Stell dir einen Typen vor, der dir alleine so eine Geschichte in einem Zelt bei Regen auf einem Campingplatz erzählt. Der Regen prasselt sanft auf das Zelt. Alles wartet, bis der Regen zuende ist. Dann fängt er an zu reden:
Die Psychotricks der Supermärkte
Ich lebe nach den Leitideen eines postdigitalen Zeitalters. Das bedeutet: digitale Wege zur Problemlösung werden nicht grundsätzlich abgelehnt, aber eine digitale Reduzierung des Wesentlichen wird verweigert. Natürlich hängt diese neue Welteinstellung mit vielem mehr zusammen, wie zB einer kritischen Einstellung gegenüber dem Konsum.
Es gibt eine Unterteilung der Welt in Gebieten ohne und mit Supermärkten. Lokale Märkte und eine autarke Lokalwirtschaft finden sich in Gebieten ohne Supermärkten. Während Supermarktgebiete zu einer Monopolisierung des Marktes neigen. In Supermärkten gibt es - neben anderen ungesunden Artikeln - auf Alkohol. Mal drauf achten. Kauft man in Alkoholgeschäften Alkohol, ist das schon so ein Drogen-Dealer-Gefühl. Im Supermarkt aber nicht. Es ist sehr alltäglich geworden. Oft ist das so. Eine Werteverschiebung passiert. Andersherum können Waren auch gesetzlich leichter verboten werden. Durch die Supermarktökonomie kann man in den Inventuren und Geschäftsbüchern schnell fündig werden, was wie und an wen verkauft worden ist.
In Lokalmärkten hat jede Ware einen eigenen Händler. Man handelt da direkt mit dem Chef, der Experte in seinem Gebiet ist. Wie war die Bananenseason im Westen des Landes? Jetzt vergleiche mit durchschnittlichen Gesprächen mit Supermarktangestellten: Gewöhnlich finden keine Gespräche mit Supermarktangestellten statt. Supermarktangestellte jetzt nicht prinzipiell als dümmer sehen. Sie stehen aber in der Warenkette nur eine Position vor dem Kunden. Das bedeutet -> Kauf - zahl den Preis - oder lass es sein.
Als ich die USA besuchte, war ich erstaunt, wie sehr die Menschen, von marktwirtschaftlichen Selbstverständlichkeiten überfordert waren. Gibt es Skonto? Ich zahle dann 180% - für 2 Nächte. Da schauen einem im gelobten Land der anscheinend freien Marktwirtschaft große Augen an. Genau das war auch das Land, in dem mich am Ende meiner Reise zwei Militärangestellte in einem Hostel nach meiner Gesinnung ausfragten. Backpacker mit Karl Marx Bart? Ich war doch wohl kein Kommunist? Als Sohn aus einer Kaufsmannfamilie beschämte mich die Geisteskultur in diesem Land nur noch.
Pauschal ist es nicht nur eine allgegenwärtige Kommerzialisierung (nur im Park kann man ausnahmsweise konstenlos Zeit verbringen), sondern es folgt eine konsequente Monopolisierung. Mit hohen Preisen. In den Supermärkten, wie viel teuerer war dort das Obst? Die Gerüche und Farben waren im Supermarkt - unnatürlich - schön. Wie lange muss einer dafür arbeiten?
In den Philippinen bettelten die Kinder für einen "Burger". Der kostete einen Tageslohn. Lokal angebautes Obst war erschwinglich. Sicher schleifen sich Sachen wie "für einen Burger zu betteln" ein, weil sie näher an der Erfahrungswelt der Touristen liegen. Aber genau das war auch der Ort, an dem mich der Vater eines Kindes, das mich nur anlächelte, wie ein normales Kind, und nicht anbettelte… Der Vater fragte mich, ob ich seine Tochter nicht für ein paar Stunden mieten wolle. Die Philippinen sind nicht nur ein Militärstützpunkt für die USA, sondern auch als ehemalige Kolonie eine geistige Müllkippe der westlichen Zivilisation. Kritik nicht pauschal nehmen. Überall gibt es auch vernünftige Leute. Aber wo zuviel US drin steckt im Kopf, entwickeln sich zwangsläufig gewisse gesellschaftliche Phänomene. Zum Beispiel, dass ganze Familien auf der Straße leben. Gewinner in die Villa, Verlierer sehen zu, wo sie bleiben. Wenn du als Rucksacktourist dadurch gefahren bist, dann hast du es so erlebt.
