Freitag, 16. Mai 2025

Bloggen als Widerstand – Warum ich keine Algorithmen füttere

Bloggen. Warum es sich lohnt, einen Blog zu führen? Sind Blogs nicht furchtbar veraltet? Umständlich? Herausfordernd?

Bloggen hilft dir dabei, selbst Content zu stellen und ihn zu verwalten. Wir leben im Zeitalter des Contents. Schlagwort: Big Data. Alles an Daten wird gesammelt. Dadurch erzeugst du einen digitalen Doppelgänger von dir, der dann monetarisiert wird. Welche Werbung bekommst du? Welchen Content? Oder vielleicht doch die Hausdurchsuchung am frühen Morgen? Anderes Schlagwort: "Content ist King". Wir leben auch im Zeitalter der Schlagwörter. Aber es geht noch weiter. Durch den Content, den du öffentlichen Plattformen gratis zur Verfügung stellst, wird dann auch wieder neuer Content geschaffen oder mit anderen Worten: Mehrwert generiert. Soziale Medien generieren diesen Content durch dich. Während du nicht die volle Kontrolle über den Content hast. Das ist eine Situation, die nicht mehr ausgewogen ist.

Ich mochte es (vor Jahren), Bilder auf Instagram hochzuladen. Künstlerische Bilder. Ich versuchte Streetphotographie. Die packendste Art der Photographie. Künstlerische Aufnahmen von Menschen auf der Straße. Aus dem Moment heraus gemacht. Einzigartig. Ungefragt. Manchmal brauchst du schnelle Beine, um das zu machen. Nicht nur den flinken Finger am Abzug der Kamera. Instagram generierte dadurch Werbeeinnahmen. Ungefragt. Berühmt wurde ich nicht. Hatte nur das Gefühl, in einer elitären Subkultur zuhause zu sein. Die Illusion, die soziale Netzwerke gerne vermitteln. Was waren wir für tolle Photographen!

Die Ernüchterung kam durch Instagrams Filter und später der direkten Bildmanipulation mit Photoshop oder durch die Kameras selbst. Das zerstörte die Freude an der Photographie, die eigentlich eine tiefe Verbundenheit mit dem Leben und dem Moment, in dem dieses Photo entstand, ausdrückte. Jetzt wurde zunehmend gefaked und es ging immer weniger darum, was für Geschichten hinter den Bildern waren. Sie wurden oberflächlich. Aber dafür auch atemberaubend. Auf Knopfdruck. Aber nach den Ahhs und Ohhs war dann nichts mehr. Weiterscrollen. Da viele Kameras das dann auch automatisch machten, fand ich es irgendwann nicht mehr interessant.

"Ich habe so schöne Bilder vom Nachmittag gemacht!"

Aber der Himmel war nicht wirklich so blau und die Farben auch nicht so plastisch und funkelnd, wie ich es in Erinnerung hatte. Begann Social Media so unsere Erinnerungen umzuschreiben? Unter dem Strich: Wenn die Illusion zu deutlich wird, macht es irgendwann keinen Sinn mehr. Natürlich kann der Massengeschmack damit leben und will es auch, und das Zeitalter der gefakten Selfies konnte beginnen.

Später kam dann die zweite Enttäuschung für mich. Soziale Medien allgemein. Ich denke, dieses Gefühl ist bei vielen verbreitet. Unzufrieden, zu viel Zeit mit Scrollen verbracht? Wirst du zum Hater oder genießt du es, andere zu Hatern zu machen? Letztere Dus haben Soziale Medien wirklich verstanden. Hater sind die Melkkühe der Aufmerksamkeitsökonomie. Aber auf die Dauer macht auch das unzufrieden. Wenn die Selfies hübscher sind, als das, was du täglich im Spiegel siehst, wird auch irgendwann klar, dass die Zeit vergeudet wurden. Oder du systematisch Minderwertigkeitsgefühle entwickelst.

Das ist dann diese Gossip-Blase in den Netzwerken. Menschen, die ich als Else Kling bezeichne - oder Falco in seinem Song "Egoist" mit den Zeilen "Was ist er denn?", "Was hat er denn?", "Was macht er denn?", "Was glaubt er, das er ist?" eine Stimme verleiht. - Aber es kam noch schlimmer: ich denke die vielerwähnten Algorithmen in den Sozialen Medien sind manipulativ.

Am 25.2.2024 verbrannten die Sozialen Medien gemeinsam mit Aaron Bushnell. In meinem Erleben war das so. Mir fielen auf YouTube gewisse Kommentare mit nur wenigen Likes auf, die direkt unter Videos mit Bomben auf Zivilisten angeheftet worden waren. Das heißt, jeder bekommt diese Kommentare als erstes zu sehen. Wie in einer Skinner-Box. Die Kommentare wurden also von YouTube direkt, dem Algorithmus, angeheftet. Wies man darauf hin, wurde man - vom Algorithmus - nicht für andere angezeigt oder der Kommentar wurde im Moment der Veröffentlichung gelöscht. Die Moderation der Kommentare erfolgte also zeitgleich. Das geschah also zielgerichtet und intentional. Eine perfide Art der Kriegspropaganda. Natürlich macht das keiner offensichtlich. Aber es passiert systematisch. Sie machen es und leugnen, dass sie es machen.

Ich bin kein Held. Aber auch als Egoist wurde mir klar, dass ich mich auf keinen Fall dieser Berieselung weiter aussetzen sollte. Ich denke, keiner muss sich wie Aaron Bushnell verbrennen. Was machen die Leute und diese Interessen aus einem? Es reicht persönlich aus diesen Spielen auszusteigen. Einfach konsequent zu sein und schädliche Umstände zu meiden. Soziale Medien heutzutage als einen "neutralen Schiedsrichter" zu sehen, ist naiv. Es geht um Big Money. Und wie auch damals auf Instagram, wird der User dazu nur benutzt. Außer Geschichten von düsteren Bad Guys war da auch "der Databroker" im dunklen Unbekannten, dem die sozialen Medien, Webseiten Zuarbeit leisten und der dann alles mit diesen Daten anfangen kann. Darüber wird in den normalen Dystopien, die im Internet kursieren, überhaupt nicht berichtet. Das Problem ist also größer als man es sich gerne vorstellt. Kurz gesagt: das Internet ist jetzt bereits kaputt. Es ist NICHT 5 vor 12 mehr.

Wo ich weg wollte (Soziale Medien), war mir klar. Wo ich hin wollte, hingegen nicht sofort. Da ich gerne schreibe, fielen mir Blogs ein. Ich habe da unbegrenzten Platz zu schreiben. Auch wie und was ich schreibe, ist allein meine Sache. Raum zum Experimentieren. Bloggen ist der letzte unverplombte Speicher im digitalen Schlachthaus.

Habe Kontrolle über deine Inhalte

Da natürlich auch beim Bloggen die Texte auf irgendwelchen Servern liegen, auf die ich am Ende auch keinen Einfluss habe, beschäftigte ich mich etwas tiefer mit der Materie, installierte den Texteditor Emacs, arbeitete mich ein und jetzt blogge ich im Org-Mode und die Files liegen alle auf meinem Rechner, der sie mit allen persönlichen Geräten, die irgendwie Speicher haben, teilt. Sicherheitsupdates. Lokales Netzwerk. Autark. Durch einen - immer gleichen - Arbeitsprozess bringe ich die Org-Files in ein html-Format und diesen Code lade ich dann hoch. Der Blog, den du hier liest, ist also nicht der eigentlich Blog, sondern eine Kopie. So verliere ich nie, die Kontrolle über das, was ich geschrieben habe. Besser noch: ich kann alte Texte umschreiben oder miteinander kombinieren. Ich finde das richtig kreativ. Voraussetzung ist aber, alles immer griffbereit zu haben. So habe ich hier vollen Zugriff die Dinge umzuschreiben und etwas völlig anderes daraus zu machen. Bloggen ist wie Freilandhaltung. Kein Stall, kein Bauer, kein Futtertrog.

