Wir lebten auf einem sinkenden Schiff. Wir merkten es nur an den kleinen Dingen.
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| Bild: Google Gemini |
autofiktionale Prosa in 8 Teilen.
TW: Suizid, Depression, Verlust.
der morgen kam zu früh. aber es gab diesen einen augenblick davor in dem alles still war. kein wasser. kein licht. nur das gefühl zu treiben. und der gedanke blühte auf ganz zart ganz ohne schuld dass der tod auch eine erlösung sein kann. ein anker der endlich hält. dann schlug das herz weiter und mit ihm die pflicht und der tag begann und das schiff neigte sich wieder ein stück.
das kind saß am tisch. die augen groß. vor ihm der brei. grau. ohne zucker. ich hörte das wasser gegen die wand. leise. geduldig. ich hatte es nicht geschafft. wieder nicht. es gab nur das was da war. und ich sah auf seine hände und wusste dass ich ihm das nicht geben konnte was es liebte. nicht heute. nicht gestern. vielleicht nie wieder.
es aß. ohne zu klagen. und ich sagte ihm dass es das essen lieben sollte. dass es gut sei. dass es kraft gebe. jedes wort eine lüge mit einer zärtlichkeit die ich kaum ertrug. denn auch dieser teller würde bald eine bessere goldene vergangenheit sein. irgendwann würde es zurückblicken und sich sehnen nach dem was noch war. das wasser stieg während wir aßen. keiner sagte es.
und dann diese kalte erkenntnis wie schnell es sich einstellte. wie es lächelte. wie es sich an mich lehnte und sagte dass es okay sei. ein kleines kind auf einem sinkenden schiff. und ich hasste mich für die erleichterung und noch mehr für die liebe.
hätten wir die ps5 gekauft damals. hätten wir sie jetzt verkaufen können. aber wir hatten nur gelebt. und jetzt lebten wir nicht mehr. das deck war längst unter uns. wir merkten es nur an den kleinen dingen.
die medikamente. das asthma. ich streckte sie. ein hub weniger. ein tag mehr. ich nutzte was noch da war. aber ich. ich nahm keine mehr. nicht für mich. und ich war dankbar. dankbar dass ich nichts mehr brauchte.
abends machte ich das licht aus. bevor es zum letzten mal ausging. ich übte das dunkel. ich übte die stille. und das schiff sank weiter. ganz langsam. ganz leise.
aber ich durfte nicht sterben. wegen des kindes. ich musste bleiben. ich musste atmen. und so saß ich da im dunkeln und hörte das wasser. und wie das kind schlief. und wie ich blieb. und blieb. und blieb.
