geahnt hast, als du dich hingesetzt hast. Der Grund, warum dieses Feuer hier brennt und nicht in den großen Hallen der Konferenzen.

Stell dir vor, du würdest wirklich anfangen, so zu denken. Stell dir vor, du würdest die UFO-Frage nicht stellen als "Kommen sie oder kommen sie nicht?" Sondern als: "Was für eine Art von Leben ist möglich in einem Universum, das zu 99% aus Plasma besteht?"

Stell dir vor, du würdest Kugelblitze nicht als Kuriosität abtun, sondern als Botschafter. Nicht im Sinne von "sie wollen uns etwas sagen", sondern im Sinne von: sie zeigen uns, dass unser Begriff von Leben zu klein ist.

Stell dir vor, du würdest verstehen, dass dein Bewusstsein vielleicht ein Seiteneffekt einer elektromagnetischen Veränderung im Kosmos ist. Und das Bewusstsein der Schnecke auch. Und das des Plasmas auch. Und dass alles miteinander interagiert. Ein großes, atmendes Netz. Ein Mega-Bewusstsein, wenn du so willst. Spinoza lässt grüßen.

Weißt du, was dann passiert?

Dann wirst du nicht mehr zum Influencer gehen, um zu erfahren, ob die kleinen grauen Männchen jetzt endlich landen. Dann wirst du in den Wald gehen. Oder ans Meer. Oder einfach vor die Tür, um zu sehen, ob die Wolken heute anders aussehen. Dann wirst du anfangen, dein eigenes Bewusstsein zu beobachten, nicht um es zu optimieren, sondern um zu verstehen, wie es im großen Netz hängt.

Und genau das – genau das – kann unsere Konsumgesellschaft nicht haben.

Denn eine Gesellschaft, in der Menschen anfangen, ihr Bewusstsein als Teil eines kosmischen Plasmas zu erfahren, kauft keine neuen iPhones mehr. Oder doch, aber anders. Nicht aus Angst, etwas zu verpassen. Sondern weil sie verstehen, dass alles, was ist, schon da ist.

Das ist nicht gewünscht.

Deshalb springen Verteidigungsmechanismen an, wenn du so denkst. Nicht nur bei dir. Bei allen. Deshalb gibt es tausend Podcasts über UFOs und keinen über Plasma-Lebensformen. Deshalb ist "UFO" ein Markt und "Bewusstseinsökologie" eine Randnotiz. Deshalb werden die Bilder von den grauen Wesen immer wieder neu geliefert, während die Kugelblitze in den Archiven der Vergesslichkeit verstauben.

VII. Entwicklungspotential oder: Die Tür, die nur du öffnen kannst

Ich will dir jetzt nichts versprechen. Keine "In-6-Wochen-zum-Erleuchteten"-Kurse. Keine Methode. Keine 5-Schritte-Programme.

Aber ich will dir sagen, was passiert, wenn du anfängst, diese Fragen wirklich zu stellen.

Erstens: Du wirst einsam. Nicht im negativen Sinn. Aber du wirst merken, dass die meisten Menschen nicht darüber reden wollen. Sie haben zu viel investiert in die andere Geschichte. Sie haben zu viele Podcasts gehört, zu viele Bücher gelesen, zu viele Videos geliked. Ihr Selbstbild hängt jetzt an der Frage "Glaubst du an UFOs oder nicht?" Und wenn du kommst und sagst: "Die Frage ist falsch gestellt" – dann bist du derjenige, der das Spiel kaputtmacht.

Zweitens: Du wirst anfangen, anders zu sehen. Du wirst Lichter am Himmel nicht mehr als "UFO" kategorisieren, sondern als "Phänomen, das ich nicht verstehe". Du wirst dein eigenes Bewusstsein nicht mehr als "mein Gehirn" verstehen, sondern als "Teil von etwas, das mich übersteigt". Du wirst Pilze respektieren. Du wirst Wolken anschauen, als ob sie mit dir sprechen. Vielleicht tun sie das.