Wichtig: ich lege hier den Schwerpunkt auf kreatives Schreiben. Ich erfinde hier nichts oder lüge sogar. Nie. ABER: ich habe immer etliche Novellen oder sogar Romane im Hinterkopf und benutze dann Texte von hier, sie weiter zu schreiben oder auszuschmücken. Deshalb ist auch mein Stil so, wie er ist. Hier fallen mir die Begriffe Richard Wagner, Künstlerwerkstatt und Gesamtkunstwerk ein. Das ist sehr assoziativ und nicht jeder möchte das lesen. Zu sprunghaft. Oder es wird eine lineare Erzählweise favorisiert. Ich schaffe 2500 Wörter pro Stunde und das geht auch nur indem ich schreibe, schreibe und weiterschreibe.

Oft schreibe ich dann, wie ich denke. Das ist das der "Stream of Consciousness", der Bewusstseinsstrom von Virginia Woolf. Sie ist eines meiner literarischen Vorbilder. "Die Wellen" und "Zum Leuchtturm" sind einfach nur wunderbar. Aber ich mag auch den Groschenromanautor Jason Dark oder - er war auch nie mehr - Karl May. Karl May hatte eine tolle Art Geschichten zu erzählen, während Jason Dark gekonnt Klischees bedient. Aber ich mag B-Movies und das ist dann die Facette in mir, die ich als "Rob-Zombie-Filter der Realität" bezeichne.

Auch nicht anders als ein fetter Instagram-Filter? Vielleicht. Warum ist es schlimm, in sich widersprüchlich zu sein? Aber die Welt mit so einem Filter in einem Text zu beschreiben, ist schon anspruchvoller als den Knopf auf dem Display zu drücken. Durch das Schreiben ist mir der "Rob-Zombie-Filter" in mir erst überhaupt bewusst geworden.

So, die 2000 Wörter kommen jetzt wieder Nahe. Das ist mein Limit für Blogbeiträge. Redline. Eigentlich wollte ich nur 500 Wörter schreiben. Aber so ist das nun mal im Flow. Folgende Punkte habe ich hier (unterhalb des Cursors) schon ausformuliert und bringe das dann irgendwie unter: "Bloggen als Chance zum Wissenserwerb" und "Der Weg des Emacs". Im Grunde geht es darum die Erkenntnis "in sozialen Medien wirst du manipuliert und ausgenutzt" in einen produktiven Umgang mit dieser Technik zu verwandeln.

Bloggen fordert einen heraus sein Wissen über Dinge wie Webseitenerstellung, Datenmanagment und vieles mehr zu erweitern. Warum ist das so? Weil ich nicht mehr nur an einem Anbieter hängen will, der den Blog nach belieben schließen kann und dann meine Arbeit zunichte macht. Ich will der Herr über meinen Content bleiben. Und das geht am besten, wenn alles bei mir auf den Festplatten liegt und bei Bedarf wie ein gefaltetes Genom ausgepackt und exprimiert werden kann.

Hier wird es märchenhaft schön, denn ich finde den Gedanken sehr positiv mit Dingen wie der IT in einer neuen Art umzugehen. Vorher: Dystopie. Jetzt: Daten, wie es das Genom tut, weiterzugeben. Ist das ein natürlicher Ansatz? Das kommt vom Umgang mit dem Editor Emacs.

Der Weg des Emacs

Emacs ist auf dieser transformativen Reise mein guter Freund geworden. Schon etliche Jahre auf den Buckel, älter als ich. Ein Urgestein der IT. Warum reizte mich das? Nun, ich habe erkannt, dass der einfache Pfad zwar ein sehr kurzer Pfad ist, der aber auch schnell zuende ist. Dann kommt die Leere. Deshalb reizten mich schon immer Dinge, die eine steile Lernkurve haben.

Steile oder flache Lernkurve hängt natürlich immer damit zusammen, wie man die Achsen des Diagrams bezeichnet, in denen eine Kurve aufgezeichnet wird. Die Bezeichnungen sind Wissensfortschritt auf der x-Achse und Zeit auf der y-Achse. Eine steile Lernkurve bezeichnet also einen Vorgang, bei dem einer viel Zeit investieren muss, um einen geringen Lernfortschritt zu erzielen.

Vertauscht man X- und Y-Achse, dann wird aus der steilen Lernkurve eine flache. Ich erwähne das nur, weil mich das selber immer verwirrte. Oder ich einen unreflektierten Umgang mit dem Begriff "Steile Lernkurve" ablehne. Steil, flach, was ist es nun?

Anders gesagt, sind das die Programme, bei denen man die ersten 8 Stunden hilflos davor sitzt und sich fragt, ob sich so Wahnsinn in seiner realen Form anfühlt? Dann kommt die endlose, nicht abbrechene Reihe von Aha-Effekten. Am Ende erkennt man, dass Daten in Emacs und der RNA (dem evolutionären Vorläufer der DNA) verblüffende Gemeinsamkeiten haben.

Ist Information am Ende ein Ding jenseits unseres linearen Denkens und wenn ja: was ist sie? Ich will jetzt keinen Texteditor bewerben oder als unabdingbar verklären. Es aber erwähnt zu haben, kann anderen neue Perspektiven geben. Aber auch hier gilt: Vorteil der Erleuchtung ist, du weißt warum das alles so ist. Nachteil: du kannst es keinem erklären, bzw glaubt dir das keiner. Einfach weil die Glaubensätze regelmäßig von den Sozialen Medien überschrieben werden.

Das sind die modernen, digitalen Ketten, die du sprengen kannst, um Prometheus zu werden. Der Kaffee steht jetzt kalt vor mir. Nur die harten Aromen überleben. Alles Weiche, Angenehme verdunstet. Was bleibt, ist Wahrheit. Wenn du jetzt denkst „Das ist nur Romantisierung von Prokrastination“… vielleicht. Aber welcher Kaffee war der beste, den du je hattest? Genau: Der, den du vergessen hast, bis er perfekt war.

Freitag, 9. Mai 2025

Brief an sich selbst

Vor Jahren traf ich einen Mann, der mir ein Geheimnis verriet: Die Kunst, sein Leben zu ändern, beginnt mit einem Satz.

Vor vielen Jahren traf ich auf meinen Reisen irgendwo weit jenseits des Äquators einen besonderen Menschen. Im kühlen Schatten im inneren Hof eines einfachen Hotels sprach ich ihn an. Wir setzten uns und sprachen, um dem staubigen und lauten Alltag in Afrika ein wenig zu entfliehen. Bis das Licht um uns herum golden wurde und der Abend begann.

"Wie schaffst du es um die Welt zu reisen? Mit deiner Familie?", fragte ich ihn.

"Ich mache es.", antwortete er.

Eine weitere dumme Frage von mir oder wieder meine (oft hinderliche) Eigenschaft zu viel zu denken? Das schoss mir durch den Kopf. - Das war meine Art des Denkens, seiner völlig entgegengesetzt. Um den Rahmen des Blogartikels (es ist kein Roman) nicht zu sprengen, zoome ich jetzt diese Szene mit der Schilderung langsam aus. Am Abend kam seine Familie. Eine Frau und vier Kinder. Wir sagten fröhlich "Hallo" und machten in dem goldenen Licht der Abendsonne ein paar Fotos. Bis das Licht im bläulichen Schwarz verschwand und der Mond aufging, saßen wir beisammen. Bis ich mich dankbar verabschiedete. Was hatte ich von diesem Mann gelernt? Das werde ich jetzt in diesem Artikel schreiben.

