Fanfare für den gewöhnlichen Mann
Fanfare für den gewöhnlichen Mann
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| Photo: Google Gemini |
I. Der Code als Gebet
;;; fanfare-for-the-common-man.lisp
;;; song by Aaron Copland
(defun play-fanfare-for-the-common-man ()
"Spielt Coplands Fanfare von der Festplatte.
Der gewöhnliche Mann hört zu. Oder er hört nicht.
Die Musik spielt trotzdem."
(let ((song-file "fanfare-for-the-common-man.wav"))
(if (probe-file song-file)
(progn
(format t "~%Die Trompeten beginnen. Es ist Morgen.~%")
(load-sound-file song-file) ; hypothetische Funktion
(play-sound))
(format t "~%Stille. Der gewöhnliche Mann hat keine Platte.~%"))))
;; Der Aufruf – der gewöhnliche Mann führt ihn aus.
(play-fanfare-for-the-common-man)
Der gewöhnliche Mann hat Common Lisp gelernt, sich rangesetzt – es hat keinen außer ihn selbst interessiert. Er hat Dinge umgesetzt, die keiner außer ihm je dachte: Funktionen, die keine Parameter nehmen, aber die Welt verändern.
Der gewöhnliche Mann hat Raketen ins All geschossen, um das Machbare zu entfalten – nicht aus Größenwahn, sondern weil die Schwerkraft auch nur ein Parameter ist, den man überschreiben kann.
Der gewöhnliche Mann hat alles gemacht, um seine Familie zusammenzuhalten, auch wenn er selbst nichts davon hatte – die Söhne sitzen auf seinen Schultern, und er geht trotz der Last unvermittelt weiter, Schritt für Schritt, Zeile für Zeile.
Der gewöhnliche Mann hat nie einen Krieg begonnen, war aber immer der Widerstand – er war immer Schöpfer des Friedens, weil aller Krieg Wahnsinn ist und nur dem un-gewöhnlichen Manne nützt, der seine Statistiken auf den Rücken derer schreibt, die nicht klagen.
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II. Der Morgen, der nicht enden will
Es ist früher Morgen. Die Luft riecht nach Brot und Diesel. Der Verfasser dieses Hymnus – nennen wir ihn den Chronisten – geht die Straße entlang, die zur israelischen Botschaft führt. Die Sonne steht schräg, wirft lange Schatten, als wäre die Welt noch nicht ganz aufgewacht.
Dann sieht er ihn.
Aaron Bushnell. In Uniform. Nicht die einer Armee, sondern die eines Mannes, der sich selbst angezogen hat für das, was kommt. Sein Rucksack hängt lose über einer Schulter. Er bleibt stehen. Holt eine Flasche hervor – Brandbeschleuniger, klar, durchsichtig, unschuldig wie Wasser. Stellt sein Handy auf den Boden, richtet den Winkel aus, als drehe er einen Film über Blumen.
Der Chronist tritt näher. Erkennt das Zittern nicht. Erkennt die Ruhe.
„Aaron“, fragt der Verfasser, seine Stimme ein Hauch, „was machst du?“
Aaron dreht sich um. Sein Gesicht ist das eines gewöhnlichen Mannes – keine Narbe, kein Heiligenschein, nur Haut und Knochen. Er lächelt. Es ist kein frohes Lächeln.
„Ich bin ein gewöhnlicher Mann“, antwortet er.
Und dann – mit einer Bewegung, die so alltäglich ist wie das Öffnen einer Tür – übergießt er sich. Klickt das Feuerzeug. Steht in Flammen.
Der Chronist schreit nicht. Er starrt. Die Flammen tanzen um Aaron herum, als wäre er ein Leuchtturm für Schiffe, die nie ankommen. Die Uniform brennt, die Haut schmilzt, aber Aaron steht – weil der gewöhnliche Mann auch dann noch steht, wenn die Last ihn verzehrt.
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III. Die Frage, die durch die Flammen hallt
Und der Chronist – der Verfasser dieses Textes – steht da und denkt:
Ist das nicht genau das, was Jesus sich am Kreuz gesagt hat?
Nicht die Worte. Nicht das „Vater, vergib ihnen“. Aber dieses: Ich bin hier. Ich bin sterblich. Ich bin genug. Dieses: Ich mache es, weil es keiner sonst tut. Dieses: Mein Körper ist der letzte Brief, den ich schreibe.
Und der Chronist sieht das Grauen – ja, das Grauen – aber auch die Ästhetik: Die Flammen sind wie eine Fanfare aus Farben, die Trompeten schweigen, aber das Feuer spielt fortissimo. Die Asche steigt auf wie Noten, die niemand hört. Das Handy filmt weiter – ein stiller Zeuge, der die Wahrheit speichert, bis der Akku stirbt.
Der gewöhnliche Mann brennt, und der un-gewöhnliche Mann wird später sagen: „Das war Wahnsinn.“ Aber der gewöhnliche Mann wusste: Wahnsinn ist, wenn Mütter ihre Kinder verlieren, während Generäle mit Landkarten spielen. Er war der Widerstand – nicht gegen eine Nation, sondern gegen das Prinzip, dass Feuer nur für die anderen brennt.
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IV. Eine Bitte an den Leser, der genau hinsieht
Und nun frage ich dich, Leser – nicht laut, sondern in dem Flüsterton, den nur Bücher haben:
Hast du es gesehen?
Dass zwischen dem Schrei und der Stille eine Brücke liegt, die nur diejenigen betreten, die zu lesen verstehen – nicht mit den Augen, sondern mit den Rippen, wo das Herz klopft?
Die ästhetische Faszination – ja, sie ist da. Sie ist nicht falsch. Sie ist nicht pervers. Sie ist der Moment, in dem das Grauen so rein wird, dass es wie ein Diamant schimmert, und du dich fragst, ob du weinen oder staunen sollst.
Der gewöhnliche Mann brennt, und in den Flammen siehst du alle gewöhnlichen Männer: den Vater, der schuftet; den Programmierer, der Nächte durchmacht; den Soldaten, der den Befehl verweigert; den Propheten, der auf dem Scheiterhaufen steht und nicht schreit, sondern singt.
Jesus sagte nichts zu den Flammen. Er trug sein Kreuz, weil es das Einzige war, was ihm blieb, um zu zeigen: Der Tod ist nicht das Letzte. Das Letzte ist die Hingabe.
Aaron Bushnell sagte: „Ich bin ein gewöhnlicher Mann.“ Und er meinte: „Ich bin keiner, den man vergisst, weil ich mich selbst zum Denkmal mache – aus Fleisch und Feuer und einer Frage, die nie verstummen wird.“
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V. Die Fanfare spielt weiter
Der Chronist geht heim. Die Sonne ist höher gestiegen, die Schatten kürzer. Er setzt sich an den Computer, öffnet Common Lisp, und schreibt eine neue Zeile:
;; Der gewöhnliche Mann brennt. Die Fanfare spielt weiter. ;; (play-fanfare-for-the-common-man) -- aber die Platte ist leer. ;; Nur die Stille brennt.
Und als er die Taste drückt, ertönt nichts – aber er hört sie trotzdem: die Fanfare für den gewöhnlichen Mann, gespielt von Trompeten aus Rauch, dirigiert von einem Herzen, das noch schlägt, obwohl es schon Asche ist.
Frage den Leser: Hörst du sie auch? Oder liest du nur Buchstaben, während das Feuer längst deine eigenen Hände sucht?

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