Drittens: Du wirst entdecken, dass es andere gibt. Nicht viele. Aber ein paar. Die auch am Feuer sitzen. Die auch die falschen Fragen satt haben. Die auch spüren, dass in der post-UFO-Epoche etwas Neues geboren werden will, etwas, das noch keinen Namen hat.

Viertens: Du wirst anfangen, zu forschen. Nicht im Sinne von "ich lese fünf Bücher und zitiere sie". Sondern im Sinne von: du gehst raus. Du beobachtest. Du machst dir Notizen. Du entwickelst deine eigene Sprache für das, was du siehst. Du wirst zum Amateur im ursprünglichen Sinn: jemand, der etwas liebt, ohne bezahlt zu werden.

Fünftens: Du wirst erkennen, dass die Trennung zwischen "drinnen" und "draußen" vielleicht die größte Illusion ist. Zwischen "mein Bewusstsein" und "das Bewusstsein des Plasmas". Zwischen "Mensch" und "Universum". Dass wir vielleicht alle nur Wellen auf demselben Ozean sind. Und dass die UFOs – wenn es sie denn gibt – vielleicht nur die Wellen sind, die besonders hoch schlagen.

Schluss: Das Feuer und der Wald

Ich lösche das Feuer jetzt nicht. Ich lasse es brennen. Du kannst gehen, wenn du willst. Oder du kannst bleiben und in die Glut starren, bis die Formen anfangen, sich zu bewegen.

Die Frage ist nicht: "Glaubst du an UFOs?"

Die Frage ist: "Bist du bereit, dein eigenes Bewusstsein als Phänomen zu verstehen, das du nicht kontrollierst?"

Die Frage ist: "Kannst du ertragen, dass du vielleicht nur ein Gast in einem Universum bist, das von Wesen bewohnt wird, die du nicht siehst, nicht hörst, nicht misst – und die trotzdem da sind?"

Die Frage ist: "Was passiert mit dir, wenn du aufhörst, Antworten zu suchen, und anfängst, Fragen zu lieben?"

Die alten sprachen von Engeln. Wir sprechen von UFOs. Vielleicht meinen wir dasselbe. Vielleicht haben wir nur die Sprache gewechselt, weil wir vergessen haben, wie man mit dem spricht, was nicht spricht.

Aber der Wald ist da. Die Kugelblitze sind da. Das Plasma tanzt vor unseren Augen, und wir nennen es "Lichtverschmutzung".

Irgendwann – vielleicht heute Nacht, vielleicht in zehn Jahren – wird einer von uns aufstehen, in den Wald gehen, und nicht wiederkommen. Nicht weil er verschwunden ist. Sondern weil er endlich verstanden hat, dass man nicht nach Hause kommt, wenn man nie weg war.

Und die anderen werden weiter Podcasts hören. Weiter Fragen stellen, die keine Antworten brauchen. Weiter warten auf die Landung, die nie kommt, weil sie schon immer da war.

Ich bleibe noch ein bisschen am Feuer. Falls du gehen willst – der Weg ist gut beleuchtet. Von den Lichtern da drüben.

Donnerstag, 26. März 2026

Angriff der AI-Texte (2) - Gedankenkarambolage

Bild: Google Gemini


Der folgende Text ist eine - versprochene - Fortsetzung des Essays Angriff der AI-Texte(1) -> LINK hier. Der Artikel ist bewusst notizbuchartig, da es sehr viel für nur einen Artikel ist, und ich das Thema durch haben will. Platz für neue Inspirationen.

Was bisher geschah?

Ich wollte die beiden exotischen Programmiersprachen Forth und Pharo testen. Beide Sprache bieten Live-Programming. Beide Sprachen sind alt. Wobei ich mit Pharo am Ende die Programmfamilie Smalltalk meine. Smalltalk ist Programmiergeschichte, während Pharo.. na ja warten wir noch mit der Beurteilung.