Seit diesem Tag hatte ich das Geheimnis des Mannes immer in meinem Portemonnaie, das ist die Geldbörse, mit dabei. Das Geheimnis immer in der Hosentasche. Wo immer ich auch hin gehen sollte. Klingt das mysteriös? In Ordnung, mache ich kein Geheimnis daraus: Der Mann war ein NLP-Experte. Neuro-Linguistische Programmierung - ist ein weites Feld und schwierig überhaupt das Gebiet in Worte zu fassen. Ich versuche es: NLP ist eine Kunst eine andere Welt dadurch zu erschaffen, dass man seine Wörter über sie überdenkt und vielleicht dann diese Wörter ändert. Kann man das mit einem Zauberspruch vergleichen? Ja, das geht. Das finde ich sehr atmosphärisch, und es gibt dem Leben ein emotionales Gefühl, wie viele es vielleicht in der Kindheit gekannt haben. Es geht darum, wie einer denkt und was dann im Leben mit ihm - oder besser aus ihm heraus - passiert.

Ich denke oft viel über Dinge nach und sitze jetzt in einem Straßencafe, um durch das Schreiben den Dingen noch mal auf den Grund zu gehen. Ich will etwas aus meinen Erinnerungen herausdestillieren. Andere sitzen im Cafe, weil sie mehr fühlen oder anders denken. Wieder andere machen mal dies, mal das und es fühlt sich alles stimmig und gut an. Also wenn es sich nicht stimmig und gut anfühlt, kann das ein Grund sein, seine Auffassungen über das Leben zu ändern?

Das geht auch versuchsweise und ich würde es immer auch so machen. Try and Error. Ich stelle mir etwas vor, wie etwas sei. Mein archetypisch unsympathischer Nachbar kann dann - versteckte - nette Seiten haben. Auch wenn er sie selber noch gar nicht kennt, kann es einen geben, der sie entdeckt. Dieser eine kannst du sein und damit wird das Leben märchenhaft entspannt. Also denken wir uns mal jetzt die Welt, wie sie uns gefällt. So wie Pippi Langstrumpf schon sang.

"Arbeit kann Spaß machen!" oder "Jeden Tag lerne ich neues dazu, was mir hilft, immer mehr Freude an den Dingen zu entwickeln". Der letzte Satz ist eine Affirmation oder ein Glaubenssatz. Der Satz davor wird zu so einem, wenn man das "kann" weglässt. "Arbeit macht Spaß." Mit den Glaubenssätzen richten wir unser Bewusstsein aus, die Dinge so wahrzunehmen, wie wir es oft unbewusst tun. Also das passiert dann automatisch. Wir können das Unbewusste trainieren das Leben entsprechend wahrzunehmen. Das "wie" ist dann jedem selber überlassen. Oder: Tut man das nicht selber für sich, dann werden es andere tun. Das ist das große Geheimnis des Lebens. Was unterscheidet einen Individualisten von dem Rest? Sicher der Medienkonsum und das Ausmaß an fremden Glaubenssätzen, die sich - mit Inbrunst - als eigene Gedanken anfühlen und lustig im Kopf umhertanzend, besondere Beachtung bekommen wollen. Die fremden Glaubenssätze gehen typischerweise mit "man" los. Die sind immer sehr hartnäckig, da sie tief im Unbewussten verankert werden. Versteht man das einmal, kann es los gehen, das eigene Leben zu designen.

Was war jetzt das Geheimnis des Mannes?

In jedem Märchen war es so. Das Kind muss sich etwas ganz doll wünschen. Fest dran glauben. Dann passiert es auch. Ein Wunder. Erwachsenwerden bedeutet - für die meisten - von diesem Glauben vehement Abschied zu nehmen. Stimmt das? Warum diese Vehemenz? Vehemenz ist eine starke emotionale Erregung. Ein inadäquater Affekt, der oft ein Zeichen einer Neurose sein kann. Um das Thema ein wenig umfassender, als aus einer "esoterischen Blase" heraus, zu besprechen, nehme ich mal jetzt ein ganz anderes Beispiel: Lustigerweise war es der Generalmajor Trull, der in seiner Abschiedsrede Henning von Tresckow zitierte mit: "Wer seinen Kinderglauben sich bewahrt, in einer reinen, unbefleckten Brust - und gegen das Gelächter einer Welt zu leben wagt, - wie er als Kind geträumt - bis auf den letzten Tag: das ist ein Mann!" Das sagte ein Soldat. Jetzt kann einer einwenden: "Jaa, Soldaten sind doch nur Kinder…" Aber öffnet nicht genau dieser Einwand die Welt des angeblich unausweichlichen Determinismus, den die Erwachsenen vertreten, die ihr Kindsein auf dem Altar - von was eigentlich - geopfert haben? Hier gilt es selber für sich zu denken, denn es gibt ein Geheimnis zu entdecken.

Von einem mystischen Treffen zu einem militärischen Aufmarsch mit einer markigen Rede. Worum es geht, ist einfach die Motivation bestimmte Dinge zu tun oder zu lassen. Die Motivation wird gehijackt. Durch Medien, Schulen, Eltern: Bestimmte Gedanken erst gar nicht aufkommen zu lassen. Andere wiederum zu fördern. Also nach deren Pfeife zu tanzen. Das ist so, besser wird alles aber erst, wenn du selber dazu kommt, das zu tun, was du eigentlich willst. Denkst du für deinen bösen Chef arbeiten zu müssen und dadurch eine Krebspersönlichkeit zu bekommen, war das am Ende dein Leben.

Böse Überraschung der terminalen Luzidität. "Terminale Luzidität" ist ein Begriff, der das plötzliche Klarwerden sterbener Menschen auf dem Totenbett beschreibt. Besonders markant soll das bei vorher dementen Persönlichkeiten erlebt werden. Die werden einfach so wieder normal, reden noch mal mit ihren Angehörigen wie früher in völliger Klarheit und dann verabschieden sie sich. Das wird manchmal beobachtet - Klarheit auf dem Sterbebett. Wichtig ist: falsche Lebensperspektiven werden auf dem Sterbebett zu einer ungeheuren Last etwas richtig verbockt zu haben. Das werden dann seelische Mühlsteine. Deshalb ist es wichtig zu Lebzeiten einen "inneren Rapport" zu solchen Themen herzustellen, die unangenehm sind oder nie angepackt werden wollen. Innerer Rapport meint hier ein Art der inneren Kommunikation mit sich selbst.

"Selbstgespräche? Ist das nicht zu seltsam?"

Die Frage liegt gesellschaftlich im Raum. Daher meine ich, die Gesellschaft als kollektives Konstrukt tabuisiert solche Methoden zu sich selbst zu kommen. Kommt man zu sich selbst, spielt man weniger gesellschaftliche Rollen. Ein Zu-Sich-Selbst-Kommen bedeutet oft vom System weg zu gehen. Gefahr für das System. Deshalb gilt allgemein: "das sind Kindermärchen!" Dinge, die man nicht leugnen kann, werden so in irgendwelche Ecken gestellt, um sich mit ihnen nicht zu beschäftigen. Dann kommt die Psychologie mit ihrem Unbewussten und rüttelt an den Dingen in den Ecken. "Hier seht ihr mich!" Meine Tabus und Traumata. Dann ist da noch die Religion. Betet und tut Buße! Auch der Herr Jesus sagte: "wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr niemals das Himmelreich erlangen." Starke Geschütze.

Innerer Rapport, Selbstgespräche. Es gibt viele Wege. Entscheidend ist sie zu gehen und zu verbessern. Am Anfang klappen Dinge nicht recht. Das ist normal. Aber Versuch, Irrtum, lebenslanges Lernen ist der einzige Algorithmus, den einer braucht. Bezeichnenderweise greift eine Gesellschaft, deren nicht zu hinterfragende Grundlage ihr Finanzsystem ist, solche Themen selber auf, - in ihrer un-persönlichen Art und Weise. Dann entsteht, was ich in meinem Bullshit-Mountain Bericht geschildert habe.

