Freitag, 19. Dezember 2025

30 Tage Meditations-Challenge – Warum es Sinn macht?

Bild: Google Gemini

30-Tage-Challenges haben den Vorteil, andere Lebensperspektiven zu öffnen. Ob es der Dry-January ist, in dem man einfach mal 31 Tage im Januar keinen Alkohol mehr trinkt, um ein Gespür zu bekommen, was sich alles verändern kann? Oder 30 Tage einfach jeden Tag 60 Liegestütze zu machen (Wochenende Pause), um sich selber zu beweisen, dass man mehr kann, als man zur Zeit täglich tut? In jedem Fall wird die Perspektive, die der Mensch den Dingen gegenüber einnimmt, verändert sein. Vielleicht wird die neue Tätigkeit auch zur guten Gewohnheit, die man testet und für praktisch und nützlich befunden hat. Also viele Sachen können positive Dinge bringen. Man muss nur damit anfangen.

Ich wollte das mit täglicher Meditation machen. Genauer mit Atemmeditation, weil ich sonst einfach nicht dazu komme, Atemmeditation regelmäßig zu machen. Warum? Weil mir gesagt worden ist, mache das eine Stunde, jeden Tag. Besser ist 2x täglich für jeweils eine Stunde. Das ist das Mindset. Ich komme damit zeitlich nicht zurecht, und dann erlöscht der gute Vorsatz in mir. Und – ich habe mit vielen Meditierenden in meinem Leben gesprochen: das ist nicht nur bei mir so.

Ich werde in diesem Artikel also (m)einen Mindhack beschreiben, wie man eine tägliche Meditationsroutine in seinem Leben verankern kann. Natürlich mit meinen Gedanken und Erfahrungen dazu. Wer es gerne kurz und knackig mag, der scrolle bitte bis zu dem Abschnitt Genaue Anleitung – Wie es klappen kann. Da ich die Artikel in diesem Blog hauptsächlich für mich schreibe, auch um neue Ideen beim Schreiben zu entdecken, schreibe ich immer gerne assoziativ, was für andere vielleicht langweilig oder als zu sprunghaft empfunden werden kann. Es ist der Stil eines Tagebuchseintrages oder einer langen Geschichte am Lagerfeuer. Heute ist mein Thema, ich finde passend zur Weihnachtszeit: Meditation.

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Warum ich meditiere?

Ich schrieb schon mal darüber, zwar kein guter, aber ein Buddhist zu sein. Anfang der 2000'er nahm mich eine Studienfreundin in das buddhistische Haus in Frohnau bei Berlin mit. Obwohl ich immer skeptisch war. Genauer gesagt, diese Unachtsam machende, fein disperse, völlig rationalisierte, passive Aggressivität in mir hatte, die ich heute bei anderen spüre, wenn es zu diesem Thema kommt. Damals aber, ging ich einfach mal mit, weil ich die Studienfreundin sehr mochte und wir sehr viel miteinander taten. Obwohl wir verschieden waren.

Die Atmosphäre in dem buddhistischen Haus lud dazu ein, sich einfach vor der Buddha-Statue niederzulassen und zu schweigen. Schweigen natürlich. Da meine Studienfreundin meditierte, und ich irgendwie die Zeit nutzen wollte, las ich die Tafel in dem Raum, auf der kurz der 8-gliedrige Weg Buddhas beschrieben worden war.

"Könnte klappen!", dachte ich bei mir.

Von dem Tag an war ich zum ersten Mal Puddig-Vegetarier. Viele Jahre später, auf meiner Weltreise, ließ ich mich von einem buddhistischen Mönch in seinen Glauben initiieren. Es ist ja kein Glauben, sondern etwas, was jeder wissen und erleben kann. Kurz: die tägliche Meditation gehört dazu.

"Wenn du nicht wüßtest, dass es eine Anhaftung ist, kannst du von nun sagen, du bist Buddhist."

Dieser Moment ist immer noch lichtdurchtränkt in meiner Erinnerung sehr intensiv vorhanden. Mit dem unsterblichen Lachen des Mönches, der das zu mir sprach. Es ist zwar kein spektakuläres, aber irgendwie doch ein Erweckungserlebnis gewesen. Und damit kam Meditieren in mein Leben.