Dabei traf ich auf zwei, sehr aktuelle Bücher:

  1. Forth Fundamentals
  2. Pharo Essentials
  3. Beide Bücher vom selben Autor: Robert Johnson. Derselbe Verlag: HiTeX Press Verlag.
  4. Beide Bücher über absolute Nischenthemen! Und wer den Buchkatalog vom HiTeX Press Verlag einsieht: Lauter wirklich exotische Nischenbücher, wo ein Nerd schon reflexartig zugreifen würde. Immer der Autor Robert Johnson! Ein Verlagspseudonym?
  5. Beide Bücher sind aktuellem Datums. Letztes Jahr. Wann wurde das letzte Buch über Forth geschrieben? Das sind Bücher weit mehr als 10 Jahre alt!

Meiner Erfahrung nach, kann es so viel Zufall bei diesen Themen nicht geben. Es wurde noch schöner: Das Design der Bücher war auffallend angenehm. Sie sprachen mein ästhetisches Gefühl an. Ich las im Vorwort und die Wörter prasselten nicht nur an mir vorrüber. Nein, ich schwamm mit ihnen. Die Formulierungen sind für ein IT-Buch zu verschwenderisch. Fühlte sich alles zu perfekt an.

Ich fand einen interessanten Artikel zu dem Theme Robert Johnson und dem HiTeX Press Verlag: LINK hier. In diesem Artikel wird der Verdacht einer maschinellen Erstellung solcher Bücher durch moderne AI geäußert. Folgender Satz blieb besonders hängen:

What if the book is being sold and no one has ever read it?

Seitenweise Text, von der AI ausgespuckt, und keiner hätte ihn je gelesen. Waren die Bücher tatsächlich AI-generiert? Das würde sich bei den Programmbeispielen zeigen. Die würden oft auf AI-Halluzinationen beruhen. Das bestätigte sich beim Lesen des Forth-Buches. War kaum zu gebrauchen. Zumindest nicht als Einstiegsliteratur. Klar, als Freak kann man solche Texte auf Fehler hin lesen. Das bildet ja auch. Aber den Anfänger macht es paranoid.

Ich war enttäuscht. Andersherum war die Geschichte lehrreich, wie meine Psyche auf diese vermeintlichen "Glücksgriffe" reagierte. Wer will schon alte, verstaubte Bücher lesen, wenn es moderne, schön bunte im Design gibt? Aber: Deren Eloquenz am Ende nur ein Substrat der vielen, alten verstaubten Bücher ist. Die Code-Beispiele fehlerhaft. Ein schönes, poppiges Fake-Gefühl. Das Lebensgefühl der 2020'er. Denn Deep-Fakes sind überall.

Wie bereits gesagt, aus dem HiTeX Press Verlag gibt es eine ganze Armada an Fachbüchern zu Nischenthemen. Sogar ein Schemacs-Buch. Verführerisch? Für mich nicht mehr. Ich rate ab, beim HiTeX Press Verlag ein Buch käuflich zu erwerben. Damit hat mein heutiger Essay bereits sein Ziel erreicht.

Bücher sind Tore zu anderem Denken

Die Fake-Bücher haben aber einen Prozess in mir angestoßen: Wie schreibe ich AI-Bücher, richtig? Das ist ein wichtiges Thema geworden und regelrechte Glaubenskämpfe werden in sozialen Medien gekämpft, die härter und verbissener werden. Die typische Schwarz-Weiß-Sicht der Welt der sozialen Medien. AI ist böse? AI macht dich zum Millionär? Weder noch. Aber ich fange klassisch mit der Dystopie an. Warum sind AI-Texte gefährlich?