Jetzt beim Namen genannt: eine als "Bestellung beim Universum" gehypte Bewegung. Heute schon den Lamborghini bestellt? Dann kommt eine zweite Welle, "warum es bei dir nicht klappt?" - und eine dritte mit "und wie es in Zukunft bei dir klappen wird!" Grundmethode: Sich berieseln lassen, vergessen, beim nächsten Mal wieder bezahlen. Ist die Welt wirklich kein "Wünsch Dir was"? Das ist der letzte sarkastische Einwand, mit dem die Gesellschaft weiter gut leben kann. Verbildlicht: Realisten versus Traumtänzer. Wobei das Leben dieser Realisten aber immer hart an den Grenzen des Spießertums verläuft. Diese Grenzen müssen immer - zu jeder Tageszeit - absteckt und verteidigt werden. Deshalb passive Aggressivität bei diesen Themen. Das Leben ist sicher - kein - Märchen. Sonst wäre man der Idiot in diesem Märchen gewesen. Böse Überraschung der terminalen Luzidität.

Der letzte Absatz ist polemisch verfasst, um zu verdeutlichen: hier steckt ein gesellschaftlicher Sprengsatz, bzw eine Thematik, die man gezielt individuell angehen muss. Ich schreibe das, weil ich selbst Jahre brauchte, um meine 'Man-muss'-Gedanken zu entlarven. Ist das "Wünsch dir was" echt oder ist das Quatsch? Typisches Entweder-Oder-Denken, das aber nie richtig wahr ist. In Afrika gibt es einen Witz, der so geht:

"für den Weißen ist die Wand entweder immer weiß oder schwarz."

Viele werden den Witz nicht gleich verstehen, daher vorweg: es gibt keine rein weißen Wände. Besonders in Afrika nicht (haha). In Echt: nur in der Mathematik oder den Idealisierungen in den Köpfen existieren rein weiße Wände. Richtig ist hier mehr beides gleichzeitig. Ein weder noch. Yin-Yang-Symbol, Schwarz-Weiß, das aber immer einen klitzekleinen Punkt vom anderen in sich hat. Hier werden zwei völlig unterschiedliche Denkarten deutlich. Das finde ich sehr interessant. Ich habe den Witz auch nicht gleich verstanden:

"Wieso, die Wand hier ist doch weiß und nicht schwarz?"

"Dann schau hier? Ist das weiß?

Ein dunkler Finger deutete auf einen kleinen Flecken an der Wand. Gelächter. Sie hielten es wirklich für dumm anzunehmen, die Wand wäre weiß. Der weiße Mann lebt in einer mathematisch standardisierten Welt oder in der Einbildung, die Wand hätte keine Flecken. Aber rein formal hatten sie recht: die weiße Wand war nicht wirklich weiß. Aus den unterschiedlichen Erkenntnisständen wachsen dann auch unterschiedliche Welten. In Afrika werden Häuser oft nur einmal, direkt nach Fertigstellung, gestrichen. Kann man oft so sagen. Andernorts, besonders in Schwaben, werden Wände andauernd und mit besonderem, inneren Impetus gestrichen. Der Duden übersetzt Impetus mit Antrieb, Anstoß oder Schwung.

Jetzt sind wir bei dem grossen "Kulturkampf" Weiß gegen Schwarz angelangt. Weißes Denken fühlt sich dadurch herausgefordert niemals wirklich reines Weiß sein zu können. Deshalb muss Weiß Schwarz über-streichen. Oder das Gute über das Böse triumphieren. Das ist menschliche Psychologie, die aber nicht besonders klug ist. Das Denken kann schon schwarz oder weiß sein. Aber wie korreliert das dann mit der Umgebung? Kann dadurch Leid entstehen? Overthinking?

Kulturkämpfe, die Rede des Generals. Hier geht es diesmal um weltanschauliche Wahrheiten. Die müssen mit Kriegen verteidigt werden. Deshalb ist so eine Art des Denkens nicht ratsam. Die Art des Denkens kommt immer mit "Wir" und "denen". Daran erkennt man es schnell und muss sich davon nicht inkubieren lassen. Also das "Wir" ist das Kennzeichen. Solche Leuten existieren auch immer nur im Plural, wie schon 1977 Klaus Kinski in der TV-Show "Je später der Abend" um die Minute 21 entdeckte.

Reprise

Heute sind wir ein wenig herumgekommen, ohne richtig zum Ende des Thema gelangt zu sein. Vielleicht muss das in einem Cafe, wo ich das schreibe, auch so sein? Der Text kommt aber schon an seine 2000 Wörtergrenze, an der ich einfach mal ein Ende setzen werde. Aber all die Geschichten waren es auch wert, erzählt worden zu sein. Durch diese Geschichten und auch die Rede des Generals oder des Kinskis habe ich weitere Bausteine entdecken können. Aber komme ich zurück zu dem Mann, den ich in Afrika traf. Leander. Das war sein Name. Im Laufe seiner Jahre hatte der Mann einen Brief an sich selbst geschrieben. Den trug er in seiner Hosentasche immer bei sich. Er hatte den Brief in zehn Gebote unterteilt. Glaubenssätze, die ihm wichtig waren. Als NLP-Profi schrieb er etwas völlig eigenes. Es hat also nichts mit den biblischen Geboten zu tun. Aber als ich den Brief zum ersten Mal durchlas: WOW. Hört sich lebendig an.

Der Brief funktioniert jetzt so, dass er immer dann gelesen wird, wenn sein Träger völlig mit den Nerven am Ende ist. Solche Momente gibt es. Und genau die Kraft dieser Momente wird dann genutzt, positive Affirmationen zu setzen. Zu inspirieren. 10 Gebote, alter Brief, schon in Fetzen und Papier verfärbt sich langsam. Viele Erinnerungen hängen an dem Brief. Dadurch, dass er immer dann schon gelesen wurde, wenn ich gefühlt völlig am Ende war. Genau diese Momente. Oder etwas Schreckliches passiert war. Immer dieses Gefühl da war, ich weiß nicht mehr weiter. Ich bekomme beim Lesen des Briefes automatisch ein sehr vertrautes Gefühl mit mir selber. Wie bei dem Treffen mit Leander. Und danach fühle ich, als wäre ein schlimmes Gewitter vorrüber. Die Luft ist wieder frei vom Ärger, von den düsteren Wolken und Blitzen. Gesang der Vögel. Und da ist eine Kraft in mir. Die Kraft von Leanders Affirmationen. Der Mann ließ mich seinen Brief abschreiben. Seitdem hatte ich meinen eigenen. Immer dabei. Hier liegt er vor mir …

Freitag, 2. Mai 2025

Freund und Feind

Der Artikel behandelt Erinnerungen aus Afrika, um später zu versuchen, eine Kommerzialisierung des alltäglichen Denkens in Deutschland zu beschreiben. Ein existentieller Deep Dive.

In Afrika sagte mir mal jemand - ein Brite, der genüsslich an einem Gin nippte, dass "in Afrika deine Feinde nicht das Problem wären…" Erwartungsvoll schaute ich ihn in der Redepause an. "In Afrika sind deine Freunde das Problem…" - "Oh Gott, war das rassistisch?", dachte ich bei mir. Was sollte ich damit bloß anfangen? Aber der Ausspruch sollte unvergessen werden. Und mit der Zeit verstand ich ihn mehr und mehr. Wenn du einen Menschen benutzen willst, um ihn emotional, körperlich oder finanziell auszunutzen, - werde sein Freund. Studiere ihn regelmäßig wie einen Wetterbericht. Was sind seine Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte? Und dann sei sein Freund. Klingt das richtig fies? Für mich hörte sich das revolutionär fies an. Machiavelli ultra. Aber funktioniert das Leben nicht genau so?