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Unterschied Atemmeditation oder Vipassana vs Mantrenmeditation

Es gibt zwei große Arten zu meditieren. Jedesmal nimmt man aber immer einen Ankerpunkt, um seinen Geist zu beruhigen. Einmal seinen eigenen Atem. Das wird dann zur Atemmeditation, die auch Vipassana genannt wird. Vipassana schließt aber später auch andere Meditationsarten mit ein. Und dann gibt es ein Mantra. Das ist eine Silbenfolge, die oft keinen Sinn machen soll. Also ein mysteriöses Wort. Oder man nimmt ein bekanntes Mantra aus dem Hinduismus. Vereinfachend kann ich sagen: Atemmeditation = Buddhismus. Mantrenmeditation = Hinduismus. Mantren wurden übrigens auch im frühen Christentum von den Mönchen praktiziert, um sich im Glauben zu versenken. Der Name ihres Herren "Jesus Christus" zum Beispiel wurde dann ununterbrochen im Geiste wiederholt. Man kann auch damit beginnen das Mantra laut zu wiederholen, also zu sprechen. Dann irgendwann wird es leiser, dann wird es nur noch in Gedanken wiederholt. Das hat nachweisbare positive Effekte auf den menschlichen Geist. Wobei egal ist, welches Mantra verwendet wird. Ich habe ein Mantra als sehr befreiend bei Gedankenkreisen empfunden. Das Internet überflutete mich mit negativen Sachen, innere Zwangsbilder, Gedanken. Es ließ mich nicht so ohne weiteres los. Genau solche Sachen. Da fing ich an Mantren im Geist zu rezitieren und war konzentrierter, energiegeladener und mental positiver als meine Umwelt. Neurobiologisch kann man es so sehen, negative Reiz-Reaktions-Kreisläufe einfach damit abzustellen. Das funktioniert sehr gut. Der äußere Anker sorgt dafür, dass der Geist weniger machen muss. Ich muss manchmal zu viel denken und das ist sehr energieintensiv. Im Grunde ist es so, wie im 5. Gang mit einem schnellen Auto langsam um eine Kurve zu fahren. Meditation hilft dabei runter zu schalten. Mein persönlicher Weg brachte mich dann zur "Transzendentalen Meditation (TM)" von Maharishi. Das ist eine einfache Mantrenmeditation 2x am Tag zu je 20 Minuten. Für den westlichen Menschen vielleicht die beste und einfachste Art zu meditieren. Das Mantra lässt einen tief hinabsinken. Ich vergleiche das immer mit tief in das Universum hinabzusinken. Eine kosmische Dusche zu nehmen. Und dann wieder aufzutauchen. Das ist immer sehr angenehm und ich mache das seit 13 Jahren regelmäßig. Aber es ist eben keine Atemmeditation, die ich mit meiner 30-Tage-Challenge in mein Leben holen will.

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Meditationsretreats

In meinem Leben machte ich ein paar Retreats, um buddhistische Meditation zu praktizieren. Also die besagte Atemmeditation. In diesem Satz ist der schon oben besprochene Widerspruch, Meditation in einem speziellen Retreat praktizieren zu müssen. Also nicht im Alltag. Aber das ist oft so, weil einem gesagt wird, das täglich für ein bis zwei Stunden zu machen. Das wird dann nie zur Gewohnheit. Es gibt verschiedene Anbieter von Meditationsretreats. S.N. Goenka (1924-2013) war einer der bekanntesten. Zu beachten ist, dass Vipassana-Retreats nie Geld kosten dürfen. Buddha hat mit seiner Lehre vor mehr als 2000 Jahren bereits den Open Source Gedanken erfunden. Wenn man es sich bildlich vorstellen will. Die Retreats werden über Spenden finanziert. Und das (fast) in der gesamten Welt. Nur in den USA habe ich gesehen, dass solche Kurse für teures Geld zum Produkt gemacht werden.

In den Retreats wird 8 bis 10 Stunden am Tag meditiert. Niemand spricht. Auch man selber versucht vom inneren Dialog weg zu kommen. Erst dann bemerkte ich, wie viel Energie Denken der gesamten Wahrnehmung entzieht, und es besser ist, weniger zu Denken. Die Welt wird bunter und voller. Das Essen wird über die Kursdauer kontinuierlich weniger. Meist sind das 10 Tage. Am Ende kommt man mit viel weniger Essen aus. Aber der Übergang ist bewusst sehr langsam, um Leiden zu minimieren. Aber man sieht jetzt schon: das ist ziemlich diametral der Weltauffassung, die einem täglich im Alltag begegnet.