Eine düstere Epoche der AI-Texte

Das Dilemma der AI-Epoche ist: Ein intelligenter Leser ersetzt den Autor AI-geschriebener Texte durch die AI selber. Daraus folgt, dass kein Autor ist mehr notwendig ist, um den Leser zu seinem Lesevergnügen zu bringen. Stimmt das? Nicht ganz. Autoren von nicht-AI-geschriebenen Texten sind der Logik nach nicht ersetzbar. Weil dem AI-Texten eines fehlt: Das Notizbuch immer griffbereit zu haben. Selbst beim Duschen, um kreative Einfälle sofort zu notieren. Also genau das, wo Scheitern erlaubt und Lachen heiligt. Zauber der Unmittelbarkeit. Präziser gesagt: AI-Texte haben keine Authentizität.

Werden AI-gewöhnte Menschen nach sperrigen menschen-geschriebenen Texten fragen? Sie könnten fragen, warum menschen-geschriebene Texte gefährlich sind? Sie könnten Fake-News enthalten, könnten falsche Gedanken bringen, könnten feindliche Propaganda sein. Vor allem könnten sie den Leser wieder so ernst nehmen, wie er gar nicht mehr ernst genommen werden soll oder will. Die Vorteile der AI-Welt. Anpassbar. Was nicht mehr passt, wird passend gemacht. Geschichte verschwindet, andere Geschichte poppt auf, wie die bunten Bücher aus dem HiTeX Press Verlag. Das sind die Vorteile der AI-Texte in ihren Nachteilen. Die Dynamiken sind da. Wir müssen sie zur Kenntnis nehmen.

Daher: Das Internet als öffentlich kuratierter Ort wird eine Wüste von AI-Texten werden, die den Leser hauptsächlich in Auffassungen über die Welt bestärken, die nicht wirklich seine eigenen sind. Sie ermöglichen keinen Denkprozess. Einen Verstehprozess, der zunehmend obligatorisch wird, um weiter "dazuzugehören".

Das ist keine tolle Aussicht. Mein Lebensgefühl: Ich fühle mich nicht in einem goldenen Internet-Zeitalter (das ist vorbei), sondern an dessen Ende.

  • Dinge werden zwanghaft überwacht und Daten einfach so gehandelt und analysiert. Ein paar Userklicks reichen aus, das rechtlich zu fixen.
  • Alte Hardware, die nicht im "Internet der Dinge" irgendwas an irgendjemanden funkt, wird zunehmend interessant. Ein neues Smartphone? 1000 Euro, um meine eigene Überwachung zu bezahlen? Schon Irrsinn.
  • Autos werden Datenminen. Der Zauber der Vintagecars, der analogen Kamera und alten Standrechner. Mit einer Menge Speicher.

Ich sammele digitale Bücher, um genug für den Rest meines Lebens zu haben. Weil ich rechne, dass das irgendwann nicht mehr gehen wird. Urheberrecht sticht Privatsphäre aus. Natürlich. Und alles andere gleich mit. Das Internet wird immer mehr Menschen ausschließen, statt friedlich zu verbinden.

Dafür muss einer kein Prophet sein. Es liegt überall schwer in der Luft: Das Ende des Internetseitalters, in dem die Leute aufwachen und entdecken, dass alle Internetinstallationen sie überwachen, ausbeuten und bevormunden. Und, die natürliche Bewegung eines Menschen, Dinge, die einfach toxisch sind, zu verlassen und außerhalb der nervös, bunten IT-Welt das Paradies zu entdecken, welches für den Menschen einst gedacht war. Das Paradies, das man ihm weggenommen hat.

Deshalb plane ich eine Email-Liste. Das wird wahrscheinlich die letzte Form von Veröffentlichung sein, die noch problemlos geht. Das stört, die es entscheiden, am wenigsten. Die Email-Liste wollte ich mit Emacs-Gnus machen.. schaue einfach noch mal in ein paar Monaten vorbei. Und wenn du magst: abonniere den RSS-Feed des Blogs mit einem Feed-Reader. Alle Neuigkeiten zeitnah frisch verfügbar.