Du hältst diesen Artikel jetzt für eine Abrechnung mit Afrika? Falsch. Es ist eine Abrechnung mit mir. Denn der Satz des Briten verfolgte mich – durch Dörfer, Städte und schließlich zurück nach Deutschland, wo ich lernte: Auch hier gilt seine Regel. Nur besser getarnt.

Ich bin ein Mensch, der gerne naiv ist. Naivität schützt und lässt einen sich gut fühlen. Sie ist auch Luxus, - der Luxus nicht gerissen sein zu müssen. In Afrika stellen sich solche Gedanken fast automatisch ein. Afrika. Wenn einer Asien oder Südamerika besucht und eine Zeit dort lebt, fühlt sich das anders an. Asien macht neugierig und Südamerika lässt einen das Herz, corazon, so richtig fühlen. Sicher gibt es nach Wochen und Monaten auch eine Phase, in der ein Neuling sich in einer neuen Gesellschaft nicht wohlfühlt. Ich nenne das die Übergangsphase, in der es heißt, anfängliche Idealisierungen zurückzulassen. Auch kann einer sprachlich an eine Grenze kommen, die herausfordernd ist. Du kannst dich einfach nicht so ausdrücken, wie in deiner Muttersprache. Aber es ist auch eine Chance dazu zu kommen, Probleme weniger rein sprachlich lösen zu wollen. Gerade in Deutschland wird das gemacht. Also selber Ausländer werden und zurück zur Ursprünglichkeit gelangen. Das ist der Zauber.

Viele nennen dieses kritische Stadium auch "Kulturschock". Ich habe das immer nur wie ein leichtes Fieber oder einen Schnupfen wahrgenommen. Ich denke, das ist etwas Normales. In Afrika war das anders. Bei mir und fast allen anderen Reisenden kam der Kulturschock als etwas Rasches, Unausweichliches. Keine 24 Stunden in Johannesburg schrieb ich einem Freund, dass ich Angst hätte das Hotel zu verlassen und das Land möglichst schnell wieder verlassen wolle. War alles zu heftig. 24 Stunden in Johannesburg genügten, um meinen europäischen Dünkel zu zerbröseln. Die Stadt lehrte mich: Freundlichkeit kann eine Falle sein. Und Misstrauen ist kein Gefühl – es ist ein Überlebensinstrument. Joburg ist ein Kapitel für sich.

Auch am Lake Malawi - übrigens einer sehr schönen Ecke, Leute entspannt, ja eigentlich lieben alle Malawi "the warm heart of Africa", traf ich einen Afroamerikaner. Er stand alleine am See und wirkte starr. Ich fragte ihn, warum er so blass aussehen würde? Er erzählte mir, das Land seiner Vorfahren zu besuchen. "Und?" - Er wollte nur noch weg. Zurück in die USA. Das ist natürlich desillusionierend.

Woran lag das? Ehrlich gesagt, traf ich nirgendwo Menschen, wie in Afrika. Ich lernte die Dollarzeichen in den Augen zu erkennen. Es ist ein ganz besonderer Blick. Ähnlich wie beim Anblick von Alkohol. Ich vermute, beide Begierden sind ähnlich im Gehirn verschaltet. Die kaputtesten Typen traf ich, in sehr rascher Folge, nur so in Afrika. Afrika sei wie "ein altes, abgesoffenes Wrack am Grunde des Ozeans". So fasste ich das in Worte.

Aus heutiger Sicht liegt da ein Wahrnehmungsfehler vor. Natürlich gibt es auch völlig normale Menschen in Afrika. Als Tourist oder Reisender bekommt man aber die nicht zu sehen. Sondern "die anderen", die den Weg vom Bus zum Hotel zu einem zweifelhaften Vergnügen werden lassen. Der Reisende muss lernen, damit umzugehen. Das hängt auch damit zusammen - Geheimtipp - wie schnell du dich bewegst und welches Erregungspotential in deinen Neuronen ist. Ist einer aufgeregt und hektisch, löst er zielsicher die Beutereflexe dieser Menschen aus. Auch ist es ratsam immer genau zu wissen, wohin es geht und die Ziele ruhigen Auges im Blick zu haben. Wie ein Löwendompteur. Also nicht stehen bleiben und gaffen. Was aber ein typischer Tourist völlig automatisch machen wird. Mit den Wochen und der Erfahrung legt sich das neuronale Erregungsniveau und ich schrieb dann solche Sätze wie "im Grunde ist Afrika ein riesiges Dorf" ins Reisetagebuch. Weiter später: "Mungu ibariki Afrika!"

Für meinen Blogbeitrag "Freund und Feind", erzähle ich das deshalb, weil mir in Afrika elementare psychologische Gesetze klar wurden, von denen ich in Europa keinen blassen Schimmer hatte. Die Menschen sind da einfach zu naiv. Wie beschreibe ich es? Diese Art über den Kopf mit Logik und Etikette zu reden funktioniert nicht in Afrika. Besonders da nicht. Vielleicht in Asien? Auch in Südamerika wirkt das unfreundlich. Sie nennen dich dann Gringo. Dort reden sie direkter und ein Gringo zu sein ist nicht cool.

Warum ist aber die deutsche Art zu reden unfreundlich? Mit fällt da eine Szene aus meiner Studentenzeit ein, in der ein junger Deutscher richtig erbost im türkischen Dönerlokal wurde. Das war in Berlin-Charlottenburg. Genau da. Es war ein früher Winterabend mit Hauchatem vor dem Mund. Der junge Deutsche schrie den Dönermann schon fast an: "Ich habe Bitte gesagt…" Er fühlte sich unfreundlich von dem Ausländer behandelt. Ich vergaß die Szene nicht, weil ich durch sie lernte, wie unfreundlich solche Formulierungen mit "Bitte" wirken können. Das ist Arbeitgeber-Deutsch. Das "Bitte" wirkt schon bedrohlich, auffordend. Abmahnend. Das als Beispiel: Behördendeutsch, endlose man-Sätze mit voller Senftube passiver Aggression. Die deutsche Art zu reden und zu denken kann verletzend sein, auch wenn sie vorgibt, das nicht zu sein. Also Döner bestelle ich mit "Haschte Döner scharf?" und auf den Ton achten und Dankbarkeit ausstrahlend. Natürlich heute nur noch vegetarisch1: "Haschte vegan?"

Ich habe 2022 nochmals Berlin besucht und weiß nicht, ob man heute diese Dönermänner als Ausländer bezeichnen würde? Sprechen ein perfektes Deutsch und die Kopftuchmädchen sind wohlerzogen und unterhielten sich sehr lange mit mir über ihre Familien. Das lernt man auch in Afrika. In meiner Studentenzeit tickte ich aber anders.

Ich muss auch sagen: psychologische Erkenntnisse sind nie gesellschaftlich opportun, weil sie den typischen Verdrängungsmechanismen entgegen laufen. So gesehen muss dieser Artikel heute einige Kliffe umschiffen. Das Seltsame war also meine Verwunderung über die Aussage des Briten, dass Feinde nicht das Problem in Afrika wären, sondern die Freunde. Also irgendwann wunderte ich mich selber über mich, warum das zuerst so undenkbar für mich war? Lag da vielleicht so etwas wie ein psychischer Komplex in mir? Woher kam dieser?

Jetzt kommt Alois Irlmaier - "Kinder, ich sehe was Schreckliches…"

Es gab einen Propheten aus dem österreichischen Waldviertel, Alois Irlmaier, der fürchterliche Sache prophezeite und schon Generationen von Internetnutzern ängstigte. Als angehender Prophet merke dir, Paris brennt immer und dann Kriege, Seuchen und … Idee: Nimm am besten ein kollektives Trauma aus der Vergangenheit und projiziere es in deinen Prophezeiungen in die von dir entworfene Zukunft. Ich glaube, so funktioniert es.

