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| Bild: Google Gemini |
Eine aufrüttelnde Überschrift? Ich hoffe, denn ich schreibe heute einen wichtigen Gedanken über den Zufall auf. Zufall ist zu einem lebensanschaulichen Kampfbegriff geworden. Der Esoteriker: nichts ist Zufall. Der Rationale: alles ist Zufall, was nicht meiner Rationalität folgt. Der Verschwörungstheoretiker: Zufall? Ich schreibe in diesem Artikel über die Verwendung des Konzepts Zufalls im Alltag. Vorweg gesagt: werde ich diesen Begriff für einen unglücklich gewählten halten, und statt dessen lieber "Wahrscheinlichkeiten" verwenden. Denn der Zufallsbegriff ist schlichtweg falsch.
Wir beten den Zufall an, um uns vor unserer eigenen Macht zu fürchten.
Warum ist er falsch? Mir fiel es auf, als ich einen Podcast mit einem Gespräch über Zufall hörte. Es wäre jetzt Zufall, wenn ein Würfel zum Beispiel die Zahl 1 anzeigen würde. Zufall, wie wird das Wort hier gebraucht? Es ist sicher nicht Zufall, wenn die Zahl eins gewürfelt werden sollte. Denn das Ergebnis ist in der Konstruktion des Würfels enthalten. Richtig: die Wahrscheinlichkeit ist etwa ein wenig kleiner als 1/6. Also wenn ich den Würfel werfe, ist das auch ein bewusster Akt. Der eine Wahrscheinlichkeit manifestiert. Fiele der Würfel beim Werfen vom Tisch, könnte man das als Zufall sehen. Diese Wahrscheinlichkeit läge aber in der Konstruktion eines Tisches. Das könnte ein gewissenhafter Denker vorher berücksichtigen. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit eine 1 zu werden ein wenig kleiner als 1/6.
Das Gegenteil von Zufall ist nicht Determinismus. Das Gegenteil von Zufall ist Bewusstsein.
Warum ist das überhaupt wichtig? Weil es viele Leute gibt, die in solchen Wahrscheinlichkeiten stecken und dann das Realisieren einer solchen als Zufall abtun. Das kann
a) Ignoranz gegenüber dem Leben ausdrücken. ICh gehe jeden Tag über eine vielbefahrene Straße und eines Tages hatte ich zufällig einen Autounfall. Nein, kein Zufall. Zufall wird ähnlich mit Wörtern gebildet wie Unfall? Kein Zufall. Besser wäre es gewesen Restrisiken ernstzunehmen und die Fußgängerampel zu nehmen. Es passiert mir oft, dass solche Geschehnisse als Zufall abgestempelt werden, -> kein persönliches Entwicklungspotential wird wahrgenommen. Die Vorstellung eines Zufalls ist deterministisch und macht Menschen passiv.
b) Das andere Extrem sein: der Schwarmgeist: Zufall wird zum Schicksal. Es war gewiss kein Zufall heute die Tarotkarte XY gezogen zu haben. Das kann ich zum Reflektieren benutzen oder auch um mich passiv Ahnungen oder Befürchtungen hinzugeben. Denn was sind das für Tage, an denen der Teufel gezogen würde?
Beide extreme Ansichten, die ich aus didaktischen Gründen erwähne. Richtiger scheint es mir zu sein, anzuerkennen, dass wir häufig in Wahrscheinlichkeitsmodellen stecken und sie einfach dadurch akzeptieren, dass wir in die Existenz eines Zufalls glauben. Wann kann annehmen, dass Bomben zufällig auf den Dächern landen, weil Krieg ist. Oder ein anderer wird zufällig auf einer Straße überfahren, weil da eben Straßen sind. Wenn ich jetzt zu dem Punkt komme: das waren bestimmt keine Zufälle, sondern Ergebnisse meiner und auch fremder Handlungen. Willkommen in der Realität. Man sieht, andere Beziehung zur Realität. Massenmedial geprägte Menschen lässt man infantil an Zufälle glauben. Zufall das ein neues Produkt nach ein paar Tagen kaputt gegangen ist. -> Kaufe teurere Produkte und komme nicht dazu zu hinterfragen, warum Produkte produziert werden, die nicht funktionieren können.