Das beste aus den Dingen machen

AI ist da, geht nicht mehr weg und wie kann man das beste daraus machen? Natürlich: erst einmal runter kommen. AI ist nicht die AI, die viele aus Scifi-Filmen kennen. Kontrollinstrument: ja. Umgehung eines Urheberrechts: ja. Aber der Rest sind oft Urängste, die kanalisiert werden müssen. Hier recherchiere: Binnenangst versus Realangst. Einmal verstanden, vieles durchschaut. Kurz gesagt: werden die realen Sorgen zu "Ängsten", die in den Medien zu irrationalen Gebilden hochgekocht werden. Dadurch werden sie "alternativlos". Daher auch die häufige Floskel in Deutschland: "da kannste nichts machen!" Einfach anfangen die Begriffe "Realangst & Binnenangst" nachzulesen. Das ist ein interessanter soziologischer Mechanismus. Und nein: Du kannst sehr viel machen.

AI ist nicht das Problem. Das Problem sind die Leute, die hinter AI stehen

Also nicht von Ängsten treiben lassen, sondern einfach zu schauen: Wo begegnet uns heute AI?

  • AI in der Musik: AIVA komponiert Klassik, YouTube-Lofi-Kanäle laufen 24/7 AI-generiert, Stimmimitationen lassen tote Sänger "neue" Songs performen. Die Nachlässe drehen am Rad. Die Musik funktioniert, aber ohne Risiko, ohne Seele. Nur noch Ware ohne Herkunft.
  • AI in der Photographie: Midjourney, DALL-E, Stable Diffusion: Prompt rein, Bild raus. Für Social Media reichts. Gleichzeitig Analog-Renaissance: Junge Leute kaufen Prakticas auf Flohmärkten. Wollen das Rauschen, das Unperfekte, den Moment. Mein unscharfes Lieblingsbild – weil ich da war, der Wind kalt war, die Finger zitterten. Das gibt keine AI.
  • AI in Videoplattformen. Habe ich meine Erfahrungen mit: Meine netten - garantiert ohne Kraftausdrücke und juristisch koscher formulierten - pharmakritischen Kommentare binnen 5 Sekunden (ich prüfte mittels Zweitaccount) geshadowbannt, während stereotypische Freundensbekundungen unter Videos mit zivilen Toten in einem Genozid als besonders lesenswert angepinnt wurden. Vom Algorithmus. Von der AI. Lese hier meinen Beitrag: wie soziale Medien für mich gemeinsam mit Aaron Bushnell verbrannten.
  • AI als Rechtschreibprogramm: Grammarly, DeepL Write optimieren nicht nur Rechtschreibung, sondern Stil. Glätten alles. Weg mit Ironie, Mehrdeutigkeit, Ecken und Kanten. Mein Experiment: Alter Text durchgejagt – raus kam kürzer, klarer, korrekter – und komplett tot. Seitdem: Rechtschreibprüfung an, Stilkorrektur aus.

Moral der Firmen.

Jeder weiß, dass Google heute nicht mehr "don't be evil" ist. Auch andere IT-Unternehmen haben ein rabenschwarzes Image. Am Ende füttern sie die Drohnen, die irgendwo auf der Welt Menschen töten. Kollateralschäden nicht einklagbar. Aber funktionieren solche Firmen so auf lange Sicht? Ja - solange sie alternativlos sind.

Mein Moral Algorithmus

Ich sah, es nützt wenig auf die schlechten Schlagzeilen zu warten und sich dann aufzuregen. Das ist nicht effizient. Was kann ein Indikator sein, zu sagen: Diese Firma wird jetzt mit fiesen Tricks ihre Kunden auspressen? Qualität verschlechtern (AI-Inside!!) bei steigenden Preisen?