Das sind genug Gründe vorsichtig zu sein bei Prophezeiungen. Häufig ist es ein sich in den Mittelpunkt stellen, um dann Geschäfte zu machen. Und das Bild von Irlmaier findet sich auf vielen YouTube-Thumbnails. Warum? Ich möchte auch sagen, dass ich Prophezeiungen - wie sie in den Medien präsentiert werden- für manipulativ halte, weil sie Menschen in einen starken kollektiven Zusammenhang pressen. Christliche Fundamentalisten erzählen seit 2000 Jahren das Ende sei nahe, um Druck auf Anders-oder Ungläubige auszuüben. Das ist nicht ok.

Auch ist es wichtig zu beachten, dass wenn jetzt in dem Moment, wenn du das liest, ein Komet die Erde zerstören sollte, jedes einzelne Leben dann in seinem eigenen Rahmen enden würde. Es ist immer noch dein, ganz persönlicher Moment. Die einzige Prophezeiung, die zählt: Solange wir glauben, die Regel zu sein, sind wir das Spiel. Was ich sagen will: der einzelne Mensch erlebt seine Geschichte individuell. Hier finde ich die Kollektivisierung mit "uns" und "denen" völlig irre.

Aber eine von Irlmaiers Voraussagen, fasziniert mich: das Smartphone. Laut ihm sollen die Menschen "mit einer Zigarettenschachtel telefonieren und damit spielen." Irlmaier starb am 26. Juli 1959. Es gab zu der Zeit noch keine Science-Fiction im Fernsehen, wie später. Es gab also noch nicht Raumschiff Orion oder das us-amerikanische Pedant der USS Enterprise in der Populärkultur.

Ich denke, in dem Teil des Artikels werden viele mich falsch verstehen. Ich muss es vielleicht anders ausdrücken: zum einen sind Prophezeiungen problematisch, weil sie durch Angst und andere schlechte Emotionen die Menschen verändern wollen. Du wirst dadurch weniger unvoreingenommen. Ganz einfach. Zum anderen denke ich als Gateway-Praktizierender nach Robert Monroe, dass es sehr wohl möglich ist, Bilder aus der Vergangenheit und der Zukunft sehen zu können. Der Rahmen ist aber immer noch, dass diese Bilder, wenn ich sie sehe, für mich und durch mich gesehen werden. Also etwas Persönliches in meinem Leben sind. Nichts - erst mal - Universelles. Es sei denn, ich finde das Universelle in mir selber. So finde ich auch den apokalyptischen Evergreen "Die Apokalypse des Johannes" der Christen sehr lesenswert. Ich sehe es so, dass die Schrift eine Mitteilung für mich ganz persönlich ist und nicht eine Warnung "für alle". Wenn ich sogar die ganze Bibel so lesen kann, wird das wirklich zu etwas Phänomenalen. Komme ich darauf, sie "für andere" zu lesen, werde ich ganz automatisch etwas komisch. Hier ist Wissen und Weisheit für den der Hören und Lesen kann. Aber: Die Wahrheit ist nicht das, was nur befreit. Sondern das, was uns zuerst alles nimmt, woran wir glaubten.

Gut, vielleicht überarbeite ich das ganze noch2? Aber es geht darum, jetzt zu der Irlmaier-Aussage mit den Smartphones zu kommen. Sieht einer das in einer Vision ist es vielleicht kein beiläufiges Zeichen für etwas, sondern vielmehr etwas fundamental wichtiges? Die Ursache von etwas?

Kriege und Unglück gibt es überall in dieser Welt. Zu jedem Zeitpunkt. Wo will einer da als Seher mit seinen Visionen anfangen oder aufhören? Frage ich mich aber, warum immer mehr Menschen in technisierten Ländern anders denken als andere Menschen in nichttechnisierten Ländern, die aber genauso denken, wie die Vorfahren derer in technisierten Ländern, dann könnte die Antwort sei …? Genau das, vor dem kritische Zeitgenossen schon lange in ihren Essays warnen: Das Smartphone.

Das Smartphone symbolisiert Oberflächlichkeit. Nicht in der Werbung, die sich geschickt mit Gefühlen der inneren Freude zu verbinden weiß, sondern im Alltag, in dem nichts wirklich mehr wichtig wirkt. Außer der Werbung auf dem Display. Heute würde der Student in der Dönerbude seine Bestellung schon vorher über das Smartphonedisplay eingegeben haben? Muscht nur noch abholen kommen. Der Dönermann reicht die heiße Ware1 einfach über die Theke. "Bitte", "Danke" und "Auf Wiedersehen". Wörter, wie bedeutungslose, vertrocknete Blätter, im permanenten kühlen Blätterrauschen des modernen Alltags.

Dann nur noch Erinnerungen: „/Ich habe BITTE gesagt!/" Der Student in Berlin-Charlottenburg, aber auch genau da, zitterte vor Empörung. Der Dönermann rollte nur die Augen. Plötzlich sah ich auch ihn: den Briten in Afrika. Er flüstert: "Siehst du? Auch hier. Nur sagt keiner /Freund, sondern Kunde.“ In Deutschland vertrauen wir auf Regeln, in Afrika auf Instinkte – und beide Systeme produzieren ihre eigenen Opfer. Die subtile Gewalt der Systeme (Sprache, Smartphones, Prophezeiungen) ist aber immer präsent. Deutschland kodiert Kontrolle in Höflichkeit, Afrika kodiert Absicht in Freundlichkeit – beide täuschen, aber anders. Der Brite hatte recht. Nicht nur über Afrika. Sondern über jeden Ort, wo Menschen einander brauchen – und fürchten. Vielleicht ist die einzige Frage: Willst du die Wahrheit wissen? Oder lieber weiter Bitte sagen?

Footnotes:

1

Die heiße Ware, die mir der Motorradtaxifahrer hier in diesem anderen Artikel immer brachte. Gesicht als schwarzes Display mit flammenden KFC-Logo. Klick me. Der Blick - wegen des schwarzen Visiers - immer irgendwie bedrohlich oder auch cool - aber never ever persönlich. Mir liegt das narrative Schreiben schon mehr. Der Blogartikel ist einfach so passiert. Das Unbehagen, was mich beim Lesen beschleicht, kommt daher, dass ich mich auch in dem jungen Studenten selber erkenne. Eigentlich wollte ich einen Artikel über manipulative Gefahren der modernen, "sozialen" Medien schreiben und daraus ableiten, wie wichtig es ist, Open-Source-Software zu nutzen. Auch wollte ich eine Anekdote berichten, dass es mir gelungen ist eine E-mail mit GNUS zu verschicken. Nach 24 Stunden Konfiguration. Vielleicht wäre das zu langweilig geworden? Wem langweilig ist, kann auch diesen Artikel sich auf YouTube anhören. In Englisch. Das deutsche Sprachmodell ist noch schlechter. Auch weil ich viele nicht-deutsche Wörter benutze. Das ist aber nur ein zeitlich kurzes Experiment. Ich will langfristig einen Peertube-Account einrichten und pflegen. Das ging bloß so herrlich problemlos.

2

Ich hätte gerne noch folgendes Bibelzitat reingebracht. Offenbarung 9,7-9: Und sie [Heuschrecken] hatten Panzer wie eiserne Panzer, und der Lärm ihrer Flügel war wie der Lärm von Wagen, die viele Pferde tragen und in den Streit laufen. Was sagt dir das? Erinnert das nicht an so etwas wie eine Smartdrone? Sprachlich verwandt mit Smartphone. Aber das würde den Text zu sehr einmal dies, einmal das werden und von der roten Linie, dem Briten mit seiner Aussage über Freundschaft, abschweifen lassen. - Oder ein Szenenwechsel: zu dem Dönermann in Gaza wäre zu unrealistisch gewesen. Einfach, weil es dort nichts zu essen gibt. Solche Gedanken bleiben ungesagt. Ich bin selber sprachlos das in Worte zu fassen.