Ja der Zufall ist ein Glaube, des Menschen, der Dinge nicht bis zu ihren Ende denken mag. Ehrlicherweise: es gibt auch oft kein Ende von Kausalitätsketten. Das ist das Beeindruckende. Der Mensch musste den Zufall schaffen, um juristisch stabile Systeme zu schaffen. Ich schädigte einen Menschen im Straßenverkehr. OK Strafe muss sein, aber ich tat es nicht absichtlich. Hatte einen schlechten Tag. Damit lebt man besser, als der Einsicht, dass man mit der Bereitschaft ein Auto zu fahren, den Schaden anderer und sich selbst billigend in Kauf gezogen hat. Als Wahrscheinlichkeit. Juristisch brauchen wir den Zufall, um die Illusion aufrechtzuerhalten, dass unsere Risiken ohne unsere Zustimmung geschehen.
Jetzt geht es nicht darum, die Gesellschaft mit ihren illusionären Vereinfachungen in Form des Zufallsglauben zu verdammen. Bashing nein Danke. Aber das traurige ist doch, dass durch solche Gedanken die persönliche Entwicklung des Menschen selber gehemmt wird. Macht sich einer die langen Kausalitätsketten erst einmal klar: Unser Würfel wurde schon von den Römern genutzt. Also sie legten den ersten Grund auch diesen Artikels. Oder gab es schon Würfel vor der Römerzeit? Ja in der Geometrie ist der Würfel seit "Anbeginn der Zeit" kodiert. Jetzt wird es mega: kann auch ein Würfel ohne Zeit existieren? Raum braucht er? Aber brauchen Ideen Raum? Sie wollen Raum. - Das mag jetzt ein "verschrobenes" Denken eines Außenseiters sein. Aber es macht glücklich und vorsichtig die Straße zu überqueren. Und es öffnet den gedanklichen Raum wegen der Unendlichkeit der Kausalitätskette der Unendlichkeit selber. Der Schöpfer küsst dich in diesem Moment gedanklich. Es ist Meditation. - Das Denken stößt hier an die Grenze des rational Beweisbaren und wird zur philosophischen Glaubensfrage. Aber der Standpunkt, den ein jeder einnimmt, wird ein bewusster Standpunkt sein, kein unbewusster mehr. Denken wird zu Bewußtsein.
Die unendliche Kausalkette ist der längste Pfad zur Freiheit. Wer ihn zu Ende denkt, findet sich selbst als ihr Anfang wieder.
Tarot: kein Zufall. Ein System mit 78 Wahrscheinlichkeiten, die das Leben sehr komplett abdecken können. Man beschäftigt sich mit anderen Wahrscheinlichkeiten eines Systems (die Frage) und baut sich dadurch ein stabileres Leben. Man wird ruhiger. Der Teufel gehört dazu. Aber kann auch der Teufel nicht nur nach festen Regeln sich entfalten? Der Teufel steht jetzt für das Schlechte, was wir selbst als nichtidentisch mit uns selbst wahrnehmen wollen. Hier die Regeln zu wissen, ist ein großer Vorteil.
Der Zufall ist tot. Es lebe die gestaltbare Wahrscheinlichkeit.
Willkommen in der Realität – einer Welt, die nicht von blindem Zufall regiert wird, sondern von erkennbaren Mustern und beeinflussbaren Möglichkeiten. Was wir Zufall nennen, ist oft nur die Summe aller unerkannten Variablen. Wenn wir beginnen, Wahrscheinlichkeiten zu verstehen statt uns mit Zufällen zu begnügen, gewinnen wir nicht nur Erkenntnis, sondern auch Handlungsmacht zurück.
Die Schönheit dieses Ansatzes liegt in seiner aktivierenden Kraft: Plötzlich wird das Leben zu einem Feld voller bewusster Wahlmöglichkeiten. Tarot wird dabei zum Trainingsgelände – ein Spiegel, der uns die Wahrscheinlichkeiten zeigt, die in uns und unseren Situationen schlummern. Es geht nicht um Vorhersage, sondern um Vorbereitung. Nicht um Schicksal, sondern um Bewusstsein.
Fazit: Vielleicht ist die größte Illusion nicht der Zufall, sondern die Annahme, wir könnten nicht mit den Kräften des Lebens in Dialog treten. Die Wirklichkeit wartet darauf, von uns nicht erlitten, sondern gestaltet zu werden.

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