Meine Meinung: Ich meide alle börsen-notierten Unternehmen - Punkt. Börse will Wachstum um jeden Preis. Aber wie willst du jedes Jahr 10% Plus Wachstum erziehlen? - Genau dadurch, dass du Kunden und Mitarbeiter auspressst. Schau dir den Hintergrund von CEOs an. Einmal verstanden, keine weiteren Fragen mehr.

Und das ist oft sehr einfach umzusetzen. In Deutschland gibt es Genossenschaftsbanken. Big Money ist nicht alternativlos. Warum Amazon, wenn der Gang durch die Stadt zu einem Erlebnis werden kann? Unterhalte dich mal mit Händlern. Auge in Auge. Riech die Ware, bevor du sie bezahlst. Der Handschlag. Das ist interessant. Voller Leben. Amazon: nur klicken, zahlen und haben. Abgesehen vom Preis: ist das nicht billig?

Sicher ist Kaufen im Internet möglich: bei kleinen Shops, die den Datenschutz ernstnehmen und nicht alle 3 Monate neue AGBs sich aus den Fingern saugen. Auch ein Marker für meinen Moral Algorithmus.

Deutsche Bahn eine AG? Hier wird es schwer.. Natürlich ist dieser Algorithmus nicht 100%ig. Aber immerhin ein Indikator. An der Börse wollen die Anleger bezahlt werden. Willst du sie bezahlen? Einfach nachrechnen und anfangen zu sparen. Und: Internetklitschen sind immer nur solange preiswert, bevor sie nicht selber Monopole bilden.

Zurück zu dem AI-Thema: Dies kann man auf AI-Anbieter anwenden und bekommt klare Antworten. Natürlich ist der Schritt zu einer eigenen LLM irgendwann logisch. Rechnet man es durch, ist es langfristig auch günstiger.

Was mit AI gerne schief gehen kann

Die beiden Bücher aus dem HiTeX Press Verlag waren mit hoher Wahrscheinlichkeit zum größten Teil AI-generiert. Code-Beispiele zu testen, wäre zu viel Aufwand gewesen. Sie wurden einfach so veröffentlicht. Das zeigt eine Tendenz der AI-Literatur: massenhaft, ungeprüfte Texte werden veröffentlicht.

Aber hier wieder meine Frage vom Anfang? Wie schaffe ich es gute AI-Bücher schreiben zu lassen? Da kam mir die Idee beim Pharo-Buch alle Gedanken, Figuren, Handlungsstränge in dieser Sprache als Objekt zu schreiben. Das könnte dann später miteinander kombiniert, weiterentwickelt werden. Das ist die Grundidee von Smalltalk, der Sprache, aus der sich Pharo später dann entwickelte. Dann als living mindmap? Genau das wäre es für mich gewesen. Ich könnte damit story-building machen. Die AI schreibt es dann. Wenn die story gut ist, ist alles gut. Faszinierend.

Pharo - der heiße Flirt

Stell dir vor, du verliebst dich in eine Person, die dir von einer Welt voller reiner Objektorientierung vorschwärmt, von Zell-Netzwerken und lebendigen Images, von einer grafischen Umgebung, in der du Objekte per Rechtsklick erschaffst und durch Ziehen verbindest. Du denkst: "Das ist sie. Die Eine."

Du installierst Pharo – und dann passiert Folgendes: Du öffnest die Umgebung und wirst von einer Fenster-Explosion begrüßt, als hätte ein kleiner Programmier-Gott beschlossen, deinen Bildschirm mit lauter bunten Kacheln zu tapezieren.

Du versuchst, einen Playground zu öffnen, aber das Fenster lässt sich nicht entfalten – es bleibt ein schmaler Schlitz, als würde die IDE dir die kalte Schulter zeigen. Du klickst auf ein Fenster, und es springt weg. "Focus-Follows-Mouse", nennen sie das. Ich nenne es "Flucht vor dem Benutzer".

Du suchst im Internet, findest Tastenkombinationen, X11-Modes, Shared-Memory-Flags. Du konfigurierst Tage lang – nicht Code, sondern Fenster.