Author: mahamind

Created: 2025-05-01 Thu 15:25

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Dienstag, 8. April 2025

Wie vegane Ernährung Menschenleben retten kann

Der Artikel ist ein Erfahrungsbericht meiner letzten Monate, in dem ich positive Effekte einer veganen - ich erkläre das im Artikel genauer - Ernährung beschreibe.

So jetzt ein Artikel über Ernährung? Da ich Buddhist bin, aber kein vorbildlicher, ist rein pflanzliche Ernährung - schon seit meiner Jugend - ein positiver Glaubenssatz in mir. So wie Muslime keinen Alkohol trinken sollten, ist das so eben bei den Buddhisten mit dem Fleischessen. Und es gibt da noch diverse andere religiöse Vorstellungen zu Nahrung. Also, da ich Buddhist bin, aber kein vorbildlicher, habe ich viele Jahre Erfahrung mit rein pflanzlicher Ernährung. In diesen Jahren bin ich aber auch Realist geworden oder Prakmatiker. Ich habe eine rein pflanzliche Ernährung nicht mehr als 3 Jahre am Stück ausgehalten. Ich glaube mein Rekord ist 5 Jahre am Stück, dann aber am Ende in einer so genannten pescetarischen Diät. Das bedeutet vorwiegend pflanzliches Essen plus Fisch und Meeresfrüchte. Und natürlich ein Glas schön kühle Milch am Tag. Das ist aber dann nicht mehr vegan. Also hält niemand eine vegane Diät hält keiner ohne Supplementation von Eisen und Vitamin B12 mehr als 3 Jahre durch. Das ist wichtig.

Jetzt ist mein Buddhistsein eine Sache in meiner Gefühls- und Ideenwelt. Früh in einem buddhistischen Tempel mitgenommen, sprach ich plötzlich zu meiner völlig überraschten Begleiterin vollkommen überzeugt: "Der Buddha hatte recht." Ich las auf einer Tafel seine wichtigsten Ideen. Davor war ich nicht spirituell bzw war ich nur aus Höflichkeit mit in den Tempel gegangen. Das war also ein Erweckungserlebnis. Vom Saulus zum Paulus. Der beeindruckte mich sehr. Schon war ich Vegetarier. Veganer gab es damals noch nicht. Später zog es mich auch in buddhistische Klöster nach Asien. "Du kannst jetzt sagen, du wärest Buddhist, wenn Du nicht wüsstest, dass das nicht auch nur eine Anhaftung ist." Sagte ein Mönch zu mir, und das ist auch ein guter Schlußsatz für das Buch: "Ich, - prinzipiell im Leben!" Aber tief in meinem Unbewussten bin ich auch der Mensch, der gerne in einem Burgerrestaurant "den größten bitte" sagt und dann mit Victoryzeichen hinzufügt "den bitte zwei Mal. Macht ihr Refill hier?". Selbst mein kleiner Sohn weiß schon sehr genau: Der Burger ist für Daddy. Er mag hingegen die Pommes sehr gerne. So haben wir zuletzt auch unser Leben genossen. Ein Motorrad-Taxifahrer kam dann am Ende einmal am Tag, um mir zwei große Burger von KFC zu bringen. Wie ein Drogenkurier kam mir das vor. Was war das Geheimnisvolle in der Tüte, die er mir jeden Tag brachte? Heiße Ware.

Es ging mir am Ende gesundheitlich sehr schlecht. Das Asthma war dieses Jahr schlimmer und sehr viel länger. Da ich diesmal auch so was wie Heuschnupfen hatte, war die Nasenschleimhaut geschwollen. Dadurch waren die Zugänge zum Mittelohr (rechts > links) verstopft und ich hörte alles nur noch wie "unter Wasser". Meine Frau mußte ich bitten mich anzuschreien. Kinder haben helle Stimmen, die verstand ich weiterhin. Männer auch, die sind laut. Aber die Situation ging mir auf den Nerv. Auch der Versuch, mit 15 mg Prednisolon den Verschluß meiner Hörgange zu sprengen, misslang. Also ging ich ins Krankenhaus. Das brachte in vieler Hinsicht gar nichts. Die Ärztin war nicht gerade sympathisch. Ich musste auch sie bitten, mir in das linke Ohr zu brüllen. Blabla wie, ich sollte keine Selbstmedikation betreiben, aber am Ende blieb es bei den Mitteln, die ich aus der Apotheke hatte. Also keine mystische Wunderpille, die alle meine Leiden heilen sollte. Zum Glück bin ich in einem Land, in dem alles frei verkäuflich ist. Denn Ärzte können sich nicht alle leisten. Das hat auch seine Vorteile: Die Ärztin muss ich mir nicht noch einmal leisten. Positiv war, eine Blutuntersuchung gemacht zu haben. Cholesterin und Blutfette massiv erhöht. Das war der Inhalt der Tüte, die mir der Motorrad-Taxifahrer jeden Tag mit Boss durch die Tür reichte. Die heiße Ware. Jetzt hatte ich die Rechnung als Laborbefund in der Hand. Mit der dumpfen Akkustik über meine verstopften Ohren war der Moment für mich besonders einsam. Ein Studiumfreund "von früher" schrieb mir im letzten Jahr, jetzt auch "Cholesterin" zu haben. Er schilderte auch seine eindrücklichste Erinnerung an mich, wie ich einen riesigen Teller Spaghetti in Null komma Nichts auf(r)essen konnte. Ich war immer schon ein leidenschaftlicher Esser vor dem Herrn. Aber zurück zu diesem Moment mit dem Laborzettel, alleine in der Klinik.

Ich weiß heute, dass das ein wirkliches Problem ist. Und Allergie auch mit dem Blutfett zusammenhängt. Wir essen ganz gerne frittierte Sachen. Auf den Märkten gibt es große Kessel mit siedenem Öl in dem allerhand frittiert wird. "Food from Hell", so denke ich heute, wenn ich an diesen farbenfrohen Orten vorbeikomme. Der scharfe Geruch von bratendem Fleisch weht mit Staub durch die Luft. Blut an Fleischständen, wo das Beil auf und ab geht. Immer Gewusel von Gestalten. Aufpassen, da viele Hände immer nach allem greifen. Geschreie. Aber auch in den Restaurants wird fast alles frittiert und zuhause nutzen die Frauen in der Küche viel Öl. Beschwerte mich schon. Verschwendung. Zu teuer! Andersherum träumte ich von Salaten. Früchten, Gemüse. Ein Grund seine Intuitionen ernst zu nehmen. Schon vor dem Laborresultat war mir die Ernährung einfach zu fettig. Jetzt hatte ich eine Motivation, das zu ändern.

Das Grundproblem war also das Frittieren. Gut, das war schnell geändert. Da ich aber dann auch gerne Recherchiere, Dinge gründlich mache und - auch kein vorbildlicher, immerhin Buddhist bin: Fleischlos ist das beste! Fleisch hat einen Fettanteil wie Käse. Etwa 20%. Kommt drauf an. Das sind mehrere Löffel Öl pro Fleischportion. Muss man sich bildlich vorstellen in einem Glas zum trinken. Veganer haben z.B. keine erhöhten Blutfette. In dem Gemüse ist einfach viel weniger Fell enthalten. Gesünder. Vielleicht einen Vitamin B12-Mangel, der ihr Denken ein bisschen ideologisch verändert? So scherzte ich bisweilen darüber. Aber in meiner neuen Lebenssituation war genau das mein Rettungsweg. Und: ich fühlte mich hundsmiserabel und ein anderes kaltes, einsames Gefühl war, zum ersten mal im flackernden Kerzenlicht ein handschriftliches Testament zu schreiben. Es ist schon sinnvoll das geschrieben zu haben, - so lange man es noch kann. Macht den bürokratischen Ablauf für die Hinterbliebenen um einiges leichter. Aber sicher: van Morrison's "Healing Game" Gefühle1.