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Gefahren der Meditation

Bei langen Retreats mit täglicher Meditation von insgesamt 10 Stunden können alte seelische Verletzungen (Traumas) bewusst und wieder aktiv werden. Traurigsein, schlimme Erinnerungen, Aggressivität und so fort. Ich persönlich denke, so etwas wird zu 100% aufkommen. Ich meine, was macht einer, wenn er stundenlang mit geschlossenen Augen im Yoga-Sitz auf dem Boden sitzt und sich nicht bewegen sollte? Bei mir kam sehr schnell eine ungeheure Aggressivität auf. Bis ich entdeckte, dass ich diese emotionale Qualität als Kind lernen musste. Ich kopierte jetzt das Verhalten. Das war wie ein Geistesblitz. Dann konnte ich freier werden. Wer bin ich wirklich? In der Art sind die Erlebnisse bei solchen Retreats. Also Meditation heißt nicht unbegrenzte Glückseligkeit und positive Erlebnisse. Das wird sicherlich auch passieren. Traumalösung wird aber auch stattfinden müssen. Aber keine Angst jetzt: Bei meiner 30 Tage Challenge werden keine Traumen gelöst werden, dazu ist die Dauer zu gering. Aber es kann eine positive Gewohnheit entstehen, die konstant ausgeführt "lebensverändernd" sein wird. Oder es passiert einfach nichts, was auch genau der Zweck der Meditation ist.

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Meditation ist nicht zweckgerichtet

Auf den allgemeinen Einwand Meditation nütze nichts, erwidere ich ganz gerne:

"Stimmt. Weil sie eben etwas anderes ist, als man wie ein normales Produkt erwerben kann. Meditation ist immer absolut authentisch."

Hier kommt auch westliches Denken mit ins Spiel, in dem alles einen Sinn haben muss. Ich lese gerade ein Buch, in dem man eine meditationsartige Übung machen muss, um den "Namen seines Schutzengels" zu erfahren. Warum man den Namen braucht, oder das nicht auch nur eine Illusion sein kann? Darüber berichtet das Buch nicht. Aber das liegt auch nicht in der Erwartungshaltung eines westlichen, esoterisch orientierten Publikums. Die großen östlichen Meditationsschulen bieten da durchaus mehr. Die Meditation kann "dein Ding" werden. Technisch aber, werden solche Gedanken eben durch den Anker unterbunden. Stellen also einen "Betriebsunfall" dar. Westliche "geführte Meditationen" stellen technisch Gruppenhypnosen dar. Ich meine das technisch, nicht wertend. Aber in der westlichen Meditation muss immer irgendetwas passieren, um sein Klientel zufrieden zu stellen. Die spirituelle Abenteuerlust zu befriedigen. Ich meditiere regelmäßig seit 2012 und muss sagen: das ist nicht das, was man wirklich finden kann. Es stimmt: viele "Geistesblitze" können durch die Meditation zu einem kommen. Auch Zustände wie Samadhi, das große Zusammensein mit allem um dich. Du entdeckst dich selber in dem Ganzen außerhalb dir selber! Ist auch weniger ein spirituelles Phänomen mit Engelhierarchie und CO, sondern eine sehr berechtigte philosophische Frage. Also das Gehirn wird fähiger, komplexe Fragen zu stellen. Aber im Grunde meditiert man, um eine Perspektive außerhalb des geltenden Systems zu erlangen. Also es kann keine Kausalität in ihr geben. Weil das nicht jedem verständlich ist, schreibe ich jetzt noch mal gesondert, über positive Effekte, die ich bei mir beobachtet habe.