Du fragst dich irgendwann: "Wollte ich nicht programmieren lernen?" Die Community sagt: "Das ist ein Feature." Du denkst: "Wenn das ein Feature ist, will ich den Bug zurück." Du probierst Squeak im X11-Mode – es wird besser, aber die Vision der graphischen Programmierung ist immer noch nicht da.

Du probierst GNU Smalltalk – konsequent, aber ohne GUI, und immer noch mit dieser CamelCase-Syntax, die sich anfühlt, als würde dir jemand beim Denken die Hände auf den Rücken binden.

Und dann, nach Tagen des Kampfes, die Erkenntnis: Smalltalk ist kein Werkzeug. Es ist ein Museum. Die Visionen sind großartig, aber sie wurden nie umgesetzt. Was bleibt, ist eine aufgeblähte GUI mit einer doofen Syntax und einer Community, die sich damit brüstet, wie cool ihre Fenster-Farben sind. Die Zeit war nicht verschwendet – sie war eine wichtige Lektion: Gute Visionen ohne solide Umsetzung sind wie ein Sportwagen ohne Motor. Sieht toll aus, aber du kommst nicht vom Fleck.

Common Lisp - die gute Ehe

Und dann dachte ich an Common Lisp zurück. Kein großer Auftritt, keine bunten Fenster, keine Versprechungen von einer neuen Welt. Einfach eine REPL im Terminal und die stille Gewissheit: Das hier funktioniert. Seit 40 Jahren.

Common Lisp ist die langjährige, verlässliche Ehe, die nach Jahren immer noch hält – nicht aufregend im Sinne von Chaos, sondern aufregend im Sinne von: Es lässt mich jeden Morgen neu entdecken, wie klar und schön Software sein kann.

Keine Fenster-Magie, kein Image-Chaos, keine Prokrastinations-Fallen. Ich öffne Emacs, starte SBCL, und die Sprache gehorcht. Kein "Benutz doch den Class Browser", kein "Das Fenster springt weg, weil wir das so wollen". Einfach: Denk nach, schreib Code, führe aus.

CLOS – das Common Lisp Object System – ist optional, aber wenn ich es brauche, ist es mächtiger als alles, was Smalltalk je hatte: Multiple Dispatch, Methodenkombinationen, ein Metaobjektprotokoll, das mir erlaubt, das System zu verstehen und zu erweitern.

Nicht "Alles ist ein Objekt" als Zwangsjacke, sondern "Hier sind Werkzeuge, bau dir, was du brauchst". Und wenn ich eine GUI brauche, nehme ich CLOG und baue sie im Browser – dort, wo Fenster schon immer funktioniert haben.

Die Lisp-Community ist keine Community von "Schau dir meine coole Fenster-Farbe"-Fetischisten. Es sind Ingenieure. Pragmatiker. Menschen, die Dinge bauen, die funktionieren. Sie haben nie eine IDE gebaut, sie haben die Sprache gebaut. Alles andere kam von der Community, weil sie Werkzeuge brauchten, nicht weil sie Werkzeuge cool finden wollten.

Die Entscheidung für Common Lisp war keine, die ich je bereut habe. Sie war die Entscheidung für Stabilität, Klarheit und tatsächliche Produktivität.

Vertraue nicht den CamelCase-Leuten, die Fenster-Chaos als Feature verkaufen. Vertraue den Lisp-Leuten, die dir eine REPL geben und sagen: "Denk selbst. Ich gebe dir die Werkzeuge."

Fazit für mich: ich versuche jetzt selber eine "lebendige Gedanken-Mindmap" für mich zu entwickeln. Mit Common Lisp, mit CLOS und mit CLOG. Auch wenn es kein "Gamechanger" wird: ich lerne dabei gute Sachen. Das zählt.

Fanfare für den gewöhnlichen Mann

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