Das ganze Phänomen lasse ich in diesem Bericht im Bild des Supermarktes konfluieren. Es gibt zwei unterschiedliche Entwicklungsstufen einer Gemeinschaft. Treten Supermärkte auf, befindest du dich in der "zivilisierten Welt" oder in einem Übergangsstadium zu dieser. Ohne Supermärkte findest du vitale, lokale Märkte vor. Da wird gefeilscht, Kontakte geknüpft und das Obst ist billig und riecht wirklich besser als in Supermärkten, die zwar auf optische Reize setzten, dadurch aber Kunden zu Hechten reduzieren, die man mit bunten Blinkern und billigen Aromen fängt. Die alten Märkte sind auch genau das nostalgische Bild, das noch oft in den Köpfen in den zivilisierten Ländern umher schwirrt. Irgendetwas namenloses passierte aber. Deshalb der Bericht und meine postdigitale Erweckung.
Sicherlich kann man nicht einfach Entwicklungen zurückdrehen. Aber als Fehler benennen. Die Supermarktökonomie spitzt sich jetzt in einer digitalen Markt-Ökonomie zu. Oft nicht beachtet: du bezahlst hier nicht nur für die Waren, sondern auch mit deinen Kundendaten. Eine völlig neue Dimension. Der Warenmarkt wird durch den Datenmarkt nochmals kommerzialisiert. Also selbst der Kunde wird in diesem System zur Ware, die datentechnisch ausgeschlachtet wird. Schon krass. Wenn die lokale Konkurrenz der Supermärkte am Boden liegt, dann steigen auch die Preise. Ganz gewiss. Wir werden das bei "digitalem Geld" sehen. Anbieter starten mit günstigen Angeboten. Fehlt aber die Konkurrenz, dann werden die Transaktionsgebühren happig. Und Transaktionen können auch abgelehnt werden. Wenn zum Beispiel einer als "Konsumterrorist" zu häufig in alternativen Läden kauft. Das ist doch verdächtig! Hier pointierte Zuspitzung, um das Grundproblem zu veranschaulichen. Aber der Gedanke für den Gebrauch einer Währung eine Erlaubnis zu brauchen und auch für den Geldfluss zu bezahlen ist zutiefst unnatürlich oder stellt die Frage: wer profitiert eigentlich davon? Also im großen und ganze staatliche Strukturen, Bankenwesen und diverse andere. Also es gibt keinen Deal mehr zwischen Verkäufer und Käufer. Der klassische Handschlag. Das wäre eine natürliche Annahme. Und es klappt so in Entwicklungsländern.
Das sind Entwicklungen, mit denen ich mich zur Zeit beschäftige. Weil es wichtig ist, in solche Abhängigkeiten nicht blind hinein zu stolpern. Aber es ist nicht Stolpern, sondern Gemütlichkeit. Zahle einfach mit deinem guten Namen. Die Mehrheit, will friedlich ihre Waren über das Kassenband bringen und einfach nur nach Hause. Als Spielverderber kann man natürlich noch die Zutatenlisten auf ihren Produkten ins Spiel bringen. Ist das wirklich gesund, oder verstehen wir es zur Zeit noch nicht, was diese Namen bedeuten?
Das nenne ich die Dystopie, die vielen bevorsteht. Ich bin weiter und steige aus, bevor sie beginnen konnte. Das Austeigen ist jetzt kein permanenter Zustand, sondern etwas, wohin man sich entwickeln kann. Sich bewusst sein, sich seine eigene kleine Welt zu erschaffen. Die innere Freiheit zu entwickeln, ist wie einen Muskel zu trainieren, der sich langsam durch Wiederanstrengung immer deutlicher bildet.
Checkliste:
Bargeld +
Kleine Händler bevorzugen +
Gibt es noch einen richtigen Markt in der Umgebung? +
Im Supermarkt die Zutatenlisten lesen lernen -> den Dreck nicht mehr kaufen. Nicht wegen dem Produktbild. +
Smartphone? -> Dumbphone, aber auch: warum immer Telefon tragen? -> Steigerung: telefonfrei +
Analoges Notizbuch +
Sich nicht Zeugs verkaufen lassen, nur weil "Bio" draufsteht +
Das sind Ansätze, die jeder intensivieren kann. Immer sich fragen, wer profitiert von meinem Verhalten und dann die unsichtbaren Lügen durchschauen lernen. Die Ernährung wird gesünder. Die Informationen für den Kopf konstruktiver und das Leben besser als es uns die "Einflüsterer" mittels Werbeagenturen einreden wollen.
Zusammenfassung: Supermärkte brauchen langsame Adaption, um Kunden an sich zu gewöhnen. Zuerst ist das gar nicht so klar, warum die Leute da kaufen sollen. Supermärkte erzeugen deshalb eine exklusive Atmosphäre, exklusiveres Angebot, Musik, Verkaufstricks -> jedoch höhere Preise. Der analoge Lebemann durchschaut das.
.. Rauschen, Prasseln auf der Zeltplane.

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