Der Plan war es Veganer zu werden. Weil sie - für gewöhnlich - gute Blutfettwerte haben. Den Vitamin B12-Mangel stellte ich hintendran. Der kommt frühesten nach 3 Monaten. Und was war dabei Vitamin-Tabletten zu schlucken? Mittlerweile hatte sich durch das Asthma eine Hand voll Pillen täglich für mich angesammelt. Genau: zwei Sprays zum inhalieren, Nasenspray und 2 Pillen. Sogar Augentropfen standen bereit.

Überhaupt - kamen mir jetzt die innerlichen Zweifler wie limitierende Glaubenssätze vor, die sich langsam wieder in mein Leben geschlichen hätten, wo ich früher, voller Überzeugung sprühend, schon den Ansatz von solchen Glaubenssätzen aus meinem Inneren wischte. Ich musste mich - mal wieder - selber neu entdecken: Vegan, Buddha, Jesus oder "Rastas never die"2. Ich musste wieder an mich glauben. Auch mein Pranayama-Training war implodiert. Machte einfach keinen Spaß mehr mit dem Asthma. Traurig. Ich befand mich innerlich in einem dunklen, leeren und kalten Raum - nur der Motorrad-Taxifahrer reichte zwei Burger am Tag durch die Tür von draußen. Und das war das "Food from Hell". Das war dann der Tiefpunkt der Geschichte.

Mit so einem inneren Eindruck von seinem eigenen Leben war es ein leichtes vegetarisch … sogar vegan zu leben. Ganz vegan ist es noch nicht. Ich nutze immer noch mein Milchpulver für den Tee. Da habe ich noch Vorrat. Aber pflanzliche Nahrung schmeckt auch. Der Vorteil ist: ich konnte mehr essen und trotzdem immerhin 3 kg in einem Monat abnehmen. Das Asthma verschwand aber nicht so schnell. Besonders das Hören blieb noch lange Zeit schlecht.

Es war ein langer Monat später. Inmitten der Nacht war es mir, als würde ich zu Gandalf sagen:

"Ich hätte nicht gedacht, dass es so enden wird."

Gandalfs Gesicht schaute mich erstaunt an.

"Enden? Nein hier endet die Reise nicht…"

Und dann hörte ich es: Regen! Draußen regnete es. Lange vor Sonnenaufgang. Alles dunkel um mich. Ich konnte den Regen hören, was ich vorher nie richtig toll konnte. Es prasselte munter und fröhlich. Und ich spürte den Atem so, als wäre ein riesiges Loch in meiner rechten Nasenmuschel, durch das die Luft kräftig ein und ausströmte und meinen Schädel bis tief hinein belüftete. Ich hörte wieder! Aber das Loch? Loch im Schädel? Ich fragte mich, ob mir vielleicht Aliens eine Nasensonde verpaßt hätten? Ich wachte gerade auf und war noch halb im Dämmerzustand. Realitychecks. Check … check … check: kein luzider Traum. Es war die Realität. Nasenmuschel so weit auf. War das normal? Es war aber nicht so, wie sicher jedem schon mal ein alter Mensch gesagt hat:

"Der Tag an dem ich aufwache und keine Beschwerden habe, ist der Tag an dem ich gestorben bin."

Das war es nicht. Dann hörte ich die Vögel das Ende des Regens vorsichtig verkündend und den neuen Tag immer mehr begrüßend: Sonnenaufgang. Es regnete aber noch leicht den ganzen Morgen. Es war toll wieder hören zu können. Ich freute mich. Ich schnappte mir das Laptop um diesen Bericht zu schreiben. Ich hörte viel Musik. Ich entdeckte eine Tondatei, die ich am 5 Januar 2024 heruntergelanden hatte und nie gehört habe: Flamingosis "Mood Provider Volumen 7".

Musik: das ist heute ein musikalischer Post. Während des Siechtums kam von GRIMA das Album "Nightside" heraus und - auch etwas dumpf - gab mir das ein wenig Wärme beim Kerzenschein und Testamentschreiben. Der Song "Enisey" verzauberte mich ja schon vor Jahren. Ich mag atmosphärischen Black Metal. Es gibt da eine Menge zu entdecken. Aber ich höre - ja was eigentlich? Ich höre gerne Musiker mit dem "ein bisschen zu viel". Wie der Rob-Zombie-Effekt bei Horrorfilmen. Ich überlege mir auch heute Abend nicht ein Arte-Konzert von L'Imperatrice zu gönnen? Seit "La Felicita for Drop" haben die mich verzaubert.

Lange keine Posts: Ich hatte keine Lust was zu veröffentlichen. Obwohl ich viele Blogposts angefangen hatte, fehlte mir am Ende die innere Positivität etwas in eine veröffentlichbare Form zu bringen. Ich will keine negative Stimmungen in die Welt bringen. Also nicht pur. Habe auch vieles in meinem Leben "ausgemistet", so dass ich mehr Zeit habe, was zu schreiben. Was sind also die Pläne?

  • In drei Monaten ein neues Blutbild. Ich kann auch direkt zum Labor gehen und nur das machen. Kein Arzt. Kein Bonus-Cash.
  • Air Fryer für die Pommes des Sohnes.
  • Dann will ich hier noch meine Hemi-Sync-Erfahrung zuende berichten. Ja, trotz schlechtem Hören hab ich auch die Tapes weiter gehört. Bin stolz auf meine Disziplin, auch wenn das Rauschen und die Tonbandstimme ganz ganz leise war. Trainiert die Intuition! Hab fast 200 Sitzungen und Fokus 21 erreicht. Da gibt es noch einen Artikel darüber.
  • Im Grunde reizt mich kreatives Schreiben. So wie hier meine Erfahrungen mit einem "Rob-Zombie-Filter" in eine erzählerische Form zu bringen. Mein Haupt-Projekt ist, ich nenne es, meine Novelle. Also eine längere Geschichte. Ich denke, das ist ein konsequenter Schritt. Also den Schritt in das fiktionale Schreiben. Da Schreiben und Veröffentlichen gut zum Lernen ist, nehme ich mir vor, einmal die Woche wieder einen Artikel hier zu veröffentlichen. Ich bastel da aber noch an einer internen Motivation für mich. Hab ja einiges an geschriebenen Artikel-Fragmenten, die ich überarbeiten könnte.
  • Achso: ich nutze nicht mehr Pandoc, sondern exportiere direkt von Emacs ins html-Format. Dadurch sieht die Formatierung der Texte anders aus als zu Beginn. Das ist eine Bastelstelle von mir.

Vielen lieben Dank für das Lesen und - vielleicht - bis demnächst. Ease out!

Fußnoten:

1

Warum es wundervoll ist Fan von dem irischen Sänger van Morrison zu sein? Er macht seit 1964 Musik (der erste Erfolg war der Song "Gloria" von 1964). Er macht Musik länger als die meisten alt sind. Und ich entdecke immer wieder alte Songs von ihm, die wunderbar sind. Wie zB "And The Healing Has Begun". Den Song entdeckte ich erst vor kurzem und immer hast du diese lebensverändernen Momente dabei, Lieder zum ersten Mal hören zu dürfen. Schön! Ja Healing, Heilung. Van Morrison ist ein singender Arzt und lebt heute noch und produziert Songs.

2

Lucky Dube, "Rastas never die".

Autor: mahamind

Created: 2025-04-08 Tue 19:01

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