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Effekte der Meditation

Das Mantra gegen das unendliche Gedankenkreisen, erwähnte ich bereits. Grübelzwang. Vielleicht auch eine Form der leichten Depression? Da hilft eine meditative Auszeit sehr. In der indischen Philosophie kann man Siddhis durch Meditation erwecken. Das sind "Wunderkräfte". Muss man nicht glauben. Die indische Philosophie sieht solche Effekte auch als Nebenprodukt und sie sollten auf keinen Fall angestrebt werden. Das ist nicht der Zweck der Meditation. Erschafft falsche Erwartungshaltungen und am Ende Enttäuschungen. Im Buddhismus heißt Meditation oft die Konfrontation mit seinem eigenen emotionalen oder gedanklichen Selbst. Weiter fortgeschritten auch die Dekonstruktion dieser Begriffe. Hier kommt die für westliche Menschen oft unangenehme Eigenschaft des Buddhismus das Leben vermeintlich zu verneinen. In Wirklichkeit ist es ein richtiges Erkennen des Lebens. Das ist dann nicht mit dem Glaubenssystem der Person zu vereinbaren. So wie es auch Personen gibt, die niemals in ihrem Leben meditieren würden. Ich denke, das muss so sein. Warum ich jetzt jeden Tag meditiere? Ich habe es selber dabei vergessen. Aber es ist so. – Ich gebe zu, dass ist keine richtige Antwort. Aber muss ich jetzt positive Eigenschaften der Meditation zuschreiben? Ich kaufe nichts. Sage nur, dass es da ist. Immer ständig vor der eigenen Nase. Buddhismus heißt diese Paradoxien für geistreich zu halten. Oder den eigenen Standpunkt regelmäßig zu verändern, um neue Dinge im Leben erkennen zu können. In der Beziehung kann Meditation das Leben bereichern.

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Genaue Anleitung – Wie es klappen kann

Der Mahamind 30-Tage-Kurs bedient sich einfachen Techniken der Gewohnheitsbildung. Es geht darum, es täglich zu machen. Aber es wird nur ein kleiner Zeitraum investiert. Das heißt am Anfang: Ich fange mit einer Minute an. Aufrechter Sitz auf dem Boden, Yogasitz. Hintergrund: Einschlafen unmöglich. Besseres Körpergefühl. Bei Schmerzen beim Meditieren helfen die Gymnastikübungen "Die 5 Tibeter", regelmäßig ausgeführt, sehr gut. Bei Bedarf -> Mudra mit den Fingern. Wirken als Anker sich zu entspannen. Das ist auch schon das Rüstzeug eines Profi-Meditierenden. Steigerung jeden Tag um eine Minute. Steigerung frei wählbar. Augen schließen, beim Atem verweilen. Vorteil: Man kann Bauchatmung trainieren. Parasympathikusaktivierung. Imaginieren, wie der Atem in die Lungen und wieder raus geht. Wo kommt er überall vorbei? Dann mein Trick: ich assoziiere mit dem Zustand absoluter Entspannung. Alles ist gut. So wie es sein sollte. Was jetzt stört diesen Zustand? Geräusche draußen? Gedanken innen? Das Zwacken im Zeh? Bestandsaufnahme und das dann entlassen. Bubbleblasen nach oben entlassen. Es ist nicht wirklich wichtig. Von einer anderen Perspektive als die Alltagsperspektive kann man seine Probleme sich oft erst bewusst machen. Was ist das Problem? Ist es das Problem? -> Dadurch langsame Transformation des Meditierenden.

30 Minuten Meditation am Tag sind 3,5 Stunden Meditation pro Woche -> pro Monat sind das 14 Stunden.

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Dieser Artikel ist auch zu Bildungszwecken in einer Übersetzung auch auf meinem Esperanto Blog zu lesen.

Das Problem an der Matrixgeschichte der Verschwörungstheoretiker ist, einen Versuch aus der Matrix herauskommen zu wollen – ohne Meditation, ohne Achtsamkeit. Hier gibt es viel aus Asien zu lernen.

Ich schlage vor die Meditation als einen Prozess zu sehen, in dem ich beginne die Welt mit neuen Augen sehen. Was hilft? Einmal sich vorzustellen an einem Strandhaus in den Tropen zu stehen. Und einfach eine 30 Tage Challenge im Schatten, auf der Terrasse im warmen Wind zu machen.

Leute, die Leute, die sie kaum kennen, für klinisch wahnsinnig halten. Also die Leute für wahnsinnig halten, die nicht mehr glauben, was in den Nachrichten gezeigt wird.

In einer Zeit zu leben, in der Leute, die immer den Einwand haben, es sei zu wenig Speicherplatz vorhanden, als hoffnungslose Nerds angesehen werden.

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